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Die Welt · 1899-12-15 · 50 (15.12.1899) · p. 10

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
50 (15.12.1899)
Article
Eine jüdische Nationalbibliothek
Date
1899-12-15
Page
10 (sequence 2)
Language
German
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Seite 10 Nr, 50 „Die .2$S;7Welt“ zahlreiche jüdische:Zeitschriften-des,In- und. Auslandes -auf. Die Bibliothekverfügt vorläufig über 2000. Bände zumeist. jüdisch-wi&$enschaftliehen und •jüdisch-belletiistisehen. Inhaltes. Die B’nai B’rith-Loge hat dar? Anstalt nebst einer jährlichen Subvention von 300 Gulden ihre gesammte wertvolle Büehersammlung zugewendet. Jüdische Hausierer in Afghanistan.. Wie persische Blätter berichten, suchen in der letzten Zeit, namentlich seit der Eröffnung der Zweiglinie M e r w -K usk der transkaspischen Eisenbahn, zahlreiche jüdische Kaufleute aus Turkestan und Bochara die Grenzstädte von Afghanistan auf, wo sie mit russisehen Industrie-Erzeugnissen einen 1 ohn en den H ausierhandel betreiben. Von der einheimischen Bevölkerung werden sie sehr freundlich aufgenommen, da der Afghane keineswegs wie sein turkomänischer Nachbar von Hass gegen Andersgläubige erfüllt ist. Ueberdies betrachten sich die Afghanen als Stammverwandte der Juden, indem sie vorgeben, von den zehn Stämmen in gerader Linie abzustammen. Dje gegenwärtige Dynastie in Afghanistan berühmt sich sogar ihrer Abstammung von dem König Saul. Demzufolge werden die Juden von den Afghanen mit ausgesuchter Freundlichkeit behandelt, und ein jeder wohlhabende Afghane rechnet es sich zur Ehre an, den „jüdischen Bruder“ gastfreundlich zu bewirten und bei ihm seinen Bedarf an gewissen Industrie-Artikeln zu decken. Noch nie ist einen, jüdischen Reisenden in Afghanistan irgendwie Unbill widerfahren. In der Jeschiwah zu Kowno sind die Bachurim (Talmudjünger) durchweg Zionisten.' Sie werden deshalb von den Aufsehern (Masehgrcbim) auf die ärgste Weise verfolgt. Am letzten Sukkoth-Feste ist es den armen Bachurim auf eine eigenthümliehe Weise gelungen, die „Maschgichim“ eines besseren zu belehren und sie zur theilweisen Neutralität gegenüber dem Zionismus zu zwingen. Während der „Simchath Beth ha-Sohoebha-Feier“ werden nämlich 15 Psalmen (CXX bis CXXXIV) recitiert, und zwar wird jeder in der Synagoge Anwesende mit dem Recitieren eines Verses „beehrt“. Diese „Ehrung“ hatte ein Zionist, in der Hand, er vertheilte das Recitieren der einzelnen Verse und beehrte einen als grössten Zionsgegner bekannten „Maschgiach“ mit dem Recitieren des Verses: „Es werden zuschanden und Weichen müssen alle Feinde Zions.“ (Psalm CXXXIV, 5) Ungemeine Heiterkeit folgte dieser Recitation. der Maschgiach wagt aber seit damals nicht mehr, die zionistischen Bachurim irgendwie zu behelligen, eingedenk der Worte, die er selbst aus den Psalmen recitierte, dass alle Feinde Zions zuschanden werden und endlich weichen müssen. Das Niederlassungsrecht der russischen Juden Wurde kürzlich durch eine wichtige Senatsentscheidung geregelt. Es wurde verfügt': 1. auf die Klage einer verwitweten Hebamme mosaischen Glaubens, deren zwei unverheirateten Töchtern das Ministerium des Innern den Aufenthalt bei ihr in Petersburg verweigert hatte — dass die Glieder einer Familie berechtigt sind, zusammen zu leben, wobei die Wahl des Wohnortes dem Familienhaupte zusieht und durch seine Hechte bestimmt wird, und dass nach dem Tode des Mannes die Witwe als Familienhaupt bezüglich ihrer volljährigen unverheirateten Töchter zu betrachten ist: 2. dass die Rückkehr eines Juden an einen ländlichen Ort, in dem er bis zum 3. Mai .1882 wohnte, selbst nach Verlauf mehrerer Jahre nach erfolgter zwangsweiser, ungerechtfertigter Ausweisung durch die Administration, nicht als eine Neuansiedlung des Juden an einem ländlichen Orte anzusehen sei, die nach dem Allerhöchsten Befehle, vom 3. Mai 1882 verboten ist: 3. dass die Familien gl Jeder eines jüdischen Kaufmannes 1. Gilde, der ausserhalb des jüdischen Niederlassungsrayons verzeichnet ist, berechtigt sind, sich zu Handelszwecken in Vollmacht des Familienhauptes überall im Reiche aufzuhalten. Judenreine^Curorle. Wie „Sin Otecz.