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Die Welt · 1901-02-15 · 7 (15.2.1901) · p. 6

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
7 (15.2.1901)
Article
Zionistische Organisation und Agitation
Date
1901-02-15
Page
6 (sequence 2)
Language
German
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Seite 6 „Die 3* Welt- Nr. 7 aus vielen Zuschriften entnehmen können. Hoffentlich wird die Arbeit nach dem Olmützer Zianistentage, der sicherlich das Wanderredner-System regeln wird, mit aller Kraft einsetzen. In Galizien und der Bukowina hat das zionistische Agitations-Bureau mit dem Sitze in Kolomea die Agitations- und Organisationsarbeit damit eröffnet, dass es den 19. und 20. Februar als Schekeltage festgesetzt hat. In den „Mittheilungen* dieses Agitations-Bureaus, die im Jargon ausgegeben werden, wird die Institution des Schekeltages erläutert, die Wichtigkeit, der Schekelzahlung auseinandergesetzt, und die Organisationen und Vertrauensmänner, werden zu einer regen Bethätigung aufgefordert. Die „Mittheilungen14 bringen weiters die Liste der Vertrauensmänner deren stattliche Zahl darauf schliessen lässt, dass der Schekeltag sich in diesen beiden Ländern zu einer glänzenden zionistischen Demonstration gestalten wird. Auch sonst dienen die „Mitteilungen" durch praktische Anregungenden Zwecken der Agitation und Organisation in ausgezeichneter Weise. Im Interesse einer wirksamen Propaganda verbreitet das Agitations - Bureau zionistische Flugschriften und Broschüren und versendet bedeutendere zionistische Publicationen bloss gegen Rückerstattung des Portos. Auch in Lemberg hat die Agitation unter Aegide Dr. Bierers neu eingesetzt. In Mähren und Schlesien wurde der Schekeltag für den Anfang April verlegt. Indessen sind schon jetzt aus mehreren Städten erfreuliche Ergebnisse der Schekelsammlungzu melden. An den ersten österreichischen Zionistentag wird "sich eine Separat-Conferenz der mährisch-schlesischen Delegierten anschliessen, welche die für Anfang April zu entfaltenden Agitation regeln wird. In Olmütz haben die Zionisten anlässlich der Cultusvorstands-Wahlen eine intensive Thätigkeit entfaltet. Es wurden mehrere Wählerversammlnngen veranstaltet, und die mährischen Tagesblätter sahen sich veranlasst, in ausführlicher Form den Zionismus und seine Ziele zu besprechen. Der Wahlact selbst vollzog sich unter einer ausserordentlich starken Betheiligung seitens der Wähler. Trotzdem diese Wahlaction den ersten Versuch der Olmützer Zionisten darstellt und auf einen Sieg von vornherein nicht zu hoffen war, ist es den Zionisten doch gelungen, in dieser Stadt des absoluten Regimes eines jüdisch-deutschliberalen Malzadels ein Drittel Stimmen auf ihre Candidaten zu vereinigen. In Schlesien sind es insbesondere die Bielitzer, die stramm an der Arbeit sind. Neuerdings wird von dort die Gründung eines Frauenvereines gemeldet, dem bereits 80 Mitglieder beigetreten sind. An der Erweiterung und Ausgestaltung des österr. Verbandes zionistischer Handelsangestellter (Centraiorgan: „Jüdische Volksstimme" in Brünn) wird mit Erfolg gearbeitet. Frankreich. Wrie uns aus Frankreich gemeldet wird, ist auch dort die Landes-Organisation durchgeführt. Ueber Initiative des Vereines „iMebbassereth Zion" wurde eine Federation der französischen Zionisten hegründet. Interessant ist, dass die französischen Zionisten neben der Centralisation durch den Congress eine organisatorische Institution wünschen, die eine gemeinsame zweckbewusste Arbeit der Landes-Organisation herbeiführen soll. Deutschland. Ueber die Agitation für den Judentag berichten wir an andererStelle. Um die Zwecke der Propaganda zu fördern, wird auch hier ein Monatsblatt herausgegeben, das von der „Breslauer Zionistischen Vereinigung44 geleitet wird und den Titel „Der Zionist" führt. In kurzer, prägnanter Form wird darin über die Fortschritte und die wichtigsten Vorgänge der zionistischen Bewegung im allgemeinen und die Thätigkeit der deutschen Zionisten im besonderen "berichtet. Es ist kein Zweifel, dass das neue Blatt dem Zionismus in Deutschland wesentliche Dienste leisten wird. * Prager Brief. Erfreuliche Mittheilungen kann ich aus Prag senden, aus einer Stadt, die noch vor drei Jahren kaum 30 Schekelzahler aufweisen konnte. Die rührige Thätigkeit der Prager Zionisten lässt keine Gelegenheit vorübergehen, ohne die Wünsche und Hoffnungen' der