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Die Welt · 1901-01-04 · 1 (4.1.1901) · p. 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
1 (4.1.1901)
Article
Parls
Date
1901-01-04
Page
9 (sequence 1)
Language
German
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Nr, 1 „Die # Welt46 Seite 9 Französische Chronik. Paris. In dem „Israelitischen Studenten verein" hielt am 4. December Herr M. Abelsohn einen Vortrag über „Zionismus undSocialismu s". Der Referent widerlegte in überzeugender Weise die gebräuchlichen Argumente, welche einige Socialisten gegen den Zionismus ausspielen. In Bezug auf den Nationalismus sagte Redner, dass die Internationale nur aus Anlass einer rein nationalen Frage gegründet worden sei. Es war nämlich zur Zeit der Theilung Polens, als die Chefs der Socialisten sich in London vereinigten und die Internationale proclamierten. Redner citierte mehrere socialistische Autoritäten; unter anderen: 1. Kautsky: „Die Unabhängigkeit der Nationen ist die natürliche Grundlage des modernen Classenkampfes. Das Volk muss in des Wortes wahrem Sinne frei sein, auf dass das Proletariat in der Lage sei, mit voller Kraft gegen seinen ökonomischen Feind zu kämpfen. Der Internationalismus bedeutet nicht die Negation des Nationalismus, sondern das Streben nach Freiheit und Gleicheit aller Natione n." 2. E n g e 1 s : „Umden internationalen Frieden zusichern, müssen alle Voraussetzungen der nationalen Kämpfe beseitigt werden; jedes Volk muss seine Unabhängigkeit erwerben". In Bezug auf die Frage der Taktik sagte Redner, dass diese in jedem Lande eine andere sein müsse. Die polnischen Socialisten fordern an der Spitze ihres Programmes die nationale Unabhängigkeit; die russischen Socialisten fordern die politischen Freiheiten; die französischen Socialisten kämpfen für die Vertheidigung der Republik; wir Juden aber müssen zunächst für die Wiedergeburt unseres Volkes arbeiten, bevor wir daran gehen können, an der Lösu ng der socialen Frage theilzunehmen. Die jüdischen Socialisten haben auch keineswegs zu befürchten, dass sie darum, weil sie mit bürgerlichen Elementen für die Erreichung ihres nationalen Ideals gemeinsam kämpfen, von ihrem Classenbewusstsein etwas einbüssen würden; denn : „EineTugend", sagt Karl Marx, „die sich absperren myss, um Tugend zu bleiben, ist keine Tugend." Die nationalen Gefühle der kleinen Völker ersticken, heisst, dem Imperialismus, der Unterdrückung schwacher Nationalitäten durch die stärkeren, Vorschub leisten. Der Zionismus ist und muss immer der Socialismus der Juden sein. Südafrikanische Chronik. Der bereits anderthalb Jahre dauernde Krieg hat trotz seiner Verwüstungen die zionistische Agitation unserer südafrikanischen Genossen nicht gelähmt. Dem „Oudtshorner Courant", dem Organ der südwestlichen Farmer, entnehmen wir einen darauf bezüglichen Bericht, den wir im Nachstehenden im Auszug wiedergeben. Am 21. November kam Herr Rabbiner Dr. I. H. Hertz in Oudtshorn an, um daselbst einen Zweigverband der „South African Zionist Federation" zu gründen. Alle leitenden Mitglieder der „Hebrew Congregationtt kamen dem Rabbiner einige Meilen ausserhalb der Stadt entgegen und geleiteten ihn mit allen Ehrenbezeugungen bis nach Oudtshorn. Am nächsten Tage fand zu Ehren des Gastes ein Bankett statt. Dabei wurden von Seiten der Notabein der „Hebrew Congregation", des „Philantropischen Vereines" und aller „Jewish Burial Societys" an den Gast Ansprachen gehalten, auf die Herr Dr. Hertz in stürmisch acclamierter Rede antwortete. Freitag und Samstag inspicierte Dr. Hertz das jüdische Hospital und die jüdische Schule. Beim Festgottesdienst in der Queens Street Synagogue hielt er eine begeisternde zionistische Ansprache, die auf alle Anwesenden den tiefsten Eindruck machte. Am Sonntag fand in der Oudtshorner Drill Hall eine Conferenz statt, welche zu dem Zwecke einberufen wurde, um den Zweigverband der „South African Zionist Federation" ins Leben zu rufen. Die Halle, die viele tausende Menschen fasst, war überfüllt, da auch sehr viele Christen an dieser Versammlung theilnahmen, die von den Zionisten herzlich willkommen geheissen wurden. Als erster Redner ergriff das Wort Herr Rabbiner