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Die Welt · 1901-01-11 · 2 (11.1.1901) · p. 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
2 (11.1.1901)
Article
Der Waisenknabe
Date
1901-01-11
Page
15 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 2 „Die 2$ Welt" Seite 15 Bürgersleute giengen, ein jeder bis zu Ende seiner Gasse; andere begleiteten die Bahre bis zur Stadt hinaus, dann traten sie zurück. Wo man stehen blieb, klopfte .man an vjffen; I u. die erste Fensterscheibe, die zur Hand kam, und die in der Stube wussten bereits, wesshalb man pochte. Man brachte Wasser und die Leute begossen ihre Fingernägel, murmelten das Gebet, seufzten ihr Theil und dann gieng jeder seines Weges. ■ Bürgersöhnchen. Kostgänger und Studienbeflissene, die einst zu Avigdor in die Schule gegangen waren oder sonst mit ihm über Thora disputiert hatten, begleiteten die Bahre bis ausserhalb der Stadt; bis zum Friedhof gierigen auch sie nicht. Der Tag war warm und hell, man bog daher lieber nach rechts zum Bach, um sich die Hände zu waschen. Andere wollten einen Spaziergang machen; soweit hinaus zu gehen, verlohnte sich ja nicht, aber da man schon dawar... Andere wieder benützten die Gelegenheit, um im Freien ein Bad zu nehmen. Das Grab ward verschüttet, und nur noch wenige Lehrer, die Collegen des Verstorbenen, waren zurückgeblieben, um mit dem Knaben des Kadischgebet zu sagen; dann eilten auch sie zurück. Wer weiss, dachten sie, was die Schüler inzwischen angerichtet haben! Das Täfelchen mit der Aufschrift „Hier ward gebettet. .tt, das provisorische Grabmal, das sicherlich definitiv bleiben sollte, steckte Joine Boz ins Grab und entlud in bitteren Scheltworten seinen Zorn über die Bürger. Die Kräfte hatten sie ihm weggenommen, ihm das Mark aus den Knochen gesogen und nun werfen sie ihn fort wie eine aüsgepresste Citrone . . . Die Träger schlössen den Friedhof. Der Weg in die Stadt betrug ungefähr eine Werst; die Sonne war im Untergehen; man würde also gerade zum Abendgebet anlangen, vielleicht noch Zeit finden, einen Schluk Brantwein zu nehmen, zur Arbeit jedenfalls würde man sich nicht mehr hinsetzen. Man gieng also langsam, Schritt für Schritt, und gedachte scheltend der Bürger und ihres versteinerten Herzens. Nicht gegen die Lehrer allein richte sich ihre Härte, wie benähmen sie sich denn gegen die Unbemittelten überhaupt und gegen die Handwerker im Besonderen? Bald lies man den Todten und sprach über „lebendige Sorgen". Die Todtenträger seien arm und über ihnen stehe die Bruderschaft. Jene rackerten sich zu Tod und diese verwende alle Einnahmen für Angehörige des Vorstehers, für Müssiggänger und Tellerlecker. Nie dürfe ein Handwerksmann in öffentlichen Angelegenheiten mitreden. Von wem werde der Vorbeter bestellt? Von Bürgersleuten. Ob sie wohl das Krähen eines Hahns von einem Triller zu unterscheiden wüssten? Und solche Schmerbäuche nehmen Vorbeter auf! Wer ernenne den Schächter? Bürgersleut'! Reb' Schmerl, der Vorsteher, zum Teufel mit ihm! Drei Anverwandte — drei Schächter! Höchste Zeit sei es, ihnen etwas vorzumachen. Joine war bereits daran, die Einkäufe für das Festessen zu besorgen, welches die Handwerkerschaft alljährlich veranstaltet, aber wegen der Theuerung musste er es wieder lassen, und eine Theuerung benehme dem Gewerbsmann den Muth . . . (Fortsetzung folgt.) ***^^V^M^WMW»*,^^*^»^**^^^*****^******A*******M» Spenden. Für die Toynbee-Halle: M. Scherlag. Anstatt Telegramm zur Trauung des Frl. Auerbach in Stryj K — .60, Menachim Horodischz, Bialystok K 3.-—. Zusammen K 3.60. Für zionistische Zwecke: Sammlung Em. Taussig, Linz K 1.60, Mahler Czerny Dunajec, anlässlich der Verlobung des Heinrich Gutfreund mit Frl. Lammersdorf Fannie K 1.20, Leib Inslioh und Schaje Streit, anstatt Telegramm zur Hochzeit Hübner mit Frl. Wundermann K 1.20. Zusammen K 4.—. Für die rumänischen Juden : Horodischz Menachim, Bialystok K 5.—, Einige jüdische Gymnasiasten, Krotoschin K 5.87. Zusammen K 10.87. W^^M»^WMWi^AMMAW»^W^ Briefkasten. R. F. Sie haben nie ihre Adresse angegeben. Wollen Sie das Mannscpript bei uns abholen lassen. M. S. in J. „Jugend" und „Simplicissimus", bei-ie in München. „Die Insel" von Otto Julius Bierbaum. Doctor Bloch. In Angelegenheit des Doctor Bloch und der „Oesterreichischen Wochenschrift" sind uns so viele Zuschriften zugekommen, da?s wir die Erledigung dieser Angelegenheit auf die nächste Nummer verschieben müssen. *A*W\if\A*V**W*W+J^Af*AAW****^^*^AWS^ Goncurs-Ausschreibung. Bei der israel. Cultusgemeinde in Karlsbad ist die Stelle des Obercantors vacant und soll spätestens am I. Juli 1901 wieder besetzt werden. Musikalisch gebildete Bewerber, nicht über 35 Jahre alt, mit guten Stimmmitteln und der Fähigkeit, den Synagogenchor zu unterrichten, wollen ihre mit Zeugnissen belegten Gesuche bis Ende Januar 1901 an den unterzeichneten Vorstand einsenden. Fixer Gehalt 3600 K und nicht unbedeutendes Nebeneinkommen. Bevorzugt werden jene Bewerber, welche auch die Befähigung besitzen, ßeligionsanterricht zu ertheilen. Alle näheren Bedingungen sind beim gefertigten Vorstande einzusehen. Karlsbad, den 25. December 190Ö. Der Vorstand der isr. Cultusgemeinde. JULIUS MEINL KflFFEE-mPORT WIEN—BUDAPEST—BRÜNN CENTRALE UND COMPTOIR : I, FLEISCHttFIRKT NR. 7. MAN ACHTE AUF DIE FIRMA, UM VERWECHSLUNGEN ZU VERMEIDEN!!

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