jüdischen Massen laut zu verkünden. Dies zeigte sich beispielsweise beim Debatten- Abend des hiesigen „Centraivereines für jüdische Angelegenheiten", wo ein Eedner das Thema: „Ethik des Menschen- 'thüms — Ethik des;tu%deritfe^jnaitH äaßuidö^üsbFäiichte^ mm von der vielgepriesenen jüdischen Mission und Humanität eine neue Strophe zu singen. Natürlich erwiderten die anwesenden Zionisten, dass das Judenthum besser thue, die Humanität erst an den eigenen Brüdern zu üben und beleuchteten das Gebaren der <Assimilanten. Der reiche Beifall bezeugte, dass der Sieg auf unserer Seite war. , -«i Am 14 d. M. War die constituierende Versammlung des „Zionistischen Frauen vereine s", über die bereits berichtet wurde. Die Gründung dieses Vereines bedeutet abermals einen wichtigen Fortschritt. Am 17, d. M. veranstalte der „Jüdische Volksverein" einen Debatten-Abend, wobei Herr Dr. Bergmann aus Pardubitz in czechischer Sprache referierte. Er schilderte in ausgezeichneter Weise die bedrängte Lage der Juden in den czechischen Gegenden, die oft ihr Leben in Angst und Furcht vor dem Pöbel verbringen müssen. Er wies auch glänzend die Unmöglichkeit einer Assimilation nach und gedachte der jüdischen Männer, die auf allen Gebieten der Kunst und des Wissens Hervorragendes geleistet haben. Da er auch unter tosendem Beifall die grossen Fortschritte unserer Bewegung nachwies, iiess er den deutschen Referenten nur wenig Stoff übrig. Eine rege Debatte, die sich hierauf entwickelte, zeigte, dass aus manchem bisher indolenten Juden ein. eifriger Anhänger unserer Sache geworden war. Der 20. d. M. aber brachte uns den erfreulichen Beweis, dass unsere Thätigkeit auch bei den anderen jüdischen Vereinen ein lebhaftes Echo hervorgerufen hat. Es ist eines der hervorragendsten Verdienste der Prager Zienisten, dass sie denjenigen jüdischen Wohlthätigkeits-Vereinen, die bisher ihre Aufgabe durch Almosengeben erfüllt zu haben glaubten, den Weg zeigten, wie sie eine gesunde so cialpolitische Thätigkeit für die jüdischen Massen entfalten können. Und die Vereine, die noch vor Jahren die Wohithätigkeit als eine noble Passion betrieben, konnten sich dem Einflüsse des „Jüdischen Volksvereines", der die Interessen des jüdischen Proletariats zu vertreten weiss, nicht entziehen. Dies bewies vor allem der Verein „Benei-Beritn", der ein unentgeltliches A rb e it s -V e r m i 111 u n g s- Bureau geschaffen hat. Charakteristisch allerdings für die Prager Juden ist es, dass sie den Antrag der Zionisten, den Namen „jüdisch1* in die Firma aufzunehmen, nicht einmal zur Abstimmung gelangen Hessen. Auf die Aufforderung eines Zionisten, der Verein solle den Abusus einzustellen trachten, dass jüdische Commis und Arbeiter bei jüdischen Arbeitgebern immer mehr von arischen verdrängt werden, musste der Vorsitzende zugeben, dies sei der u neingestandene Zweck dieses Vereines. Unsere Pflicht wird es sein, die Herren gut zu controlieren, ob und wie sie ihr Versprechen halten werden. Hervorzuheben ist die Anregung der Frau Roubitschek, Präsidentin des zionistischen Frauenvereines, die von dem Vereine verlangt, er möge die Frage der jüdischen Dienstboten besonders berücksichtigen und insbesondere für die Ausbildung jüdischer Mädchen zu tüchtigen Dienstboten Sorge tragen. So geht allmählich die Saat auf, die die Prager Zionisten ausgestreut haben. L. Die Staatsgrundgesetze und die Juden. Das preussische Abgeordnetenhaus und die Bestellung jüdischer Notare.*) In die Judentag-Debatten, welche die deutschländische Judenschaft aus dem Phlegma ihrer „Laisser faire-laisser aller"-Politik gerissen hat, fallen die ernsten und lehrreichen 'Erklärungen, welche der preussische Justizminister im Abgeordnetenhause abgegeben hat. Was die deutschländischen Juden bisher auf empirischem Wege als Thatsache zu erkennen nicht imstande waren, das hat ihnen Minister Schönstedt ohne jede Sentimentalität verkündigt. Die staatsmännisch - politischen Grundsätze des Ministers fanden die Approbation der Mehrheit des Hauses. Nunmehr ist das, was bisher ein öffentliches Geheimnis war, in Deutschiend zu einer offenen Thatsache geworden, die zu vertuschen selbst die Regierung nicht mehr für nöthig findet: Die Juden können und werden zu den staatlichen Ae intern entweder in sehr be- 'Jtefl.O Z!Q\> ffoaanW m\: . j»rA> M<*ßnmofor>. lt *) Vgl. Nummer 6.

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