Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 6 (8.2.1901)
- Article
- Königsberg i. Pr. [Nachricht]
- Date
- 1901-02-08
- Page
- 11 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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„Die & Welt*6 Seite 11 Königsberg i. Pr. Unser Gesinnungsgenosse Herr Josef M ö h i 1 e wer, ein Enkel des IRabbi Samuel Mohilewer sft%eßK Angedenkens, hat aj* #r hiesigen Universität mit der Dissertation „ W u n d t s Stellung zum psychophysischen Paraileiismus" die philosophische Doctörwürde mit dem ersten Grade erlangt. Wien. Unser Gesinnungsgenosse Schriftsteller Hermann Berliner, Secretär des zionistischen Districtsvorstandes für Niederösterreich, hat sich mit der bekannten Literat ur- und Sprachlehrerin Fräulein Ida Kohn veriobt. ^pibäne. (Für Form und Inhalt dieser Rubrik übernimmt die Redaction keine Verantwortung.) Aufruf! Der Verein jüdischer Handelsangestellter in Piag hat beschlossen-, seiner Bibliothek die grösste Aufmerksamkeit zuzuwenden, weil die Erweiterung des geistigen Horizonts, die eben durch eind zielbewusst geleitete Bibliothek am ehesten erreicht wird, eine unserer Hauptaufgaben nicht nur in moralischer und ethischer, sondern vor allem auch in socialer Hinsicht ist. Wissen ist die beste Waffe im Kampfe um die Existenz, und sich dieses Wissen anzueignen, das müssen wir nicht nur dem jüdischen Handelsangestellten, sondern auch jenen durch den antisemitischen Boycott Declassierlen ermöglichen, die sich dem Handelangestelltenstancle zuwenden, und die eben, weil sie weder praktische Erfahrung, noch auch theoretisches Wissen haben, zur drückendsten Concurrenz des jüdischen Handelsangestellten werden. Wir sind überzeugt, alle jene, die sich klarsind über die gegenwärtige Lage und die sich aus derselben mit eiserner Consequenz ergebende zukünftige Lage des jüdischen Volkes, in diesem Kampfe auf unserer Seite zu finden, denn sie werden der fachmännischen und allgemeinen Bildung der Handelsangestellten, der Aufklärung der Declnssierten, der Erziehung, der Selbsterziehung der jüdischen Jugend, das nöthige Verständnis entgegenbringen. Wir wenden uns an alle diese mit der Bitte, unseie Bestrebungen durch Einsendung von Büchern, Zeitungen und Geldspenden zu unterstützen. Für den Ausschuss des Verein es j ü d i s c h e r Handelsangestellter, Prag: A. Her marin, Emil Jelinelc, dzt. Schriftführer, dzt. Obmann-Stellvertreter. Adresse: Prag, Heinrichsgasse Nr. 9. Keilschriften* und fatich**' Rundschau. „II Corriere Israelitico" vom31. Jänner bringt unter anderem einen interessanten Rückblick auf die österreichischen Wahlen. In zwei Artikeln „Un deputato" und „Gli elettori" werden Typen von Jüdischen" Reichsraths-Abgeordneten Und „jüdischen" Wählern in Galizien einander gegenüberstellt. Auf der einen Seite der Reichsraths-Abgeordnete, der alles ist „in wundervoll appetitlicher Mischung": Jüdischer Antisemit; clericaler Deputierter, Cultusgemeinde-Präsident u. s. w. — auf der anderen Seite jüdische Wähler, die vom Rabbiner selbst zur : Wahl eines Antisemiten geführt werden. „Die galizisöhen Wahlen." sagt „Corriere", „geben einen Beweis davon, dass wenn die Juden sich in alles, nur nicht rosigen Verhältnissen befinden, auch sie selbst daran Schuld tragen. Ein Volk, das so handelt, hat keinen Anspruch darauf, anders hehandelt zu werden". . . Das Urtheii ist sicher zu hart, was die galizischen Wähler betriffr, die in der Regel die willenlos Geführten oder die Verführten sind. Aber für die Fuhrer und die' Wählmacher; die das arme abhängige und unwissende Volk zur Selbstentwürdigung, zum „abassamento della propriadignitä* treiben, ist kein Wort des Vorwurfs und der Entrüstung 211 strenge, «Aus de^-faunerjen Inhalte <$eß |G8rrfere 'toräMhicö* *sl httf^M&febtauiuseJttil' Rubrikr)';Zionistische vBelegung" ein „Die Pforte, der Zionismus und die „Politische Correspondenz" betitelter Artikel, in dem die „Pol. Gorr." gebärend abgefertigt wird. Mit warmen Worten wird das Erscheinen der zweiten zionistischen Zeitschrift „L'idea sionista* begrüsst, in der „Corriere" einen Bundesgenossen für die Vfeii/Ileicligung des zionistischen Ideals und einen Kampfgenossen gegen die schwächliche Assimilation und nationale Verrätherei erhofft. In dieser Nummer beginnt „Corriere Israelitico* auch mit der Wiedergabe