Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 52 (29.12.1899)
- Article
- Paris / G.
- Date
- 1899-12-29
- Page
- 12 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 „Die Welt44 Nr. 52 war schon früher vorhanden, und der Dreyfus-Rummelwar lediglich eine seiner Folgen. Allerdings könne nicht geleugnet werden, dass ihm durch die Dreyfus-Affaire sehr viel Nahrung zugeführt' wurde. Aber auzunehmen. dass jetzt, wo die Dreyfus-Affaire endlich erledigt ist,' aucli der Antisemitismus verschwinden oder auch nur eine Schwächung erleiden werde: das sei mehr als bloss Optimismus. -- Dass das Blatt den französischen Juden räth. sich den Socialisten anzuschliessen und gemeinsam mit diesen , den Kampf gegen die antisemitischen Dunkelmänner aufzunehmen. kann bei der Parteistellung des ..Journal du Pouple“ niemanden verwundern. Jedenfalls aber muss man es anerkennen, dass das Blatt die Situation der Juden Frankreichs in der objectivsien Weise geschildert hat. Und auch der Strafpredigt. * die das Blatt jenen französisehen Juden hält, die sieh in Sorglosigkeit wiegen, kann der Zionist ruhig beistimmen. Wenngleich er auch an die Heilkraft jenes Mittels, das die Socialisten den Juden gegen den Antisemitismus empfehlen, nicht zu glauben vermag. 0. Paris. Die zionistische Bewegung greift., dank der Rührigkeit der leitenden Kreise, immer mehr um sich. Am 18.v. M. fand eine vomVoreine..Mobassereth Zion“einberufene Agitationsversammlung statt, in der Herr Caleb über ,.Die Ziele des Zionismus“ sprach. Es kam zu einer sehr lebhaften Debatte - Am Samstag vorher fand ebenfalls eine zahlreich besuchte Studentom ersammlung unter dem Vorsitze des Herrn Dr. Alexander Marmor ek statt. Nach einem ausführlichen Referate des Hern- Pa perin trat eine grössere Anzahl Studenten dem Vereine bei. Seit einigen Wochen ist im Vereinslocalo der zionistischen Studenten. 38 Rue Lebrim, ein Lesezimmer eingerichtet, das Montag. Mittwoch und Freitag abends von s.10 Uhr geöffnet isl. England. London, in einer der letzten Nummern der „Contemporary Review“ beklagt ein gewisser John Smith in sehr lebhaften Worten die immer mehr zunehmende jüdische Einwanderung. die sich in allen Geschäftszweigen zum Schaden der einheimischen Bevölkerung bemerkbar mache. Wer ist nun dieser John Smith, der sich der autochthonen Engländer so sehr annimmt? — D e r Sohn ei n e s polnischen J u d e n! Der edle Herr hörte vor nicht allzu langer Zeit noch auf den Namen W i 1 s c li > n s k y. Türkei. Constantinopel. (VV an der bettle r.) Die Auswanderung jüdischer Familien aus der Moldau hält an und hat sich in letzter Zeit derart gesteigert, dass die Behörden in Rumänien Massnahmen zu deren Eindämmung getroffen haben. Der grösste TheiJ wandert nach der Türkei, ein anderer nach Amerika. Andererseits melden die rumänischen Blätter eine bedeutende Einwanderung nach Rumänien von Juden aus Galizien und Polen. Afrika. Capstadt. (U r i g. - C o r r.) Es ist liocheriVeulich. constatieren zu können, dass unsere russischen Juden überall, wo sie auch immer hinkommen mögen, zionistische Vereine gründen. Es schien, dass in Südafrika durch den schrecklichen Krieg, der dort “zur Zeit wütiiet, die zionistische Bewegung zum Stillstand gebrach! werden würde, aber dem ist nicht, so. Kaum dass sich in Transvaal infolge des Krieges eine kleine Erschlaffung eingestellt hat. ist in Ca pstadt ein neues Cent rum für den Zionismus entstanden. Auch liier waren es russische, Juden, die das bewerkstelligten. Im September d. J. wurde in Ca pst ad 1 die .,Dorshei Zion Association“ gegründet. Bis heute zählt dieser Verein 150 Mitglieder. Tn das