Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 4 (25.1.1901)
- Article
- Wien / Juda
- Date
- 1901-01-25
- Page
- 14 (sequence 2)
- Language
- German
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Seife 14 „Die $'Wert' Nr. 4 jüdischen Stammes ziehen durch den Bannkreis des Olympierlebens. Schon als Kind sah ihn die Judenstadt Frankfurts, wo die Poesie uralter Feste und die Schönheit unserer Frauen ihn die Niedrigkeit des Ghettovolkes übersehen Hessen. Goethe wäre nicht er selbst, hätte er anderes gefühlt als Mitleid und Bewunderung. Bestätigungen dafür finden wir in Wilhelm Meister, im Jahrmarkt u. s. w. In Berlin wurde der Dichter von den Mendels oh ns wenig verstanden, aber auf Lessings Befehl protegiert und zeigte später Achtung vor Mendelsohn, „einem der würdigsten Menschen", Sympathie zu der Varnhagen und zu Bartholdi. In Wien spielten eine ähnliche Rolle die Eskeles, mit denen er in brieflichem Verkehr stand und denen er in Karlsbad seine Neuigkeiten vorlas, wie auch dem Banquier Lämmel. Goethe kannte genauer auch den berühmten Domprediger Veith, der den bekannten Eid auf die Lüge der Biutbeschuldigung schwor, und den Pariser bedeutenden Philosophen Munk. Nach Weimar pilgerten auch die Führer des jungen Deutschland Börne und Heine. Börne, deutscher Zelot, mochte nicht den Cosmopoliten Goethe, und Heine war das Bonzenthum und die Gottähnlichkeit fatal. Aus all seiner Bekanntschaft mit jüdischem Geist und Leben erwuchs für Goethe das Wort: Israel war, ist und wird sein. Damit war das JReferat zu Ende, und es blieb dem Schwiegersohne Dr. Blochs noch übrig — zum Schlüsse seiner Ausführungen — von Verführern ' zu sprechen und Mission zu predigen : That er auch. Juda. Bonn. Am 10. Februar feiert Altmeister Dr. Rülf, unser ausgezeichneter Gesinnungsgenosse und geschätzter Mitarbeiter, seinen siebzigsten Geburtstag, ein Anlass, den die vielen Verehrer und Freunde Dr. Rütfs gewiss zu einer herzlichen Kundgebung benützen werden. Personalnachricht. Fräulein Laura Weiss in Bielitz hat sich mit Herrn Julius Popper in Innsbruck verlobt. ^eitecbriftei)* ut)d J|äclw Rundschau. Bücher-Einlauf. Dr. Adolf Kohut: Berühmte israelitische Männer und Frauen in der Culturgeschichte der Menschheit. Heft 5. Druck und Verlag von A. H. Payne in Leipzig-Reudnitz. D'E 1 v e r t: Geschichte der Juden in Währen. Brünn. Rocznik Zydowski. („J üdisches Jahrbuc h"). Lemberg. Herausgeber Adolf Stand. ,Tnua3ö ♦rrtsnn« n«Jtm rmp npTiv^M ,rrp) Tan wbw 'o ♦pma n mnn vd a1 11 & *<a"p) i^sj-ia w ♦t? naa/ion birnna - *«rp Inhalt unserer heutigen Jargon-Ausgabe: Wochenkalender. —- B. A. B.: Die Juden in Rumänien. — Die jüdische Toynbeehalle. — Politische Wochenchronik, — Brief aus Palästina. — Ben- Chorin: Aus dem jüdischen Lager. — Weltchronik. — Ben-Adam: Literarische Notizen. A. M—n: Die Kometen des Jahres 1901. —• S. Schorr: Bilder aus der jüdischen Geschichte. — Die Todte. Von Maupassant — Gedicht. — A. L. Levvinski: Die JReise nach Palästina im Jahre 2030. — Scholem Alechem: Die Narren. In der Berliner „Jüdischen Presse* beschäftigt sich ein Correspondent mit der Meldung des „Jewish Chronicle" über das Irade des Sultans, welches den Juden in Palästina das Recht des Bodenerwerbs einräumt, und fühlt sich veranlasst, bei dieser Gelegenheit gegen das Actionscomite ganz grundlose Anschuldigungen zu erheben. U. a. schreibt er : „ . . . . Aber es erscheint mir ein Gebot der Wahrhaftigkeit, zu betonen, dass die Legendenbildung gegenwärtig wieder am Werke ist. Es ist wieder einmal von diplomatischen Verhandlungen mit der Türkei die Rede wobei behauptet