Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 13 (29.3.1901)
- Article
- Die Verhandlungen des ersten österreichischen Zionistentages
- Date
- 1901-03-29
- Page
- 3 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 13 „Die & Welt" Seite 3 .. .. Ich habe noch zun^e«^chlr«rfc'-^J4'etztes zu sagen. Wie .es für uns von Nachtn&ßwar/ dass wir die Arbeit der Organisation und Vorbereitung bisher nicht genügend leisteten, so verhängnisvoll könnte es werden, wollte man das jüdische Volk nur unterwegs finden; jenes unentbohr^5■>'<'< liehe Zwischenglied, das den Mittler zwischen Golus und^ Palästina bildet, darf nie eine andere Rolle spielen, als diese Mittlerrolle. Aus dem Mittel einen Selbstzweck zb statuieren, wäre Thorheit. Ist der Zionismus ohne Betreibung einer jüdischen Volkspolitik undenkbar, so ist diese jüdische V'olkspolitik eine Thorheit, wenn si3 nicht in den Zionismus ausläuft. Nie dürfen wir uns über die Bedeutung unserer gegenwärtigen Arbeit täuschen, wir dürfen sie nicht vernachlässigen, wie es bisher geschehen, noch aber sie jn überschätzen, vor allem aber nie ihren Zusammenhang ni t den Prämissen und dem Schlusssatze des Zionismus lösen . ♦ .* Im weiteren Inhalte seiner Rede beschäftigte sich der Referent mit der Behandlung der Fragen der körperlichen, geistigen und wirtschaftlichen Hebung der Juden, und betonte unter anderem die Nothwendigkeit der Einsetzung von Commissionen, die, vom Congresse eingesetzt, eventuell gegen Entlohnung, sich mit dt*m Studium jüdisch-volkswirtschaftlicher Fragen befassen und den Landes-Comites da* theoretische Material für praktische Arbeiten liefern sollten. Der Congress selbst sollte nur durch programmatische Festlegungen die Entfaltung einer socialpolitischen Thätigkeit in allen Ländern anbahnen. Auf die österreichischen Verhältnisse übergehend, schlägt Referent eine Reihe von Institutionen vor, deren Begründung sofort in Angriff genommen werden könne. Redner spricht sodann über das Verhältnis der Zionisten zu Fragen der Politik. Auch hier macht der Referent eine Vorbereitung und Erziehung der Volksmassen zur Vorbedingung für einen politischen Erfolg. Endlich kommt Redner auf jüdische Katastrophen (wie beispielsweise die rumänische) zu sprechen und verlangt auch hier, in Consequenz seiner früheren Ausführungen, dass die Zionisten bei Katastrophen möglichst ttvrkthätig eingreifen . . . . . (Wir verzichten in Bezug auf diesen Theil des Referates auf eine eingehendere Inhaltsangabe, da diese Rede ohnehin in Druck erscheinen wird,) Redner 5-chliesst mit dem Wunsche, dass nun, wo sich die österreichischen Zionisten über die Wege, die sie zu gehen haben, klar seien, durch unermüdliche Zusammenat beit aller der "Zionismus in Oesterreich mächtig und gross weiden möge. (Langanhaltender Beifall.) An der Debatte zu Punkt „Programm" beiheiligten sich Dr. W ass ermann, Dr. M e n c z e 1, Bernard T a g, Pau\ B r a f f, Rczek, Reich, Gross, H i c k 1 und der Referent. Sämintliche Redner erklärten sich mit'den Ausführungen des Redners in prineipieller Hinsicht vollkommen einverstanden. Dr. VV a s s.e r m a n nä bezeichnete es als einen Uebelstand der letzten Jahre, dass man das Verantwortlichkeitsgefühl der zionistischen Anhängerschaft dadurch geschmälert habe, dass die Leitung die Agenden und die Verantwortlichkeit, ganz auf sich nahm. Durch eine selbständige Thätigkeit der Landesorganisationen werde das Verantwortlichkeitsgefuhl und damit die Thatkraft und Begeisterung wachsen, Dr. Menczel bezeichnet es als Pflicht jedes Gesinnungsgenossen, sich nicht auf Kritik allein zu beschränken, sondern jeder müsse selbst nach seiner ganzen Kraft mitarbeiten. Sehr eifrig wurden die einzelnen Punkte der Specialdebatte berathen. An der Discussion beseitigten sieh mit Vorschlägen und Ergänzungen die obengenannten Herren. Die Ausführungen des Delegierten Rezek (Prag) über die umfangreiche und* wertvolle Thäiigkeit der Prager jüdischen Spar- und Vorschusscassen