Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1901-03-22 · 12 (22.3.1901) · p. 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
12 (22.3.1901)
Article
[Ohne Titel] / Lindenbaum, Isidor
Date
1901-03-22
Page
14 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3315709-3315905-3315918--25276-3395774
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 14 Die # Welt^ Nr. 12 an Ort und Stelle Arbeit zu geben : Die Firma Grünfeld aus Beuthen und die Ica haben eine Puppenfabrik gründen wollen. Fast das ganze Geld hat Herr G r ü n f e 1 d gespendet, die Leitung hat die H i r s c h'sche Stifttung übernommen. Ein Qe^ude wurde zwar aufgestellt, es ist aber so lange 1 e e r . gestanden, bis es endlich noch im October einem Brande zum Opfer fiel. Das Haus war assecuriert auf 5000 Kronen; das Geld hat die Hirsch'sche Stiftung eincassiert, und obwohl es für ßoryslaw bestimmt war und seit dem Brande bereits einige Monate vergangen sind, wissen wir noch bis zur Stunde nicht, was mit dem Gelde geplant ist. Wir wollen hoffen, dass man doch die hungernden Juden Boryslaws nicht vernachlässigen wird, sie wollen ja arbeiten und das ist ihnen lieber als jede andere Unterstützung. Die 5000Kronen könnte man sehr gut verwenden, zum Beispiel zur Errichtung einer Tischlerei, Schnitzerei und Drechslerei (wie bei der Hirsch'schen Stiftungsschule in Stanislau). Und wenn auch die 5000 Kronen nur für den allerersten Anfang genügen können, so soll für die weitere diesbezügliche Arbeit keine Unterstützung erspart bleiben, denn wenn man die Leute mit Arbeit unterstützen wird, so wird es jedenfalls bessere Früchte tragen, als das Vertheilen von Spenden, wodurch man sie nur ans Schnorren gewöhnt. Für den Abdruck dieser Zeilen danke ich im Vorhinein und zeichne mit hochachtungsvollem Zionsgruss Isidor Lindenbaum. * Aufruf. Eine arme Frau, Mutter von vier Kindern, wendet sich an edle Menschen mit der Bitte um Hilfe. Der Mann, ein Schwerkranker, liegt rettungslos im Spitale darnieder, und die Frau und vier Kinder sind des Ernährers beraubt. Wohl geht die Frau in Häuser waschen und bedienen, doch ist sie selbst geschwächt und ihrer Hände Arbeit reicht nicht aus, auch nur das Allernothwendigste zu schaffen. Edle Menschenfreunde werden gebeten, der armen Frau, den armen, hilflosen, hungernden Kindern eine kleine Spende zu übersenden. Jetty Boskowitz, XX. Bezirk, Denisgasse 24, Thür 5. Jüdische Toynbee-Hallen. Erste ludische Toynbee-Halle in Wien. XX., Webergasse Nr. 13. Programm v o m 21 bis zum 26. März 1901 : Freitag den 22. M ärz: Bibelerklärung. Samstag den 23. März: Herr Leo Lichtgarn: „Jüdische Künstler.* Samstag den 24. März: Herr Dr. Sadger: „Nervosität." Sonntag den 25. März: Herr Berliner: Vorlesung. Montag den 2G. März: Herr Dr. Kahn: „Ratenhan del." * Sonntag den 24 März: Kinder-Nachmittag. ${tis dci) \)ei*eiiKt)- Berichte. Y/ien. („Bar Kochba", V e r e i n i g u n g jüdisch er Hochschüle r.) Die Neuwahlen für das Sommer-Semester 1901 ergaben folgen des Resultat: jur. Fischel Waschitz Präses, med. Abraham Glanz Vicepräses, techn. Hermann Berger I. Schriftführer, mech. Anselm Halpern II. Schriftführer, ing. Leib Wachtel Ersatzmann, ing. Israel R e i c h Cassier. . Wien. (V e r b i n d \i n.g ö s t e r r. --sc.nl e s. H o c hschüler Jvri a".) Die Chargenwahlen für das Sommer- Semester 1900/1901 ergaben folgendes Resultat: cand. med. Siegfried Fr an kl X, stud. jur. Max Kohn XX? stud. phil. Oskar F r a n k 1 XXX- Wien. Der am 1(5. März 1. J. abgehaltene Wahlconvent der jüd.