Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 51 (22.12.1899)
- Article
- Verjudet
- Date
- 1899-12-22
- Page
- 3 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3315709-3315796-3315848-3393136--16591-3393279- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 51 „Die H <Welt“ Seite 3 Aber in der Finanz weit, wird man mir entgegen halten! Zugegeben, die, Finanzwelt besteht fast durchwegs aus Juden. Es sei auch zugegeben, dass solche Finanzgeschäfte nicht immer die appetitlichsten sind. Denn so ist jeder Erwerbszweig, der nur am Oelde hängt, nach Oelde drängt. Aber diese Finanzjuden haben nothgedungen sich solchen Geschäften zuwenden müssen, da eben alles andere für sie verschlossen war. . - Auch die übrige grosse und Meine Welt, des Handels ist voll, von Juden. Voll von Juden, weil man ihnen nur hier gestattet, ihre allgemeinen Fähigkeiten zu verwerten. Hat aber der jüdische Geschäftsmann grossen Gewinn, so heisst er jüdischer Betrüger, und macht er Bankerott, so heisst er wieder der jüdische Betrüger. Dem jüdischen Handwerker ergeht es gerade so, nur wird er ab und zu geplündert. Der jüdische Bauer kommt in Europa nicht vor, so dass man schlechterdings nicht sagen kann, der Bauernstand sei verjudet. Da bleibt uns nur noch der jüdische Proletarier. Das Proletariat überlässt man den Juden gerne zur Verjuclung. So sieht die verjudete Gesellschaft aus. Unter schweren geistigen und körperlichen Qualen erlangen die Juden die Concession zum Leben. Der christlichen Gesellschaft bleibt der Jude immer ein Fremdkörper, der entfernt werden muss. Verjudet, das ist ein Urtheilsspruch, den freilich nicht Gerechtigkeit und Verstand fällen. Erschallt dieses Wort aus nichtjüdischem Munde, so kommt man unwillkürlich zu einer Einsicht: Nämlich, dass wir Juden uns als Juden vereinigen müssen und einen Staat gründen, keinen verjudeten, sondern einen jüdischen Staat, und so das misshandelte Wort „verjudet“ zu Ehre und Ansehen bringen. Es soll aber auch Vorkommen, dass Juden, getaufte und ungetaufte, voll Verachtung sagen: Wie verjudet! Solche Leute erinnern an gewisse Thiere, die sich selbst zerfleischen. Die Menschen haben aber bei diesem Selbstzerfleischen minder edle Absichten als die Thiere. Fast könnte man da sagen : Die wilden Thiere sind doch bessere Menschen. Die Woche. W i e n, 20. December. Ja, es kann kein Zweifel darüber bestehen: die Juden — selbst die Unfrommsten unter ihnen — sind heutigen Tages gar mächtige Tragpfeiler der Religiosität. Tagtäglich lesen wir in den Blättern die Versammlungsberichte „christlicher“ Vereinigungen, wir erfahren von der Gründung „christlicher“ Zeitungen, „christlicher“ Clubs; — wir wissen, wer den stattlichen Aufschwung „christlicher“ Begebnisse herbeigeführt hat. Niemand anderer, als der Jude. Mittelst des Juden wurde diese „christliche“ Bewegung angefacht, den Leitern der „christlichen“ Strömung ist der Jude unentbehrlich. Man hat. dem Volke ein anregendes Lied vom Juden gesungen, und mit solcher Melodie hat man dieMassen in die „christlichen“ Vereine hineingegängelt. Weil das Volk weiss, dass auf der Rednerbühne der Jude an den Pranger gestellt wird, strömt es willig in die Versammlungen. Der Jude an der Schandsäule ist für Gross und Klein eine traute Augenweide. Gern liess sich „ das Volk die Anrede „Christen!