Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 50 (15.12.1899)
- Article
- London
- Date
- 1899-12-15
- Page
- 11 (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 60 „Die ■&'Welt“ Seite u; > - London. Ein Eintagskönigthum bildete das Gesprächsthema der abgelaufenen Woche. Mi-. Vabian L. Solomon war :zmn Premierminister der - Südaustralischen Golonie gewählt, worden, wurde aber vom Parlamente tin Adelaide nicht bestätigt, Mr. Solomon ist Jude, und das erklärt alles. Mr. Solomon ist in Australien geboren.. Er gehört 211 den leitenden Politikern Südaustraliens. Seine Familie hat ihre Interessen mit denen der Golonie seit langem verknüpft, der Vater Mr. Vabians, j. M. Solomon, gehörte zur gesetzgebenden Körperschaft und .war Mayor von Adelaide. In jungen Jahren schon ging Vabian nach dem nördlichen Theile des Territoriums, trat mit den leitenden Tagesblättern in Verbindung und wurde alsbald zum Mayor gewählt. Er kehrte dann in die Heimat zurück und nahm während eines Zeitraumes vori acht Jahren den Sitz eines Abgeordneten für den Norden ein. Bekannt mit den Minen Verhältnissen in Westaustralien, war er bald eine anerkannte Autorität'in allen das Parlament beschäftigenden Finanzlagen. Er ist ein ausgezeichneter Redner und schlagfertiger Debatten Seinen Sitz nahm er stets auf der conservativen Seite ein. Er gehörte zu den einflussreichen Gründern der Federation der australischen Colonien. Als religiöser Jude gehört er der conservativen Richtung an, gleich den übrigen Mitgliedern seiner Familie, deren eines, sein Bruder Mos. J. S 01 o m o n, Präsident der (Jemeide in Adelaide ist. Palästina. Jaffa. Die Quarantäne für Provenienzen von Alexandrien wurde Ende November aufgehoben, was eine für Palästina sehr erfreuliche Thatsache bedeutet. Der Verkehr, der Monate hindurch an allen Enden gestockt, dürfte jetzt wieder einen kleinen Aufschwung nehmen. — Die „Palestine Exploration l' und - voranlasste die Abfassung einer Geschichte der Colonisation Palästinas. Der hiesige Missionär Rev. J. Hanauer wurde mit dieser Aufgabe betraut. General Wilson besorgte die Correctur des Coneeptes. Allerlei Nachrichten. Das Vermögen sämmtlicher H jüdischen Wohlthätigkeit-svereine zu Königsberg i. P. betrug im Vorjahre 25O.0OÖ Mark. An Mitgliedsbeiträgen sind 24'.257 Mark, an Spenden 86.789 Mark eingegangen. * Die jüdische Gemeinde in Berlin erhielt dieser Tage von einer Frau Erna Packocher den Betrag von 200.090 Mark zum Baue'einer Alters Versorgungsanstalt. Der bekannte Berliner Drucker und Herausgeber jüdischer Werke, H. Itzkowsk v, hat am 4. d. M.. sein oOjahriges Jubiläum als Buchdrucker begangen. Der Oberrabbiner Dr. Dünner in A m s t e r d a m leierte vor kurzem das 25jährige Jubiläum seiner Amtsthätigkeit in der Amsterdamer Gemeinde. Unter den fünfzig Landtags-Abgeordneten des Grossherzogthums Hessen sind zehn auf Grund des antisemitischen Programmes gewählt worden. * In Hannöver starb am 6. d. M. Herr IsakHirsch, ein. Sohn des berühmten Frankfurter Rabbiners weiland Samson Rafael H i r s c h. Der preussische Minister des Innern hat die Namensänderung eines J udennamens Schrauhl in Steinhardt genehmigt. Begründet ist der Bescheid in dem Paragraphen, der eine Namensänderung gestattet „bei Namen, dioumstössig klingen oder zu unangemessenen Spöttereien Anlass : eben”. " Die französische Akademie hat' in -ihrer* Merlrclieu .JahröSsitzüng einen ihrer sechs Tugen dpreiäe denä jüdischen Kaufhianne Emil W ö r m s in Ne u fl 1 v - als Anerkennung seines wohlthätigen Wirkens verliehen. ’ Der bekannte Orientalist und Geschichtsforscher Professor David C h w’o l s o b n in Petersburg feierte am 3. <L M. seinen SO. Geburtstag. 