Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 12 (22.3.1901)
- Article
- [Kommentar] / M. Z.
- Date
- 1901-03-22
- Page
- 13 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 12 „Dis,$ Welt" Seite 13 die hebräischen Schulen in Jaffa. Der Artikelschreiber.concludiert dahin, dass das Beth-Hasepher unter den gegebenen Verhältnissen den Zweck, den die „Chowewe Zion" bei dessen Gründung im Auge hatten, nämlich die Verwirklichung eines bestimmten national-culturellen Ideals, hothwendig verfehlen müsse. Da aber diese Verhältnisse in absehbarer Zeit nicht zu ändern seien, die „Chowewe Zion" namentlich nicht die Mittel haben, das Institut allein zu erhalten, so plaidiert Achad-Haam dafür, die Knabenschule ganz der „Alliance israelite" zu überlassen. Es sei tief betrübend, dass die viel jährige Mühe ganz nutzlos gewesen sei; aber es wäre verfehlt, aus purer Consequenz noch weiter wertvolle Kräfte und Mittel zwecklos zu verschwenden. — Auf den Artikel Achad-Haams folgt ein recht interessanter Essay von Josef Klausner über Samuel David Luzzatto, der als „Lebensphilosoph" gewürdigt wird, als ein Denker, dem die praktische Wahrheit über die theoretische gieng, und der auch an dem Judenthum hauptsächlich dessen praktischen, sittlichen Lehrgehalt hochschätzte, den Ausfluss der jüdischen Herzensbildung, die er unendlich höher stellte, als die griechische Geistescultur, den „Atticismus", wie Luzzatto die hellenische Lebensanschauung im Gegensatze zum „Abrahamitismus" nannte. — M e n d e 1 e M o c h e r S'f o r i m (S. Abramowitsch) setzt seine Erzählung „B'emek Habacha" fort. — Dr. S. L e v i n knüpft an den IV. Congress eine Betrachtung über „Arbeit und Publicität". Der Zionismus dürfe und könne sich in seiner Entwicklung nicht auf Augenblicke der Begeisterung stützen, sondern auf unablässige, innere Arbeit. Die Stunden der Gehobenheit und Potenzierung der Kräfte seien reich an Verheissungen, aber bloss eine stille, besonnene Thätigkeit sei reich an Erfolgen. — M o r d e c h a i ben U i 1 l e 1 Hakohen setzt seine Artikels«»! ie über „Israel- und sein Land in der Romanliteratur" fort. Vorläufig bespricht er „Daniel Deronda" von George Eliot. — Das Gedicht von A. Zwankin, das auf diesen Aufsatz folgt, müssen wir als ziemlich mittelmässig bezeichnen. — Ivri gibt eine „Allgemeine Uebersicht" der jüngsten Ereignisse im jüdischen Leben. — Josef Klausner hat in dem Hefte noch einen zweiten Aufsatz über „Unsere Literatur". Er bespricht die neuesten Erscheinungen des hebräischen Büchermarktes aut dem Gebiete der Belletristik. Namentlich Meister M e n d e 1 e erfährt hier eingehende Würdigung. — M. Chasmo n a i setzt seinen Aufsatz „Hirten und deren Herden", eine Art Zeitrevue, fort. — Rabbi Karow hat sich wieder mit seinen lieben, geistvollen „Gedanken und Thaten" eingefunden. — Einige literarische Notizen beschliessen das inhaltsreiche Heft. M. Z. ^ribäiK. London N. W., den 25. Februar 1901. 13, Carlton Vale, N. W. Verehrliche Redaction der „ W e 11", Wien! Ich ersuche Sie um freundliche Aufnahme nachstehender Erklärung, da mir zur Erreichung sämmtlicher bei den Share-Clubs interessierten Mitglieder, die schon über die ganze Welt zerstreut sind, die Vermittlung Ihres so verbreiteten Blattes am geeignetsten erscheint. Aus der damaligen gesetzlichen Unmöglichkeit, eine geringere Anzahlung als eine Rate von 20% auf eine Actie der Jüdischen Colonialbank zu leisten, entwickelte sich — auf den Originalvorschlag des Herrn Lennox Loewe — die Organisation der Share-Clubs, zu deren Leitung in erster Reihe ein Centraibureau oder Head Office geschaffen wurde. Wie'dies bei jeder neuen Bewegung die natürliche Procedur ist, wurde auch hier ein Präliminar-Coraite und