wird, dass die in voriger Nummer' von Ihnen gewürdigte Aufhebung des Landankaufs-Verbots einer der Erfolge dieser Verhandlungen ist." Demgegenüber stellen wir hiemit fest, dass nichts derartiges „behauptet wird". Der Herr scheint die Erklärung des Actionscömitäs — um eine talmudische Wendung zu gebrauchen — im Halbschlummer gelesen zu haben. Int übrigen hat die zionistische Parteileitung niemals die Legendenbildung begünstigt, wenn sie auch keine Veranlassung hat, Jedermanns Neugierde zu befriedigen. Dagegen ist die angebliche „Behauptung" des Actionscomites nicht die erste Legende der „Jüd. Pr." Nach dem dritten Congress behauptete ein Herr W. Hess in der „Jüd. Pr/, dass die „Welt" einen Passus aus der Congressrede Dr. Herzls ausgelassen habe, während wir diese Rede in ihrem vollen Wortlaute gebracht hatten, und der betreffende Passus von Herrn Hess einfach übersehen wurde. Nun findet der Correspondent der „Jüd. Pr." in der „Welt" wieder eine Behauptung, die nicht drin steht. Er hat sich also einfach versehen- Das ist auch eine Art ausgleichender Gerechtigkeit. M. Z. Erste jüdische Toynbee-Halle in Wien XX., Webergasse Nr. 13. Programm vom 25. bis 30. Jänner 1901. 25. Jänner: Bibelerklärung. 26. „ Herr stud. theol. Diamant: Die Judenvertreibung von Tyrnau; Herr Deutsch: Gesang; Herr Kraus: Cello. 27. „ Herr Arthur Schwarz: „Hein e". Concert: Herr und Fräulein Sternbach (Ciavier), Herr Schorr (Violine). 28. „ Herr Beck: Chazaren. Dr. Boborsky: Gesang. 29. „ Discussionsabend; Concert des Frl. Swedrofsk y. 30. , Herr Apto witzer: Cr «mieui; Concert: Herr Mesteczky. ♦ In Brünn wurde Samstag die neubegründete jüdische Toynbee-Halle mit einer Rede des Dr. Sigmund Wolf eröffnet, der den etwa 150 Gästen den Zweck und das Wesen der neuen Institution erklärte. Nach einem ausgezeichneten Musikvortrag des Frl. Eugenie Tusch ak und des Herrn Z e i s e 1 folgte ein Vortrag des Herrn Dr. Schreier, der ein Thema der jüdischen Geschichte ungemein fesselnd behandelte. Das Arrangement des Abends, das Servieren des Thees u. s. w. hatten die Damen der „Jehudith" übernommen, denen Frl. Marie Weiss (Mitglied des Damen- Comites der Wiener Toynbee-Halle) mit Rath und That an die Hand gieng. S. * Auch in D r o h o b y c z wurde eine jüdische Toynbee- Halle gegründet, die gleichfalls am 19. d. M. eröffnet wurde. In Verbindung mit der Toynbee-Halle wurden Spracheurse (hebräisch und polnisch) eröffnet. Wir berichten Näheres darüber in der folgenden Nummer. ^us det) ^epeii)«i). Voranzeigen. Wien. Sonntag, den 27. d. M. hält im Vereine jüdischer Mädchen „Hadassah" IX., Türkenstr. 9 (Congress-ßureau), Herr Bernhard Tag einen Vortrag über „Ein altes Buch, ein neues Buch". Gäste herzlichst willkommen. Wien. (Turnverein MZionB in Fünf haus.) Turnstunden finden statt im Baron S p r i n g e r'schen Waisenhause, XIV., Goldschlagstr. 84, Dienstag und Samstag von l/38—9 Uhr. Wien. (Allgemeiner Jüdischer Arbeiter- Verein für Oesterreich.) Samstag, den 26. Jänner d. M. findet im Vereinslocale, IL, Schwarzingergasse % ein öffentlicher Vereinsabend statt. Tagesordnung : 1. Die Lage der jüdischen Arbeiter. (Referent Alfred Weissberge r.) 2. Discussion. Beginn präcise l/28 Uhr. Ende y,10 Uhr. Gäste aller Parteischattierungen herzlichst willkommen. Die Vereinsleitung. Wien. (Erster Wiener Jüdischer Turnverein L, M ö 1 k e r b a s t e i 5.) Turnabende für Herren : Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag von ya8—9 Uhr abends. — Turnabende für Damen: Mittwoch und Samstag von 7 —8l/2 Uhr abends. — Vom 6. Februar angefangen beginnen die Turnabende für Damen um 61/» Uhi\