Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 52 (29.12.1899)
- Article
- Rumänisches
- Date
- 1899-12-29
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 52 „Die g Weit“ Seite 11 jüdischen Schulleitungen, dass es nicht zulässig sei, am Samstag den Unterricht zu sistieren, wie es in diesen jüdischen Schulen, mit Rücksicht darauf, dass sich die Frequentanten derselben fast durchweg aus streng religiösen Familien recrutieren, usuell ist. Die Schulleitungen mussten also nolens volens diesen Ukas respectieren, da man ihnen sonst die ,Schulen gesperrt haben würde, beraumten aber für den Samstag den Unterricht solcher Gegenstände an, die nicht mit Schreibarbeiten verbunden sind, wie Religion, Geographie u. s. w. Die Regierungsorgane meldeten diesen Umstand der Regierung, und so erschien kürzlich ein Erlass, in dem ausdrücklich verfügt wird, dass am Samstag auch in solchen Gegenständen Unterricht erthei.lt werden muss, die mit Schreibarbeiten verbunden sind, ansonsten wuden die Schulen gesperrt. Welch harter Schlag das für die Juden Rumäniens ist, lässt sich leichtermessen. Die strenggläubigen rumänischen Juden werden da einfach vor die Alternative gestellt, entweder den Sabbath zu entweihen oder ihre Kinder als Analphabeten aufwachsen zu lassen. Dass die Juden Rumäniens das erstere nicht thun werden, weiss die Regierung wohl. Dennoch oder vielmehr gerade deshalb hat sie den Erlass herausgegeben. Und dadurch ist es der jetzigen rumänischen Regierung endlich gelungen, einen Erfolg zu erringen, um den sie ihre Vorgängerinnen gewiss beneiden werden. Während jene bloss imstande waren, den Juden die leibliche Nahrung zu entziehen, ist es dieser Regierung gelungen, den Juden Rumäniens auch die geistige Nahrung vorzuenthalten. Ein trauriger Erfolg fürwahr! .... Der Wochenbericht des Matrikelamtes der Wiener israelitischen Cultusgemeinde vom 17. bis 23. December 1899 weist 70 Geburten, 16 Trauungen und 64 Sterbefälle auf. Personalnachricht. Am 24. December fand in Triest die Trauung unseres Gesinnungsgenossen Emil Schwarzkopf mit Fräulein Luise Treves statt, Spenden für zionistische Zwecke. Krinkin B. Dr., Berlin.fl. 1.32 Schmid M., Hurvvitz L. D.. Aronowicz Ch. und Kaufmann H., sämmtlich aus Lodz, ä 25 Kop. . . . 1.20 „Horena“..„3.— Correspondenzen. Oesterreich-Ungarn. Wien. Der zionistische Frauenverein veranstaltet am Donnerstag den 4. Jänner, einen Abend im Saale des „Gewerbevereines“.. I., Eschenbachgasse, HerrYo r k-S teiner wird seine Novelle „Masker“ vorlesen. Beginn 8 Uhr abends. Gäste willkommen. Wien. (Jüdischer V o 1 k s v e r e i n.) Donnerstag den 21. December a. c. fand im Vereinslocale, II., Haasgasse 8, die zweite ordentliche Generalversammlung statt. Der vom Secretär Herrn P i 1 p e 1 erbrachte Jahresbericht wurde mit allgemeinem Beifalle zur Kenntnis genommen, Bei der darauffolgenden Neuwahl wurden folgende Herren in den Ausschuss gewählt: Hermann Eltb ogen, Doctor Richard Rappaport, Dr. Arnold Asche r, Dr. L. Drublowicz. Dr, Hermann Englände r, Friedrich Schneid, Hermann Plaschkes, Heinrich Kornmehl, Isidor Bauch, Max Papp enheim. Wien, (Akademische Verbindung „Kadimah“.) Infolge Rücktrittes des Präsidiums, der wegen privater Verhältnisse erfolgen musste, fanden im Generalconvente vom 20. December Neuwahlen statt, die folgendes Resultat ergaben: stud. jur. Josef Feingold, Erstchargierter, stud. techn. Arthur Glück, Zweitchargierter, stud. jur. Littmann, Drittchargierter. Tobitschau. Sonntag den 17. hielt im Verein „Zion“ unser verehrter Präsident und Gesinnungsgenosse Herr Dr. A. Tau bei es einen Vortrag über die „Geschichte der Juden“, welchem ausser sämmtlichen