ein Präliminar-Club von den Gründern sofort ins Leben gerufen, betitelt Head Office, beziehungsweise Sharc-Club Nr. 1. Nachdem die principielle Einwilligung der zionistischen Führer eingeholt war, gieng man ohne Zeitverlust ans Werk, arbeitete Statuten aus und completierte die nöthige Comitezahl. Hiesigen Usancen folgend wurde dieses Head Office nur bis zur ersten General-Versammlung der .Mitglieder eingesetzt, um letzteren alsdann die ihnen rechtlich, zustehende Gelegenheit zu geben, etwaige von der Majorität gewünschte Gutheissungen, respective Aenderungen vornehmen zu können. Es wurde mir die ehrende Präsidentschaft des Head Office, sowie vom Club Nr. 1 angeboten, und im Interesse der Bewegung aeeeptierte ich dieselbe. Nachdem ich mit der aufopfernden, unentgeltlichen Hilfe des Herrn Lennox Loewe und der anderen Comitemitglieder die Organisation nach bestem Können bis heute geleitet habe, bin ich in der angenehmen Lage zu melden, dass im ganzen 77 Clubs in allen Welttheilen gegründet, beinahe 6000 Einlagebücher emittiert, über 50.000 Marken bereits ausgeliefert und über 3000 Actien effectiv auf die Namen der betreffenden Clubs ausgeschrieben worden sind, dass durchschnittlich. HO Pfund Sterling wöchentlich einlaufen, und dass die (iOOO emittierten Einlagebücher mindestens ebenso viele eventuelle Actien und jedenfalls — was die Hauptsache ist — ebenso viele Zionisten darstellen, und täglich wächst die Zahl. Genau so, wie ich es in dem Schwesterunternehmen vorhergesehen hatte, entfaltete sich auch hier ein so reges Geschäft, dass ich die daraus für mich persönlich entstehende Arbeit mit meinen anderen verantwortlichen Pflichten in der Bank nicht gleichzeitig auszuführen imstande bin. und ich benütze daher die Gelegenheit, die mir eine so erfreuliche, von Reclnumgs-Revisoren geprüfte Bilanz, wie die oben gemeldete, bietet, um meine Präsidentschaft hiermit niederzulegen. Da ich glaube, dass die neue Leitung dadurch, dass sie in bessere Hände übertragen wird, nur gewinnen kann und die Zukunft der Shares-Clubs dadurch sichergestellt sein sollte, bleibt mir nur noch übrig, für das mir geschenkte Vertrauen meinen wärmsten Dank auszusprechen mit dem innigsten Wunsche für den weiteren Erfolg der Organisation. Hochachtungsvoll und mit Zionsgruss Jame s H. L o e w e. * Wir erhalten folgende Zuschrift: B o r y s 1 a w, 11. März 1901. Sehr geehrter Herr Redactcur! Ich ersuche Sie höflichst, nachstehende Mittheilung veröffentlichen zu wollen: Die schreckliche Lage der beschäftigungslosen Juden Boryslaws, der Hunger, der die Armen in den letzten Jahren plagte, hat sich wieder in neuester Form gezeigt, und zwar in Form einer starken Flecktyphus-Epidemie, die sich hier seit mehreren Wochen fast nur unter den jüdischen Familien verbreitet und die ihre Entstehung und Verbreitung buchstäblich nur dem Hunger zu verdanken hat. — Die Kranken müssen noch dazu ihre Krankheit geheim halten, weil sie sich ins Spital für ansteckende Krankheiten nicht führen lassen wollen, denn das Spital in Boryslaw ist wirklich nur einem Hundestali ähnlich; die Aerzte gehen von Haus zu Haus und suchen ganz einfach in dieser Weise die Kranken auf, die natürlich fast nur aus Juden bestehen. Wenn man sich diese ohne Beschäftigung herumgehenden, an Leib und Seele gebrochenen Juden ansieht, wenn man die eingefallenen Häuser anschaut, welche sie bewohnen, muss man sich nur mit Staunen fragen, wie die Leute überhaupt noch leben können. Einst haben sie fleissig gearbeitet, heute haben sie keine Arbeit, weil inan sie verdrängt hat. Als man sich der Boryslaw er Leute in der Welt angenommen hat und die Wohlthätigkeits-Actionen ins Leben gerufen wurden, hat man auch daran gedacht, den Armen