9;• .. Nach den neuesten Berichten sollen jüdische Studenten •an den russischen Universitäten nach den folgenden Percent-: Sätzen zugelassen werden : Moskau und Peters bürg 3%, K a sau, Chä rk öw, Tom s k und Dorp a t p°[Q; \V a r s c h au, K i e w und 0 de ssa 10ü/o. In Kiew: be-r finden sich jetzt unter 2300 Studierenden nur 97 Juden, also nur 4%. - ' : : ' -i- ' Der „Verein für 'Arbeitsnachweis" in der Berliner jüdischen Gemeinde vermittelte im letzten Jahre 1111 Personen Stellungen, und zwar 782 Personen männlichen und 829 weiblichen Geschlechtes. Der Jahreszuschuss der Gemeinde beträgt jährlich ,.1500 Mark. Zum Andenken an Baron Hirse b will ein Oomite. das sich unter den Juden in New-York gebildet hat, ein Denkmal im dortigen Centralpark errichten. Es sollen schon ansehnliche Beträge für diesen Zweck gezeichnet sein. In einem Dorfe in der Nähe von Borissow (Gouv. Minsk) wurde vor einigen Tagen ein steinernes Kreuz in; Stücke zerschlagen. Die Bauern vermutheten einen Act der . Bosheit seitens der Juden, sie warfen deren Fenster ein und wollten auch die Häuser in Brand stecken. Schon ergriffen die Juden vor dev Wuth des Pöbels die Flucht, als: sich herausstellte, dass ein betrunkener Bauer den vandalischen Act verübt hatte. Er wollte seine Frau erschlagen, sie flüchtete, und aus Wuth hatte er sich an dem Kreuze gerächt. Der Bauer ist seitdem verschwunden. , Aus B ory sla w wird gemeldet, dass in der dortigen Baron Hirsch-Schule in diesem Jahre zum erstenmale eine Makkabäerfeier veranstaltet worden ist. Die Initiative dazu gieng vom Director der Schule Herrn Blau stein aus. Spenden für zionistische Zwecke. A. ü. B. in Paris durch'Vermittlung des Herrn Dr. Alex. M a r m o r e k, Paris Frcs. 150.— K 1 e i n m a n n Ch., Nadworna, anlässlich der Verlobung des Herrn Jac. Leit n e r mit FrL. Martha Fabian aus Berlin, anstatt Telegramm. fl. 0.30 Haller Isr., Weingarten Mos. jun., W eingarten M e n u 1, F e u e r Mos. aus Stanislau anstatt Telegramm zur Hochzeit des Herrn Isak Scharfer . ........ .. Sch erlag M n r e k. Wien (für Cu Ifcnrverein) . .. 1.— Zeitschriftenrundschau. „RasarituF kommt in einem Aufsatz über die Boryslawer Arbeiter zu dem Schlüsse, dass . deren Expatriierung nach Cvpern wünschenswert wäre. Es würde das der zionistischen Action keinen Eintrag thun. Wir- - haben 2000 Jahre ' ge-. wartet und. können uns noch :eine Weile gedulden. - Aber; mit den Unglücklichen in Boryslaw ' ist j es was anderes. . si e können nicht mehr warten" nicht ei fTfJrf.hr,’’ nicht einmal einen Monat. * - „EgaJtatea"'..bespricht die Beziehungen der verschiedenen in Palästina ansässigen Cönfesslönen za einander undmeint, dass es sich zwar mn eine delicate, aber nicht uni y eine unlösbare Frage handle;.;\\r< nn;.Mnah stets vor alten ' - möglichen Schwierigkeiten zitiert, klommt man nicht vorwärts. Etwas - weniger Philosophieren, und etwas mehr L* praktisches, Thun ist vonnödieü. .