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Die Welt · 1901-01-11 · 2 (11.1.1901) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
2 (11.1.1901)
Article
Wahlbilder aus Österreich
Date
1901-01-11
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 2 Die # Welt?* Seite 7 zeugen, dass die social demokratischen Abgeordneten ohne Unterstützung der Juden zu ihren Mandaten gelangt sind, dürfte ihr wohl schwerlich gelingen. Das Bestreben aber, die jüdischen Anhänger aus der Partei hinauszuekeln, dürfte nicht ohne Erfolg bleiben; denn schliesslich^ w&fl a&ehb-der anspruchsloseste Jude nach und nach einsehe^,fernen, dass seine Rolle innerhalb der Socialdemokraüe sich nicht wesentlich von der der galizischen Juden in der Schlachzizenpartei unterscheidet, welche die Juden vor der Wahl als Jüdische Polen" tituliert, um sie nach der Wahl wieder als „polnische Juden" zu behandeln. N. Gr. Flugblätter. Anlässlich des Ghanükafestes wurden von einzelnen Landesorganisationen Flugblätter verfasst und zu vielen Tausenden vor den Synagogen vertheilt. Wir haben bereits auf die ausgezeichnete Jargon-Flugschrift hingewiesen, die von den Vereinen „Erez Israel" und „B'nei Zion" in Braila preisgekrönt und an den Feiertagen in ganz Rumänien vertheilt wurde. Sie hat unseren Gesinnungsgenossen L. K a s s v a n, Lehrer an der jüdischen Volksschule in Braila, zum Verfasser. Ein zweites Flugblatt, gleichfalls im Jargon abgefasst, wurde vom Gentral- Comite der rumänischen Zionisten in Galatz ausgegeben. Auch die deutschen Zionisten haben sich dieses vortrefflichen Agitationsmittels bedient und insbesondere in Berlin die nachstehende Flugschrift vor den Synagogen vertheilt: Jüdische Brüder und Schwestern! Soeben habt Ihr die altehrwürdige Makkabäer-Hymne gesungen, habt freudigen Sinnes die Siege unserer Väter über Feinde gerühmt, die ihre nationale Selbständigkeit zu vernichten trachteten. Und während Ihr die Lippen bewegtet, hat Euer Herz höher geschlagen bei dem Gedanken, dass Juden einst für ihr Recht zu kämpfen, für ihre Ehre auch zu sterben verstanden. Jüdische Brüder und Schwestern! Eure Väter waren Männer der That, nicht stumme Dulder, sie überliessen den Kampf nicht kraftlos und verzagt fremden Söldnern und schlechten Freunden. Der eigenen Kraft vertrauend, erstritten sie ihr Recht. Ihr, die Enkel der Makkabäer, werdet ihrem Beispiele folgen. Die Gebete, die Ihr heute gesprochen, wurzeln in Eurem Herzen. Darum rufen wir Euch auf zum Kampfe gegen Hass und Verachtung, gegen Unduldsamkeit und Neid von aussen, gegen Feigheit und Gleichgiltigkeit in unserer Mitte. Wer es gut meint mit seinem Volke, wer mit Stolz seiner Abstammung gedenkt, wer sich eins w e iss imHerzen mit seinen unglückliehen, unschuldig leidenden Brüdern, der gehört zu uns, zu den Zionisten. Wir wollen kämpfen, niemandem zuleide, nur uns selbst zum Heile, eingedenk des alten Spruches : im en ani Ii, mi Ii? Wenn ich nicht selbst für mich bin, wer sonst? Der alte jüdische Gedanke der Wiedervereinigung im eigenen Lande ist neu erwacht. Aus den Armen, den Bedrängten, den Rechtlosen wollen wirfreie Männer schaffen, jüdische Bauern auf dem Boden, den unsere Väter mit ihrem Blute gedüngt. Diese Männer wird niemand ihrer Eltern wegen verachten, ihres Glaubens wegen schmähen und zu Blutmördern stempeln. Aber auch diejenigen, welche sich wohl fühlen im Lande der Geburt, dem wir treue und dankbare Bürger sein v/ollen, werden den Segen empfinden, den jede Handlung der Selbstachtung in sich trägt. Wer sich dem Kampfe für sein Volk weiht der kann wohl Leid und Verfolgung erfahren, aber er wird nie moralisch sinken. Und das Bewusstsein gehobener Selbstwürde wird ihn lehren, dass Ehre höher steht als Ehrenstellen und der falsche Schein einer Gleichberechtigung, die nirgends als auf dem Papiere zu finden ist. Eine wahre gesellschaftliche und politische Gleichberechtigung werden wir erst dann erlangen, wenn die Völker, unter denen wir leben, erkennen werden, dass wir die Selbstachtung in uns" tragen, die ein freigeborenes Volk beseelt. Brüder u n d S c h w est e r h J Schliesst Euch an uns und tragt so dazu bei, dem jüdischen Volke, Euch selbst eine glücklichere Zukunft zu bereiten. j i> i e B e r i i u e e Z} o n i's 1 i s che Vereinigung k i>',n^-..