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Die Welt · 1901-01-11 · 2 (11.1.1901) · p. 12

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
2 (11.1.1901)
Article
Braila
Date
1901-01-11
Page
12 (sequence 2)
Language
German
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Seite 12 „Die x£ Welt- Nr. 2 der von Herrn Cantor S c h o r r mit Chor und Harmoniumbegleitung besorgt wurde, zu. Herr Gass van hielt sodann die Tendenzrede im Jargon. Seine Worte fanden einen mächtigen Widerhall in den Her zen Aller. Rührend war das von den Talmudthora-Kinderchen unisono vorgetragene Gedicht. Hierauf hielt Herr Adolf B e r n h a r d t eine deutsche Tendenzrede, die mit vielem Beifall aufgenommen wurde. Die Feier endete mit der Reeitation eines Gedichtes durch Herrn Agent: „Jehuda Makkabi* von A. Goldfaden. Tarnopol. Am 23. December 1900 veranstaltete die hiesige akademische zionistische Jugend ein Makkabäer-Fest, das in jeder Beziehung gelungen genannt werden darf, und einen unerwartet günstigen, ideellen sowohl wie materiellen Erfolg zu verzeichnen hat. (Der Reinertrag wurde dem Fonde eines zu gründenden jüdischen Studenten-Internates gewidmet.) Mit einer schwungvollen Begrüssungsrede eröffnete College David Schalit, stud. med., den Abend vor einem dichtgefüllten Saale. Zum erstenmale hatte sich eine grössere Anzahl von hartgesottenen Assimilanten zu einem zionistischen Feste eingefunden. Hierauf ertönte der wahrhaft herrliche Gesang des Herrn B. Kaufmann, Mitgliedes der Lemberger Oper. Herr Kaufmann, der einer grossen Zukunft entgegensieht, ist nicht nur ein gottbegnadeter Künstler, sondern auch ein wahrhaft treuer Sohn seines Volkes. Das bewies er durch seine Theilnahme an unserem Feste, die ihm nur durch die Ueberwindung von mancherlei Hindernissen möglich war. Das Festcomite drückt ihm hiemit noch einmal öffentlich seinen Dank aus. Nach Herrn Kaufmann, der unzähligemale jubelnd hervorgerufen wurde, hielt unsere bekannte Gesinnungsgenossin Frl. R^sa P o m eranz die Festrede. Diese Rede war in Inhalt und Form gleich ausgezeichnet. Nächst den beiden Genannten verschönerte das Fest ein Violin- Ductt, vorgetragen von Coli. Pomeranz und Frl. Antonie M e s s u t a, eine polnische und hebräische Declamation von Coli. W aldmann, sowie zum Schlüsse die äusserst gelungene Aufführung des III. Actes aus Nord aus „Doctor Kohn", wobei nebst den Damen A. und J. Messuta sich die Coli. Melzer. Schalit und La n d a u hervorthaten. Das Auferstehungslied beschloss die Feier. ©oPFespondenzen. Wien. (Aus dem Cultusvorstand.) Die erste öffentliche Sitzung des Cultusvorsiandes, an der bereits die neugewählten Vorstandsmitglieder aus der allgemeinen und aus der Curie der Höchstbesteuerten theilnahmen, war bloss der Wahl des Präsidiums und der Eintheilung der Vorstandsmitglieder in die einzelnen Sectionen gewidmet. In das Cuitusgemeinde-Präsidium wurden gewählt: Präsident kais. Rath Klinge r. Vicepräsidenten Dr. Alfred Stern und Dr. Gustav K o h n. Mähr.-Ostrau. Unter dem Vorsitze des Herrn Trenn er fand hier am Donnerstag den 27. December 1900 eine Versammlungstatt, mit dem Zwecke, einen jüdischen Geselligkeitsclub von hiesigen Bürgern und Handelsangestellten zu grüuden. Nach zweistündiger heftiger Debatte gelang es unseren Gesinnungsgenossen, den Herren D e u t s c h und S t a p 1 e r, statt des jüdischen Geselligkeitsclubs einen „Jüdisch-nationalen Bildungs- und Geselligkeitsvereinu zu gründen. Die Statuten werden noch im Laufe dieser Woche an die Behörde abgesandt. So wäre nun der Grundstein zur Verbreitung des jüdisch-nationalen Gedankens, somit auch des Zionismus, unter der hiesigen jüdischen Bevölkerung gelegt. Es ist zu erwarten, dass der neugegründete Verein dem Zionismus endlich in Ostrau Eingang verschaffen wird. S. H. London, 30. December. Vor kurzem ist der Gouverneur der englischen Goldküste Sir Frederic H o d g s o n, derselbe, der vor geraumer Zeit in Kumassi monatelang von den Aschantis hart bedrängt wurde, bevor der Ersatz kam, durch einen militärischen Nachfolger, den Genie-Major M a t h e w Nathan ersetzt worden. Nach der „United Service Gazette" ist dies der erste Jude, dem der Gouverneurposten einer britischen Colonie übertragen wird. Major Nathan ist ein junger Mann (geboren 18(>2) und hat in Aegypten wie in Indien allerlei Krieg^züge mitgemacht. Das Blatt hobt noch besonders hervor, dass er ein thätiges