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Die Welt · 1901-03-29 · 13 (29.3.1901) · p. 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
13 (29.3.1901)
Article
Köln
Date
1901-03-29
Page
10 (sequence 2)
Language
German
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Seite 10 „Die Welt" Nr.-13 Zionismus, der seit den vier Jahren seines offiziellen Bestehens sich im Fluge die ganze Welt eroberte, €k)rt wu>zel^%o die Masse der Judenheit wohnt, im Osten'Ewrojmspdört wo die jüdischen Existenzen nicht leben, sondern nur schrecklich dahinvegetieren, wo sie fast noch im Ghetto wohnen. Trotz Noth und Elend hält man dort am Judenthum fest, und begeistert stehen die'Massen ein für den Zionismus. Wir wissen, dass es im westlichen Europa nicht so ist, hier, wo sich doch sonst Juden an allen öffentlichen und politischen Bewegungen betheiligen, hier bleiben grosse Massen noch dem Zionismus fern! Was sind die Gründe? Redner glaubt, darauf in vollster Unparteilichkeit antworten zu können, dass die Schuld nicht an unserer Bewegung liegt. Zwischen Zionismus und westeuropäischer Cultur bestehe kein innerer Widerspruch. Redner weist an der Hand der Geschichte nach, dass der Gedanke der menschlichen Solidarität, wie ihn namentlich die französische Revolution so schön formuliert hat, das eigentliche westeuropäische Culturideal, wie das Ideal einer jeden wahren Cultur überhaupt sei. Der Untergrund dieses Ideals ist ein reges Pflichtgefühl und ein ausgebildeter Gemeinsinn. Dieses Pflichtgefühl und diesen Gemeinsinn zu wecken, ist das Bestreben des Zionismus. Denn die westeuropäischen Juden haben Pflichten gegen ihre Volksgenossen im Osten, die in Heimat- und Rechtlosigkeit dahinschmachten. Der Zionismus will für diese heimat- und rechtlosen Juden eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte in Palästina schaffen, zu Nutz und Frommen der ganzen Menschheit, getreu den Idealen der Cultur, dem Gedanken der allgemein menschlichen und der stammesthümlichen Solidarität.—Vorsitzender Dr. Bodenheim er dankte dem Redner für seinen trefflichen Vortrag, und nicht weniger interessant als der Vortrag entwickelte sich die Discussion, in der u. a. Dr. Klee, D. Wolffsohn, A.Wert her und noch viele andere das Wort ergriffen. Einige Anfragen und Ausführungen anwesender Gegner gaben Anlass zu trefflichen Entgegnungen. Die Versammlung wurde um 12 Uhr geschlossen, lieber 50 neue Mitglieder meldeten sich infolge des Vortrages an. Göthen (Anhalt). Seit ungefähr Jahresfrist besteht hier unter der jüdischen akademischen Jugend ein zionistischer Verein. Der Verein führt den Namen „Kadimah", und seine Mitgliederzahl ist im steten Wachsen begriffen. Mit grosser Befriedigung können wir auf die Thätigkeit des Vereines im Laufe des verflossenen Winter-Semesters zurückblicken Es wurde eine ganze^ Reihe von Referaten abgehalten, Besonders hervorzuheben ist das bei grosser Betheiligung von Studierenden verschiedener Nationalitäten und Glaubensbekenntnisse und sehr lebhafter Discussion abgehaltene Referat des Herrn stud. L. Jaffe über „Das Wesen des Zionismus". Redner errang durch die eingehendste Behandlung der Judenfrage und des Zionismus, sowie "durch die überaus gelungenen und treffenden Erwiderungen auf „die Angriffe der Gegner, einen solchen Erfolg, dass.sich gleich darauf mehrere neue Mitglieder unserem Vereine