Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 8 (22.2.1901)
- Article
- Der siebzigste Geburtstag Dr. Rülfs
- Date
- 1901-02-22
- Page
- 4 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 4 Die # Welt" Nr. 8 wünsche dar. Rechtsanwalt Harff sprach als Vorsitzender des jüdischen Literaturvereines. Von der Gemeinde Memel war eine prachtvolle Adresse eingetroffen, die an Stelle des Rabbiners Dr. Cohn, der verhindert war, Herr Dr. Kahn- New-York mit einer Ansprache überreichte. Eine Deputation der jüdischen Studentenverbindung „R h e n o - S i l e s i a" übergab dem alten treuen Commili tonen eine silberne Studentenkette und überbrachte die Glückwünsche der jüdischen Studentenschaft. Ununterbrochen liefen aus aller Herren Ländern Telegramme ein. die alle die nämlichen Kundgebungen der Liebe und Verehrung enthielten. Die am Abend abgehaltene offizielle Feier umfasste die Vertreter der Gemeinden Bonn, Poppelsdorf, Beuel und Köln und bot ein glanzvolles Bild. Der ganze Abend bildete eine ununterbrochene Kette von Huldigungen für den über diese enthusiastischen Ovationen tiefgerührten Jubilar. Mitthränenerstickter Stimme dankte er für diese schier zahllosen Beweise der Sympathie. Nachdem Frau Johanna Blitz- Edelstein mit einem eindrucksvollen Choral auf dem Ciavier die Feier stimmungsvoll eingeleitet, Herr Cantor Baum den Psalm 128 vorzüglich vorgetragen hatte, eröffnete Herr Rechtsanwalt Dr. Bodenheime r- Köln den Redereigen. Indem er namens des Central-Comites der Zionistischen Vereinigung für Deutschland dem bewährten Förderer und Führer seinen wärmsten Dank aussprach und sich mit eindrucksvollen Worten um Unterstützung der grossen zionistischen Idee an die Anwesenden wandte. Einen tiefen Eindruck hinterliess ferner die Rede unseres Gesinnungsgenossen Dr. Klee, der immer, wo es gilt, etwas für die zionistische Sache zu thun, im allerersten Vordertreffen steht. Er überreichte eine prachtvoll ausgestattete Adresse des Memeler Literaturvereines und zweier Wohlthätigkeitsvereine, indem er in geistreicher Weise ausführte, dass die Liebe die drei verschiedene Ziele verfolgenden Vereine zu einer gemeinsamen Kundgebung veranlasst hätte, wie ja auch die Liebe der Grundzug des Wesens R ü 1 fs bildete, nicht die kosmopolitisch verschwommene Liebe, sondern seine heisse Liebe zum jüdischen Volke. Frau D. VV o 1 f f s ohn- Köln übergab an Stalle ihres durch eine Reise verhinderten Gatten mit herzlichen Worten die höchst geschmackvolle Glückwunsch-Adresse des Curatoriums des Memeler Krankenhauses, dessen Gründer Rülfist. Herr Gemeindepräses Robert Goldschmidt richtete im Namen des deutsch-israelitischen Gomeindebundes wannempfundene Worte an den Jubilar. Herr Rechtsanwalt Rose nberg - Bonn sprach namens der zahlreichen Freunde und Verehrer, die sich Herr Dr. Rülf hier erworben, und erinnerte daran, dass Rülf, ohne aus dem Wirken eint s Privatmannes hervorzutreten, durch den Zauber seiner Persönlichkeit sich die Herzen gewonnen und Bonn, das seit einem halben Jahrhundert viel von seinem Rufe als altjüdische Gemeinde eingebüsst habe, zur Rückkehr zum echten Judenthum mitveranlasst habe. Herr Dr. K a h n - New-York überbrachte die Glückwunschgrüsse amerikanischer