Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 52 (29.12.1899)
- Article
- P. T.
- Date
- 1899-12-29
- Page
- 9 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3315709-3315796-3315849-3393368--16767-3393501- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 9 „Die; Hc Welt**, ..SulamitlF, die erfolgreiche O-per G old fade n s} wurde m SS Colonial bank gezeichnet haben, sich gefälligst hehufs; weiter er Einzahlung an den Vicepräses unseres hiesigen Zions-Vereines Herrn Mendel P a m (Ringplatz) zu wenden, na' -.rvv - ■ :Hochachtend Julius Schön w e 1t e r. Sonntag den 31. December, halb sechs Uhr nachmittags, findet im Vereinslocale IX., Nussdorferstrasse 12B. Mezzanin, eine ausserordentliche Generalversammlung statt. Tagesordnung: 1. Besprechung der Ziele des Vereines seitens des Herrn Dr. R o s e n f e 1 d. 2. Berichterstattung des Obmannes über die bisherige Vereinsth ätigkeit. 3. Ergänzungswahl von 4 neuen Vorstandsmitgliedern. 4. Ernennung von Ehrenmitgliedern. o. Anträge und Interpellationen. Im V er ein sinteresse, welches identisch ist mit dem Interesse des altüberlieferten Judenthums, ist ein zahlreiches Erscheinen erwünscht und hoffen wir daher zuversichtlich auf vollzähliges Erscheinen. Hochachtungsvoll Dei* Vorstand dos „Adass-JeschuruiG-Vereines. Weltchronik. Raub und erzwungene Bekehrung. Ein jüdisches Mädchen im Rif (Marokko) sass auf der Schwelle ihrer Thüre, als sie von einem benachbarten Araber aufgefordert ward, bei ihm wegen eines Auftrages einzutreten. Das Mädchen, das an nichts Arges dachte, begab sich zu ihm. Aber der Araber wollte sie jetzt nicht, wieder gehen lassen. Er machte Versuche. um sie gewaltsam zum Islam zu bekehren. Natürlich protestierte das Mädchen. Sie schrieb mehreremale an ihre Eltern, um sie zu bitten, für ihre Befreiung zu sorgen. Ihre unglücklichen Eltern sind ohnmächtig, etwas zu thun. Die Junta von Tanger hat sich an Sidi Mohammed Torres gewandt. Dieser schrieb an der Gouverneur von Riff, um ihm zu befehlen, das Mädchen nach Tanger zu schicken, wo er nach Befragung des Mädchens, ob sie muselmanisch bleiben wolle oder nicht, entscheiden wolle, welcher Religion das junge Mädchen angeboren sollte. Der Brief des Sidi Mohammed Torres hat keine Wirkung gehabt. Der Gouverneur vom Rif hat geantwortet, dass es ihm unnütz scheine, die Jüdin nach Tanger zu senden, da sie selber erklärt habe, dass sie muselmanisch bleiben wollte. Damit sei die Sache erledigt. Das Central-Comite der „Alliance israelite“ hat die Aufmerksamkeit des französischen Vertreters in Tanger auf diesen Zwischenfall gelenkt, die Anglo Jewish Association hat ihn ihrerseits dem Foreign Office in London mifcgetheilt. Zangwills „Kinder des Ghetto“1, die auf amerikanischen und englischen Bühnen so grosse Erfolge errangen, werden im Laufe des nächsten Monates am Budapester Lustspieltheater in Scene gehen. Die Entwürfe der Costüme und Decorationen sind bereits in Budapest eingetroffen. Das Budapester Theater-Publiciun sieht dieser Sensalionspremiero mit grosser Spannung entgegen... vom Director Wels s für das Wiener Jantsch-Theater erworben und wird hier noch im Laufe des heurigen Winters zur Aufführung* gelangen. . ■ , Drei Jahrhunderte. Die älteste Frau Dresdens, die Witwe A b r a h a m s o h n, die im 101. Lebensjahre steht, erkrankte dieser Tage, und man musste