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Die Welt · 1901-01-18 · 3 (18.1.1901) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
3 (18.1.1901)
Article
Zur zionistischen Frauenbewegung
Date
1901-01-18
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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„Die & Welt4* Seite 7 dass die zionistische Schule der Selbsterkenntnis, der Läuterung und Selbsterhebung an sich ein Gesundungs-Pro cess ist gleich dem Leidensweg unseres Volkes dur^j|U^^üst§, welcher erst nach langer Prüfung und Sichtung des vorhandenen Materials den Besten und Würdigsten das Ziel ihrer Wünsche erschloss!" Rauschender Beifall lohnte die trefflichen Ausführungen des Redners. Allgemeiner Jüdischer Arbeiterverein. Sonntag den 13. Jänner fand im Locäle des Vereines „Zion" unter überaus zahlreicher Betheiligung die c:>n~ stituirende Versammlung des „Allgemeinen Jüdischen Arbeitervereines" statt. Der Proponent Herr Gross eröffnete dieselbe und wies auf die Schwierigkeiten hin, die das Comite* zu überwinden hatte. Zweimal wurden die Statuten aus formalen Gründen zurückgewiesen, wodurch dieConstituirung sich so lange verzögert habe. Herr Gross begründet sodann unter lebhaftem Beifall die Notwendigkeit jüdischer Organisationen. Wenn auch die jüdischen Arbeiter in Wienkeine compacten Massen wie beispielsweise in England und Amerika bilden, so gebe es deren doch genug, um sie vorläufig in einer gemischten Gewerkschaft zu organisieren. In der sozialdemokratischen Organisation finden diese Arbeiter, die zumeist aus dem Osten stammen, weder eine Befriedigung ihrer geistigen und nationalen Bedürfnisse, noch eine Vertretung ihrer speciellen wirthschaftlichen Interessen als Juden. Die Social demokratie will und kann; den jüdischen Arbeiter gegen den immer mehr überhandnehmenden antisemitischen Boycott nicht schützen; im Gegentheil: Durch die von der Socialdemokratie unterstützte Tendenz der Verstaatlichung und der Verstadtlichung vieler Privatbetriebe hilft sie geradezu dem jüdischen Arbeiter die Arbeitsgelegenheit entziehen. Beispiele: Die Wiener Gaswerke, die Tramway und viele andere Grossbetriebe, die Gommunal- oder Staatseigenthum wurden, entliessen die jüdischen Arbeiter und stellen keine Juden mehr an. Dem Zionismus fällt die Aufgabe zu, schon gegenwärtig Arbeitsgelegenheit für die jüdischen Arbeiter zu schaffen. Durch die nationale Bewegung einerseits, welche den jüdischen Arbeitgebern die Pflicht zum Bewusstsein bringt, in erster Linie jüdigche Arbeiter zu beschäftigen, andererseits durch die Gründung von jüdischen Arbeiterorganisationen mit stramm funcfcionierenden Stellenvermittlungen wird der Zionismus theilweise dem furchtbaren antisemitischen Boycott entgegenarbeiten können. Als zweiter Redner sprach Herr Rubinstein, der u.a. seine traurigen Erfahrungen als themaliger Arbeiterführer in der Socialdemokratie schilderte. Anlässlich der Kosciuszko-Feier in Krakau fanden — zur grösseren Ehre Kosciuszko's—Judenkrawalle statt, an welchen erwiesenermassen viele Socialdemokraten theilnahmen. Allerdings erklärte die Parteileitungen, diese seien keine „zielbewussten Genossen". Die eingeworfenen Fenster der Juden bewiesen jedoch, dass ihr „Zielbewusstsein" nichts zu wünschen übrig liess. (Heiterkeit.) Das Charakteristische war jedoch folgendes: Viele jüdische Socialisten, die mehr als einmal Polizei und Militär als das Ueberflüssigste auf der. Welt hinstellten, waren genöthigt, die Behörden um Schutz vor dem Pöbel zu bitten, und es zeigte sich, dass die Juden bei den geschmähten Behörden eher Schutz fanden als bei der Socialdemokratie. Viele jüdische Socialdemokraten sahen ein, dass sie „Kammerknechte" der Socialdemokratie gewesen waren, ohne den Schutz zu finden, den die Fürsten des Mittelalters ihren „Kammerknechten" an gedeihen Hessen. Wir aber wollen niemandem Kammerknechte abgeben. Als Juden werden wir verfolgt, als Juden wollen wir uns daher in Organisationen zusammenschliessen und schützen. Niemandem zu Leide, uns zur Ehre und zum Nutzen. (Lebhafter Beifall) Mit grossem Beifall begrüsst, ergriff hierauf Herr Architekt M a r m o r e k das Wort, um namens des Actions- Comites die neue zionistische Organisation zu beglückwünschen und zu erklären, dass das Actions-Comite jederzeit jüdische Arbeiter-Organisationen auf das