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Die Welt · 1901-03-08 · 10 (8.3.1901) · p. 8

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
10 (8.3.1901)
Article
Ein jüdisches Studentenheim in Lemberg
Date
1901-03-08
Page
8 (sequence 1)
Language
German
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Seite 8 „Öle # Weit" Nr. 10 Wir erhalten folgende sehr bemerkenswerte Zuschrift: S t a n i s 1 tf üj Siriolkagasse 1, 11. Februar ,1901.- Geehi-'Ur'rf'ef^edacteur! '» Die erste, vielleicht die wichtigste Aufgabe der Zionisten ist es, die Parole des I. Zionisten-Congresses zu verwirklichen : das jüdische Volk national, wirtschaft- 1 i ch u.n d c u 11 u r e 11 zu organisieren. Es zeigte sich bei der praktischen Behandlung dieses grossen und schwierigen YVerkes der Organisation, dass die Interessen der verschiedenen Stände berücksichtigt werden müssen. Und so entstanden zionistische Studenten-, Handelsangestellten- und Arbeitervereine, die in Reih und Glied mit anderen Zions-Organisationen unsere Idee verwirklichen helfen. Seltsamerweise hat bisnun gerade der Stand, der seit jeher im Judenthum eine grosse Rolle spielte, der Kaufmannsstand, an eine berufliche Organisation nicht gedacht. Ich weiss zwar, dass in allen civilisierten Ländern kaufmännische und industrielle Verbände existieren, deren Majorität durchschnittlich jüdisch ist. Diese aber werden ohne Ausnahme im assimilatorischen Geiste geleitet und dienen nur als Leiter für die protzenhaften, zweibeinigen Nullen. (Wie das z. B. in Galizien in ganz besonderem Masse der Fall ist, wo diese Art von Vereinen nur zu dem Zwecke zu existieren scheint, dass Polendiener ä la Byk, Kolischer etc. ins Parlament kommen können.) Das muss anders werden! Die schon existierenden kaufmännischen Vereine müssen in zionistischem Sinne reorganisiert und unserer Weltorganisation einverleibt werden. Wo aber jüdisch-kaufmännische Vereine noch nicht existieren, sollen sie-von uns Zionisten gegründet und so auch hier der Beweis erbracht werden, dass wir nicht nur für die Zukunft der jüdischen Nation, sondern auch für seine Gegenwart sorgen' wollen. Ich hoffe übrigens auch und möchfe es wünschen, dass bereits officielle Vertreter der jüdischen Kaufmannschaft und Industrie weit auf dem V. Zionisten - Co ng r esseerscheinen. Mit Zionsgruss M. Hör o w i t z. P. S. Die zionistischen Organe bitte ich um Abdruck obiger Anregung und detaillierte Besprechung, wie die Anregung in lebendige That umgesetzt werden kann, natürlich immer in Anpassung an die Verhältnisse der einzelnen Länder. Ein jüdisches Studentenheim in Lemberg. Wir erhalten folgende Zuschrift: Der Lemberger Rigorosanten-Wer ein schreitet nächstens an die Ausführung des längst gehegten Planes der Errichtung ' eines „Jüdischen Studentenheim s*\ Das unhaltbare Verhältnis, das zwischen der jüdischen Studentenschaft und der nichtjüdischen besteht, die vielen Zurücksetzungen und Schmähungen, denen die Juden ausgesetzt waren, gaben „ vor Jahren den Angtoss zur Gründung einer jüdisch- ■ akademischen Speiseahstalt, des „Byt", und haben jetzt das Project eines jüdischen Studentenheims zur Reife gebracht., Das Unternehmen ist ohne Zweifel freudig zu begrüssen., Allerdings wird es von (Jer materiellen Unterstützung, die ihm zutheil wTerden wirijk abhängen, ob es früher oder später zustandekommt. Wer immer kann, wird gebeten, dem Werke seine Hilfe zu »leihen! W. Zum siebzigsten Geburtstage Dr. Rülfs. Paris. Im Namen alier französischen Zionisten haben Herr Dr. Marmore k, die zionistischen Studenten und der Verein „Mebassei eth Zion" eine Glückwunsch-Adresse an Dr. R ül f gerichtet. Prag. Am 9. Februar fand hier eine Rülf-Feier statt, bei der Herr Dr. A. Kurrein, Rabbiner in Teplitz, die Festrede hielt. Diese Rede war nach der Meinung aller Anwesenden das Beste, was uns bisher in Prag geboten wurde. Das Publicum lohnte den ausgezeichneten Redner durch stürmischen Beifall. An die Feier schloss sich eine gemüthliche Zusammenkunft, bei der wir das Vergnügen, hatten, mehrere