Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 7 (15.2.1901)
- Article
- Offene Antwort an Herrn Dr. Max Nordau
- Date
- 1901-02-15
- Page
- 5 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 7 „Die & Welt" Seite 5 Ich hoffe nun, verehrter Herr Doctor, heute meine Frage genau gestellt und sie sogar gut adressiert zu haben. Ich bitte Sie daher höflichst, um eine kurze und schlichte Antwort. Denn es finden sich hier und vielleicht auch in anderen Theilen der Welt Leute, die, wie der Schreiber dieser Zeilen, nicht klug genug waren, Ihre werte vorige Antwort zu verstehen. Hochachtungsvoll und mit Zionsgruss Ihr Sie hochschätzender G. C. Polak. Zum Deutschen Judentage. Berlin, Die deutschen Zionisten setzen ihre Thätigkeit für den Judentag eifrig fort. In der „Israelitischen Rundschau"4 antwortet ein Zionist auf die Anwürfe der Berliner „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" wie folgt: „. . . Dass.es in den zionistischen Versammlungen lebhaft hergeht, ist recht erfreulich. Allerdings wird dort nicht gelärmt und getobt, aber die Gegensätze platzen mitunter kräftig aufeinander. Und das ist ein wahrer Segen. Denn diese öffentlich geführten Debatten haben Leben in den halb erstarrten Volkskörper gebracht, sie haben eine leidenschaftliche Parteinahme herbeigeführt, und wir stehen nicht an, das für sehr erfreulich zu ei klären gegenüber der Grabesruhe, in der zum Beispiel die Versammlungen des liberalen Wahlvereines der jüdischen Gemeinde zu verlaufen pflegten. Dort hat es nie Lärm gegeben — die zehn oder fünfzehn Erschienenen sind eben stets unter sich gewesen. Dass man das offizielle Judenthum zuweilen durchrüttelt, ist sehr wahr und sehr verdient. Diejenigen Männer aber, die stets ehrlich und treu für ihre Brüder gekämpft haben, würde niemand heruntersetzen, und selbst die grosse Menge derjenigen, die Ehrenämter um ihrer selbst willen lieben, sind nie mit Schimpfworten oder sonst unziemlich angegriffen worden. Solche Behauptungen thöricht-unwahrer Natur sollte doch ein anständiges Blatt unterlassen. Was die Stellungnahme zu den Liberalen betrifft, so wird stets deutlich und klar ausgesprochen, dass es sich nicht um einen Kampf der Zionisten gegen irgendeine politische Anschauung, sondern stets nur um einen Kampf für unsere Unabhängigkeit von jeweiligen Parteien, schlechten und guten christlichen Freunden handelt; zur Zahl der letzteren wird Herr Rickert sehr bereitwillig gerechnet, das kann man erklären einem ehrlichen Manne zur Anerkennung, obwohl wir sonst principiell Personenfragen vermeiden. Das jüdische Volk von Berlin, und zwar der breite Mittelstand, scheint ebenfalls unserer Meinung zu sein. Derselbe strömt zu vielen Hunderten in unsere Versammlungen, in denen er sich sogar, obwohl die „Allgemeine Zeitung" jede Möglichkeit in Abrede stellt, überzeugen lässt. Das beweist die fast einstimmige Annahme unserer Resolutionen. Und dass unsere Versammlungen zum überwiegenden Theile aus Nicht-Zionisten — alten und jungen — bestehen, wird der grünen Zeitung von jedem „Unparteiischen" bestätigt werden. Diese Leute kommen nicht, verehrter Herr, aus Lust am Scandal, sondern mit warmem Herzen für die Sache ihres Volkes und mit ehrlichem Wollen für das Gelingen der Judentags-Idee. Und wenn sie manchmal in ehrliche Entrüstung gerathen, so geschieht es nicht, um zu lärmen, sondern um Gesinnungslosigkeit zu brandmarken. Und das kann man doch kaum verurtheilenl Warum wir schliesslich uns so für die Sache ins Zeug legen? Ob wir nicht fürchten, sie zn compromittieren? Ach nein. Zwar ist der Judentag nicht zionistische Parteisache. Aber als alle anderen über die mangelnde Courage unserer berufenen Führer die Hand in der Tasche ballten, da haben wir beschlossen, zu kämpfen. Warum sind die so sehr reifen älteren Herren nicht rechtzeitig auf dem Kampfplatze gewesen? Nun, wenn die Bedächtigkeit befürchtet, dass andere ihre Sache compromittieren, so sollte sie doch rechtzeitig aufstehen! Sie sollte sich auch nicht ängstlich vo.. der Oeffeiitlichkeit fernhalten und „das grosse Opfer nicht scheuen'*, einmal sich mit den Brüdern aus dem Volke auszusprechen! Wir geben gerne die Führerschaft ab! Will die berufene Vertretung der deutschen Juden den Kampf an unserer Stelle aufnehmen — wir werden dankbar und willig ihr Platz machen. Bis dahin aber bleiben wir in der Bresche urd quittieren angesichts des jubelnden Beifalles unserer Massen-Versammlungen den ohnmächtigen Aerger der Gegner, der nur beweist, wie. gut wir sie gestellt haben." . 