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Die Welt · 1899-12-22 · 51 (22.12.1899) · p. 6

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
51 (22.12.1899)
Article
Der Zionismus der jüdischen Frauen
Date
1899-12-22
Page
6 (sequence 2)
Language
German
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Seite 6 •«* Nr? 51 konnte man dieses auch nur bezweifeln? Könnte es denn auch anders sein? Hat denn Israel nicht lediglich seiner Religion wegen gelebt und gelitten? Nein. unsereBemühiingen, den .Millionen Juden ein ökonomisches und politisches Leben zu sichern, haben nur einen Zweck, nämlich die Schäftung jener Bedingungen, welche ein jüdisches Leben auch ermöglichen. Wir wollen die im Wege stehenden Gegensätze beseitigen; wir wollen jene Gegensätze zwischen Theorie mul Praxis entfernen, die jüdisches Leben in judenfeindlicher Umgebung zur Unmöglichkeit machen. Wir wollen, dass die jüdische Religion sich entwickle, nicht als Opposition oder skeptische Negation, sondern als positive Kraft unterihren BeKennern, um frei und fessellos zu höherem Fluge sich aufzuschwingen. Ehe das aber*möglich wird, muss ein sicherer Grund gelegt sein, und daran eben arbeiten wir. Der dritte Kongress gehört der Geschichte an. Er war ein eminenter Beweis dafür, dass ein gemeinschaftliches jüdisches Werk möglich ist. Der Geist der Brüderlichkeit war noch nicht ausgestorben, er wartete nur der Zeit, um zu neuem Leben zu erwachen, Dadurch und mit dem Kongresse als Sammelpunkt wird die alte jüdische Einigkeit wieder hergestellt werden. Nach dem Kongresse kommt die Bank, als die materielle Unterstützung unserer Idee. Sie ist ein Beweis, dass wir Zionisten nicht nur schöne Reden halten, sondern auch etwas Tüchtiges leisten können. Und der vierte Kongress? — Lassen Sie uns in Geduld warten. Wir haben ja neunzehnhundert Jahre gewartet. Ein paar Jahre mehr zählen da doch nicht. Wir wollen weniger schnell, aber umso sicherer bauen. Wir wollen holten, dass die Vorsehung uns auch weiterhin leiten wird. Wir haben das vollste Vertrauen, dass uns eine schöne Zukunft winkt. Und nun frage ich: Ist's denn nöthig, die jüdischen Frauen im allgemeinen zu diesem unserem Werke aufzurufen? Und da fühle ich denn, dass sie diesen Namen' nicht verdienten, wenn der aus dem Munde von Millionen Mühseliger mid Beladener kommende Ruf in ihrem Herzen keinen Wiederhall fände. „Auf, auf, Deborah!“ lautet der alte Ruf. Und derselbe dringt auch zu uns, dringt zu Ihnen. Er dringt zu Ihnen im Namen unserer gemeinsamen Vergangenheit. er dringt zu Ihnen mit der Hoffnung auf die Zukunft. Und bevor Ihr antwortet, denket an die tausende jüdischer Herzen, die mit uns zu Gott rufen: „Erbarme Dich Zions, denn das ist das Haus unseres Lehens Zionistische Agitationsmittel. Later na inagica, Kinematograph, Phonographie im Dienste zionistischer Agitation sollen nicht bloss „eine sehr beachtenswerte Idee“ bleiben. Dieses bescheidene platonische Verdienst theoretischer Anerkennung wünschen wir, schon im Interesse unserer Sache, dem Projectanten zionistischer Schaustellungen, dem Herrn O. Neufeld,*) nicht. Seine Idee soll realisiert werden, sie soll thunlichst rasch verwirklicht werden, dazu möge meine bescheidene „Meinung“, als die eines „Freundes“, beitragen. Mehr aber noch als meine zustimmende Meinung wird sicherlich der Hinweis auf ein der Verwirklichung entgegenschreitendes Analogon dieses Projectes bei einer anderen grossen Partei, die sich, gleich uns, hohe Ziele gesteckt, das Actions-Komite zur Ausführung des Neufeld’schen Entwurfes bestimmen. Der russische Staatsrath v. Bloch, der Verfasser des Werkes „Der Krieg der Zukunft“, ein begeisterter Friedensfreund. bereitet für die Pariser Weltausstellung eine ..F riede ns aussteliun g;: vor.In einem hierfür eigens hergestellten Pavillon werden in kinem at ographischen Bildern die Verheerungen des Krieges, die Wirkungen der Sprenggeschosse, die Greuel roher Soldateska, und was sonst alles der Krieg im Gefolge