Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 50 (15.12.1899)
- Article
- Paris
- Date
- 1899-12-15
- Page
- 8 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 8 „Die Welt“ Nr. 50 zündend« Ansprachen und fanden flammenden Wiederhall in den Herzen der jugendlichen, hoffnungsfreudigen und opferbereiten jüdischen Akademiker. — Als ein Zeichen der Zeit und des Fortschritte«: der Ideen des nationalen Judenthums in Seine-Babel mag das vom „Cri de Baris" mitgetheilte und, wie wir gleich hinzufügen, beifällig begrüsste Factum gelten, dass der Pariser Schriftsteller Busnach sich folgender Visitkarten bedient: WILLIAM BUSNACH Juif. Brest-Lit. (Russland.) Der hiesige Zionsverein veranstaltete zwei Makkabäer-Feiern, von denen die erste am 28. v. M. in der Synagoge „Hekdesch", die zweite am 30. v. M. im Schweizersaale stattfand. Am ersten Festabende hielten die Herren G o 1 d f a r b und C h a s a n die Festreden, während bei der Feier im Schweizersaale Herr M. G. Fried sprach, und Fräulein Burstein russische Gedichte vortrug. Tribüne. Aufruf! Jüdische Volks- und Gesinnungsgenossen! Die immer mehr um sich greifende Aussperrung der jüdischen Arbeiter aus alU»n Gebieten der Industrie, des Bergbaues.' des Handels und der Wissenschaft hat die bereits organisierten Handlungsgehilfen Oesterreichs veranlasst, gegen dieses fast systematische Aushungerungssystem Stellung zu nehmen. — Am 7. August d. J. fand in Brünn ein Handlungsgehilfentag statt, an welchem Delegierte aus den verschiedenen Ländern Oesterreichs theilgenommen haben. Die Erkenntnis von der entsetzlich traurigen Lage der jüdischen Arbeiterschaft und die Thatsache, dass nicht allein christliche, sondern auch jüdische Firmen keinen jüdischen Arbeiter beschäftigen wollen, dass die jüdische Arbeiterschaft dem Elende preisgegeben wird, hat den Handlungsgehilfentag zum Entschlüsse geführt, 1. die bereits bestehenden Organisationen der Handlungsgehilfen der gemeinsamen Thätigkeit halber zu einem Verbände zu vereinen; 2. überall, wo es jüdische Arbeiter gibt, sie möglichst gewerkschaftlich zu organisieren. Um dieses Verth ei di gungs werk ausführen zu können, hat ferner der Handlungsgehilfentag beschlossen, ein Blatt als Organ der Gesammtinteressen der jüdischen Arbeiterschaft zu gründen. Ihr wisst, Stammes- und Gesinnungsgenossen, was ein derartiges Organ für die jüdische Arbeiterschaft bedeutet. Ohne ein jüdisches Arbeiterblatt ist die ganze jüdische Arbeiterorganisation, die jüdische Arbeitsvermittlung und somit jedwede Verteidigung gegen Boycott der jüdischen Arbeitskraft, nur eine Illusion. Das jüdische Arb eher blätt wird zur Kräftigung der jüdischen Arbeiterorganisationen geschaffen, um der wirtschaftlichen Aussperrung mit vereinter Kraft entgegentreten zu können. Das jüdische Arbeiterblatt wird die Stellenvermittlung der jüdische Arbeiter fördern und vereinfachen. Das jüdische Arbeiterblatt wird lieben allen Angelegenheiten der Arbeiter und Hände langestellten sich mit allen Fragen beschäftigen,, welche die Judenschaft, ihre Wünsche und Bedürfnisse betreffen, und daneben alle bedeutsamen Erscheinungen des Tages auf wirtschaftlichem, politischem und culturellem Gebie»e mit, Aufmerksamkeit verfolgen. Das jüdische Arbeiterblatt fasst im Sinne des Baseler Programmes auf dem Boden des politischen Zionismus, dessenungeachtet wird jede ernste und sachliche Meinung daselbst zu Worte kommen. Insbesondere wird es die Aufgabe des Blattes sein, die Solidarität der jüdischen Arbeiter zu fördern, alle Ursachen der Judennoth aufzudecken und für eine friedliche und radicale Lösung der Judenfrage ifti Sinne des politischen Zionismus einzutreten. Gesinnungsgenossen, es ist Eure Pflicht, da wir Arbeiter über keine Capitalien verfügen, das Arbeiterblatt geistig und materiell zii unterstützen. Wir appellieren an die jüdische Intelligenz um ihre Mitarbeiterschaft, an das gesarhmte jüdische zeitunglesende Publicum um Abonnement des Arbeiterblattes. Mit