Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 3 (18.1.1901)
- Article
- [Kommentar] / Th. Z.
- Date
- 1901-01-18
- Page
- 13 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 3 „Die & Welt44 Seite 13 Die proletarischen Juden aber der revolutionären Sache entführen, heisst dieser Sache die energischesten, intelligentesten und gewissenhaftesten Elemente entführen." Es wäre also schrecklich, wenn den jüdischen Proletariern eine bessere Lage und Existenzmöglichkeit geschaffen .würde; denn darunter würde die Partei leiden. Th. Z. Doctor Arthur Kahn (Bonn): „Ein Judentag." Unser Gesinnungsgenosse hat die Agitation der deutscheu Zionisten für die Abhaltung eines Judenstaates durch seine Broschüre auf das Trefflichste unterstützt. Wir glauben die Schrift nicht besser empfehlen au können, als indem wir die nachstehende Beurtheilung der „Israel. Rundschau" wiedergeben: „Zur rechten Zeit", heisst es dort, „kam da die prächtige Bonner Broschüre Ton Dr. Arthur Kahn vEin Judentag" (Zu beziehen durch die Buchhandlung Ton Jean Trapp, Bonn, Preis 25 Pf.), deren begeisterte, ehrliche Sprache überall im jüdischen Volke den Widerhall finden sollte, den sie verdient. Wir wollen uns von Ueberschwänglichkeiten fern halten, unsere Lage ist zu ernst und zu düster, als dass um für gegenseitige Beweihräucherung Zeit und Sinn bliebe, aber das muss ausgesprochen werden, dass nie in conciserer Form, in muthvollerer, sachlicherer Weise die Schäden, an denen wir kranken, dargelegt, und dass der Weg zur Besserung noch nie in liebevollerer Zuversicht auf den gesunden Kern im jüdischen Volke gewiesen worden ist, als in dem Kahn'schen kleinen Werk, von dem eine Stuhl weissen burger Zeitung am 3. d. M. schrieb: „Ob der „Judentag" den Erwartungen entsprechen und die Finsternis verscheuchtn wird, wissen wir nicht, davon aber halten wir uns überaeugt, „Zionsgrüsse aus dem Golus". dass eine entsprechende Verbreitung dieser Broschüre weit mehr ausrichten würde als gar viele Judentage.tf Wir möchten alle die, die an dem Judentage ein Interesse nehmen, die nicht Zionsfurcht und Rücksicht auf die guten christlichen Freunde, die auch nicht die Angst, man könnte sagen, „die Juden sind nicht nur eine Confession, sondern eine Stammesgenossenschaft", zurückhält von ihrer Pflicht, nachdrücklich auf die Kahn'sche Broschüre, ihre Leetüre und Weiter Verbreitung hinweisen. Die Nothwendigkeit eines Judentages muss immer mehr von den breiten Schichten der deutschen Judenheit erkannt werden und der Judentag zustande kommen trotz des peinlichen Typus Protestrabbiner redivivus und der krankhaft ängstlichen Seelen." Inhalt unserer heutigen Jargonausgabe: Wochenkalender. — Zum zweiten Mal. — Die Frauen und der Zionismus. — J. A. L u b e c k i: Die erste jüdische Toynbeehalle in Wien. — Politische Wochen-Chronik. — J. Wortsmann: Kauft bei Juden. — Allgemeine Chronik. — Jüdische Chronik. — Die Erbschaft des 19. Jahrhunderts. — A. T.: Kinder-Erziehung bei verschiedenen Völkern. — S. Schon Bilder aus der jüdischen Geschichte. — Saui und David von Lord Byron. — A. L. Lewinski: Die Reise nach Palästina im Jahre 2030. — Schulem-Aleichem: Die Narren. — Mittheilungen des Actions-Comitäs. Ein Vollbild aus dem kürzlich besprochenen Werke „Juda" von Frh. B. v. Münchhausen und E. M.Lilien, das Aufgehen der Zionssonne über Mizraim darstellend, ist soeben als zionistische Postkarte mit dem Aufdrucke „Zionsgrüsse aus dem Golus" erschienen. Vereinen stehen grössere Posten zum Preise von 10 Pfg. —= 12 h per Stück gegen Nachnahme oder Voreinsendung des Betrages zur Verfügung. Der Reinertrag ist für zionistische Zwecke bestimmt. Bestellungen sind an Herrn Rechtsanwalt Dr.Hantke, Berlin W, Charlottenstr. 70, zu richten. Der Waisenknabe. Von J. L. Perez. (Warschau*) Aus dem Jüdischen übertragen von M o r i z Hermann. (Fortsetzung.) Der Waisenknabe lief hinter ihnen her, vergessen und verschüchtert. Die Augen waren ihm gross herausgetreten; über das magere Gesicht lief die Spur der eingetrockneten TJhränen; die Lippen zuckten noch vom Weinen und er fühlte nicht einmal Hanger, obwohl er seit dem Morgen nichts im Munde gehabt. Aber Kinder vermögen nicht lange zu trauern. Die Meilensteine zur Seite des Strassengrabens zogen seine Aufmerksamkeit auf sich. Jedesmal fand sich ein solcher Stein auf einem von Gras umsäumten Erdhügel, der einem von der Ferne mit einem grossen Auge entgegenstarrte, und wenn man in die Nähe kam, war es ein rothes Rad mit einer Ziffer in dar Mitte. Wozu diese Steine nützten, war