Mitglied der „Anglo Jewish Association" ist, eines Verbandes, der sich den Schutz und die Erziehung verfolgter Juden zum Ziele setzt. $fas det) \)ei*eii)ei). Berichte. Kuttenberg. Die constituierende General-Versammlung des .Jüdischen Volksverei n es" fand im December vorigen Jahres bei ziemlich starker Betheiligung statt. Aus den Wahlen giengen hervor die Herren: Präses: Josef Wohryzek; Vicepräses: Adolf Heiler aus Hlizek; Cassier : E. B 1 a 11 n e r; Schriftführer : Ludwig Markus. Ferner als Ausschussmitglieder: Paul Pick, Eduard Wohryzek, Rudolf Jelinek, Heinrich Klein aus Sedletz, Ludwig Abeles aus Czaslau. Als Ersatzmänner: Alfred Freund, Heinrich Geiger. Rechnungsrevisoren: Theodor Zelenka, Josef Pick aus Sedletz. In das Schiedsgericht: M. Milrad, Moriz ß lattner, Julius Rosenzweig, B. Abeles und L. Heim. Nach der General-Versammlung hielt Herr JUDr. Ad. Bergmann aus Pardubitz einen formvollendeten Vortrag über „Assimilation und Zionismu s", der ungetheilten Beifall fand. Hernach ergriff im Namen der Deputation des Koliner Brudervereines Herr Moriz Eisner das Wort, der in kernigen Worten zum Ausharren auf dem eingeschlagenen Wege ermahnte. Im ganzen können wir mit dem Resultate dieser Versammlung zufrieden sein, denn ausser dem Zuwachse von neuen Mitgliedern erbrachte diese den stricten Beweis, dass selbst auf dem Urboden der czechisch-jüdischen assimilatorischen Bewegung, wie es Kuttenberg bisher war, der Zionismus langsam, aber doch stetig Wurzel fasst und sich immer mehr ausbreitet. Wien. Der Einzelverein „Marian ilf-Neubau" beschäftigte sich in seiner Ausschusssitzung vom 4. d. M. mit den Ausführungen des Herrn Di'. Leo Sofer anlässlich des Delegiertentages des Verbandes „Zion". Nach langer eingehender Debatte, an welcher u. a. die Herren Dr. W e i s 1, Kollisch, Dr. Sofer und Bernhardt sich betheiligten, wurde nachfolgender Beschluss mit allen gegen eine Stimme gefasst: „Der am 4. 1. M. in L ö b 1 s Restaurant versammelte, durch den Beirath verstärkte Ausschuss des Einzelvereines „Mariahilf-Neubau" des Verbandes ,.Zion" erklärt sich mit den Ausführungen des Herrn Dr. Leo Sofer nicht einverstanden." Daraufhin hat Herr Dr. Sofer seinen Austritt aus dem Vereine schriftlich bekanntgegeben und damit sein Präsidium niedergelegt. Czernowitz. (Z u r B e r i c h t ig u n g d er „Zephirah") erhalten wir von der akademischen Verbindung „Hasmonaea" eine Zuschrift, aus der wir die nachfolgenden Stellen unter dem Vorbehalte abdrucken, dass wir damit die publicistische Erörterung dieser Angelegenheit als geschlossen ansehen : „Was von einer Zurücksetzung seitens des Professorencollegiurns erwähnt wurde, so freut sich die „Hasmonaea", constatieren zu können, dass sie eine solche nie erfahren hat, was die stetige Vertretung der Universität bei den Hasmonaea-Commersen bestätigt und die zunächstliegende Thatsache vollinhaltlich beweist, dass beim Jubiläumscommerse der „Hasmonaea" der Rector mit sämmtlichen Decanen und vielen anderen Professoren anwesend war. Welches Ansehen wir geniessen und welchen Anklang unsere, von zionistischem GeUte durchwehten, beim Commerse gesprochenen Worte gefunden haben, beweist übrigens der Umstand zur Genüge, dass unsere T e n d e n z r e d e in einem hiesigen Blatte separat abgedruckt wurde. Im übrigen verweisen wir auf die in a 11 e n Local-und vielen jüdischen Blättern vollinhaltlich abgedruckte Rede Sr. Magnificenz des Rectors, die unsere Bestrebungen in so schönen Worten anerkennt und würdigt. Die Ueberschrift „Die Zionisten an der Czernowitzer Universität", die übrigens die Redaction der „Welt" selbst gesetzt hat, war auch eine entsprechende^ denn unser Commers war eine Kundgebung der Majorität der hiesigen jüdischen Studentenschaft und beweist dies der Umstand, dass der jüdisch - nationale akademische Leseverein „Humanita s" an demselben Antheil nahm, wobei die Thatsache, dass nur drei jüdische Verbindungen, an unserer Alma mater existieren, in besondere Erwägung gezogen werden muss." Czernowitz. (Wan d e r v o r t r ä g e der „Hasmonaea".) in der Bukowina, wo sonst friedliche Eintracht unter den vielsprachigen Bewohnern vorherrschend war und die Judenschaft sich bereits in süsse Friedlichkeit einlullte, beginnt die antisemitische Hetze mit ihrem besten Zugstück ..Ritualmord" ihren Einzug zu halten. Angesichts dieses Unistandes

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