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Die Welt · 1901-03-15 · 11 (15.3.1901) · p. 13

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
11 (15.3.1901)
Article
Leopold Löw [Rezension]
Date
1901-03-15
Page
13 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 11 „Die x£ Welt" Seite 13 durch alle Zeiten erhalten werden.2) Diese beiden Werke, die unter dem Gesammttitel „Beiträge zur jüdischen Alterthumskunde" erschienen, zeichnen sich durch geniale Beherrschung des Stoffes, gesunde Kritik und anziehende Darstellung? aus und sind bis auf den heutigen Tag die besten Arbeiten auf dem Gebiete der jüdischen Archäologie. Ein drittes grosses Werk auf archäologischem Gebiete. „Synagogale Alterthümer", blieb leider Fragment Die wenigen erhaltenen Capitel3) und der Plan mit den Collectaneen 4) enthalten reiches Material und lassen un« nur die fehlende Ausführung doppelt schmerzlich vermissen. 5) Der erste Band der gesammelten Schriften enthält grösstentheils theologische Abhandlungen über verschiedene wichtige Zeitfragen. Hier zeigt sich am deutlichsten und schönsten die Eigenart des Verfassers, seine religiöse Wärme, sein Freimuth, sein lebendiger Stil, der namentlich in der Polemik sich wirksam zeigt, wie deun auch sonst die Löw'schen Schriften sehr häufig ein polemisches oder apologetisches Interesse zeigen und Tendenzschriften im edelsten Sinne des Wortes genannt werden dürfen. Begünstigt war diese Richtung seines Geistes durch die drei verschiedenen Bildungselemente, die sich in ihm glücklich vereinten : das jüdische, das den Grundton bildete, die Wurzel seiner Lebensanschauung und seiner Gelehrsamkeit, das deutsche, das die Gründlichkeit und den kritischen Sinn in ihm grosszog, und das magyarische, das in der Feurigkeit des Gefühles und Lebhaftigkeit der Sprache zum Ausdrucke kam. Nicht allgemein bekannt ist, dass Low, der erst in späteren Jahren die ungarische Sprache erlernte, ein Meister in ihr wurde und als erster eine Predigtsammlung herausgab. Besonders interessant und lehrreich speciell für die Leser der ,WeltÄ ist die eingehende Besprechung des Werkes „Rom und Jerusalem" von H e s s6). Ueberhaupt hat Low zahlreiche wertvolle Besprechungen in seiner Zeitschrift „Ben Chananja" veröffentlicht. Diese Zeitschrift wurde von ihm nicht nur unter vielen Schwierigkeiten gegründet und herausgegeben, sondern zum grossen Theile auch selbst geschrieben. Eine beträchtliche Anzahl seiner gediegensten Abhandlungen erschien hier zuerst, und die Zeitschrift übte während der ganzen Zeit ihres Bestehens einen bedeutenden Einfluss aus, nicht bloss durch die darin niedergelegten wissenschaftlichen Arbeiten, sondern fast noch mehr durch die rückhaltlose Erörterung aller die Hebung der Cullur und den religiösen Fortschritt unter den Juden betreffenden Fragen. Die Finsterlinge bekämpften natürlich das Blatt und vor allem den Redacteur mit allen ihnen zugebote stehenden Mitteln. Ihre Waffen aber prallten ab an der Gesinnungstüchtigkeit und last not least an der talmudischen Gelehrsamkeit ups als Ketzer verschrieenen Gottesstreiters, 15s ist oft erheiternd zu beobachten, wie Low seine Gegner auf ihrem eigensten Gebiete schlügt, wie er ihnen Inconsequenz und manchmal auch beschämende Ignoranz in halachisehen Fragen nachweist. Der geradezu überraschende cultureile Aufschwung der ungarischen Juden, ihre glänzenne sociale und politische Stellung, wie nicht minder die Blüte der ungarisch-jüdischen Wissenschaft, die in der Budapester Landes-Rab binerschule ihren Brennpunkt hat, wurde nicht zum geringsten Theile durch den ..Ben Chananja" inauguriert, so dass dieser Zeitschrift für alle Zeiten eine hohe culturgeschichtliche Bedeutung gewahrt bleibt. Wie sehr Low seine Zeit verstand, wie sehr er — mit Zunz zu reden — die Gegenwart als aller dagewesenen Erscheinungen nothwendiges Resultat zu erfassen wusste, sehen wir aus seinen historischen Arbeiten im zweiten Bande. Vor allem in seiner Biographie Aron Chor in?, die eine Ehrenrettung des vielfach verkannten Ära ler Rabbiners darstellt und ein klares Bild von den Cultur- %) Graphische Requisiten und Erzeugnisse bei den Juden. 2 Bände. Leipzig 1870/71. Die Lebensalter in der jüdischen Literatur. Szegedin, 1875. 3) Bd. IV, 1-71. 4) Bd. V. 21-36. *) Vergleiche den schönen Aufsatz: „Die Pflege der talmudlschen Alterthumskunde", Bd. III, 1 — 11. Hierher gehören auch die kleinen, aber gehaltvollen Abhandlungon des IL Bandes: „Zur talmudischen Mantik", „Die Astrologie bei den Juden", „Das Vereinswesen in Israel" und „Zur Medicin und Hygiene" (Bd. III. 367--406), „Was lehrt der Talmud über Schauspiel, Musik und Gesang" (Bd. IV, 108—118). 