“ gefallen, da man ihm nachher ein kernig Spottlied auf die Juden sang. Und die Anrede wurde nicht nur gutherzig hingenommen, die Hörer trachteten auch, dem Titel sich anzupassen, die Bezeichnung, zu verdienen. Unwillkürlich geschieht derartiges. — Sprich jemanden Tag für Tag mit irgend einem Titel an, und der solchermassen Angeredete wird sich alsobald mühen, den Titel zu verdienen, sich mit der Benennung, die, ihm beigelegt wird, in Einklang zu setzen. Er wird sich mit den Eigenschaften schmücken wollen, von denen der Titel erzählt — oder er wird sich schliesslich zum mindesten einbilden, dass er die Eigenschaften besitzt. Er wird den „Glauben“, das „Bekenntnis“ haben, dass er so ist, wie der Titel, den man ihm mit kluger Ausdauer ins Ohr summt. Und gar oft will man ja bloss, dass jemand den „Glauben“ hat, man bescheidet sich, dass er mit einem „Bekenntnis“ umherwandelt. * ... , -p .*■ Die Juden müssen hienieden die Gläubigkeit verbreiten, ob sie nun wollen oder nicht. Man fragt nicht viel, man zwingt sie dazu. Es können sich bei diesem Werke sehr widerspruchsvolle Scenen ereignen. Irgend ein Jude, der in einer Versammlung an den Pranger gestellt und dergestalt dazu verwendet wird, um dem Volke die Milch der frommen Denkart einzuflössen, ist vielleicht gerade ein sehr unfrommer Geselle, Er hat vielleicht immer dagegen geweitert, dass man das Volk auf gläubige Pfade lenke. Er hat stets mit viel Emphase den Nichts- Glaubenden hervorgekehrt und heftig betheuert, dass er nimmer an der Verkrümmung der Menschen mit wirken würde. Und siehe da, nun packt man ihn mit wohlwollender Gewalt, man fesselt ihn an den Schaupfosten, und wie sich das arme jüdische Närrchen auch sträuben und über Verletzung der „Gewissensfreiheit“ schelten mag, es muss doch als Hauptfactor mit wirken an dem ungewollten Werke. Wir sehen somit, dass ein einheitlicher Zug durch das Schicksal des jüdischen Volkes geht: im Alterthum wie in der Neuzeit dienen die Juden zur Erweckung glaubensfroher Gefühle. Vor Zeiten haben sie diesen Beruf mehr activ ausgeübt, heute sind sie hierbei Leidende. Sie waren Verkünder hoher Botschaften, als sie noch auf ihrer Scholle im lernen Asien sassen, und als dann die Gedanken Judäas westwärts vordrangen, da giengen die Juden mit. Wie als Hüter und Schürer der östlichen Ideen. Jetzt kann man sie allüberall, auf dem ganzen Erdenrund, dazu verwerten, zergli mm enden Glaubenseifer zu rötheren Flammen anzublasen. 0öfters auch — wie in Spanien — warf man sie selbst in die Lohe, damit der Feuerbrand freudiger emporprassle.— „Noth lehrt beten.“ Die Nolh der Juden hat schon manchen Nicht-Juden beten gelehrt. — „Ein Volk von Priestern.“ Sie dienen aber nicht bloss an den eigenen Altären. * Die Wiener judenfeindlichen Blätter künden für die nächste Zeit wieder das Erscheinen von neuen Broschüren an, die über die Ritual-Mordlust der Jaden Auskunft geben sollen. Die Schriften werden gewiss wiederum ungezählte vertrauensselige Leser finden. Das Volk traut der Judenbeit ohne jederlei Bedenken die schwersten Mordthaten zu, In diesem Zutrauen des Volkes ist viel, viel Aufrichtigkeit. Ein aufrichtiges Schuldbewusstsein, Man muss sehr schlimm mit jemandem umgesprungen sein, wenn man ihn derartig blutiger Bosheiten für; fähig hält. Dem Volke raunt sein Inslinet zu: „Wir haben an den Juden furchtbar gesündigt jahrhundertelang — sie werden sich gewiss nicht scheuen, Hand an uns zu legen — Vergeltungshang — natürlich, was sind wir ihnen? —“ Das Volk hat Recht — was das erste kurze Sätzchen dieses Selbstgespräches anlangt. Eine heimliche Selbstanklage spricht aus dem unheimlichen Blutverdachte. * Das tiefinnertiche Schuldbewusstsein der Völker wäre vielleicht überhaupt ein Schlüssel zur Erklärung