hier ansässigen Juden auch aus der Umgebung eine grosse Anzahl Zuhörer beiwohnten. In einer glänzenden ^stündigen Rede beleuchtete der Referent dieses interessante Thema und erntete stürmischen Beifall für seine Ausführungen. Herr Dr. Taube les hat uns nicht nur einen genussreichen Abend verschafft, sondern unserer Sache auch viele neue Anhänger gewonnen. J. W. Pressburg. Der Zionsgedanke gewinnt hier stetig an Boden. Er bildet heute das Gesprächsthema nicht nur in jüdischen Kreisen, sondern auch unter der christlichen Intelligenz. Auch in den hiesigen Zeitungen wurde der Zionismus schon zu wiederhoitenmalen in der wohlwollendsten Weise besprochen. Die Direction des Pressburger Stadttheaters glaubte daher darauf rechnen zu dürfen, dass das hiesige Stadtpublicum einem Stücke mit zionistischer Tendenz Interesse entgegen bringen werde, und sie hat sich darin nicht getäuscht. Sie nahm Dr. H e r z 1 s „Das neue Ghetto“ in ihr Winterrepertoire auf, und am 9. December d. J. fand vor ausverkauftem Hause die Premiere statt. Die Novität fand beifällige Aufnahme und wurde auch von der hiesigen Presse äusserst günstig recensiert. Der volle Erfolg, den das Stück errang, ist nicht in allerletzter Reihe der vorzüglichen Darstellung zuzuschreiben, die es am hiesigen Stadttheater erhielt. Sämmtliche Rollen befanden sich in guten Händen, wie das Pressburger Theaterensemble auch überhaupt zu einem der besten Ungarns zählt. „Das neue Ghetto“ wird sich also sicherlich lange am Repertoire des hiesigen Theaters erhalten, und das Interesse, welches dem Stücke allseits entgegengebracht wird, dürfte auch mehrere andere Theater Ungarns veranlassen, es in ihr Repertoire aufzunehmen. B. Deutschland. Breslau. Der hiesige Jüdische Rede- und Discutier- Ciub „Graetz“ hielt am 7. d. M. seine dritte Versammlung in dem neuen Geschäftsjahre ab. Dieselbe war sehr zahlreich besucht. Das Referat über das Thema „Die sociale Gesetzgebung des Judenthums“ hatte Herr Benno F r e u n d übernommen. Der Vortragende führte sehr beredt und eingehend aus, wie in der Bibel alle Details einer socialen Gesetzgebung zu linden seien. Das Armen wesen sei vorzüglich geordnet gewesen, Witwenunterstützungsfoncls und ähnliche Einrichtungen habe es bereits gegeben. Besonders betonte Redner, dass alle Gesetze darauf hinzielten, die Anhäufung des Capitals in einer Hand zu verhindern. Heute werde den Juden das Gegentheil vorgeworfen. Eine anregende Debatte beschloss das sehr interessante Referat. Frankreich. Paris. (Antisemitismus im Heere.) Hiesige Blätter verzeichnen die Thatsache, dass unter den Soldaten in den Provinzstädten das antisemitische Losungswort: „Kauft nicht bei Juden“ verbreitet und befolgt wird. Es heisst aber, dass der Kriegsminister G a 11 i f e t diesbezüglich eine strenge Untersuchung eingeleitet habe und die Hetzer strengstens bestraft werden sollen. Paris. (Orig.-Corr.) Das hiesige „Journal du Peuple“, ein socialistisches Organ, publiciert in einer seiner letzten Nummern einen sehr beachtenswerten Artikel über die Lage der Juden in Frankreich. Der betreffende Artikelschreiber meint, dass die französischen Juden sich in einem grossen Irrthum befinden, wenn sie annehmen, dass durch die Liquidierung der „Affaire“ auch der Antisemitismus in Frankreich verschwinden werde. Dieser Optimismus sei durch nichts gerechtfertigt. Jeder, der die Situation offenen Auges betrachte, müsse sich vielmehr sagen, dass der Antisemitismus heute bereits tief im französischen Volke wurzle und nicht so leicht auszurotten sei. Die Dreyfus- Geschichte war es k e i n e s f n 11 s, d i o d o n f r n n~ zösischen Antisemit! s m u s e r \v eckt li a t. Er