Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 5 (1.2.1901)
- Article
- Bielitz
- Date
- 1901-02-01
- Page
- 14 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 14 „Die s£ Welt" Nr. 5 Juden. Nach der socialen Seite vertrat Herr Dr. Gross die Anschauung, dass der Antisemitismus am schwersten den jüdischen Mittelstand treffe und dass der letztere alle Ursache habe, sich zu organisieren und $ie organisierte Arbeiterschaft zu unterstützen, denn je qqnsumkräftiger der Arbeiter gemacht werde, desto günstiger"gestalte sich auch die Situation des jüdischen Mittelstandes. Lebhafter Beifall ward dem Redner zutheil. Herr stud. jur. Richard Krieger dankte dem Vorredner für die Unterstützung der jüdischen Bestrebungen. Der Herr Vorredner könne allerdings diesen Dank mit der Begründung ablehnen, es sei selbstverständlich, dass jeder Angehörige eines Volkes auch für die Interessen seines Volkes, eintrete; er danke ihm aber dennoch, weil gerade ein grosser Theil der jüdischen Berufsintelligenz sich dem Judenthum gegenüber indifferent verhalte. Die Indolenz der sogenannten jüdischen Intelligenz und die Streber des jüdischen Grosscapitals haben die Notblage des jüdischen Volkes zum grossen Theil auf dem Gewissen. In satyrischer Weise besprach der Redner den Wahlaufruf des Lemberger Rabbiners, der die jüdischen Wähler in Gottes Namen aufforderte, bei der Reichsrathswahl für Herrn Pientak zu stimmen, der sich im Falle Araten hervorgetban hat. Durch eine Reihe von Thatsachen führte der Redner den Beweis, dass sich Herr Dr. Markus Steiner, Rabbiner in Bielitz, eines schroffen Gesinnungswechsels schuldig gemacht und gegen den Zionismus von der Kanzel herab polemisiert habe, in der sicheren Erwartung, dass die Zuhörer die Strenge des Strafgesetzes und die Heiligkeit des Gotteshauses zu sehr respectieren werden, als dass sie es wagen sollten, ihn an diesem Orte zu unterbrechen. Die Rede schloss mit einem begeisterten Appell zur Unterstützung der zionistischen Bestrebungen. Viele Anwesende traten dem Vereine „Haschachar" bei. Ueber diese Versammlung brachten längere Berichte: das Organ des Reichsrathsabgeordneten Daszynski „Naprzöd" in Krakau, die „Ostschlesische Deutsche Zeitung" und der „Bielitz-Bialaer Anzeiger". Berlin. Sonntag, den 13. d. M., veranstaltete der Jüdische Turnverein „Bar Kochba* in Berlin sein zweites Schauturnen, welches von dem Gedeihen und der Beliebtheit dieses Vereines wiederum Zeugnis ablegte. Das Schauturnen wurde eröffnet durch die erst vor Kurzem gegründete Lehrlingsabtheilung, die nach einem kurzen Aufmarsch eine Gruppe von Hantelübungen ausführte, an die sich ein flottes Barrlaufspiel schloss. Es folgte die Damenabtheilung, welche unter Gesang einen schwierigen Aufmarsch mit vorzüglicher Sicherheit vollzog und dann eine Reihe von Stabübungen machte. Nach einem graziösen Reigen marschierten die Turnerinnen unter wohlverdientem Applaus der Zuschauer ab, um der Männerabtheilung das Feld zu räumen. Diese turnte zuerst in vier Riegen Doppelbock, Barren, Ringe und Freispringen, wobei besonders die Leistungen der ersten Riege am Doppelbock enthusiastische Beifallsbezeugungen hervorriefen. Beim darauffolgenden Kürturnen, erregte vor allem die Musterriege am Reck Aufsehen. Den Abschluss bildete ein Tauziehen. Abends vereinigten sich die Turnerinnen und Turner zu einem gemüthlichen Tanzkränzchen, das die Th eilnehm er in bester Stimmung bis in die frühen Morgenstunden hinein zusammenhielt. — Der Jüdische Turnverein tBar Kochba" Berlin turnt: mit der alten Herren-Riege : a) L Männerabtheilung: Montag und Mittwoch 8—10, b) II. Männerabtheilung: Mittwoch und Sonnabend 8—10, Grosse Hamburgerstrasse 27; c) Frauen- Abtheilung: Dienstag und Donnerstag 8—10 Auguststr. 67/68; d) Lehrlings-Abtheilung: Montag und Donnerstag 8—10, Weissenburgerstrasse 4a. Gäste herzlich willkommen. — Anmeldungen auf dem Turnsaal. Voranzeigen. Wien. (Einzelverein „ W ien" des Zio n".) Dienstag den 5. Februar 1901 Vortrag des stud. theol. Aptowi tz er: ,.Cremieux und die Juden"; Mittwoch den 6. Februar ausserordentliche General-Versammlung. 