Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 10 (8.3.1901)
- Article
- Zum letzten Pariser Socialisten-Congresse
- Date
- 1901-03-08
- Page
- 9 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 „Die # Welt" Seile 9 verschrieen zu werden *? Da lässt sich schon eine Inkonsequenz gegen das eigene Princip undr die machtlosen, im Elend dahin schmachten den und so unbeliebten Juden begehen, wenn auch Millionen derselben von Regierungen und Völkern zugrunde gerichtet werden. Am meisten jedoch hat die jüdisch fühlende Jugend die Thatsache empört, dass die jüdischen Vertreter von diesseits und jenseits des Oceans, auch die otficiellen zwölf Vertreter des Jüdischen Arbeiterbundes in Rnssland", ihre Pflicht gegenüber ihrem Volke vergessen und ihre Stimme gegen die ganz ungewöhnliche Unterdrückung und gesellschaftliche Verfolgung der jüdischen Nation bei dieser Gelegenheit laut und vernehmlich nicht erhohen haben. Aus diesen Motiven sah sich der zionistische Studentenverein „Kadimah* zu Berlin nach lebhaften Debatten veranfasst, folgende Resolution zu fassen : „Der russisch-jüdische wissenschaftliche Verein „Kadimah" drückt seine Entrüstung darüber aus, dass die Vertreter des jüdischen Arbeiterbundes auf dem Pariser internationalen Sociäiisten-Congresse, als es sich um eine Sympathie-Kundgebung für die unterdrückten Völker handelte, das jüdische Volk vergessen haben"." Hochachtungsvoll i. A.: Der Vorstand des Vereins „Kadimah" (Berlin). 4Mbüi>e. Aufruf. An die jüdischen Turnvereine! Es wäre im Interesse aller schon bestehenden und erst zu gründenden jüdischen Turnvereine, wenn dieselben sich gieichmässig uniformieren und das gleiche Abzeichen tragen würden. Der „Bielitz-Bialaer Jüdische Turnverein", welcher der erstgegründete in Oesterreich ist, hat bereits seine Abzeichen und Uniform. Letztgenannte besteht aus Hose, deutscher Schnitt, Rock geschweift, kurz, Stehbrust mit einem Knopf, oben geschlossen, umgeschlagener runder Kragen, beide aus blau - drapmele Tricot, hierzu weisse Pique-Gilet, Turnerhut, breite Krampe mit grünem Bande, gleiche Farbe wie der Rock. Als Cravatte dient eine schwarze Masche mit grüner Stickerei. Der „Bielitz-Bialaer Jüdische Turnverein" ist gerne bereit, allen Anfragenden mit Stoffmuster und diesbezüglichenZeichnungen zu dienen. J. Goldberg, Obmann, Samuel S i 1 b i g e r, Schriftführer. * * Die jüdisch-akademische Verbindung „Veritas" erfüllt hiermit die traurige Pflicht, allen ihren Freunden und Gönnern die betrübende Mittheilung zu machen, dass ihr liebes, treues Mitglied stud. jur. Franz Schwarz Mittwoch den 27. Februar 1. J. einem längeren Leiden erlegen ist. Ehre seinem Andenken! Der Ausschuss. ^eitscbHftei)* ut)d J§äcb*p* Rundschau, Bücher-Einlauf. Geschichte der Juden in Kremsier mit Rücksicht auf die Nachbargenieinden. Nach den Original-Urkunden dargestellt von Rabbiner Dr. Ad. Fr an kl-Grün. III. Theil. Nachträge. Archivalien. Die Gegenwart. Commissions»Verlag von J. Kaufmann, Frankfurt a. M., 1901. y-^-lM^ BftlfyffcxMi 9iB$ie "f J. ^M.v Si?mx) n. Stu 11 g.a rt., J^ipt-imene , Li n-ftf-r h e i m eji; Amstei dam. Academische Boekhandel, D e l sman & No Ith enius, 1901. Der Segen Jakobs, Mid rasch Bereschith rabba, Par. 98, 1—20, 99, 1-4, ü hersetzt und kritisch beh a n d el t. Von Dr. phil. M. M,ar g,e 1. Der Friedensgedankß im Judentums. Samuel M e i s e 1 s, (Tarnopo 1). Verlag des Verfassers. — Podolische Buchdruckerei. Unter demTitel „Der ewige Haman" veröffentlicht unsere alteFreundin,die antizionistischeWochenschrift „Egyenlöseg" in Budapest an erster Stelle einen Artikel von dem bekannten ungarischen Schriftsteller Thomas K ö b o r, aus dem folgende Sätze hervorzuheben sind : , „Die sociale und rechtliche Lage des Judenthums hängt auch heute von der Gunst einzelner Staatsmänner und Conjuncturen ab, und