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Die Welt · 1901-04-12 · 15 (12.4.1901) · p. 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
15 (12.4.1901)
Article
Auszug aus zwei Briefen von Sir Moses Montefiore an Dr. Lewi Loewe
Date
1901-04-12
Page
9 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 15 „Die & Weit" Seite 9 Auszug aus zwei Briefen von Sir Moses Montefiore an Dr. Lewis Loewe. L East cliff Lodge, Ramsgate, den 3. December 5607/1846. Lieber Doctor! Obschon ich weiss, dass Sie genügend auswärtige Zeitungen haben, mit denen Sie. sich Samstag-Abeud amüsieren können, glaube ich doch, dass das beifolgende Schreiben des Herrn Behrens Sie interessieren wird. Ich möchte dem Herrn eine höfliche Antwort geben, aber heute noch kein Urtheil über sein Project fällen. Für meinen Theil bleibe ich dabei, dass die einzige Emigration, die ich sehen oder unterstützen möchte, diejenige nach dem Heiligen Lande ist. Von Lord Palmerston habe ich noch keine Nachrichten. Mit den besten Griissen Ihr ergebenster (gez.) Moses Montefiore. * II. East cliff Lodge, Ramsgate, den 13. Februar 1884. Lieber Doctor! Ich wünschte, Sie könnten zwei oder drei Tage mit mir in East cliff verbringen, um den Brief an den Grafen K i s s i l e f f zu Ende zuführen. Vielleicht kommt Frau Doctor mit Ihnen nächsten Donnerstag. Ich bin der festen Uebejzeugimg, dass ich, wenn ich nach Constantinopel reisen möchte, von der türkischen Regierung einige Privilegien für die Juden in Syrien erreichen könnte, und zwar für die Ausbauung des Landes, mit Garantien, so wie sie mir offeriert wurden von Muhamed Ali, und ich möchte einige ernste Worte mit Ihnen über diesen hochwichtigen Gegenstand sprechen. Ich hoffe, dass Sie' mit der Majorität im Parlamente vorigen Freitag sich gefreut haben. Die Reden waren sehr liberal, und Sir Robert Peel hat, wie ich glaube, unseren armen Glaubensgenossen in Palästina und Syrien dadurch sehr viel Gutes gethan, dass er in so freundlicher Weise meine wenigen Dienste zu ihren Gunsten erwähnt hat. Mit den besten Grüssen an Sie und Frau Doctor bin ich Ihr ergebenster (gez.) Moses Montefiore. Deutsche Chronik. Zionistischer Delegiertentag in Berlin. Am 14. April wird, wie uns das Gentral- Gomite der Zionistischen Vereinigung für Deutschland mittheilt, d e r Delegiertentag der Zionisten Deutschlands inBerlin zu einer zweitägigen Sitzung zusammentreten. Die Tagesordnung lautet: 1. Bericht des Vorsitzenden Rechtsanwalt Dr. Bodenheimer. 2. Bericht des Gassiers Herrn Gustav Wolff. 3. Referat über Organisation und Propaganda. Herr Dr. Alfred K 1 e e. 4. Besprechung des projectiei'ten Judentages. Referent: Herr Dr. Friede m a n n (Berlin). Gorreferent: Herr Dr. Regensburger (Mannheim). 5. Jüdische Colonialbank. Herr D. Wolffsohn (Köln). 6. Anträge und Resolutionen. * Vereine für jüdische Geschichte und Literatur. Im Winterhalbjahre 1899/1900 hielten zionistische Vorträge in Barmen: Dr. Ed elstein (Bonn): Zwecke und Ziele des Zionismus. B eu t h e n : Disponent Heinrich K o p 1 o w i t z : Zionismus. Bonn: Rabbiner Dr. R ü 1 f: Was wir sollen und wollen. Kitzingen: Lehrer Mannheim (Dettelbach): Die jüdischen Colonien in Palästina. Krotoschin: Hugo Schachtel (Breslau): Moderne Strömungen im Judenthum. München: Dr. L. Holländer: Ueber Zionismus. Trier: A. Loob: Zionismus. Breslau. Der hiesige „Verein für jüdische Geschichte u n d L i t e r a t u r" veranstaltete im grossen Saale der Lessing-Loge einen Vortragsabend. Der bekannte Reeitator Herr Marcel Salzer (Wien) trug die prächtige Novelle „M aski r" unseres Gesinnungsgenossen Y o r k- Steiner, sowie eine Humoreske im Jargon vor. Beide Darbietungen fanden lebhaften Beifall. — Wir constatieren freudig, dass obiger Verein neuerdings auch zionistische Li teratur schätzt und pflegt. Englische Chronik. Eine Resolution gegen die loa. Mr. Herbert ßentwich sprach jüngst in einer Massenversammlung aller zionistischen Vereine zu Manchester über das Verhaltenderica gegenüber den jüdischen Colonisten und Arbeitern in Palästina: „Alle Fragen, die uns Zionisten jetzt beschäftigen/ so begann er, „sind geringfügig im Vergleiche mit jener grossen Frage, die jetzt actueü geworden ist, der Frage der jüdischen Colonien in Palästina. Es is-t ein gewaltiger Gegensatz, der sich da zwischen uns Zionisten und den antinationalen Parteien herausgebildet hat. Wären diese Assimilanten Patrioten, würden sie nicht allein an ihr Mutterland England, sondern auch an ihr Vaterland Israel denken. Es gibt einen höheren Patriotismus als jenen, welcher die Interessen des Menschen auf seinen Geburtsort beschränkt Die da kämpften für die Gleichheit in England, thaten es nicht bloss für sich selbst, sondern weil es eine Gewissensfrage war und weil dieser Kampf Freiheit bedeutete für alle Juden. Diese Männer beabsichtigten nicht, sich von ihrem Volke zu trennen, sondern einen Charter zu erhalten für ihr Volk. Wer Geschichte liest, weiss, dass der Zionismus nicht erst vor einigen Jahren entdeckt wurde. Sir Moses Montefior e, der vor 60 Jahren mit demselben Gedanken wie Dr. Herz l nach Palästina gieng, war der erste politische Zionist. Er trachtete, von der Umgebung des Sultans ein Zugeständnis auf 50 Jahre zu erhalten*), dann eine Gesell- *) Vgl. die an anderer Stelle mitgetheilten Briefe Montefiores.

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