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Die Welt · 1901-03-29 · 13 (29.3.1901) · p. 2

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
13 (29.3.1901)
Article
Der erste österreichische Zionistentag
Date
1901-03-29
Page
2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 „Die & Welt" nebenbei— der erste Zweck des Zionistentages, die Schaffung einer, österreichischen Gesammtorganisation erreicht. : Die " Debatte über die Lage^ der jüdischen Arbeiter und Co.lonisten in Palastina gestaltete sicbsdiumJnei* begeisterten, imposanten Sympathie-Knndgebunf'füPtaTfsere nothleidenden Brüder, Auch hier hat sieh der Zionistentag nicht damit begnügt, die österreichische Organisation allein für eine grosse Hilfsaction heranzuziehen, sondern möchte zugleich den Anstoss zu einer Hilfstätigkeit der Zionisten aller Länder geben, die jetzt in den Zeiten drängendster Noth durch Geldsammlungen, später, durch das Eingreifen der Jüdischen Goidnialbank erfolgen soll. . . ' :; i Auch die Besprechung der Punkte „ Agitation " und „Presse" brachte viele neue Anregungen, und führte, wie man aus den Resolutionen ersehen kann, zu Beschlüssen, die für die österreichischen Zionisten ebenso vorteilhaft sein werden, als für die gesammte Bewegung. Resümieren wir, so müssen wir sagen, es ist viel, es Ist gründlich, es ist würdig, und es ist gut gearbeitet worden* Die Verhandlungen des Ersten österreichischen Zionistentages. I. Tag. Die Verhandlungen begannen um 9- Uhr vormittag?. In dem mit zionistischen Fahnen, Emblemen, hebräischen Sprüchen und Ansichten von Palästina überaus geschmackvoll decorierten Prachtsaale fanden sich ungefähr 100 Delegierte und viele Gäste ein. Die Versammlung machte einen imposanten Pindruck, es war ein Congress im Kleinen. Als Einberufer hiess Herr Wilhelm Spitzer, Obmant* des „Ziontt in Olmütz, diö Delegierten und Gäste herzlichst willkommen und nahm sofort die Wahl des Bureaus vor. Gewählt wurden, unter stürmischem Beifall: zum Präsidenten Dr. S. Krenberger (Wien), zu Vieepräsidenten B6zek (Prag) und Spitzer (Olmütz), zu Schriftführern- Tag (Wien), Tauber (Kolin), Hickl (Brünn) und Dr. Wahrhaftig (Krakau). Dr. Krenbe rge r (lebhaft acelamiert) führte in seiner Eröffnungsrede aus, wie erfreulich es.sei, dass nun endlich nach langen Bemühungen das Werk def österreichischzionistischen Organisation-in Angriff genommen wurde. Er entwickelte in grossen Äügeri das Arbeitsprogramm des Zionistentages. „Viel Stoffe, so sehäöss er, „eine grosse Materie ist der Beschlussfassung anheimgegeben. Mögen sich alle Delegierten nur von deif jErwägungen der Arbeit,, Sachlichkeit "Und Schaffensfreudiglceit leiten lassen.» (Stürmischer Beifall.) Hierauf verlas Herr Tauber (Kolin) den Einlauf» Eine grosse- Reihe von Begrüssungs-Telegrammen und Sympa^ne-Kundgebungen war eingelangt. Von den Führern der Bewegung waren herzliche Schreiben eingelaufen, in denen die Bedeutung des Zionistentages und der Wert der organisatorischen Arbeit hervorgehoben wurde. Sodann erhielt Herr Berthoid F.e i w e 1 (Wien) das Wort zur Programmrede. Tri nahezu zweistündiger Rede führte der Referent aus, dass eine Ergänzung des zionistischen (Baseler) Programmes und im Zusammenhange damit eine Erweiterung der Organisation und Agitations-Arbeiten eintreten müsse. Die Mängel im Programme seien im Grunde an den meisten Fehlern, die innerhalb des Zionismus zu bemerken seien, schuld. Der Redner kritisiert eingehend diese Mängel und,führt sodann aus •:, „Die Hauptthese, die mich direct , zum Programme führte ist folgende : Der Zionismus1 wurde auf dem ersten Congresse nicht vollständig Vriff nicht ausführlich genug interpretiert; und keiner der folgenden -Gongresse; auch der vierte nicht,, hat, , de«n^ Fehler v-ollständig; gut gemacht. Zwischen den zwei Prämissen , „Existenz.., einer ungeheuren Judenhnoth und Uhüberwindlichkeit. des Antisemitismus" einerseits — und dem Schlüsssatze: „Schaffung einer öffentlichrechtlichen Heimstätte" andererseits fehlt das Z Wisch engl i e d. Es ist von, einem Führer einmal das Wort geprägt worden: „Der Zionismus ist das Juden thum unterwegs.