Freunde, indem er den „Freiheitsgedankenu (aus Rülfs philosophischen Werken) versinnbildlichte: Wie in dem Jubilar als Concentrationspunkt Westen und Osten vereint, e i n Einheitliches wäre, durch das verbindende Gefühl der Brüderlichkeit, das Rülf verköipere. Herr Dr. med. L i c h t e n s t e i n -Neuwied feierte den Mann mit den silbernen Locken und dem jungen Herzen im Namen der jüdischen Studierenden, und toastierte auf sein und das Wohl seines ganzen Hauses. Auf jede Ansprache erwiderte der Jubilar mit tiefdurchdachten Worten und einein jugendlichen Feuer, das allgemeine Bewunderung erregte. Die eingestreuten Lieder, von Frl. Hermine Edelstein vorgetragen, insbesondere jenes, dessen Text vom Jubilar gedichtet: „Doit, wo auf Libanon die Coder spriesst", machten einen tiefen Eindruck auf die Anwesenden, und der Gefeierte konnte seine Rührung kaum bemeistern. Auch die noch sehr jugendliche Violinkünstlerin Frl. Bertha Samuel trug durch ihr meisterhaftes Concert reichlich zur Verschöne! ung eines Festes bei, das vom Anfange bis zum Ende ein echt jüdisches Gepräge trug. Wrie eine einzige grosse Familie hatten sich hunderte um den Jubilar geschart, Orthodoxe und Reformer, Stadt- und Dorf bewohner, Jung und Alt; es war ein Miniaturbiid des jüdischen Volkes. Und dass gerade die Jugend es war. die das Fest am meisten verschönte, von der kleinen Gretchen Cahn mit ihrem reizend vorgetragenen Glückwunsch-Gedicht angefangen bis zu dem Primaner Alfred Salonion mit zwei prächtig wiedergegebenenDeclamationen („Jordan und Israel" von H. Zirndo r f, das „Lied des Lebens" von S. F r u g) erfüllt uns mit hoher Erwartung für die Zukunft. Dieser herrliches, xrntfergssslixihötF^^ aMcb^ein g^psser Erfolg unserer Ortsgruppe, er wird uns zu weiterer, rastloser Arbeit anspornen. Dass einzelne, die sich principiell von jeder jüdischen Festlichkeit ausschliessen, fernblieben, that der Feier sicherlich keinen Abbruch. Herr Dr. Rülf hat die Genugthuung, dass die Vertreter der Intelligenz und Bildung, die die Universitätsstadt aufzuweisen hat, vollzählig erschienen waren. Dr. E d e 1 s t e i u. Rülf-Abend in Petrikau. Die Leiter unserer Organisation haben zu Ehren unseres greisen Kämpfers und Förderers, des Dr. J. Rülf ">"J, zu dessen 70jährigem Jubiläum am 10. Februar eine grosse Versammlung im Vereinslocale einberufen, bei welcher Herr Moses F e i n k i n d dessen grosse Verdienste, insbesondere seine humane Thätigkeit für das russische Judenthum in den Zeiten der grossen Verfolgungen, sowie seine zionistische Thätigkeit insbesondere in Worten der Dankbarkeit und des Anerkennens feierte. Mit einem warmen Appell des Herrn Schereschewski, die zionistischen Bestrebungen, namentlich unsere Institutionen zu unterstützen, schloss die Feier. Rülf-Feier in Nadwörna. Anlässlich des 70. Geburtstages unseres hochverehrten Gesinnungsgenossen Dr. J. Rülf (Bonn) hat der hiesige Zions-Verein eine Freier veranstaltet, welche trotz des schlechten Wetters gut besucht war und sich sehr imposant gestaltete. Mit Freude constatierten wir die Hochachtung, Wertschätzung und Sympathie, die der Jubilar im Kreise der jüdischen Volksmassen geniesst. Das Vereinsiocal war festlich geschmückt und eine prächtige Bühne war hergestellt. Herr F. Dunajer als erster Festredner würdigte die Verdienste des Jubilars um das Gesammtjudenthum, besonders um den Zionismus. Herr D.Bas seches als zweiter Festredner citierte einige passende Talmud-Stellen und knüpfte daran eine gut gelungene Rede. Herr Ch. Kl ein mann declamierte das Gedicht „Der Colonist" von Goldfaden. Herr M. Hübner las darauf die Abhandlung: „Was ist Zionismus?