kräftigste unterstützen werde. Der Zionismus, sagt Redner, müsse sich von unten nach oben durchsetzen und deswegen sei es zu begrüssen, dass Organisationen gegründet werden, welche berufen sind, unsere Ideen in die breiten Schichten des jüdischen Volkes zu tragen. (Langanhaltender Beifall.) Die hierauf vorgenommenen Wahlen ergaben folgendes Resultat: I. Obm.: Herr R u b i n s t e i n, II. Obm,: Herr Präger, Schriftführer: Herr G r ü n h u t, Cassier: Herr B r a n e r. In den Äüsscnuss wurden ferner1 gewählt: die Herren Haster Ii k, B i&hen s töck,' Br aini n, L au f er,'" Fingern u t, Wistaw, Hammer und Gross. Während der Versammlung, der ein Regierungsvertreter beiwohnte, traten ausser den bereits vor der Constituirung Angemeldeten, weitere M Arbeiter als Mitglieder dem Vereine bei. Bilder aus Toynbee-Hall. Von S. Unsere Musiker. Die Eröffnung ist vorüber. Musik und helle, freudige Worte sind verklungen. Wer wird uns an Werkeltagen Musik machen? Wer wird hier spielen, hier auf diesem kleinen Podium, im engen, dichtgedrängten Räume? Vorerst meldet sich ein Student, Herr Phillip; er weiss zahllose Volkslieder von slavischem Klang, allerlei Tänze und Melodien; er spielt vor Beginn der Vorlesungen, er füllt die Pausen aus, er spielt zum Schluss — er gehört bald zum Bau. In den nächsten Tagen spielen Frau Dr. Kornfeld, es singt der Herr Cantor Deutsch, und Fräulein F e ig e nb a u m weckt das Interesse der Hörer durch ihr klares und sicheres Spiel. Sie alle aber stehen zur Halle in einem — ich möchte sagen — verwandtschaftlichen Verhältnis und sie können doch nicht immer wieder aufs Podium. Bald kommen Aussenstehende, zufällig Anwesende, die sich unsere bescheidene Institution anschauen wollen. Der erste ist Herr Neufeld, ein absolvierter Conservatorist, der nun dem Studium der Compositionslehre lebt. Er spielt grosse Musik: Liszt und Rubinstein. Das schwache Instrument erbebt unter seinem Finger, ein Zittern geht durch die Versammlung; nicht alle Anwesenden verstehen die Qualität des Spielers, aber alle sind gepackt von der Musik und von der Art, wie sie ihnen vermittelt wird. Die nächste Gabe bietet ein junger Mediciner — der Sohn eines bekannten jüdischen Hauses. Herr T e des c o, gegenwärtig vom Meister S t o ck unterrichtet, ist in der Gesellschaft als Violinspieler bester Qualität wohlbekannt, ein Amateur, der in den besten Musikkreisen ernst genommen wird. Er spielte Raff, Schumann, dann endlich Sarasates Zigeunerweisen, die einen unstillbaren Beifallssturm entfesselten. Wir bekommen auch eine schöne Wiener Hausmusik zu hören, ein Trio. Fräulein F e i g e n b a u m am Ciavier. Herr Glaubauf spielt Violine, seine Schwester singt einen lieblichen Sopran. Diese zwei gelungenen Productionen waren vorbereitet, ebenso ein Concert des jugendlichen Geigers Nachez, der Herren F i e d 1 e r, F o 1 g e r, Fräulein Popper, Schaffer-Steiner und Schorr, sie alle kamen mit schönen Gaben und fanden vielen und wohlverdienten Beifall. Herr Professor A u b e r, ein vorzüglicher Musiker und vielgesuchter Musikpädagoge, der die Halle mit seinem Cello eingeweiht hatte, brachte seine Schülerin Fräulein Helene Kohn. die stürmischen Beifall fand. Kurz, es fehlte nicht an harmonisch klingenden Genüssen von einfachen Darbietungen bis zu Kuastleistuugen ersten Ranges. Eines Abends, da wollte es gar nicht stimmen mit der Musik, die Hauskünstler fehlten, und der Vorsitzende forderte die Besucher auf, etwas zu spielen. Zögernd erhob sich ein Mädchen. „Ich kann nur einen Walzer spielen." „Schön, spielen Sie einen Walzer." Es geht ganz gut, — zum Thee, die Pause auszufüllen. Es wird aber unruhig dort hinten, wo die Herren stehen. Wir haben hier eine Künstlerin, eine Conservatoristin. „Sie wird uns was spielen." Man merkt bald, wer gemeint ist. Die junge Dame ist befangen, ihr Gesicht geröthet. Nun aber legt sie ihre Scheu ab, sie setzt sich vor den Flügel und zaubert eine Musik hervor, über die sich der alte Kasten vielleicht am meisten wundern müsste, wenn er sich bei uns diese Regung nicht schon längst abgewöhnt hätte. Er ächzte und stöhnte vor Begeisterung und das Publicum, es hörte gar nicht, dass Tasten-'stecken blieben und Saite;) klirrten — es jubelte vor Lust und Freude und rie. die jugendliche Künstlerin immer

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