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Die Welt · 1901-01-11 · 2 (11.1.1901) · p. 13

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
2 (11.1.1901)
Article
Czernowitz
Date
1901-01-11
Page
13 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 2 „Die x£ Welt' Seite 13 ist (W ausserordentlich grosse Indifferentismus der jüdischen Bevölkerung in der Bukowina und den angrenzenden Theilen Galiziens tief bedauerlich« Denn noch immer schwankt eine grosse Anzahl von Juden, namentlich in den Kleinstädten, gesinnungslos in verschiedenen Lagern und sieht nicht den lauernden Feind, der durch böswillige Verhetzungen aufgestachelt, den günstigen Moment für antisemitische Bravourstücke lauernd erwartet. Als passende Gelegenheit zur Erweckung des Gemeinsinnes und des Zusammengehörigkeitsgefühles hat nun die akademische Verbindung 5;H a smonaea" zunächst die Makkabäer-Feiern ersehen und eine Anzahl Redner entsendet, die überall vom zionistischen Standpunkte aus an die jüdischen Herzen appellierten, sich nicht durch Scheinfreundschafc und verlockende Zuvorkommenheit in den Schlaf lullen zu lassen. Es sprachen demgemäss in Kolomea, Nadworna und O 11 y n i a stifd. jur. Klüger, in R o h a t y n stud. jur. Sehorr, in B o j a n und Kossow stud. jur. Sommer und in der Laudeshauptstadt stud. jur. K offler. Der Erfolg ist auch ein befriedigender, denn sowohl in der Landeshauptstadt als auch in den Nachbarorten sind viele neue Anhänger geworben und der Impuls zur Einigung gegeben worden. Ausserdem liegen Agitations-Projecte im Sinne des zionistischen Programmes vor, die die akademische Verbindung „Häsin o n a e a" zur Verwirklichung bringen wird. Wien. (Verein j ü d. Mädchen „Hadassa".) Sonntag den 30. December 1900 hielt Herr Dr. Leopold Kahn einen ausserordentlich fesselnden Vortrag über: „Die Stellung der Frau im Alterthum". In ausgezeichneter Weise bewies der Vortragende an der Hand zahlreicher Beispiele, dass die Frau im Judenthum stets eine gleichberechtigte, zum Theil auch bevorzugte Stellung einnahm, im Gegentheil zu allen anderen Völkern, wo sie als untergeordnetes, minderwerthiges Wesen behandelt wurde. Der Vortrag endigte in einem warmen Appell an die jüdischen Frauen und Mädchen, eingedenk dieser Thatsache den jüdischen Geist zu pflegen, das nationale Interesse nach Kräften zu wahren. Die zahlreich erschienenen Gäste zollten den geistreichen Ausführungen des Referenten grossen Beifall. Die am 6. d. stattgefundene Wahl ergab folgendes Resultat. Die Fräulein: Amelie G e 1 b t u c h, Präsidentin; Rosa Hammer, Vicepräsidentin; Ina Schimmer, erste Schriftführerin; Rosa ßerger, zweite Schriftführerin: Anna S c h a p i r a, Cassierin; Clara S c h a p i r a, Bibliothekarin; Gisela Geiringer und Clara C zech er, Ausschussmitglieder. Voranzeigen. Prag. Der Verein der jüdischen Hochschüler „Bar K o c h b a" in Prag veranstaltet am 19. Jänner in Heines Wintergarten ein Tanzkränzchen. Wien. (Erster Wiener Jüdischer Turnverein, I., Mölkerbastei 5.) Turnabende finden statt: für Herren: Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag von V28—9; für Damen: Mittwoch und Samstag von 7—1/29 Uhr. Anmeldungen werden an den Turnabenden entgegengenommen oder sind schriftlich an die Vereinsadresse zu senden. Wien. Der Wiener „Zionistische Frauenverein" veranstaltet Sonntag den 13. d. M. abends im Bureau des Zionisten-Congi esses, JX., Türkenstr. 9, seinen zweiten Vereinsabend. Herr Doctor Theodor H e r z l wird an diesem Abend, über: „Die Frauen und der Zionismus" sprechen. Beginn 8 Uhr. Wien. (Einzelverein „ VV ien" des Z i o n- Verbandes, IL, Schwarzingergasse 2.) Sonntag den 13. Jänner 1901, V28Uhr abends, findet im Vereinsiocale, IL, Schwarzingergasse 2, ein Vortrag von Herrn W e i s sberger statt. Thema: „Jüdische Charakterstu d i en." Wien. (Allgemeiner Jüdischer Arbeiterverein in Wien.) Sonntag den 13. Jänner findet im Locale des Einzelvereines „Zion", IL, Schwarzingergasse u2 (Ecke Leopoldsgasse 27), die constituierende Versammlung statt. Tagesordnung: 1. Ansprache des Proponenten Gross. i\ Referat des Herrn Salomon Rubinstein: „Warum müssen sich die jüdischen Arbeiter auf national-sociaier Basis organisieren?" 3. Aufnahme neuer Mitglieder und Wahlen. 