Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1901-03-15 · 11 (15.3.1901) · p. 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
11 (15.3.1901)
Article
[Kommentar]
Date
1901-03-15
Page
12 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3315709-3315905-3315917-3395489--25136-3395585
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 12 Die # Welt46 Nr. 11 hat das natürliche Bestreben, aut die judenfeindlichen Angriffe zu reagieren. In sehr geeigneter, jedoch nur allzu kurzer Form, erwähnt der Schreiber des Artikels den Zionismus* Sehr richtig bezeichnet er die Existenz-Grundlage des Zionismus als die Erkenntnis von der Eigenart und Assimilierungs-Unfähigkeit der Juden, Warum verschweigt er jedoch die Ziele des Zionismus? Der Zionismus ist thatsächlich die erste jüdische Bewegung, die eine richtige Diagnose der Judenfrage gestellt hat und auch ehrlich ^fenug ist, sie öffentlich zu bekennen. Die Propagierung des alten Assimilations-Gedankens kennen wir zur Genüge. Dagegen sind wir dankbar und hören es gerne, wenn der Zionismus von modernen Schriftsteilern kritisiert wird. Geschieht dies, dann möge es nicht mit Halbheit geschehen. Darauf wollte ich an dieser Stelle den Verfasser des Artikels in der „Zeit" aufmerksam machen. Dr. Max Rosenthal. Der Traum. Aus dem Jüdischen des J. C. Boruchowitsch übersetzt von Berihold Feiwel. Wenn Gott zurückführt die Gerangenen Zions. werden wir sein wie Träumende. Psalm 126. Es hat mich umfangen mit süsser Macht Ein goldener Traum in seliger Nacht, Ein Traum wie Morgenroth leuchtend und rein, Er goss mir Gluten ins Herz hinein. Das war ein wundersamer Klang Wie Freudenmusik und Jubelgesang, Und brauste daher und war doch so lind Wie jugendstarker Frühlingswind. Und dem glücklichen Auge ein Bild erschien: Gen Sonnenaufgang ein Volk zieht hin. Es wehen die Fahnen, es rauscht die Musik: „Wir kehren vom schrecklichen Golus zurück. Wir irrten wie Kain umher sonder Rast, Uns haben viel grausame Hände erfasst. Doch die Knechtschaft ist aus und das Elend vorbei, Und das Volk stand auf, und das Volk ward frei, Und es brachen die Ketten und fiel das Band - Wir kehren zurück ins Heimatland." Es wehen die Fahnen, es rauscht die Musik: „Wir kehren vom schrecklichen Golus zurück Wir haben gekämpft; hell flammte der Muth, Es trank die Welt unser warmes Blut, — Wir lassen Euch Gräber zurück ohne Zahl, Die mögen Euch künden von Noth und Qual, Von muthigem Sterben für Glauben und Recht, Vom grossen, vom todten Heldengeschlecht/ Es wehen die Fahnen, es rauscht die Musik: „Wir kehren vereint nach Zion zurück. Und da wir uns nahen, das Land erwacht, Es glänzt und schimmert in bräutlicher Pracht. Von Berge zu Berge es widerhallt, Der Libanon grüsst, und der hohe Wald In neuem, glänzendem, grünem Kleid Erbebt in zitternder Seligkeit. Wohl schmücken sich Karmel, Hermon und S'nir Mit Blumengewändern und duftiger Zier, Und es jubelt und jauchzt und singt und klingt: Das jüdische Volk hat sich wieder verjüngt!" Es wehen die Fahnen, es rauscht die Musik . . . Wie kurz war mein sonniges, wonniges Glück. Vom tiefen Schlaf bin ich plötzlich erwacht, Da draussen wildwüste, finstere Nacht, So traurig und schaurig ist es ringsum, Und ist wie ein Grab so . einsam und stumm. Ein Heimchen nur zirpt durch den öden Rauih —-- „0 Gott, wann erfüllt sich mein goldener Traum? . . / Aufruf! Der „Verein für technische Studien in Syrien und Palästina" hat beschlossen, in nächster Zeit an die Gründung einer Bibliothek zu schreiten. Es ergeht nunmehr an alle unsere Freunde die Bitte, dieses Unternehmen durch Angabe von