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Die Welt · 1899-12-22 · 51 (22.12.1899) · p. 10

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
51 (22.12.1899)
Article
Karlsbad
Date
1899-12-22
Page
10 (sequence 2)
Language
German
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Seite 10 „Die Welt“ Nr. 51 in denen Juden «hedem keinen dauernden Wohnsitz nehmen durften : nur im Sommer, in der Badesaison, war es einzelnen Juden gestattet, in Karlsbad Geschäfte zu betreiben. Dadurch erstand in dem nahen Dichtens t a d t eine ganz ansehnliche Gemeinde, deren Männer in und um Karlsbad eine immer stärker sich entwickelnde geschäftliche Thätigkeit unternahmen, während Frauen und Kinder in Lichtenstadt lebten. In ähnlicher Weise erblühte ein bald kräftigeres, bald schwächeres Gemeindeleben noch in anderen, in Karlsbads Nachbarschaft gelegenen Ortschaften, wie G i esshübl, Koszlau und L u c k. Die inri Jahre 1848 verkündete Freizügigkeit brachte bald einige jüdische Familien nach Karlsbad, die jedoch, als nach einigen Jahren die Errungenschaften von 1848 wieder zurückgenommen wurden, den Ort abermals verlassen mussten. Erst das Jahr 1862 brach endgültig mit den alten Verboten und Grenzsperren, und mit diesem Jahre beginnt die Einwanderung der Juden nach Karlsbad aus den umliegenden Orten, in denen sie. der Noth gehorchend, mit ihren Familien sich aufzuhalten gezwungen waren. Die Juden, die allsommerlich entweder zur Cur oder zu geschäftlichen Zwecken in Karlsbad weilten, verleugneten nicht die Traditionen ihrer Urväter. Im Jahre 1847 gründeten mehrere opferwillige Prager Juden ein jüdisches C u r h a u s. das armen Juden unentgeltlich Pflege und Unterkunft geben sollte. Mit diesem Curhause war ein kleines Gotteshaus verbunden, in welchem in den Sommermonaten die Andächtigen sich versammelten, um Dank und Gebet an dem heilbringenden Thermenorte zu Gott emporzusenden. Einige Jahre vergiengen. eine ganz stattliche Zahl von Juden wohnte schon in Karlsbad, aber eine Gemeinde war noch nicht vorhanden. Diese wurde erst im Jahre 1869 gegründet. Schon in dieser Zeit widmete der Jubilar sein lebhaftestes Interesse dem jüdischen Gemeindeleben. Er wurde auch bald in den engeren Vorstand gewählt. Die erste Sorge der neuerstandenen Gemeinde war natürlich die Erbauung eines würdigen Gotteshauses, und wer immer die Gelegenheit hat, die Synagoge in Karlsbad zu sehen, wird bekennen, dass diese Synagoge zu den schönsten Böhmens zählt. Als der Jubilar am 24. December 1874 zum Vorsteher der damals noch kleinen Gemeinde gewählt wurde, durfte er schon auf eine erfolgreiche Thätigkeit im Interesse dieser Gemeinde zurückblicken. Aber auch die Gemeindeverwaltung ist unter der Führung Ludwig Mosers eine solche geworden, wie deren selbt allergrösste Gemeinden nicht viele besitzen. In der kurzen Spanne von 30 Jahren ist die Karlsbader Cultusgemeinde eine der blühendsten Oesterreichs geworden. Das dankt sie zum grossen Theile Moser. Nun geht die Gemeinde, würdig der Traditionen des Judenthums, an die Erbauung ihres grossen Curhospitales, das berufen sein soll, die zweite Aufgabe einer jeden jüdischen Gemeinde, die Uebung von Liebes werken, zu erfüllen. Hoffentlich wird es dem Jubilar beschieden sein, eine lange Reihe von Jahren hindurch auch dieses neue Werk der jüdischen Gemeinde in Karlsbad emporblühen zu sehen. Lemberg. Seit Jahr und Tag „plant“ der Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde die Errichtung einer Gemeindebibliothek, ohne dass die Angelegenheit je über das Stadium des ewigen Planes hinauskäme. Nunmehr hat auch Krakau, wie Sie bereits berichtet haben, seine jüdische Bibliothek; in Lemberg aber wird noch immer „geplant“. Und doch würde durch die Schaffung einer solchen Institution einem sehr fühlbaren Mangel abgeholfen werden. Wie verlautet, gedenken einige angesehene Mitglieder der Gemeinde an den Vorstand eine Petition zu