4. Eventuelles. Beginn 2 Uhr nachmittags. Gesinnungsgenossen, erscheint zahlreich und pünktlich. Die Proponenten. Wien. (Einzelverein „Fünfhaus" des„Zio n".) Donnerstag den 17. Jänner hält Herr Kedacteur Berthold F e i w e 1 in Herlingers Restaurant einen Vortrag : «Wie können wir die wirtschaftliche Lage der Juden heben?" Wien. (Verein j ü d. Mädchen „HadassaV; Sonntag den 13. Jänner hält im Verein, IX., Türkenstrasse Nr. 9 (Congress-Bureau), Herr Schriftsteller H. York- Steiner einen Vortrag über: „ß in seltsames Interview". Beginn halb i Uhr. Gäste herzlich willkommen. Erste jüdische Toynbee-Halle in Wien XX., W^ebergasse Nr. 13. Berichte. Mittwoch de n L2. J ä n n e r 1901. Eingeleitet wurde der Abend durch einen Ciaviervortrag des Herrn Hochsteiu. Sodann hielt Herr Doctor Fisch 1 seinen Vortrag über die Todesstrafe. Bezüglich der Frage: Ist die Todesstrafe beizubehalten? präcisierte eisernen Startpunkt dahin, dass, solange die socialen Verhältnisse auf so tiefer Stufe sind, wie jetzt die Todesstrafe beibehalten werden mü^se. In der nach dein Vortrage folgenden Pause sang Herr Hochstein einige Lieder und riss durch seine herrliche Stimme das Publicum zu lebhaftem Beifalle hin. Hierauf ricitierte Frl. Therese Pick das Gedicht: „Die menschliche Dankbarkeit11. Dann folgte die Discussion über den Vortrag des Dr. Fisch L an der sich Frl. M a n n, Herr Eugen Weiss und Herr Dr. Leopold Kahn betheiligten. Letzterer entwickelte das jüdische Rechtsprincip, welches nicht, wie der Herr Referent gesagt hatte, auf dem Dajon-Standpunkt (Aug' um Aug') beruht, sondern darauf, dass der Fehler womöglich wieder gutgemacht wird. Donnerstag den 3. Jänner. Herr Ernst Müller eröffnete den Abend mit einem Ciaviervortrag. Hierauf spielte Herr Leo Philip p aus Russland jüdische Melodien, welche grossen Beifall fanden. Es folgte dann ein sehr gediegener, höchst lehrreicher Vortrag des Herrn Professors Dr. Leon Kellner über die Entstehung der Sprache und über den Zusammenhang der einzelnen Sprachen untereinander. Hierauf sang Frl. Mathilde Hai pern den „Aufenthalt" von Schubert und entzückte die Zuhörer durch ihre überaus schöne Stimme. Reicher Beifall lohnte ihren herrlichen Gesang. Herr Ernst Müller, welcher auch Frl. H a 1 p e r n begleitete, spielte nun eine Ciavierpiece von Mozart. Es folgten noch eine Recitation des Frl. Therese Pick und ein Ciaviervortrag des Herrn Ernst Müller. F r e i t a g de n 4. J änne r. Herr Prof. Dr. Leon Kellner hielt einen äusserst interessanten Vortrag über Don Josef Nasi, der nächsten Abend zu Ende geführt wurde. Dann folgte Bibelerklärung von Herrn Ä p d o w i t z e r. Samstag den 5. Jan n e r. Dieser Abend gehörte zu den gelungensten. Er bot den Besuchern der Toynbee-Halle einen wahren Kunstgen uss. Ein Wort des Herrn Y o r k - S t e i n e r, der an diesem Abend den Vorsitz führte : „Das Beste ist für die Toynbee-Halle noch gerade gut genug", ist wirklich wahr gemacht worden. Im Nachstehenden der Verlauf des Abends. Nach dem Vortrage Prof. Kellners folgte ein Violinvortrag der Herren Schafe r und Steiner, die viel Beifall ernteten. Hierauf entzückte Frl. Helene Kohn, welches Herr Professor A u b e r auf dem Ciavier begleitete, das Publicum durch einen künstlerischen Cello Vortrag. Zum Schlüsse sang noch Herr Höchsten), den Herr Flecker begleitete, des Preislied aus den „Meistersingern von Nürnberg" und einiges aus „Cavalleria Rusticana". Sonntag den 6. Jänner. Concert des Herrn Schorr (Violine) und des Frl. Stern bach (Ciavier). Herr Scho r r und Frl. S t e r lifo a c h ernteten reichen Beilall für ihr wunderbares Spiel. Sodann folgte eine Recitation des Herrn Alex. Laub. Frl. Therese P i c k, die schon öfters das Publicum der Toynbee- Halle durch ihre Vorträge erfreut hatte, trug das Gedicht „Jetzt wird's wieder Frühling bald" vor. Mit einem glänzenden Violinvortrag des Herrn Schorr schloss der Abend. Montag den 7. Jänner. Herr Dr. Martin Engländer hielt einen äusserst interessanten Vortrag über Mechanik. Nachdem er in sehr volkstümlicher, leicht verständlicher Weise, was als besonderes Verdienst anzurechnen ist, die Kegelschnittslinien erklärt hatte, trug er noch die grundlegenden Elemente der Mechanik, die Zusammensetzung, Zerlegung und Aufhebung der Kräfte in leicht fasslicher Weise vor und wusste das Interesse des Publicums während seines ganzen Vortrages rege zu halten. Hierauf las Herr Adolf Stein-

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