hat, dargestellt werden. Diese Bilder werden dann durch alle Städte der Erde reisen, um Freunde für die Friedensidee zu werben, also — „paxistische“ Schaustellungen! Unser Fehler, alles Fremde nachzuahmen, wird diesmal zur Tugend werden und zur Propaganda des Zionismus unendlich viel beitragen. *') Siehe Nr. 47, S. 3. An den einzelnen Punkten des Entwurfes mäkeln zu wollen, Messe wegen eines Staubfleckchens ein herrliches Gelass zerschlagen. Wir wollen lieber mit Nachdruck darauf hin weisen, dass für die Durchführung des Entwurfes bereits ein gutes Stück vorgearbeitet wurde! Das Material müsste nur gesammelt, gesichtet und geordnet werden. Der ergreifende Kol-Ni dr e - Sang, die wehmüthigen Bar K o chba- und S u 1 ä m i t h -Li e d er und die fröhlichen jüdischen Hochzeitstänze bilden Piöces de resistance fast aller Phonographen. Die Landschaftsbilder aus Palästina und den Kolonien, die Porträts jüdischer Berühmtheiten und Bilder aus dem jüdischen Volks- und Familienleben schmücken durchgehends alle Ziönslocale, und 'die zionistische Ansichtskarte hat sich ihren Platz im Album erobert. Nur wer, wie wir, den Andrang zu solchen Phonographen und solchen Bildern miterlebt hat, der weiss den Wert und die Bedeutung zionistischer Schaustellungen zu schätzen. - Auf dass unsere Brüder des Ostens das Land ihrer Sehnsucht wenigstens im Bilde bald erschauen: Bis dat, qui cito dat! D r. J a ko b Ko m in e r. Aus Palästina. Von T. Blanco. Wenn man die verschiedenen jüdischen Blättchen liest, die mit mehr oder minder gekünsteltem Pathos den politischen Zionismus bekämpfen, wenn man die Art beobachtet, mit der diese Herren alles, von den erhabensten Zielen der Bewegung bis zum Rock der Führer bekritteln und besudeln, so kann man sich auch bei ganz geringer Kenntnis der Verhältnisse in Palästina des Gedankens nicht erwehren, dass von all diesen Herren etwas angegriffen wird, das sie entweder nicht kenn eh oder nicht kennen wollen! Warum? Weil der politische Zionismus seinem Werke eine dauernde Grundlage geben will, weil er, nicht lüstern nach dem Eiritagsjubel der Menge, zielbewusst Schritt für Schritt vorgeht, weil er das Gelingen seines Programmes nicht von der guten Laune der jüdischen Millionäre abhängig machen, sondern die hierzu nöthige Kraft aus dem jüdischen Volke selbst, aus seiner ewigen Liebe zur Sache schöpfen will. Was thun nun unsere Gegner? Sie kämpfen nicht mit Argumenten, nein, sie nützen nur die Ungeduld und Nervosität der europäischen Kaffeehaus-Zionisten aus, denen der langsame aber besonnene Schritt der politischen Zionisten nicht das genügend abwechslungsreiche Bild bietet, deren blinder Kolonisationsdusel lieber den Scheinerfolg zeitgenössischer Streber sieht, als das dauernde Glück kommender Generationen. Um aber nicht in den gleichen Fehler zu verfallen wie unsere Gegner, will ich kein Wortgefecht führen, sondern auf Grund klarer, unleugbarer Thatsachen Punkt für Punkt das beweisen, was ich vorher pro und contra angeführt. Als wichtiges Moment, als schlechthin zwingenden Beweis führe ich den Umstand an, dass es in Palästina unter den politisch reifen Juden nur eine Partei gibt, die der politischen Zionisten. Diejenigen natürlich ausgenommen, welche zu einzelnen Kolonisations-Gesellschaften oder zum Baron Rothschild in einem gewissen Abhängi&keitsverhältnis stehen oder als berufsmässige Schnorrer in der Institution der Chaluka ihr Ideal sehen. Und das wäre nicht nöthig gewesen, wenn von allem Anfang an ein anderes System eingeschlagen worden wäre, wenn man die Kolonien auf genossenschaftliche Basis gestellt und ihnen die nöthige financielle Unterstützung anstatt auf dem Wege der Wohlthätigkeit durch ein öffentlich wirkendes nationales Bankinstitut zugeführt hätte. Der letztere Fall dürfte ja durch das beginnende Wirken unserer Bank bald eintreten. Dann wird sich zweifelsohne jener natürliche Process vollziehen, dass alle an den Kolonien

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