6) Bd. I, 333—355. Hier sei auch an die lichtvolle Analyse des Hessischen Werkes in der Frankel'schen Monatsschrift (XI, 317—320, 354—358) erinnert. Dieselbe ist mit M. gezeichnet und soll von Manuel Joel herrühren. (Monatsschrift XLIV, 1894.) bestrebt!ngen der ungarischen Juden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gibt. Der Einfluss und das Ansehen dieses Vorläufers von Low reichte weit über die engen Grenzen seines Vaterlandes hinaus. So erhielt z. B. kein Geringerer als Zunz (1834) von Chorin die HiOin mnn (Rabbiner-Diplom), und wandte sich die Breslauer Gemeinde an ihn um ein Gutachten zur Vertheidigung Geigers gegen die Denunciationen seiner fanatischen Gegner. Die Badische Regierung hatte sich sogar schon 1821 mit einer wichtigen Anfrage an ihn gewandt, während in Ungarn damals noch wenig Verständnis für seine Bestrebungen zu verspüren war. Von besonderem Interesse ist auch der als Anhang zur Biographie abgedruckte Briefwechsel zwischen Low und Ciiorin. Neben dieser ausführlichen Würdigung eines grossen Lehrers in Israel enthält der zweite Band auch kurze, aber gehaltreiche und treffende Nachrufe auf Sachs, Mannheimer, Luzatto und Münk. Der dritte Band ist zum grössten Theile den „Ehorechtlichen Studien" gewidmet, die zunächst im Anschlüsse an Frankels „Grundlinien des mosaisch-talmudischen Eherechtes", vor allem die geschichtliche Entwicklung aller hierher gehörigen Fragen beleuchten und nicht bloss in archäologischer Beziehung viel Neues und Interessantes bieten, sondern auch zu verschiedenen wichtigen Zeitfragen Stellung nehmen. Der folgende Band beschäftigt sich mit einer Reihe brennender Cultusfragen. Die hier niedergelegten Abhandlungen sind meist gutachtliche Aeusserungen auf Anfragen von verschiedenen Gemeinden. Diese Gutachten zeichnen sich durchgehends durch Ernst, Gründlichkeit und Besonnenheit aus, bieten jedoch weniger allgemeines Interesse, als die im gleichen Bande gesammelten Aufsätze zur Emancipation der Juden und zur Vertheidigung des Judenthums gegen ungerechte Angriffe. Geradezu Muster für eine Streitschrift sind die Sendschreiben an den Prediger S zekd.es und den Akademiker Trefor t. Der vornehme Ton, der den Gegner am sichersten entwaffnet, die klare Darstellung, die auf überlegener Kenntnis basierende überzeugende Beweisführung und vor allem die die ganzen Ausführungen durchdringende Wärme, gepaart mit dem höchsten sittlichen Ernste, machen die Leetüre dieser Schriften, trotzdem der actuelle Thatbestand uns oft schon ferngerückt ist, zum erhebendsten Genüsse und erinnern uns vielfach an Geiger s unübertreffliche polemische Artikel. Der letzte, eben erschienene Band enthält ausser der Bibliographie der Löw'schen Schriften Ergänzungen zu den vorhergehenden Bänden, reichhaltige Register und vor allem eine Reihe von Briefen, die die bedeutendsten Rabbiner und jüdischen Gelehrten an Low gerichtet haben. Mannheimer, Jellinek, Geiger, Derenbourg und viele andere glänzende Namen treten hier auf und zeigen, dass Low auch ausserhalb seines Vaterlandes als Rabbiner und als Forscher verstanden und gewürdigt wurde. Bezeichnend ist der Anfang eines Briefes von Geiger (Breslau, 18. 1. 1858): „Seitdem icli Ihre Einleitung zum „Jeled Sekunim" gelesen habe, stand mein Urtheil über Sie als einen in die geschichtliche Bewegung des Judenthums mit liebevoller Einsicht sich versenkenden Theologen fest, und wenn auch directe Beziehungen zwischen uns sich kaum knüpfen und mittelbare Verbindungen eher ein freundliches Verhältnis zu trüben als zu befestigen geeignet waren, so gebe ich ein Urtheil selbständiger Erkenntnis nicht so leicht aaf, und ich habe daher immer auf Sie als einen Gleichgesinnten und Gleichstehenden hingeblickt." Zum Schlüsse dieser Besprechung sei auch dem Herausgeber nochmals die gebürende Anerkennung gezollt. Er hat nicht bloss in kindlicher Pietät liebevoll alle kleineren Arbeiten seines Vaters zusammengefasst und so ein Gesammtbild seines Schaffens gegeben, sondern selbständig viel zur Ergänzung in vielen Punkten beigetragen, wie er denn — auch hier der Sohn seines Vaters — als einer der bedeutendsten Forscher auf dem Gebiete der rabbinisehen Sprach- und Alterthumskunde in Fachkreisen sich selbst einen glänzenden Namen erworben hat. Königsberg in Pr. Dr. F. P. Die Uhr. Nach dem Polnischen der Elise Orszeszko, deutsch von Flora Landesberger. Der Schnee, der die Dächer bedeckte, leuchtete noch matt in der Dämmerung, als plötzlich dio Fenster eines grossen,palastartigen Hauses instrahlendemLichte erglänzten. Von diesem hellen Hintergründe hoben sich reichgestickte Gardinen ab, schlanke Säulen, weitfächerige Palmen und

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