richten, derselbe möge die schon so lange in Schwebe befindliche Angelegenheit schleunig erledigen und ehestens die Errichtung der Gemein debibliothek in Angriff nehmen. Czernowitz. Den Reigen der Makkabäer-Feste in der Bukowina schloss der hiesige Verein „Zion“ mit einer am 2. cL M. stattgefundmt» grandiosen Feier, deren Reinerträgnis zur Hälfte dem ^Zionistischen Ferienheim“ gewidmet war. Aus dem reichen Programme, das Lieder und Vorträge in hebräischer Sprache enthielt, wären als Glanzpunkte die Festrede des Herrn Dr.Menczel und die Tendenzrede des Herrn Klüger hervorzuheben. Um das Zustandekommen der Feier hat sich der Vereinsobmann Herr Melzer verdient gemacht. Schweiz. Basel. Bei dem Chanukä-Feste in grösserem Stile, das der jüdisch-neutrale Verein „Erholung“ am 2. December in den oberen Sälen des Stadtcasinos abhielt, trat der Verein „Jung-Zion“ mit dem 2. Acte aus Otto Ludwigs Trauerspiel „Die Makkabäer“ auf, utn der ganzen jüdischen Gemeinde, die da versammelt war, die nationale Bedeutung des Abends vor Augen zu führen. Diese Programmnummer hatte einen grossen Erfolg. Von den jugendlichen Schauspielern sind besonders Edmond M etzger (Judah) und Sylvain B r u n s c h w i g (Mattathias) zu nennen. Aber auch alle anderen Rollen waren in guten Händen, so wurde Lea von Frl. E. H e y m a n n. Nikanor von Ch. Beruh e i m, Gorgias von F. Arnstein und Eleazar von J. M e t z g e r treffend dargestellt, und auch die Darsteller der kleineren Rollen trugen zum Gelingen dieses Stückes bei. England. London. In ganz England waren für den ersten Abend des Chanuka-Festes zionistische Versammlungen anberaumt worden und es liegen nun von vielen Seiten Berichte vor, die einen grossen Erfolg unserer Bewegung künden. So aus London, Manchester, Liverpool, Leeds, Grimsby, Hüll, Limerick, Blackburn, Glasg o w, und Nottingham. Ein Hauptprogrammpunkt in allen Versammlungen bildete die Propaganda für die Jüdische Colonialbank. — „Knights of Zion“ (Zionsritter) ist der Name des neuesten zionistischen Vereines in London. — Die Zahl der Vereine, welche wöchentliche Versammlungen abhalten, nimmt ständig zu. — Eine neue zionistische Jargonzeitung „Das Volk“ erscheint in Leeds, vorläufig nur alle 14 Tage. — Die Zahl der zur Federation gehörenden Vereine beträgt jetzt ca. 25, drei neue Beitritte dürften in kürzester Zeit erfolgen, zwei oder drei neue Vereine noch im Laufe dieses Monats in London begründet werden und vielleicht noch einige in der Provinz. Ich darf mit Sicherheit behaupten, dass die gegen uns herrschende Animosität im Schwinden begriffen ist, andererseits ist in der jüngeren Generation ein wachsendes Interesse zu bemerken und eine mit jedem Tage erhöhte Thätigkeit zu verspüren. Auch in den officiellen Kreisen unserer Gemeinden findet man, dass der Zionismus vorhanden ist. Die englischen Juden sind zu conservativ, um sich Hals über Kopf in eine neue Bewegung zu stürzen, aber mit der Zeit wird der Triumph doch auf unserer Seite stehen. J* de H. Türkei. Constantinopel. Das Amtsblatt veröffentlicht ein kaiserliches Ir ade, in welchem der jüdischen Gemeinde in Salonichi gestattet wird, mit den 200.000 Francs, die ihr die verstorbene Baronin Hirsch hinterlassen, ein Krankenhaus im modernen Stile zu erbauen, und da das Grundstück, auf dem der Bau aufgeführt werden soll, schon erworben wurde, so wird mit dem Bau unverzüglich begonnen werden können. Russland. Wifna. (Orig.-Corr.) Unter den 159.568 Einwohnern unserer Stadt gibt es 8.1.000 Juden, d. h. ca. 50-670* Trotzdem also die Juden die Majorität der Einwohnerschaft bilden, befindet sich die Stadtverwaltung in den Händen der Polen und anderer Bürger, die sich den Juden gegenüber recht gehässig verhalten. Der Judenhass wächst hier mit jedem Tage. Selbst ein so neu-trales Unternehmen wie der „Wilnaer Velocipedisten-Verein“ hält es für unumgänglich, streng

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