wurden mitstürmischem Beifalle autgenommen. Nachdem noch einzelne Redner über die Erfahrungen in ihren Bezirken gesprochen, würden die n achst ehend en Programm-Vo rsch läge des Referenten Berthold F e i w e 1 miteinigen .Ergänzungen zu II e i n s t i m m i g angenommen. Programm, i. 1. D ieö s t e r r e i c h i s c h e n Zionisten stehen vollinhaltlich a uf dem Boden des Baseler Pro grammes: tDer, Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer; öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. < Zur Erreichung dieses Zieles nimmt der Congress folgende Mittel in Aussicht; 1. Die zweckdienliche Förderung derBesiedlungPalästinas mit jüdischen Ackerbauern, Handwerkern und Gewerbetreibenden; äjiej j&liedjeiTung und Zusammenfassung der gesammten « Judenschaft durch geeignete örtliche und allgemeine Veranstaltungen nach den Landesgesetzen; 3. die Stärkung des jüdischen Volksgefühles und Volksbewusstseins; 4. vorbereitende Schritte zur Erlangung der Regierungszustimmungen, die nöthig sind, um das Ziel des Zionismus zu erreichen.a Die Österreichischen Zionisten verlangen von jedem Mitgliede eines zionistischen Vereines die unbedingte Anerkennung, beziehungsweise - Vertretung dieses Programme?. 2. In Erwägung, dass der Realisierung der Punkte t, 2 und 3 des obigen Programmes eine Schulung, Vorbereitung und Organisation der jüdischen Volksmassen vorangehen muss, in weiterer Erwägung, dass es die Pflicht der Zionisten als Führer des jüdischen Volkes ist, bis zur Etablierung eines Gemeinwesens diese Volksmassen auch in den Ländern ihres derzeitigen Aufenthaltes in körperlicher, wirtschaftlicher und cultureller Hinsicht nach Möglichkeit zu stützen und zu fördern, in fernerer Erwägung, dass durch die Entfaltung einer solchen Thätigkeit die zionistische Agitation und Organisation ausserordentlich gestärkt wird, weiters, dass die Zionisten dadurch in innigere Berührung mit den jüdischen Volksmassen kommen, ihre Art und ihre Bedürfnisse gründlicherkennen zu lernen in der Lage sind, und durch eine stete Fürsorge für jüdische Angelegenheiten das Vertrauen der Massen erringen und befestigen, in endlicher Erwägung, dass auch der Londoner Zionisten-Congress die Nothwendigkeit einer solchen jüdisch-socialpolitischen Thätigkeit anerkannt hat, erklärt der Erste österreichische Zionistentag es für nothwendig, dass die österreichischen Zionisten u n t e r steter Festhaltung des zionistischen Endzieles, der Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte als der einzigen endgiltigen Lösung der Judenfrage, und in consequenter Rücksichtnahme auf diesen höchsten Zweck des Zionismus den Fragen der körperlich e n, w i r ts c h aftl i c h e n und geistigen Hebung der Juden in den Ländern ihres derzeitigen Aufenthaltes ihre besondere Aufmerksamkeit zuwenden und nach vorhergegangenen theoretischen Studien an die Begründung Von institutionen schreiten, die eine körperliche, wirtschaftliche und geistige Hebung der Juden bezwecken. IL 3: Für die praktische Durchführung der Forderungen der These 1 (Baseler Programm) ergeben sich dieFormeln aus den Referaten über Agitation und Organisation» 4. Für die praktische Durchführung der in der These 2 formulierten Forderungen hat in principieller Hinsicht zu gelten: Es sind vorläufig, da die zionistische Agitation und Organisation noch in der Entwicklung begriffen ist, nur solche Institutionen ins Leben zu rufen, deren Begründüng schon derzeit Aussicht auf Erfolg hat und die nicht allzu grosse Anforderungen an die Arbeitsleistung und die materielle Betheiligung der einzelnen Vereine stellen. Es sollen demnach vorbereitet lind begründetwerden a) Zur wirtschaftlichen Heb.ung: «) Jüdische Arbeits- und Stellenvermittlungs- Aemter, Einrichtungen z ur Fö r d erung des jüdischen Kleingew er bes. . y) Ein j ü d i s c h - s t a t i s t i s c h e s A m t. 5) Jüdische Arm enä m t e r* die eine Concentrierung der jüdischen privaten und öffentlichen Wohlthätigkeit