-akad. Verbindung „Unitas" hatte folgendes Ergebnis: cand. jur. Walther Nagelstock X? cand jur. Elias S c h ö n fe 1 d ^<X, cand, jur. Arthur Wi nt e r XXX« Wien. Bg^^^. März fand im Hfeeararischen Geselligkeitsvereirie jüdischer Mädchen ,Morj a* ein Vortrag des Frl. Rosa Kollmann statt, die wieder einen neuen Beweis ihrer bewährten Rednergabe gab, indem sie über „A11 j ü d i s c h e Armenpflege" in trefflicher Weise sprach. Rednerin erntete von den überaus zahlreich versammelten Mitgliedern und Gästen reichlichen Beifall. B. H. Wien. Am 16. d. M. fand in Herlingers Restaurant ein vom Vereine jüdischer Frauen und Mädchen »Fünfhau s" veranstaltetes Pur im-Fest statt, das gelungene dramatitsche, musikalische und declamatorische Darbietungen brachte und bei ungemein zahlreichem Besuche einen glänzenden Verlauf nahm. Wien. Im Vereine jüdischer Mädchen „Hadassa" hielt Sonntag den 10. d. M. Herr Professor Dr. Leon Kellner einen ausserordentlich interessanten Vortrag über rD i e Jüdin in der Literatur". Nach den Ausführungen des Referenten ist der Jüdin als solcher, als Typus, weder in der altertümlichen noch in der mittelalterlichen Literatur Erwähnung gethan. Erst in Grillig arzers „Jüdin von Toledo" finden wir eine die Jüdin charakterisierende Gestalt. Rahel ist mit allen bezeichnenden Eigenschaften der Jüdin, wenn auch nfcht mit deren besten Eigenschaften, ausgestattet. Minder der Wirklichkeit entsprechend ist das Fragment „Esther" desselben Dichters. Eine echte Ghetto-Jüdin, die sich mit der ganzen Kraft ihrer Seele in die unbekannte Welt hinaussehnt, hat Shake speare mit wenigen aber sicheren Strichen im „Kaufmann von Venedig" gezeichnet. Scott führt uns in seinem Romane Jvanhoe" die Ideal-Gestalt einer Jüdin vor Augen. Eine Jüdin, wie sie sein soll, wie wir sie vom ganzen Herzen wünschen, und wie sie im Leben glücklicherweise auch vorkommt, schuf Elliotin seiner Marianne. Diese lebt nur für ihr Volk, geht in ihrem Volke ganz auf . . . Mit gespannter Aufmerksamkeit folgten die zahlreich erschienen Gäste dem geistreichen Vortrage und zollten Herrn Professor Kellner reichen, wohlverdienten Beifall. G.— Prag. Am 24. Februar a. c. fand die ordentliche General-Versammlung des Vereines jüdischer Hochschüler „Bar K o c h b a" statt. MÜC. Alfr. Low y erstattete als Obmann des Vereines den Rechenschaftsbericht, dem wir Folgendes entnehmen: Die Vereinsthätigkeit war im abgelaufenen Winter-Semester eine sehr rege. Jede Woche fand ein Vortragsabend statt, an dem von Seiten der Mitglieder zionistische oder wissenschaftliche Vorträge, respective Vorlesungen aus der jüdischen Geschichte abgehalten wurden. Ausserdem wurde ein Cyklus literarischer und Unterhaltungs- Abende eröffnet. Bei dem ersten trug Herr Schriftsteller Ad. Donath seine jüdisch-nationalen Dichtungen meisterhaft vor, beim zweiten sprach das Vereinsmitglied Herr MUC. Hugo Stransky „Ueber die neueste Bewegung im Judenthum und ihre Beurtheilung durch berühmte nichtjüdische Zeitgenossen.* Am 19. Jänner a. c. wurde ein Kränzchen veranstaltet, dessen Reinerträgnis im Betrage von 1500 Kronen zum Theile dem Unterstützungsfonds, zum Theile der Bibliothek zufloss. In letzter Zeit wurde eine Schachabtheiiung gegründet und die Gründung einer Radfahr- und Turnriege beschlossen. Schliesslich dankt der Bericht allen denen, die durch ihre Mitwirkung die Vereins- Veranstaltungen gefördert haben, und den Zeitschriften, welche Vereinsnotizen aufgenommen und dem Lesezimmer Freiexemplare zur Verfügung gestellt haben. Dem abtretenden Ausschusse wurde hernach das Absolutorium ertheilt. Die Neuwahlen ergaben folgendes Resultat: Zum Obmann e wurde MUC. Alfred Löwy wiedergewählt; zu dessen Stellvertreter JUDr. Alfred Kral, Cassier jur. Arth. Bergmann, I. Schriftführer JUC. D. T eller, II. Schriftführer techn. H.Kleiner, Bibliothekar und Zeitungsverweser med. Arth. Hahn, Oekonom med. Alfred G z a p e k, Revisoren MUDr. Jakob Ekstein und MUDr. Alex, ßondy. ' Radom. Am 7. März wurde auf Initiative des Herrn Alexander Feldstein zum erstenmale in unserer Stadt eine Purim-Feier veranstaltet, die einen erhebenden, glänzenden Verlauf nahm. Der festlich decorierte Saal war bis aufs letzte Plätzchen gefüllt. Die Einleitungsrede hielt Herr A. Mucker. Darauf folgten nationale Lieder, vom zionistischen Chore gesungen („Dort, wo die Ceder" und „Hatikfoh") und Sologesänge, von denen „Min Hameizar"

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.