* Das Wort bedarf nur einer kleinen Ergänzung durch ein einziges Wörtchen, und sofort ergibt sich uns die ganze Bedeutung: und Tragweitedes Satzes: Der Zionismus ist auch das Judenthum unterwegs. Das will heissen : Der Zionismus ist nicht nur /dÄi^olk, das-leidet und bedrückt wird, und nicht nur dasr Völk; daseine Heimstätte will, sondern der Zionismus isi iatteh; das Volk für das unterwegs, während es aus der^ Jfothin die Befreiung geht, gesorgt, das für sein. Gemeinwesen vorbereitet werden muss *.: Das. ist ein wichtiges, ja Unentbehrliches Zwischenglied} das in der logischen Kette des bisherigen Cöngress^Zionismüs gefehlt hatj und aus detri Mangel dieses Zwischengliedes, aus der ungenügenden bisherigen Vertretung des Zionismus heraus, 'lässt sich alles erklären, alles, ohne Ausnahme . . . Der Zionismus fleug mit einem positiven Programme an, das.zugleich eine Negation enthielt. Die Judenfrage ist durch die Etablierung einer Heimstätte zu lösen (das war der positive Theil^ und er.wnrdebewiesen), weif alle'.Versuche, sie in den Ländern des derzeitigen Aiifenth alles* zu y lösen, misslingeh Wurden (das war der negative Theil, und £_auch er wurde bewiesen). Die erste These war die Grundlage der bishör betriebenen zionistischen Propaganda,; die ■v zweite, negative, erzeugte eine dogmatisch begründete tFrithätigkeit und das Phlegma der Zionisten in allen Fialen, welche die gegenwärtigen Schicksale der Juden im Golüs betrafen. . . . Im kleinen und grossen äusserten sich durch diese Unthätigkeife iÄ Gegenwarts-Angelegenheiten die Hindernisse, die* dem 2iöMsmus, seinem Fortschreiten, Feiner Rntwiek- hing bereitet wurden. Die Nachtherle, die. die Agitation dadurch erfuhr, dass man sich um die gegenwärtigen Bedürfnisse der Judenschaft nicht kümmerte, wären noch der geringste' Verlust gewesen. Viel höher ist der andere Verlust ahfctischlagen, die Entmuthigung vieler zionistischer Kämpftir, die gär nicht gemerkt hatten, was ihre eigentliche erste zionistische Aufgabe gewesen wäre und die an den Möglichkeiten des Zionismus zu zweifeln begannen, weil sie ihrtf Arbeit beim verkehrten Ende begonnen hatten und dafüm natürlicherweise keinen öder nicht den rechten Erfolg haben konnten. Aber am meisten schadete die Lücke ... Im Programme der Entwicklung des Zionismus selbst. . . ." Unsere Kenntnis über unser Menschenmateriai ist nicht vermehrt worden. Noch wissen wir nicht genau, für welche Arbeiten^ Berufe und Geschäfte wir das geeignete Material haben und für Welche nicht, noch kennen wir sein r geistiges und culturelles Niveau nicht, noch wissen wir nicht, wie gross das Proletariat der Arbeit, der Arbeitslosigkeit ist; kurz, uns fehlen die primitivsten Grundlagen für die Colonisätions-Politik, die unser Epdziel darstellt. Wir wissen aber auch nicht, was für die Etabljerung eines; nationalen Gemeinwesens unerlassliche Vorbedingung ist. . inwieweit und in welchen Formen die Assimilation die Juden der verschiedenen Länder umgemodelt, inwieweit und : in welchem Grade die Juden,' die zur Gein'ejnsamkeit geführt werden sollen, bereits eine differerigierte Masse darstellen. Und doch besteht die moralische und materielle Verpflichtung der Colonisatoren zuvörderst und "zumindest in der Kenntnisf des Materials, * das sie verwenden wollen» . . . v Kann öder darf man wünschen, dass dle^ös Material ein durch blossen Zufall zusammenge Würfeltes sei/? Kann; man ferner behaupten, dass es gleich giltig sei, wie; dieses Volk körperlich'und geistig gestellt ist?. Es gäb uhd gibt vielleicht noch zionistische Faustrechtsdogmatiker, die dem Zionismus dieNothwendigkeiteinesNaturgesetzes zuschreiben und die daher alles der geschichtlichen Nothweridigkeit öder, was dasselbe ist, dem Zufalle anheimgeben. * - - - - Andere wieder, gibt es, die auf dem Vereletidungs- Standpunkte, stehen un4 glauben/ dass der ^Zionisrnus desto früher realisiert werben würde, je schlechter es den Juden gienge und je mehr die Noth dränge. Das ist.- eine volkswirtschaftliche und politische Kurzsichtigkreit gefährlichster ' Art,. v. Es ist die Gefahr nicht ausgeschlossen, dass "die] Noth in jedem Sinnendes Wortes vor der Begründung der Heimstätte ,einen derartigen Höhepunkt erreicht, däss;Sie . mit der elementaren i^fehi: von Gasen, die ihr Gefässv sprengen, in eineKataströ|>he ausarte^ deren Art und Charakter; wir nicht kennen, von der wir aber wissen müssen^ <dass sie das Ende des Judenthums bedeuten würde. Ganz abgesehen davon,, dass — selbst^fmi* keine Katastrophe eintritt — die Betroffenen, die für ihre Person keinen Grund haben, Verelendungtheoretiker zu sein, leicht,vom Judenthum abfallen können, wenn sie allzulange vor das .traurige Dilemma : Taufe öder Hunger gestellt werden. Für uns kommt aber auch noch eine andere Wahrheit in Betracht: Der Zionismus benöthigt: für dt^ dereinstige C o 1 onis a.tion das möglichst beste,körperlichkräQagste, geistig entwickeltste, socialpolitisch verständigste Material ♦... Dazu bedarf es jener Thätigkeit,. die wir ÄVo^beyett^n^. der Massen" nennen. . < l v .

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