* von Dr. Rülf vor. die stürmischen Beifall entfesselte. Ch. K. Rülf-Feier in Jassy. Anlässlich des 70. Geburtstages unseres hochverdienten Gesinnungsgenossen Dr. Rülf veranstaltete die „Zionistische Lesehalle" in Jassy am 10. d. eine Feier, an welcher fast alle Mitglieder und viele Nichtmitglieder theiluahmen. Die Festreden hielten die Herren Dr. L i p p e und Rabbiner Dr. Niemerower. Abends fand ein literarischer Theeabend statt. Herr Kischineff, ein junger Literat, sprach über den Jargon-Dichter Morris Rosenfeld und dessen Dichtungen. In einer anderthalbst und igen Rede wusste er die Zuhörer zu fesseln, indem er mehrere Gedichte vortrug, erläuterte und einer Kritik unterzog. Hierauf versuchte Redner eine Parallele zwischen Morris R o s e n f e 1 d. Ada Negri und dem rumänischen Dichter C o s b u c zu ziehen, was ihm auch glänzend gelang. Es wurde dann ein Glückwunsch-Telegramm an Rabb. Dr. Rülf abgeschickt, welches lautete: „Mitglieder des „Zionistischen Lese-Clubs", heute versammelt, Ihren 70. Geburtstag zu feiern, senden Ihnen hierdurch ihre Glückwünsche. Möge Ihnen noch ein langes thatenreiches Leben vergönnt sein." Memel. An erster Stelle der Glückwünschenden stand die hiesige Synagogen-Gemeinde, die an ihren früheren Rabbiner folgende Glückwunsch - Adresse gerichtet hat: „Hochve r e"h rterHerrDoctor! Mit Freuden ergreift der grosse, aus Brüdern aller Lande sich zusammensetzende Kreis Ihrer Freunde und Verehrer den Anlass Ihres 70. Geburtsfestes, um den warmen Gefühlen, die aller Herzen für Sie beseelen, an diesem Tage Ausdruck zu verleihen. Da drängt es denn auch uns, die wir den Vorzug haben. Sie, hochverehrter Herr Doctor, vor allen anderen den unseren nennen zu dürfen, uns heute Ihnen zu nahen, um unsere innigsten Glückwünsche Ihnen darzubringen. Wenn für Sie mit dem neuen Lebensjahre die Zeit d^s Greisenalters beginnt und Sie rückschauend einen Blick auf Ihr gott- und menschengeweihtes Leben werfen, dann sind doch wir es, denen Sie Ihre Mannesjahre gewidmet, dann ist es doch die Synagogen-Gemeinde Memel, der Sie in der Vollkraft Ihrer Jahre" mit Ihrem besten Wollen und Können gedient, deren Anliegen, wenn auch Allgemeininteressen wissenschaftlicher, socialer und politischer Natur in Ihre Arbeitssphäre einbezogen waren, doch den Hauptinhalt Ihrer reichgesegneten Thätigkeit bedeuteten. Und wenn wir auch vor bald drei Jahren, als Sie, dem Machtgebote des Alters folgend, von uns schieden, den Gefühlen verehrungsvoller Dankbarkeit, soweit wir es vermochten, Worte liehen, so können wir gleichwohl an diesem Ihrem Jubeltage nicht umhin, der grossartigen Leistungen und Schöpfungen zu ^Itgipser Erhebung. und .Ueb;erweisung, der hochherzigen 'Thateii Mümfasserifler rMcn£temieVe, deren uuver'gä^gfehe Zeugen der Stolz; unserer Gemeinde sind, aber ebenso auch