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Die Welt · 1901-01-04 · 1 (4.1.1901) · p. 6

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
1 (4.1.1901)
Article
Die politische Gleichberechtigung der Juden
Date
1901-01-04
Page
6 (sequence 2)
Language
German
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Seite 6 „Die 2$ Welt4* Nr. 1 Kaisers bringen? Darum an Euch, Ihr christlichen Brüder im gemeinsamen Vaterlande, an Euch richten Eure jüdischen Brüder das Wort! Lasset uns nicht aliein hintreten zum Throne des gemeinsamen Vaters! Mit uns, vor uns, für uns sprechet das Wort! Zeiget, dass das Recht in Eurer Brust eine Wahrheit geworden, zeiget, dass Ihr die S^-ma^h der Jahrhunderte tilgen wollt, nicht nur die Schm&cn.,, oie Ihr gelitten, nein, auch die Schmach — verzeihet — die Ihr geübt! Zeiget, dass Ihr uns als Brüder wieder erkennet, wie wir Euch als Brüder erkennen, und dass Ihr Euch des Rechtes nicht zu freuen vermöget, so auch nui\ein Brudermensch wegen Euch noch vor Gottes Thron zu klagen hätte, dass ihm auf Gotteserden das Recht versagt, das Recht verkümmert sei, Mensch unter Menschen, Bürger unter Bürgern zu sein!"--— Mit einer Entschiedenheit, die das Bewusstsein. für eine gerechte Sache zu kämpfen, einflösst, forderte das Comite von den Volksvertretern die vollständige, Gleichberechtigung. — In einer dem Reichstage überreichten Denkschrift sprach es Hirsch im Namen der Notabein offen und unumwunden aus, „dass die thatsächlich bedauernswerten Erscheinungen des bisherigen jüdischen Volkslebens in dem vom Staate selbst herauf beschworenen Jammer ihre Ursache finden" . . . Der Staat habe alles gethan, um den Juden an Herz und Geist zu verkrüppeln, er habe durch die Anerkennung der Rechtlosigkeit der Juden dieselben dem Hohne des Pöbels preisgegeben. Und das sei gerade der Stolz der Juden, dass sie trotzdem durch ihre eigene Kraft sich erhalten haben und sittlich und geistig auf der Höhe der Zeit stehen. Nun, am Scheidewege dieser alten bösen Zeit, entstehe die Frage : Welche neue Zukunft soll die neue Zeit den Juden bringen? Auf die Frage gebe es nur eine Antwort, und die lautet: Emancipation und vollkommene, ungeschmälerte Rechtsgleichheit. „Das Volk, das die Juden noch knechten will, ist selbst noch nicht reif zur Freiheit". Deshalb würden Abgeordnete zum constituierenden Reichstage die Aufgabe ihrer Sendung ganz verkennen, wenn sie nicht überall entschieden an dem Grundprincipe der allgemeinen Gleichheit festhielten. Die Juden dürfen sich nicht zum zweitenmale brandmarken lassen. A ber n icht von der Gn ad e der Menschen erwarten sie die Verleihung ihres Rechtes, sondern von der Gerechtigkeit des Volkes und seiner Führer fordern sie die Anerkennung des Rechtes. Der constitutionelle Boden trage keine Sclaven und keine Parias. Man jage die Juden fort oder mache sie frei. — * Wir erhalten ferner folgende Zuschrift: Olmütz. Unser letzter Discussionsabend vom 29. December'war der gründlichen Besprechung der Artikelserie Nordaus gewidmet und schloss mit der Annahme nachstehender Resolution: „Die Olmützer Zionisten, obgleich über den Wert der Juden emancipation noch getheilter Ansicht, drücken ihrem grossen Führer N o r d a u Verehrung und Dank dafür aus, dass er durch seine stets mannhaft verkündete Ueberzeugung so mächtig mitarbeitet, das Judenthum aus seiner gegenwärtigen geistigen und moralischen Versumpfung zu reissen, und sie versichern gleichzeitig N o r d a u s unehrliche und niedrige Angreifer ihrer tiefsten Verachtung." Die technische Erschliessung Palästinas.*) XXIX. Zawiercie (Russ.