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Die Welt · 1899-12-08 · 49 (8.12.1899) · p. 10

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
49 (8.12.1899)
Article
Die jüdischen Handlungsreisenden Russlands
Date
1899-12-08
Page
10 (sequence 2)
Language
German
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Smte 10 „Die Hr Welt“ Nr. 49 Zeitung meldet, Aussicht vorhanden, dass dieses Verbot, soweit es die Handlungsreisenden betrifft, von Jänner 1900 ab aufgehoben werden wird. Der Wochenbericht des Matrikelamtes der israelitischen Cultusgemeinde vom 20. November bis zum 2. December 1899 weist 02 Geburten, 22 Trauungen lind 50 Sterbefälle auf. Personalnachricht. Herr Nathan L i p s c h ü t z, ein Sohn unseres Gesinnungsgenossen Herrn J. L. Li p schütz in L erabe r g, verlobte sich dieser Tage mit Fräulein Aurelia Hirnbaum, einer Tochter des Herrn Joachim B i r nb a u m in Krak a u. Correspondenzen. Oesterreich-Ungarn. Zboröw (Galizien). Eine hübsche Illustration zur Lage der Juden in Galizien liefert das folgende Factum: Im Dorfe Zakomarze (Bezirk Zloczöw) ist der Jude J. ßaumwoll. der bereits 20 Jahre als Propinator und Grundbesitzer ansässig ist. seit zwei Jahren gezwungen, förmlich auf der Gasse zu wohnen, weil ihm die Gemeinde, die um jeden Preis „judenrein“ werden möchte, keine Baueoncession ertheilen will. Einsprüche bis zur dritten Instanz sind fruchtlos geblieben. Die Verweigerung der Baueoncession ist der aufhetzenden Thätigkeit eines dortigen Führers der ruthenisch-radicalen Partei zu zuschrei der», die sieh sonst den Anschein gibt, mit den gleichfalls von den Polen unterdrückten Juden zu sympathisieren. Jassy. Dieser Tage feiert der bekannte jüdische Gelehrte und Publicist Moses Schwarzfeld in Bukarest sein 25jähriges Schriftsteller-Jubiläum. Moses Schwa rzfeld wurde in Jassv im Jahre 1857 geboren. Er absolvierte in Jassv das Lyceum und bezog dann die medicinische Facultäfc der Universität in Bukarest. Sein innerer Drang zur Literat ui* Hess ihn jedoch das medicinische Studium unterbrechen, und er erprobte sich auf literarischem Gebiete mit einigen Novellen, die das jüdische Volksleben in anziehender Weise schildern und bei ihrem Erscheinen grosses Aufsehen erregten. Diese Novellen haben, trotzdem sie in rumänischer Sprache geschrieben sind und demnach nur einen kleinen Loserkreis zählen, mehrere Auflagen aufzuweisen. Bald nach dem Erscheinen des Novellenbandes schrieb Sch w a r z fei d einige Biographien hervorragender Persönlichkeiten unter den rumänischen Juden, Diese Lebensbeschreibungen sind in ihrer knappen, schlagenden Charakteristik voll köstlichen Humors. Zu Beginn der Achtzigerjahre gab sein Bruder. Dr. Elias Sch w a r z f e 1 d, «‘in jüdisches Blatt, die „Fraternitäten* heraus, deren eifrigster Mitarbeiter der junge Moses wurde. Während seiner publizistischen Thätigkeit arbeitete er jedoch unverdrossen an seiner ausgezeichneten ..Geschichte der Juden in Rumänien“, die umso bewundernswürdiger ist, als der Autor nur spärliches (Juellennriteria! zur Verfügung hatte. Im Jahre 1885 gab er das »erste seiner berühmten Jahrbücher (Anuar) heraus. Dieselben enthalten unter anderem aus der Feder Schwarzfelds fVdidonstische Abhandlungen über 9000 jüdische Sprichwörter. Diese Studien sind von hohem, wissenschaftlichem Werte um! wurden von Pi qua nt in Paris und dem seligen J e 1 I i n e k in Wien auf das Schmeichelhafteste gewürdigt. Seit dem Jahre 1890 gibt Sch warzfeld die „Egalitafcea“, ein unabhängiges jüdisches Organ, heraus. Das Blatt steht auf einem hohen literarischen Niveau und nimmt der zionistischen Bewegung gegenüber eine sympathische, höchst anständige Haltung ein. Braila. Auf Herrn E 11 m;i n n, der mit dem Vorträge ..Verjudung“ den Reigen im Lesevereine ..Zion“ eröffn