anschlössen und dass fast alle Anwesenden dem Ziönimus seine volle Daseinsberechtigung zuerkennen 'mussten. Ferner seien noch erwähnt die, Referate: ^Die Lage der Juden an der Schwelle des XX, Jahrhanderts* und., „Die Bedeutung der Schule in Jaffa* von Herrn stud. L. Jaffe, sowie die Referate des Herrn stud. techn. A. G url a h d : „Das Verhalten der jüdischen Socialisten gegenüber dem Zionismus" und „Internationale Congresse"; Benjamin: „lieber die Gleichberechtigung der Juden im Anschluss an die Artikelserie von Dr. Max Nordau" und Lewin: „Die Makkabäer", welche sämmtlich mit grossem Beifaii aufgenommen wurden. Dass bei alldem die Thätigkeit des Vereins nur innerhalb der russischen Studierenden Ei folg halt*, ist durch den Umstand zu erklären-, dass die meisten Reden und Verhandlungen in russischer Sprache geführt werden. Es wäre daher sehr wünschenswert, wenn der vom Verein gefasste Beschluss, Herrn M o zk in aus Berlin zu einem Referate einzuladen, wozu auch die jüdischen Borger eingeladen werden sollten, ehestens ausgeführt würde Arn 13. d. M. fand bei der letzten geschäftlichen Sitzung des Vereins die Neuwahl für das kommende Semester statt. Gewählt wurden A, Guriantl, stud. techn. zum Vorsitzenden; B. K ar t z i n e 1, cand. ing., ,zum Schriftführer; Salgaler, stud. techn., zum Cassawart, Trojanowski, cand. ing., undLewin, cand. ing., zu Bibliothekaren. Es sei noch erwähnt, dass die Gründung einer Bibliothek beschlossen und mit der Eröffnung bereits begonnen wurde. Leider dürfte sie sich jedoch kaum so gestalten, wie wir es gewünscht hätten, da wir nur über knappe Mittel verfügen. Wir würden daher Spenden von Büchern zionistischen Inhalts mit grösstem Danke entgegennehmen. — Am 23. d. M. feiert unser Verein den Semester-Abschluss, verbunden mit der Feier der offiziellen Genehmigung durch die akademische Behörde. Hoffen wir auf ein weiteres Gedeihen 'unseres Vereines. B. K—\. cand..ing. Rosa Möllmann. Eine erschütternde Kunde kommt uns zu. Frl. Rosa Kollmann, die- Vice-- r . präsidentin der „Moria", die hochbegabte, unermüdliche Zionistin, ist Mittwoch früh in jungen Jahren einem Herzschlage erlegen. Sonntag und Montag war sie noch mit uns in Olmütz. Noch sehen wir sie vor uns, das liebreizende Mädchen, das nur für den Zionismus zu leben schien, noch hören wir ihre wundervolle Stimme, die sich in die Ohren und Herzen der Hörer schmeichelte. Die Delegierten, die von ihrem Wesen, ihrer Arbeitslust, ihrem Ernste, ihrer Begabung entzückt waren, die ihr in Olmütz zujubelten, werden das schreckliche Unglück, das uns die ganze Freude über den Erfolg der Ölmützer Zusammenkunft trübt, nicht fassen können. Ihre ganze Kraft, ihre Rednergäbe, ihr poetisches Talent,.', jede Regung ihres Herzens weihte sie dem Zions-Gedanken. In der „Moria", ip der Toynbee- Halle, wo immer sie für den Zionismus wirken konnte, hat sie unermüdlich für ihr, für unser Ideal gearbeitet, trotzdem ihre Gesundheit sich immer mehr schwächte. Voll Heiterkeit und glücklicher Zufriedenheit kehrte sie aus Olmütz zurück, glücklich über? unsere undihre Erfolge. Wie ihr ganzes junges Leben, so galt auch ihre letzte Unterredung dem Zionismus. In der Nacht darauf starb sie, die beste, edelste Jüdin, mit einem L}*T)>£n *J?ÖtP \ auf den Lippen. Wir werden sie nie vergessen können. £ ar?

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