-Polen), 27. December 1900. Löbliche Redaction! Ich ersuche Sie höflichst, meinen Beitritt zur Gesellschaft für die technische Erschliessung Palästinas hiermit zur gefl. Kenntnis zu nehmen. Ich bin Reisender in der Manufactur-ßranche für Russlar^, daher gerne bereit, meine Kenntnisse auf einschlägi \ Gebieten dem Vereine zur Verfügung zu stellen. Mit Zionsgruss Alex. Meyer. XXX. Kiew, 23. December 1900. Geehrte Redaction! Man müsste kein jüdisches Herz haben, um nicht freudenvoll die in Aussicht genommene technische Er- *) Vgl. Nummer 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 51 u. 52. v.J. Schliessung Palästinas zu begrüssen. Ich melde also hierdurch meinen Beitritt zu dem „Verein für technische Studien in Palästina" und würde mich glücklich schätzen, wenn meine langjährigen kaufmännischen Erfahrungen durch mein ausgebreitetes Agentur- und Commissionsgeschäft dem Unternehmen von Nutzen sein könnten. Erwähnt sei, dass ich bereits seit Jahren Artikel (Rohproducte) palästinensischen Ursprungs importiere. Genehmigen Sie die Versicherung meiner vorzüglichen Achtung. Mit Zionsgruss Heinrich Korngold. XXXI. ß o n y h ä d (Ungarn), 9. December 1900. Löbliche Redaction der „Welt"! Bezugnehmend auf Ihre werten Artikel in Angelegenheit der technischen Erschliessung Palästinas erlaube ich mir, im Interesse der heiligen Sache einen Vorschlag zu machen. Ich trage mich seit längerer Zeit mit dem Gedanken, in Palästina eine Ziegelei zu errichten, hauptsächlich zur Erzeugung von Dachziegeln, da diese gegenwärtig von anderen Ländern importiert werden müssen. Ein solches Unternehmen würde vielen armen Glaubensgenossen Arbeit geben. Ich habe mir Erde von dort schicken lassen, die ich in meinem Ofen ausgebrannt habe. Die Probe ist zwar nicht gelungen, jedoch glaube ich, dass bei einer genaueren Untersuchung an Ort und Stelle ganz gewiss ein geeigneter Thon zu finden sein wird. Darauf nun möchte ich die Aufmerksamkeit der neugebildeten Gesellschaft lenken. Mit ausgezeichneter Hochachtung und Zionsgruss IsakAusch, Inhaber einer Holzhandlung, Ziegel- und Kalkbrennerei. XXXIL Stanislau, 20. December 1900. Sehr geehrte Redaction! Bezugnehmend auf Ihren werten Aufruf „Zur technischen Erschliessung Palästinas" möchte ich die Aufmerksamkeit auf die StrohfLechterei lenken. Durch diesen Zweig der Hausindustrie könnten vielleicht viele hunderte Familien in Palästina Beschäftigung finden. Die Strohgeflecht-Industrie hat in letzter Zeit einen grossen Aufschwung genommen. Die besseren Strohsorten werden grösstentheils aus dem Orient, namentlich aus China und Japan, eingeführt. Der Grund dafür liegt darin, dass das Stroh der wärmeren Länder leichter als das unsere und daher auch zum Bleichen mehr geeignet ist. Wahrscheinlich ist auch das Stroh in Palästina hierzu wohl geeignet. Wenn das der Fall ist, dann hätte auch die Korbflechterei in Palästina gute Aussichten, da ja bekanntlich in der Korbflechterei auch viele Strohgeflechte verwendet werden. Auch werden aus Hanf Geflechte erzeugt, die in der Damenhutmode eine bedeutende Rolle spielen und deren Material allem Anscheine nach auch in Palästina zu finden wäre. Ich bin Fachmann in dieser Branche und wäre mit Vergnügen bereit, mit meinen Kenntnissen und Erfahrungen der guten Sache zu dienen. Mit vorzüglichster Hochachtung und Zionsgruss Salomon Glass. XXXIH. Leopoldshall bei Stassfurt (Thüringen)/ den 30. December 1900. Löbliche Redaction! Mit Freude lese ich, dass die in Nr. 43 Ihres gesch. Blattes vorgeschlagene Gründung eines „Vereines zur technischen Erforschung Palästinas" in den verschiedensten Kreisen Anhänger findet. Ich erkläre mich hierdurch bereit, diesem Vereine beizutreten. Mit voller Hochachtung zeichnet S. Schliom, diplomierter Chemiker, Blumenstrasse.

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