statt sich zu befestigen, ist unser Los ewigen Fluctuationen ausgesetzt, bald nach rechts, bald nach links ... Die Tendenz der Ausrottung bleibt unverändert bestehen. Stets war und ist die Grundstimmung bei allen Nationen gegen uns, was hingegen sich uns günstig zeigt, erweist sich als vorübergehende Situation." „Vor kaum einigen Jahren, zur Zeit der kirchenpolitischen Bewegung (in Ungarn), gab es bei uns Philosemiten in so grosser Anzahl, dass mit denselben die Strassen gepflastert werden konnten. Diese Generation ist noch nicht ausgestorben und keine neue an deren Stelle getreten. Und dennoch erstanden aus demselben Menschenmaterial nach einigen Jahren Antisemiten in ungeheurer Anzahl. Der Boden beginnt plötzlich unter unseren Füssen zu wanken. Warum? Die Sache ist einfach. Die Reaction hat nie aufgehört, sondern hielt zur Zeit des liberalen Rummels ihr Antlitz verborgen. Es gab eine günstige Consteilation, die Sonne beschien uns. Die Constellation ist vorüber, die Eulen setzen ihr Geheul fort . . ." „Solche zeitweilige, vorübergehendeGnaden bezeigungen sind des Judenthums unwürdig. Abzuwarten bis uns die Sonne zufällig wieder zulächelt, ist eine niedrige Auffassung/ „Wir müssen mit erhobener Brust ein Definitivum fordern. Man zeige uns einen Platz, der uns gebürt, ob klein oder gross, und dort müssen wir uns häuslich einrichten. Und ob die Sonne scheint, ob der Wind weht, ob uns die Leute wohl oder übel wollen, von ihren L i e b e s n e i g u n g e n soll unser Los nicht mehr abhänge n." Kräftiger könnte nicht der strammste Zionist die bisherige Haltung der Assimilanten verdammen- Nun bleibt es abzuwarten, ob die Partei desselben Organs (Egyenlöseg) aus dieser klar formulierten Einkehr die logische, ehrliche Consequenz ziehen wird. Dr. J. Rönai. Die Breslauer „Zionistische Vereinigung" gibt seit dem 1. Februar den „Zionist" heraus, monatlich erscheinende Mittheilungen, die über die wichtigsten Vorgänge innerhalb der deutschen Judenschaft kurze, kritische Betrachtungen bringen und zugleich die zionistische Agitation und Organisation durch Verlautbarungen und Directiven stützen. Die Nummer 2 enthält einen längeren Artikel „Zionismus und K o s m o- ■ politismu s" aus der Feder Dr. Adolf Friedemanns. In einem Artikel „Die Consequenz" beschäftigt sich die Redaktion mit den jüngsten Erklärungen des Ministers Schönstedt. Mittheilungen aus der Bewegung, eine Vereinsschau u. s. w. vervollständigen den Inhalt des geschickt redigierten Blattes. „The Daily Jewish Call" („Der täglicher jüdischer Kol") betitelt sich ein Jargonblatt, das von unseren Gesinnungsgenossen Leon Zolotkoff und dem berühmten Jargon- Dichter Morris Rosenfeld herausgegeben wird. In der Nummer 1 vom 10. Februar findet sich ein leitender Artikel: „Ein wenig Kritik" von Rosenfeld, dessen Tendenz dahingeht, man möge endlich daran gehen, den Geschmack des Jargon lesenden Publicums zu läutern. Es sei unverantwortlich, was man diesem Publicum vorsetze. Der Jargon mag ja einmal aussterben, heute aber sei er noch immer die Sprache von 90 Percent unseres Volkes, und man müsse sich daher bemühen, ihn in der edelsten und besten Form zu pflegen. Es sei nicht wahr, dass man im Jargon nichts Schönes und Rechtes schaffen könne. Ein wirklich geschmackvoller Literat könne den Jargon ebenso meistern und sich nutzbar machen wie zum Beispiel ein Franzose die französische Sprache. Wieso es dazu gekommen sei, dass die Jargon schreibenden Autoren bisher dem Volke alles, atrch das Schlechteste, bieten konnten, und warum dem Volke die richtige Kritik und der feinere Geschmack abgehe, daß; erklärte^Morris Ro senfeld folgendermaßen : ,,Bei ■ einem Volke, ,<ia,s .ruhig und glücklich auf seiner ^ch'Olo sitzt, das snm Keim hat, seine Sprache, seine Lei)ivr, si-im* Hochschulen, kann ein so gefährlicher Zustaml natürlich