Reden in hebräischer Sprache zu hören. — I£ine Satnmlung, die an diesem Abend, zugunsten des ToylliSpe-f^Rllenfonds einfg&eife^rnwurde," ergab elti» sehr? günstiges Resultat, Eine Versammlung judisch nationaler Arbeiter in London. Am 15. v. M. fand in St. Pauls Halls in London eine von der jüdisch nationalen Schneider-Vereinigun g einberufene grosse jüdische Arbeiter-Versammlung statt. Der Saal war schon um 8 Uhr so überfüllt, dass man die Eingänge schiiessen musste. Aber die nachdrängende einlassbegehrende Menge sprengte mit Gewalt die Thülen und verschaffte sich so Zutritt. Auf der Tagesordnung stand: Vernichtung der Ueberstunden, Heilighaltung des Sabbaths nach Art der Väter. Vorsitzender, Parlamentsmitglied Stuart M. Samuel, hielt eine Ansprache, in welcher er erklärte, die jüdischen Arbeiter seien sehr wohl imstande, ihr Ziel zu erreichen, wenn sie nur den festen Willen dazu hätten und untereinander einig blieben. Ais ihr Vertreter im Parlamente hielt er es für seine Pflicht, in der Mitte einer jüdischen Arbeiterversammlung zu erscheinen. Die Heilighaltung des Sabbaths sei von enormer Tragweite für sie und ihre Kinder. Mögen daher die jüdischen Schneider fest zusammenhalten, umsomehr, als das Gesetz es ihnen gestattet, am Sabbath zu ruhen und am Sonntag zu arbeiten. Eine der grössten Firmen habe ihn autorisiert, mitzutheilen, dass, wenn die Concurrenten damit einverstanden wären, sie gerne die Arbeit vom Sonnabend auf den Sonntag verlegen würde. Darauf egriff der berühmte Londoner Arbeiterführer Tom Mann das Wort, um den jüdischen Schneidern die Hilfe aller nichtjüdischen Londoner Trade-Unions zur Erreichung ihrer Bestrebungen zuzusichern. Der berühmte Maggid Macoly, der in Vertretung des Chief-Rabbi erschienen war, verlas ein Schreiben des letzteren, in welchem dieser seine Sympathien mit den Bestrebungen der jüdischen Arbeiter bekundet. Da aber der Redner des Abends, Mr. Lewis Lyon, über die Abwesenheit des Chief-Rabbi einige kritische Bemerkungen fallen liess, entfernte sich der Maggid, ohne an die Versammlung das Wort gerichtet zu haben. Die Herren Lyon und Hilaroff sprachen dann über das vorliegende Thema und schlugen eine Resolution vor, in welcher die Notwendigkeit eines Zusammengehens mit den Zwischenmeistern betoaj^ wird, um so wie im Jahre 1896 die grossen , Firmen zu Concessionen zu zwingen. Es wurde . darauf eine Commission eingesetzt, welche mit den Delegierten der Zwischenmeister verhandeln soll. Zum letzten Pariser Socialisten-Congresse. Berlin, 2o. Februar 1901. Sehr geehrte Redaction!- Wir bitten Sie um Veröffentlichung folgender Zeilen : Einen grossen Theil der jüdischen Jugend, speciell der russisch-jüdischen Studentenschaft, regt seit Monaten der bekannte Vorfall auf,der sich im September v. J. auf dem Weltcongresse;der Socialisten zu Paris zugetragen hat. Da wurde eine* Resolution zugunsten alier derjenigen Völker gefasst, die besonderen Unterdrückungen ausgesetzt sind, so zugunsten der Polen, Finnen, Armenier und Boeren. Merkwürdigerweise wurde dasjenige Volk vergessen, das im Kampfe um seine Existenz in vielen Ländern geradezu barbarischen Ausnahme-Bestimmungen unterworfen ist — das jüdische. Der Pariser Socialisten-Congress tagte zu einer Zeit, da die Judennoth in Rumänien, dank dem dort herrschenden System ihren Höhepunkt erreicht hatte, so dass zehntausende zum Wanderstabe greifen mussten. Man hätte erwarten können, dass diese fürchterliche Katastrophe in allen human Denkenden einen Protest des Unwillens erregen würde, und ein Congress, der gegen die Bedrückung verschiedener Völker Einspruch erhob,, hätte in erster Reihe das am meisten verfolgte Volk nennen sollen. Oder hat auch hierder ^atavistische Antisemitismus seine Wirkung 'nüsgeüjDtTWfnti nf#it,''war&} 'es ^"efl^eh^pji^rtunistische Gründe, deneh'aW^chterwähnu'rig des JüdehvoMes1 zuzuschreiben ist? Fürchtete etwa die internationale Socialdemokratie, des Philosemitismus beschuldigt, als jüdisch

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