“ meldet, wird im Anfänge'-’-des. j Neujahrs im Kriegsministerium die Frage discutiert werden, ob man den Juden den Aufenthalt im Kaukasus während des Sommers und die Benützung der dortigen Mineralquellen, erlauben soll oder nicht. Percente. Der Bericht der Petersburger Universität für Frauen gibt, an, dass im vorigen Jahre 960 Studierende, darunter nur 25 Juden, die Vorlesungen besucht haben. Die Aufnahme der jüdischen Schüler ist auf 3 Percent beschränkt. Die Zahl 25 entspricht nicht dieser Bestimmung und doch sind in diesem Jahre viele Juden nicht aufgenommen worden. Correspondenzen. O es te r r die h - U n g a rn» Wibn. Die jüdische HandlühgsgebiTfemVerefnigung „Jordania“ berief ihre zweite heurige Agitationsversammlung für den 9. d. M. nach Mariahilf ein, in welchem Bezirke eine sehr grosse Anzahl von jüdischen Handlungsgehilfen Beschäftigung findet. Der zahlreiche Besuch, den diesem Ver- - Sammlung aufzuweisen hatte* lieferte den Beweis.dafütv Üäsfl die Wiener jüdische Handlungsgehilfenschaft sich für die. Ideen, die die „Jordania“ vertritt, zu interessieren beginne. Auf der Tagesordnung stand ein Referat des Vereinsmitgliedes Julius Zobel über die Lage der jüdischen Handlüngs^ gehilfen von Wien. Der Referent schilderte in seiner mehr - als einstün di gen, oft von Beifall unterbrochenen Rede die triste Lage der jüdischen Handlungsgehilfenschaft \Viensr die nicht nur unter der allgemeinen Noth der Handlungsgehilfen, sondern auch in sehr bedeutendem Masse unter der Judennoth zu leiden habe, und forderte zur Organisation auf nationaljüdisch-zionistischer Basis auf. Die Vertreter der socialdemokratischen Handlungsgehilfenschaft, Herr Karl P Lek, Obmann des Gehilfenausschusses* und Herr PI ohn, die nach dem Referenten zum Worte kamen, konnten wohl gegen das Sachliche des Referates keine Einwendungen erheben; doch sei es durchaus falsch, meinten sie, hieraus jene Gonsequenzen zu ziehen, die der Referent zog. Der Antisemitismus sei eine „künstliche Mache“, meinten sie, und werde bald verschwinden! Wozu sich also .separieren?“ Warten wir lieber die „Verbrüderung aller Menschen“ ab, die mit der Hebung der Volksbildung unbedingt eintreten müsse . . . Den nachfolgenden zionistischen Rednern, Vereinspräses Lederer und Herrn Nath. Gross, war es ein Leichtes, die Herren von der Social dem okratie, die wohl vorgibt, ein weites Herz für die gesammte leidende Menschheit zu haben, bei den Juden aber stets eine Ausnahme macht, unter dem Beifalle der Versammlung ad absurdum zu führen. Herr Gehilfenobmann Pick, der hierauf zum zw eiten male das Wort ergriff, versuchte zwar, aus der Fülle seines Phrasenschatzes schöpfend, gegen die Vorredner .zu polemisieren — aber es wollte nicht recht gehen. Er mag wohl selber von der Haltlosigkeit seiner Phrasen überzeugt gewesen sein. Mit Recht betonte der Referent, Herr Zobel, der nun, lange nach Mitternacht erst, zum Schlussworte kam, dass man dem denkenden Theile der jüdischen Handlungsgehilfenschaft nicht mit derlei „Zukunftswechseln“ kommen dürfe; die m o m en tane n Verhältnisse deuten viel eher auf ein Erstarken des Antisemitismus hin, als auf dessen Verschwinden. Er bewies an der Hand von Thatsachen, dass selbst die Partei des Herrn Pick, wolle sie ihre Popularität bei den Massen nicht, euibüssen, dem Antisemitismus Concessionen machen müsse. Nichts sei daher vernünftiger und logischer als das, dass sich die jüdische Handlungsgehilfenschaft auf natiönaljiidischzionistiseher Basis zu organisieren beginnt. Denn dadurch schützt sie nicht nur ihre Interessen als Handlungsgehilfen, sondern, sie erfüllt auch ihre nationale Pflicht: unter, den heutigen Verhältnissen eine doppelte Pflicht. — Hierauf schloss der Vorsitzende die Versammlung. Es war eine der erfolgreichsten zionistischen Versammlungen der letzten Zeih .1. Privos. Sonntag den 3. d. M. veranstaltete der jüdische Verein „Emunah“ in Privos ein Chanuka-Fest, welches sich einer regen Betheiligung von Seite der Mitglieder und Freunde des Vereines erfreute. Die Judenschaft von Mähr.- Ostrau und Umgebung fand wieder einmal Gelegenheit, sich in tmgescannter und aufrichtiger Weise vergnügen zu dürfen. Selbst aus dem weiteren Umkreise hatten sich diejenigen eingefunden, welche sonst dem Leben der Einsiedelei :preisgegeben, sind. Der Abend wurde mit einem Prolog des a. H. der akademischen Verbindung „Libanohia“. Frey, eröffnet, welchen Frl. Wurzel formvollendet zum Vortrage brachte. Hierauf folgte der Einacter „Das Auge, der Mutter“, in welchem die Damen Kleb in der, Placzek, ferner die Herren H e s s und F örst.e r vorzüglich spielten. Eine Gesangskomödie, von den Herren Wu r z e‘ 1. Grünberger und Eisenberg zum Vortrage gebracht, erhöhte die Stimmung des Publieums. Nach der Vorstellung wurde dem Tanze gehuldigt, welcher alle Theilnehiner bis zum Morgengrauen rege hielt. Der Abend war ein sehr amüsanter* und hatte der Obmann der „Emunah“, Herr Expeditor A d l e r, der utn die Organisation der Juden schaft Ostraus und Umgebung ' stets bemüht ist. die Genngthuung, für den Verein und sich die Anerkennung jener gOupden zu haben, die sonst ganz . abseits von ihrem Volke sfehen. ~; -

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