Dr. Hertz. In einer formvollendeten englischen Rede schilderte Redner die Lage der Juden auf der ganzen Welt, welche von dem fortschreitenden Antisemitismus hart bedrängt werden. Aus jedem Erwerbszweige ausgeschlossen, fristen Millionen von Juden ein trauriges Dasein. Die meisten von ihnen führen ein elendes Nomadenleben und müssen die traurige Erfahrung machen, dass sie in keinem Lände — gleichviel ob mit Recht oder Unrecht als Paupers geduldet werden. Wenn England eine Ausnahme macht, so habe man es nur der bekannten britischen Hochherzigkeit, die uns Juden schon so viele Wohlthaten erwiesen hat, zu verdanken. Man kann es uns nicht zum Vorwurf jl^^chen, dass wir selbst Schuld daran sind, dass man uns fKasst; und uns aus jedem Berufszweige verdrängt. Die Juden sind und' waren überall treue und loyale Bürger in dem Lande, dem sie durch Geburt oder Gesetz angehörten. Man möge nur die beiden kämpfenden Armeen in Afrika betrachten. Auf beiden Seiten sehen wir Juden, die den Makkabäern gleich für Gesetz und Vaterland kämpfen. Wenn aber der Mass uns dennoch verfolgt, was sollen wir thun? Die einzig richtige Antwort darauf gibt der Zionismus. (Stürmischer Beifall.) Der Redner erklärte im Folgenden das Wesen und die Ziele des Zionismus in so vorzüglicher Weise, dass die Versammlung unter dem Eindrucke seiner Worte die Gründung eines Zweigverbandes der „South African Zionist Federation" beschloss. ^Mbäne. (Für Form und Inhalt dieser Rubrik übernimmt die Redaction keine Verantwortung.) Gesinnungsgenossen! Da mehrere Wiener Einzelvereine separat ihre Makkabäerfeier abgehalten haben, sah sich der niederösterreichische Districtsvorstand genöthigt, die von sämintlichen zionistischen Corporationen Wiens im Sophien sal zu veranstaltende Feier nicht für die Chanukawoche selbst, sondern für den 15. J änn er d. J.festzusetzen. Es ergeht nun an alle Gesinnungsgenossen uad an alle Einzelvereine Wiens die eindringlichste Bitte, für einen Massenbesuch dieser Feier Sorge zu tragen und mit dem Verkauf der Karten sobald als möglich zu beginnen, Karten sind.erhältlich: im I. Bezirk: Cafe Arcade n, Reichsrathsstrasse, Cafe L i e b i g h o f, Wipplingerstrasse, Cafe Commercial, Rudolphsplatz, Restaurant Khuncr, Adlergasse: im IL Bezirk: Cafe Dogenh o f, Praterstrasse. Cafe Orient, Praterstrasse, Cafe Berlin, Praterstrasse, Zion-Vereinslocal, Schwarzingergasse % Restaurant G u t h, Stephaniestrasse; im III. Bezirk: Restaurant Müller, Pragerstrasse; im IV. Bezirk : Cafe Paulanerhof, Schleifmühlgasse, Verein slocal dei „Makkabäa", Gr. Neugasse 33; im V. Bezirk: Terrassencafe; im VI. Bezirk : Cafe E 1 e.k t r a, Mariahilferstrasse 79, Cafe Maria hilf, Mariahilferstrasse 89% Restaurant Löbel, Schmalzhofgasse; im VII. Bezirk: C;;fe Westend, Mariahilferstrasse 128; im VIII. Bezirk: Vereinslocal der „U n i t a s", Josefstädterstrasse 11, Buchdruckern „Industrie", Schlösselgasse 11; im IX. Bezirk: Administration der „W e 11" Türkenstrasse 9, Cafe City, Porzellangasse, Cafe Brammer, Liechtensteinstrasse, Cafe Jägerhof, Porzellangasse, Restauration Wendlinger, Grünethorgasse 17, Vereinslocai der „Ivria", Müllnergasse 16, Vereinslocal der „Lib an oni a", Grünethorgasse 19a, Vereinslocai der „Kadimah", Rögergasse 3; im X. Bezirk: Restaurant Oszeret h, Keplergasse 7; im XIL—XV. Bezirk : Cafe Rudolfsheim, Mariahilferstrasse, Restaurant Herlinger, XIV., Schwendergasse; im XX. Bezirk: Jüdische Toynbee-H alle, VVebergasse 13. Ferner bei den Cassieren der zionistischen Corporationen Wiens. Centrale der Karten-Ausgab e: Congress-Bureau: im IX. Bezirk, Türkenstrasse 9 (Telephon 14.199). Cassier .-Isidor K o 1 i s c h, im VII. Bezirk, Zieglergasse 38. Mit Zionsgruss Das Comite. ofpespondenzen. Wien. Sonntag, den 6. Jänner präcise V,11 Uhr vormittags findet eine öffentliche Plenar.versammlung der israelitischen Cultusgemeinde statt. Tagesordnung: Constituierung des neuen Vorstandes, Mähr. Weisskirchen. Unser Cultusvorsiand, welcher den hiesigen Zionisten, die in den Gemeinderäutnen jüdische Vorträge halten wollten, dreimal ihre Bitte; abschlug, dotierte anstatt dessen den antisemitischen „Bund der Deutschen

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