-aV.u\ f>/!- a-w -..ruy ö Ein Anti-Nationalist. (Original-Correspondenz der „Welt".) — Mitte vergangenen Sommers brach in der jüdischen Presse russischer Zunge, ganz besonders in der „Buduschtschnost", ein Federkampf aus, der einige Monate ununterbrochen anhielt und gar nicht enden zu wollen schien. Den Gegenstand des Streites bildete die jüdische Nationalität. Zu einer Zeit, in der die russische Judenheit ausnahmslos auf dem Boden des strengen Nationalismus steht, und Meinungsverschiedenheit nur noch etwa in Bezug auf dessen Auffassung und die aus dieser Auffassung zu ziehenden Consequenzen herrscht, bekämpfte ein Mann mit ausserordentlicher Leidenschaftlichkeit das Princip des Nationalismus überhaupt und das Vorhandensein einer jüdischen Nationalität insbesondere. Wir Juden seien eine Religionsgenossenschaft und nichts anderes; nur der Glaube der Väter habe uns bis auf den heutigen Tag erhalten und an ihm müssen wir festhalten allezeit, rief Dr. S. J a r oschewsky aus Samara im Innern Russlands pathetisch aus. Herr Dr. S. Jaroschewsky tritt, wie gesagt, nicht nur gegen denZionismus auf, sondern gegen den Nationalismus überhaupt. Seine Ausführungen, die nebenbei bemerkt, ganz im Tone der Wiegenlieder gehalten sind, mit denen unsere aufklärerischen Grossväter uns eingelullt haben, culminieren hauptsächlich in folgendem Gegenargument: Jeder Nationalismus muss in Chauvinismus ausarten. Er mag sich dagegen sträuben, wie er will; es hilft einfach nicht. Denn die beiden Begriffe Nationalismus und Chauvinismus sind eng, unzertrennlich miteinander verbunden. Nur die Gefühle religiöser Zusammengehörigkeit haben ethische Berechtigung, aber es wäre uns gar nicht angenehm, wenn auch bei uns solche Subjecte, wie Drum on t und Rochefort heranwüchsen. Wie ich nun von absolut zuverlässiger Seite erfahre, trägt Herr Dr. Jaroschewsky seinerseits dafür Sorge, dass die festen Bande der jüdischen Glaubensgemeinschaft nicht gelockert werden, dass aber auch keine jüdischen Chauvinisten heranwachsen sollen. Er lässt seine Kinder gleich nach der Geburt taufen und hat diese Unsitte bei den Juden seines Wohnortes eingebürgert, bei welchen Herr Dr. Jaro schewsky, wegen seiner jüdischen Kenntnisse, die ihnen ganz ermangeln, als Autorität gilt. Wir beglückwünschen den edlen Antinationalisten zu der väterlichen Fürsorge, mit der er wenigstens seinen eigenen Kindern die Möglichkeit abgeschnitten hat, zu solchen Subjecten wie D r u m o n t und Ro chefort heranzuwachsen. . A. M. S. Studien aus Toynbee-Hall. Von S. A b e n d b i Id. Angstvolle Stadteinsamkeit — das Herz zusammengepresst, vor dem eigenen Schlage erzitternd, die Seele unfrei, unfähig zur Erhebung über sich selbst. Es ist, als ob die Luft erfüllt wäre von schwebenden ' Gestalten, die jeden Aufschwung niederhalten. Einsamkeit in der Menschenfülle der Grossstadt — der Lärm der Massen drückt das Gemüth. Ich versinke in mich selbst, erschreckt ob meiner Kleinheit -—-- Die vielen, vielen Menschen, wie sie an mir vorübereilen, mit fremden Blicken mich mustern! Wenn ich jetzt hinfiele, übermannt von Hunger oder von einem Gebreste des Leibes — — — Würden sie stehen bleiben? Vielleicht, vielleicht auch nicht — — Aus, Neugier mag. sein, dass sich einer bücken würde yer eilte dann weiter. In der Zeitung morgen, da wixd,^ lesen, ob es etwas Besonderes gewesen ist. Ein armes,

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