authentischen Quellen technischer, commer« cieller und statistischer Natur zu unterstützen« Bücherspenden werden dankend angenommen. Der Verein für technische Studien in Syrien und Palästina. Jüdische Wissenschaft und Literatur. Leopold Low. (Gesammelte Schriften. Herausgegeben von Immanuel Low, 5 Bände. Szegedin 1889/1900.) In Leopold Low hat nicht nur Ungarn seinen bedeutendsten Rabbiner im abgelaufenen Jahrhundert, sondern das Judenthum überhaupt einen seiner gelehrtesten, originellsten und vielseitigsten Lehrer und Verfechter besessen. Seine Thätigkeit erstreckte sich nach so vielen Richtungen hin, dass es schwer ist zu sagen, auf welcher Seite sein eigentlicher Lebensberuf zu suchen ist: im praktischen Wirken als Seelsorger und Prediger, als Organisator und Schalmann, oder in seinen wissenschaftlichen Forschungen, die sich über das gesammte ausgedehnte Gebiet des jüdischen Schriftthums erstreckten. Beides lässt sich überhaupt kaum voneinander trennen, denn bei so ungewöhnlichen Naturen, die über den Rahmen des Alltäglichen weit hinaustreten, finden die üblichen Unterscheidungen keine Anwendung, eine Wechselwirkung besteht zwischen den verschiedenen Seiten ihres Wesens und Schaffens, die unvermerkt ineinander übergreifen. Joel hat in seiner Gedächtnisrede auf Geiger1) in beredten Worten die Unmöglichkeit einer solchen Trennung zwischen Wissenschaft und praktischer Bethätigung dargethan und gezeigt, dass zur richtigen Beurtheilung einer solchen Persönlichkeit beide Seiten zugleich ins Augo gefasst werden müssen. In der That besteht eine grosse Aehnlichkeit zwischen Low und Geiger sowohl in dem, was sie gewollt und erstrebt, wie in dem, was sie geschaffen und geleistet haben. Trotzdem Low seine amtliche Thätigkeit nie in einem seinen Fähigkeiten angemessenen Wirkungskreise aasüben konnte, trotzdem eifern von den Centren des wissenschaftlichen Lebens seine Werke schreiben musste, ist doch er der einzige Rabbiner, der mit Geiger verglichen werden kann, wie er denn auch als Gesinnungsgenosse ihm freundschaftlich nahegerückt war. Beide wollten eine Regeneration des Juden thums aus sich selbst heraus, d. h. aus der Erforschung seines Schriftthums, seines Lehrgehaltes sollten die Grundlagen für die Neugestaltung gesucht werden. Beide befähigte zu dieser Aufgabe eine universelle Gelehrsamkeit, ein tiefes Verständnis für alle Phasen der jüdischen Geschichte, ein ungewöhnlicher kritischer Scharfblick und vor allem der historische Sinn, der den wissenschaftlichen und praktischen Theologen so oft abgeht. Dadurch waren auch beide besonders befähigt, als Theologen im eigentlichen Sinne aufzutreten, d. h. eine systematische Darstellung des Lehrgehaltes unserer Religion zu geben. Wenn Low mit seinen Bestrebungen weniger Anklang als Geiger in Deutschland fand, wenn er weniger Mitstreiter zur Seite hatte und weniger Ruhm und Anerkennung erntete, so lag das nicht bloss daran, dass er immer nur ein räumlich engbegrenztes Wirkungsgebiet zu seiner Verfügung hatte, sondern vor allem an den eigenartigen Culturverhältnissen Ungarns. Desto mehr verdient er nach seinem Tode die Würdigung der Nachwelt und der Herausgeber, der Sohn und Nachfolger des Verewigten hat sich den Dank der gelehrten Welt, wie aller fortschrittsfreundlichen Juden erworben durch die mustergültige Sammlung der zerstreuten Schriften seines Vaters. Dieselbe umfasst alle nennenswerten, in deutscher Sprache erschienenen Werke, mit Ausnahme der zwei grossen Meisterwerke, die Löws wissenschaftlichen Ruhm ^Predigten. II, 285 ff.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.