1. Rechenschaftsbericht, % Neuwahlen, 3. Eventualia. Wien. (Theologischer Verein der Hörer an der isr. theol og. Lehranstalt.) Samstag den "2. Februar um 9 Uhr morgens wird Herr B. Margulies in unserem Betlocale (Beth-Hamidrasch), IL, Tempelgasse 3, predigen. Beginn des Gottesdienstes um 8 Uhr morgens. Wien. Der »Allgemeine Jüdische Arbeiter- Verein" hat es sich zur Aufgabe gemacht, die geistigen und materiellen Interessen seiner Mitglieder nach jeder Richtung hin zu fördern. Insbesondere wird derselbe bestrebt sein, die Geselligkeit und dadurch das Bewusstsein d|r Zusammengehörigkeit unter der jüdischen Arbeiterschaft zu beleben und zu stärken. Der Verein eröffnet Sonntag den 3. Februar a.-c. um 2 Uhr nachmittags im neuen Saale des Restaurants Antreiber, IL, Im Werd 1 (Ecke Krummbaumgasse 1), einen Tanzunterricht für Anfänger. Unterrichtsstunden jeden Sonntag von halb 3 ,b.is b^Jb 6 Uhr nachmittags. Auskünfte und Einschreibungen im Vereinsiocale, IL, Schwarzingergasse 2, Thür 4, jeden Dienstag, Mittwoch und Samstag von 8—9 Uhr abends, und im Tanzsaale während des Unterrichtes. Die Vereinsleitung. Wien. Samstag den 2. Februar um halb 7 Uhr abends hält Herr Dr. Leopold Kahn, Ehrenmitglied der Vereinigung jüdischer Hochschüler „Bar-Kochba", im Locale dieser Vereinigung, VIIL, Langegasse 14, einen Vortrag über „Saadia Gaon und sein Zeitalter". Wien. Der Verein jüdischer Mädchen „Hadassa" veranstaltetet Donnerstag den 7. Februar im Prachtsaale des Hotel Central, IL, Taborstrasse 8, einen Vortragabend mit nachfolgendem Tanzkränzchen. Beginn halb 9 Uhr abends. Das Reinerträgnis wird der jüdischen Toynbee- Halle in Wien zugeführt. Eintrittskarten sind u* a. auch in der Administration der „Welt", IX., Türkenstrasse 9. sowie bei Frl. Rosa Hammer, IL, Taborstrasse 4, und bei Frl. Melanie Eisenschreiber, IX,, Liechtensteinstrasse Nr. 18, zu haben. Wien. (Erster Wiener Jüdischer Turnverein.) Turnabende finden statt für Herren: Montag, Donnerstag, Dienstag, Freitag von 1/28~9 Uhr. Turnabende für Damen: Mittwoch und Samstag von 6y2—872 Uhr abends. Wien. (Turnverein „Z i o n" in F ü n f h a u s. Turnstunden finden statt im Baron Springer 'sehen Waisenhause, XIV., Goldschlagstrasse 84, Dienstag und Samstag von V*8—9 Uhr. Jüdische Toynbee-Halien. Erste jüdische Toynbee-Halle in Wien XX., Webergasse Nr. 13. Berichte. Mittwoch den 16. Jänner: Herr Prof. Dr. Leon Kellner hielt einen äusserst interessanten Vortrag über den Boeren-Krieg. Der Vortragende hob hervor, dass zu Beginn des Krieges die Stimmung der Juden allenthalben gegen die Boeren war, weil sie als handeisfeindlich und als intolerant galten, was aber thatsächlich nicht der Fall sei. Er erzählte dann, wie die beiden Republiken entstanden, und wie sie dann an England gekommen seien, und warf dann die Frage auf, woher dieses kleine Völklein die Kraft nehme, so lange einen siegreichen Kampf gegen die so mächtigen Engländer zu führen. Dafür gebe es nur zwei Gründe: Die Boeren sind ein Herrenvolk und gottgläubig. Darin gleichen sie, wie Herr Prof. Kellner sagte, den Juden. In der darauffolgenden Pause spielte Herr Hoehstein. Dann folgte eine Recitation des Herrn Kraft mann. Herr Hochstein entfesselte noch zum Schlüsse durch seinen ausgezeichneten Gesangsvortrag einen wahren Beifallssturm. Donnerstag den 17. Jänner: Herr Adolf Steinschneider las seine Novelle: „Ein gebildeter Heiratsvermittler" vor. welche vielen Beifall fand. Nachdem noch Herr Hoch stein ein wenig gespielt hatte, nahm Herr Dr. Benedict das Wort zu seinem Referate: „Gericht und Pr.ocess". Herr Dr. Benedict sagte, dass man aus der früheren Zeit der Cabinets-Justiz eine gewisse Scheu vor den Behörden behalten habe, die aber unberechtigt sei; er hoffe, durch seinen Vortrag dieselbe dem Publicum zu nehmen. Er setzte nun die Organisation der Gerichte auseinander und schilderte dann den Hergang eines Processes sowohl beim Civil-, als auch beim Criminalgerichte. Mit einem Gesangsvortrage des Herrn L o s c h i t z schloss der Abend. Montag den 21. Jänner: Herr Dr. Martin Engländer hielt seinen zweiten Vortrag über Mechanik. Herr Dr. Engländer erklärte in volkstümlicher Weise die Zusammensetzung der Kräfte, Arten der Bewegungen, die Gesetze des freien Falles, die Zusammensetzungen von Bewegungen und schliesslich die Anwendung dieser Gesetze auf die Bahnen der Himmelskörper. Es ist erstaunlich, wie der Vortragende in zwei Vorträgen diesen, Stoff (Mechanik) s.o. gri^MUch undJeichtTj» | verständlich behandelte. ohner»$Laaii»f.teresse der Zuhörer erlahmen zu lassen.