Gornim wurden die folgenden Herren gewählt: B. Cohen. Präsident : Louis Cohen, Vice - Präsident; S. Jacobs, Schatzmeister; J. S c h w a r z und P. J o c h el so h n. Ehron-Seeretäro und G. S c h a c h. L. Cohe n. J. Bru m b e r g. J. S <* h a c h. S. R o s t o w s k y, J. A s c r s o h n. S. S c h a j> i r o. Ausschussmitglieder! Die Zionisten in Capstadt haben zugleich mit dem Vereine eine zionistische Bibliothek ins Leben gerufen. Es befinde! sieh in derselben eine grosse Menge ^•hebräischer, englischer und Jargon-Bücher und -Zeitungen. Die Bibliothek steht einem jeden zur Benützung frei. Eine Bibliothek ist ein gutes Vereinigung- und Werbemittel, Hätten wir in Johannesburg eine zionistische Bibliothek gehabt, so hatte die „Jransvaal Zionist Assocation“ das Dreifache an Mitgliedern gezählt. Hoffentlich' werden wir diesen Fehler nach dem Kriege gut machen.. Am 10. d Mts. fand hier in Masonip. Hall, St. John Street, eine Mitglieder-Versammlung der ..Dorshei Zion Association of Cape-To wn“ statt, um "Statuten für den neugegründeten Verein zu entwerfen. Es wurde einstimmig beschlossen, die Statuten dem Baseler Programm anzupassen. Im allgemeinen wurden die meisten Punkte des Statuts der Transvaal Zionist' Association“ , acceptiert. Es wurde auch beschlossen, 30 Shares der Jüdischen Colonial-Bank zu subscribiereu. A. Di'rmeik. Allerlei Nachrichten. Zur Feier ihres 25jährigen Jubiläums hat die orthodoxe Vereinigung ..Adas Iisroel“ in N ü r n b e r g, eine Religiönssehule eröffnet, für die bereits 25 Kinder an ge meid et sind. Tn Rumänien sind von der Regierung einige jüdische Schulen mit der Begründung geschlossen worden, dass sie nur 5 Tage geöffnet seien, während in den Volksschulen gemäss den gesetzlichen Bestimmungen an 0 Tagen unterrichtet werden muss. Die jü tischen Schulen sind nämlich Samstags auch für den Religionsunterricht geschlossen. Als dann die Rabbiner gestatteten, am Samstag Religionsunterricht zu erfheilen, verlangte das Unterrichtsministerium für die jüdischen Schulen am Samstag die gleichen Disciplinen wie in den christlichen, also auch schriftliche Arbeiten. ln Epernay. Krankreich, starb ein jüdischer Soldat namens Bernard infolge wiederholter Misshandlungen von Seiten eines Vorgesetzten antisemitischen Unterofficiers. Eine von dem Oberst des Regiments eingeleitete Untersuchung soll angeblich die Grundlosigkeit der Anklage ergeben haben. Das Kriegsministerium ordnete eine neue Untersuchung an. Vom l. Üctober 1898 bis zum 1. Üctober 1899 landeten in den Vereinigten Staaten insgesammt 311.715 Einwanderer, darunter- 37,415 Juden. Nicht einem einzigen Juden wurde die Landung untersagt, weil er eines Verbrechens verdächtigt worden wäre, während dieses bei einer grossen Anzahl Nichtjuden der Fall war. -i- Ln Melbourne (Australien) wurde ein Jude zum Minister ernannt und zwar Mr. J. F Ink. Unter dem abtretenden Ministerium befand sich ebenfalls ein Jude, der Justizminister Isaac A. T s a a e s. In T u n i s wurde vor kurzem eine von der „Alliance isjaeJite“ subventionierte Handelsschule eröffnet. Im ganzen beträgt die Zahl der die dortigen Alliance-Schulen besuchenden Schüler 2300. An der californischen Stanford-Universität wurde ein Lehrstuhl für das Hebräische errichtet. Professor H a i n e s vom Theologischen Seminar in S a n Ma t h e o wurde dafür designiert. Im London er E aste n d fand unter dem Vorsitze Sir Sam. M o n t a g u s am vorletzten Samstag Abend' eine jüdische Massenversammlung zugunsten des Hilfsfonds für die .(-Unterlassenen der im Transvaal-Kriege verwundeten und gefallenen Soldaten statt. Der Erfolg war ein glänzender.