des Nord au'schen „Doctor Kohn" in italienischer Sprache. Von der „Idea Sionista" (Revista mensile del movimento Sionista, herausgegeben von Sig. Benvenuto Donati in Modena) liegt uns indessen bereits die erste Nummer vor. Im Leitartikel „Unsere Ideale" wird die Entwicklung des europäischen Judenhasses geschildert, dessen zerstörende Wirkungen allein durch den Zionismus aufzuheben sind. Dann wird das Wesen des Zionismus erläutert und zum Schlüsse auseinandergesetzt, was das neue Blatt sich zur Aufgabe stellt: die Juden zur Hilfe und zum sittlichen ßewusstsein ihrer Solidarität aufzurufen, mitzuarbeiten an dem Plane der socialen Erlösung des jüdischen Proletariats, die Bildung von zionistischen Vereinen in Italien zu begünstigen und die nöthige Verbindung unter ihnen zu schaffen, die verschiedensten Themen des Judenthums und des Zionismus zu behandeln. So hofft „L'idea sionista", würdige und noble Waffen zu bereiten, deren sich freie Männer in freiem Lande und in gesitteten Zeiten gegen die wachsende antisemitische Reaction wohl bedienen können. Weitere Artikel beschäftigen sich mit der Gesc hich te des p o Ii t i s c h e n Z i on i smns, der Entwicklung des Zionismus in Italien, mit der rumänischen Judenfrage und den Colonien in Palästina. Zwischen die einzelnen Artikel sind Aphorismen von Nordau, Lazare, Herz l u. a. eingestreut Eine schöne feuilletonistische Skizze „I Maccabei* schliesst mit den Worten: „Zeigen wir, dass noch etwas von dem Blute jener Grossen durch unsere Adern fliesst. Zeigen wir uns ihrer würdig, nicht durch eitles, zweckloses Klagen, sondern indem wir offen und tapfer unsere Solidarität vertreten/ Einige kleine Betrachtungen bilden den Schluss unseres jüngsten, ebenso trefflich redigierten als gut geschriebenen Blattes. b. f. Die „Allgemeine Zeitung des Judenthums" in Berlin ist unendlich zart besaitet. Die forsche Propaganda unserer wackeren, jugendfrischen Berliner Genossen für den Deutschen Judentag geht ihr an die Nerven. Um Gottes, des Abgeordneten Rick er t und der Antisemiten willen leise treten, meine Herren! — Das ist ungefähr der Inhalt einer vierthalbspaltigen grosstantenhaften Ermahnung, die die „Allg. Ztg. des Judenth." in ihrer jüngsten Nummer den „jungen Zionisten" angedeihen lässt. Na, na, Tante Allgemeine, nur nicht gleich böse werden! Sie geben ja selbst zu, „dass die Jugend temperamentvoller, stürmischer, leidenschaftlicher sich zu geberden ein gutes Recht hat". Also was zanken Sie uns aus? Das Leisetreten ist nun einmal unsere Sache nicht, solange wir junge, gesunde Beine haben; das müssen wir schon den bejahrten Commercien-, Justiz- und sonstigen Räthen überlassen, für deren gute Lebensart Sie so sehr schwärmen und die wir — verzeihen Sie, liebe Tante — so unausstehlich langweilig finden. Die Haltung der Antisemiten sollte uns bedenklich stimmen, meinen Sie? O nein, liebe Tante. Erstens ist diese zaghafte Rücksichtnehmerei wiederum nicht unsere Sache, und zweitens halten.wir es gar nicht für so schrecklich, wenn Madame, Kreuz-Zeitung" sich durch unsere Bestrebungen in ihrer Auffassung bestärkt sieht, „dass die Juden ein fremdes Element in unserem Volkskörper darstellen, das weder in diesem aufgehen will noch dies seiner innersten Natur nach verm ag". Wir können wirklich nichts für die Erregung, die dadurch, wie Sie sagen, in weiten Kreisen Ihrer commercienräthlichen Bekanntschaft hervorgerufen wird. Sie werden doch wohl nicht von uns verlangen, dass wir .eine Wahrheit, die uns auf der Zunge brennt, verschweigen sollen, weil sie den Beifall der Antisemiten finden könnte und dies Ihre würdigen, nervösen Freunde aufregen möchte! Eine Wahrheit wird dadurch, dass die „Kreuz- Zeitung" sie ausspricht, auch nicht um ein Tüttelchen weniger wahr. Es ist ja gar nicht richtig, liebe Tante, dass wir „den Unwillen der Freisinnigen und den Beifall der A ntisemiten herauszufordern suche n": wi r kümmern uns nur nicht darum, wenn wir mit Ernst und Mannesniuth für unsere Ideale kämpfen. Was schliesslich Ihren-Vorwurf betriffr, wir verkündeten falsche und verkehrte Anschauungen über Juden und Judenthum, so werden ^wuy Tante Allgemeine, über-' diesen Punkü /wohl flWfiwrt* ffltig WWTvo'h Unserer Seite "w&re da nutzloser Aufwand: Immerhin erlauben wir uns die bescheidene; Bemerkung, dass im östlichen Europa, wo man