bei so hohem Alter wohl befürchten, dass sie das neue Jahrhundert nicht mehr erleben würde. Da aber plötzlich änderte sich der Zustand wieder und noch einmal sammelten sich die Lebenskräfte, so dass die Greisin'aller-'Voraussicht nach ins neue Jahrhundert, das dritte, das sie erlebt, schreiten wird. Ausweisung. Aus Laurenco Marques wird vom 15. Dee. gemeldet: Rabbiner Dr. Hertz aus Johannesburg ist hier eingetroffen: er wurde von den Transvaal-Behörden ausgewiesen, da er ein Feind des Staates sei. Es sei ihm die Wahl gestellt worden, seine Aeusserungen über die Nichtgleichberechtigung der Juden und Katholiken, die er in einer IJitlandersvcrsammlung in Wanderers Saal iin letzten Juli gemacht hatte, zurückzuziehen und sich bei. der Regierung dieserhalb öffentlich zu entschuldigen. Er verweigerte dies jedoch. Die Ersatzpflicht der Gemeinden bei Plünderungen. In der Sitzung der niederöstereichischen Handels- und Gewerbekammer vom 21. Dee. gelangte ein Antrag zur Discussion, welcher die Kammer auffördert, beim Handelsministerium dahin vorstellig zu werden, dass von Seite der Regierung Mn Gesetzentwurf der verfassungsmässigen Behandlung zugeführt werde, in welchem die E rsat z p f I i c h t d e r G o m e indem eventuell des L a n <1 e s und des Staates, für die Fälle ausgesprochen werde, in welchen die Angehörigen dieser Verbände bei P1 ü n d eru n g e n anlässlich öffentlicher innerer Unruhen eiirn Schädigung ihres Eigontlmms erlitten haben. Der Antrag wurde mit einem vom Karnmerrath Suoss angeregten Zusätze angenommen, der auf das englische Gesetz verwies, nach welchem die Gemeinde für Beschädigungen an dem Eigenthum der Bürger, sowie an öffentlichen Brücken und Strassen aufkommen müsse, falls sie nicht zum Schutze derselben die nöthigen Vorsichtsmassregeln getroffen habe. Fs möge auch Oesterreich, wie vorher schon Frankreich. Amerika und Deutschland diesen Hechtssatz acceptieren. Ein Bischöf gegen das Blutmärchen. Aus B u d a p e s t w i r d gemeldet: Aus Anlass des A r v a e r B t u 1 ni ä r c h e n s richtete Bischof Szmrocsany an die Geistlichkeit des Arvaer Decanats ein H i r t e n s c h r e i b e n, in welchem er es der Geistlichkeit zur Pflicht, macht, die Bevölkerung darüber aufzukläron, dass die Juden dos Ritualmordes nicht beschuldigt werden können. Für eine solche Beschuldigung, heisst es im. Hirtenbriefe, bieten di e jüdischen Werke keinerlei Anhaltspunkt. Blut zu gemessen ist den Juden verboten. Sie dürfen weder da> Blut der Thiere. noch viel weniger das Blut von Menschen gemessen. Der Kirchenfürst verweist im weiteren Verlaufe auf die traurigen Erscheinungen auf diesem Gebiete und ermahnt die Geistlichkeit, zu verhüten, dass das Volk zu thätliciien Ausschreitungen verleitet werde. Aus Galizien. Man schreibt uns aus Lemberg : Wenn unsere „Gemeindeältcsterr auf dem Wege zu ihrer neuerbauten Gemeindestube einen Schwarm von zerlumpten Gestalten vor dem Gemeindehaus»' lagernd zu sehen bekamen, erfasst*' sie jedesmal ein namenloses Grauen, so dass sie gewöhnlich bei der lieben Polizei Schutz suchten. Unter den regelmässigen Belagerern des Gemeindehauses konnte man manche junge, kräftige Gestalt bemerken, die einem Arbeitslosen ähnlicher sah als einem Bettler. Dieser Umstand gab einigen unserer vernünftigeren Cultusräthe deii zweifellos praktischen Gedanken ein, sich