Zionsgruss für das Press-Comitö des Verbandes der jüdischen Handelsangestehten Oesterreichs : Schriftführer: Obmann; Salomon Eubinstein. Max Hickl. Wegen Beschlussunfähigkeit der auf den 5. d. M. anberaumten Generalversammlung des Einzelvereines „Wien" des „Zion" findet Dienstag den 19. d. M., abends 7% Uhr präcise, eine zweite Generalversammlung in unserem Vereinslocale, II., Gredlergasse 9 (gegenüber der Fruchtbörse), statt. Die Vereinsmitglieder werden dringend eingeiaden zu erscheinen. Tractanden: 1. Jahresbericht, 2. Neuwahlen, 3. Eventualia. Namens des Ausschusses: J. L. Deiner,!. Vicepräses. Allgemeiner hebräischer Sprachverein. Der von Herrn Dr. Leopold Kahn im Congressbureau, IX., Türkenstrasse 9, allwöchentlich Mittwoch 8 Uhr abends gehaltene Cyklus von Vorträgen über die Tanaim, welcher jedermann zugänglich ist, erfreut sich eines zahlreichen Zuspruches und des Interesses in weiteren, auch nichtzionMischen Kreisen. Bisher wurden die Lebensbiographien und Aussprüche „Simons des Gerechten“, „Simon ben Schetneh“ und „Jehuda ben Tabai“ und die Geschiehtj ihrer Zeitperioden behandelt. Diese Woche, 13. December, gelangten zum Vorträge .Scheinaja und Abtalion“. Für die michste Woche, 20. December, ist die Besprechung der „beiden Schulen Hillel und Schamai“, die Zeit der letzten Hasmonäer- und ersten Römerkriege in Aussicht genommen. Zutritt frei. Frequenzkarten im Congresslocale und beim „Jüdischen Volksverein“, II., Haasgasse 8. Aufruf. An meine verehrten Glaubensbrüder! Es sind nun 53 Jahre her, seitdem ich nach mancherlei Gefahren und Mühseligkeiten, mit d^nen eine solche Reise in damaliger Zeit verbunden war, in Jerusalem ankatn, geleitet von dem Wunsche, für die Verbesserung der materiellen Lage meiner Brüter in Palästina etwas zu thun. Das Wenige, das während dieses Zeitraumes zu leisten mir gegönnt war, ist bereits vielen bekannt: Die jüdischen Pilgerwohnungen, zwei Krankenhäuser und Waisenanstalten sind zum Theil Früchte meiner Bemühungen. Auch die Colonisation durch jüdische Ackerbauer liess mich nicht gleichgütig, und ich that dafür, was ich konnte. Allein was bedeutet dies alles im Vergleiche mit dem. was noch zu verbessern und zu schaffen wäre? Und welcher einzelne Mann ist imstande, all die Mängel zu verbessern und die Uebelstände zu sanieren? Im vorgerückten Alter, nahe dem Abschluss meiner Erdenlaufbahn, möchte ich indess die Existenz einer der Institutionen der heiligen Stadt, die mir sehr am Herzen liegt, gesichert wissen. Ich meine die rühmlichst bekannte, unter Leitung Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiners Isak W i n o gr a d stehende Talmud-Hochschule „Thorath Ciiaim“, die seit ihrem Bestehen das Licht der heiligen Lehre und der Gottesfurcht verbreitet. Leider ist es um die materielle Lage der Anstalt sehr traurig bestellt. Ohne jede feste Basis, ohne Fonds, ist sie ausschliesslich auf freiwillige Beitragsleistungen angewiesen, die leider sehr spärlich fliessen und die Ausgaben bei weitem nicht decken. Infolge dessen ist das Institut in grosse Schulden gerathen, so dass er nstlich eine Schliessung desselben zu befürchten ist. Dieser traurige Zustand gieng mir zu Herzen, und ich nahm mir ernstlich vor, für dessen Verbesserung etwas zu thun. Ich richte daher an alle Glaubensbrüder die ergebene Bitte, dieser segensreich wirkenden Lehranstalt nach Kräften beizustehen; gilt es doch, der heiligen Thora, für die unsere Ahnen allezeit ihr Gut und Blut hin gaben, eine Heimstätte zu er halten, ja neu zu schaffen. Möchte jeder unserer Glaubensbrüder zur Errichtung eines Fonds, den ich „Matnath Nachliel" nennen möchte, auf folgende Weise beitragen : 1. Subventioniere jede jüdische Gemeinde diesen Fonds mit mindestens einmaliger Unterstützung; 2. betheilige sich jede Familie mit beliebiger Summe; 3. belieben sich diejenigen, die sich ewiges Angedenken sichern wollen, an den Vorstand der Anstalt zu wenden, der ihren Wünschen in allen Details entsprechen wird.