'in xuoi, . * rfr^i: uhjj i<nj\iH.-.»r?\ no * Breslau. Eine zweite, von hiesigen Zionismen einberufene öffentliche jüdische Versammlung zur Ju lemag-Frage fand am 6. Februar in der „Neuen Börse" statt. Sie wies einen ungemein zahlreichen Besuch auf. und leider mussten viele Besucher wegen Ueberfüilung der Localitäten umkehren. Herr Rechtsanwalt Schwarz hielt ein Reiferat über „Judentag und Zionismus", bei dem er sich hauptsächlich gegen die Angriffe wandte, die neulich im Literatur-Verein die Herren Rabbiner Dr. Guttmann und Landgerichtsrath Wollstein gegen den Zionismus gemacht hatten — und den Zionisten dann nicht das Wort zur Erwiderung gaben. Hier hätten die Herren Gelegenheit gehabt, ihren Standpunkt zu vertreten und in freier Discussion ihre Behauptungen zu beweisen. Aber sie zogen es vor, obwohl sie geladen waren, nicht zu erscheinen. Sollten sie etwas befürchtet haben..? Die Discussion, die sich an den Vortrag knüpfte, war sehr interessant und währte, obwohl auf einen Antrag aus der Versammlung heraus nur 5 Minuten Redefrist gegeben war, bis um Mitternacht. Sämmtliche Redner sprachen sich für den Judentag aus, und die meisten stellten sich auch sehr sympathisch zum Zionismus. Herr Dr. Guttmann fand einige Vertheidigung durch einige junge Theologen, Herrn Landgerichtsrath Wollstein aber wagte niemand zu vertheidigen. Schliesslich wurde mit überwältigender Majorität folgende Resulution angenommen : „Die heute von Zionisten einberufene, im Börsensaale zu Breslau tagende, zahlreich besuchte öffentliche jüdische Versammlung erklärt die Berufung eines Allgemeinen Deutschen Judentages für eine Nothwendigkeit. In der Erwartung, dass derselbe zur Wahrung unserer bedrohten staatsbürgerlichen Rechte, zur Neubelebung des Zusammengehörigkeits-Gefühls und zur Hebung des berechtigten Selbstbewusstseins beitragen wird, verlangt sie, dass die Delegierten durch allgemeine, gleiche, directe und geheime Wahlen aller deutschen Juden bestimmt werden/ Im Laute des Abends meldete eine grössere Anzahl der Anwesenden ihren Beitritt zur Breslauer Zionistischen Vereinigung, deren Mitgliederschaft in den letzten zwei Monaten um 50°/0 zugenommen hat. * Berlin, Der „Bund jüdischer Corporationen", der die Vereine jüdischer Studenten an deutschen Universitäten umfasst, versendet folgende Resolution, in der er sich für den Allgemeinen Judentag ausspricht: „Wir begrüssen den Gedanken eines Deutschen Judentages freudig; wir erblicken in ihm einen Act der Selbsthilfe, den Anfang einer Organisation, die der Zersplitterung innerhalb der deutschen Judenheit Qin Ende macht und berufen ist, die Wahrung unserer Rechte in die Hand zu nehmen. An diesem Werke mitzuarbeiten, halten wir für die Ehrenpflicht eines jeden deutschen Juden." Zionistische Organisation und Agitation. Seit dem letzten Congresse ist in den verschiedenen Ländern an der Ausgestaltung der Organisation und an einer Erhöhung der Agitation mit schönen Erfolgen gearbeitet worden. Der grossen Agitation der englischen „Zionist Federation" anlässlich der Parlamentswahlen, derAction der österreichischen Zionisten anlässlich der Cultuswahlen, schliesst sich eine energisch betriebene Agitation der deutschen Zionisten zugunsten des Judentages an. Ueber die neuerlichen Fortschritte der Organisations¬ und Agitationsthätigkeit liegen uns erfreuliche Berichte vor, die wir im Nachstehenden wiedergeben : I. Oesterreich-Ungarn. Um eine einheitliche, alle zionistischen Vereine umfassende Organisation zu begründen, wurde vom Verbände „Zion" für den 24. März 1. J. nach Olmütz in Mähren unter dem Titel „Erster österreichischer Zionistentag" eine Conferenz der Delegierten sämmlicher Zions- Vereine einberufen. Nebst der Begründung einer Gesammtorganisation ist nach der Tagesordnung die Berathung folgender Punkte in Aussicht genommen : 1. Programm, 2. Organisation, 3. Agitation, 4. Presse. Nach den Vorbereitungen za schliessen, die für diesen Tag getroffen werden, dürfte eine imposante Betheiligung und eine fruchtbare Debatte zu erwarten sein, die hoffentlich einen regen Aufschwung der österreichischen, zionistischen Bewegung zeitigen wird. Aus Böhmen wird die Begründung neuer Vereine gemeldet. In Prag, dieser bedeutenden Judengemeinde, steigert sich, wie aus dem an anderer Stelle mitgetheilten Prager Briefe,,,zu eriEjeJjefy i&t, .d^r , ^influss, (Jer Zionisten .ipamer mehr. ' Allerdings ist in diesem Lande, in dem der jüdischnationale Geist sich lebhaft zu regen beginnt, noch ein weites Fell für eine erfolgreiche Agitation offen, wie w:r