etc. folgte Herr J. A g e n t. der unter dem Titel „Die Schöpfungeinen geistsprühenden, ungemein anregenden Vortrag hielt. Die zahlreiche Zuhörerschaft, die den humorvollen Ausführungen des V7ortragen den mit gespannter Aufmerksamkeit folgte, geizte mit ihrem Bei falle nicht und die heitere Stimmung, die dieser Vortrag zurückliess, hielt die Gesellschaft bis in später Nachtstunde beisammen. Und ebenso aufmerksam, wie man dem Vortrage lauschte, ebenso willig folgte man den einladenden Klängen der Musik, die zum Tanze einlud. Auf Anregung der Frau El lman-n arbeiten die Herren Dr. M o s k o w i t z und F i s c h 1 eifrig daran. im Lesevereine den „Dr. Kohn“ mit vertheilten Rollen zur Vorlesung zu bringen. Russland. Petersburg. (Orig.-Corr.) Die von Nicolaus L in den Gouvernements Cherson und Jekate rinosla v gegründeten jüdischen Aekerbau-Coloaien haben erst kürzlich die Legende von der angeblichen Unfähigkeit der Juden zum Ackerbau gründlich zerstört. Die wiederholten Gesuche der jüdischen Colonisten um Erweiterung des ihnen noch unter Nicolaus I. zugewiesenen Areale wurden von der Regierung Alexanders HI. mit der Motivierung zurückgewiesen, dass die jüdischen Ackerbau-Colonien die von der Regierung auf dieselben gesetzte Hoffnung nicht erfüllt hätten. Dass die russischen Judenfeinde in dieser Motivierung eine Bekräftigung der von ihnen emsig gewobenen Legende von der angeblichen Untauglichkeit der Juden für den Ackerbau erblickten und sie zu ihren Zwecken gehörig aüsbeuteten, muss nicht erst gesagt werden. Der gegenwärtige russische Ackerbauminister. Geheimrath J e r m o 1 o w hat jedoch die von Judenfeinden in Umlauf gesetzten Gerüchte über die jüdischen Ackerbau-Colonien controlieren wollen, und zu diesem Zwecke, wie Sie bereits gemeldet haben, seinen Secretär A. Jelatschitsc-h nach den Colonien entsendet, der volle vier Monate daselbst verweilte und sich über den Stand der Colonien eingehend informierte. Sein nunmehr dem Minister unterbreiteter Rechenschaftsbericht über die Inspectionsreise durch die jüdischen Ackerbau- Colonien hat in den Auffassungen der Petersburger Regierungskreise einen Umschwung zugunsten der Juden als Ackerbauer herbei geführt. Jelatschitsch constatiert in seinem Rechenschaftsberichte, dass der Stand der jüdischen Ackerbau-Colonien ein geradezu musterhafter ist. Rückhaltloses Lob spendet Jelatschitsch den jüdischen Colonisten, welche unter den schwierigsten Verhältnissen ihre Wirtschaften zur Blüte gebracht haben. Die Tüchtigkeit. Arbeitsamkeit, Nüchternheit und der Fleiss der jüdischen Colonisten. sagt Jelatschitsch, haben bewirkt, dass die jüdischen Ackerbau-Colonien zu Musterwirtschaften wurden’. Seine Angaben bekräftigt Jelatschitsch mit ziffermässigen Daten, aus denen hervorgeht, dass die jüdischen Ackerbau- Colonien seit ihrer Begründung einen alle Erwartungen übertreffenden Aufschwung erreicht haben, der für die landwirtschaftliche Fähigkeit der Juden beredtes Zeugnis ablegt. Jelatschitsch kommt in seinem Rechenschaftsberichte zu dem Schlüsse, dass man den jüdischen Colonisten die Gleichberechtigung mit dem russischen Bauer einräumen müsse, um ihre Weiterentwicklung zu fördern. Geheimrath Jerrnolow soll im Principe beschlossen haben, den jüdischen Colonisten das Recht zur Erwerbung von Grund und Boden baldigst einzuräumen. G. England. London. Am 3. December fanden zwei merkwürdige und unerwartete Ereignisse statt. In der „Anglo-Jewish Association“ wurde „die jüdische Frage“ besprochen, die durch die jetzigen Ereignisse in Oesterreich wieder in Fluss gerathen ist. Ein besonderes Comite wurde gewählt mit der Vollmacht, geeignete Schritte zu unternehmen. Die Debatte bewies, dass die Herren diesem Problem ganz neue Gesichtspunkte abgewannen. Am selben Abend hielt in der jüdisch-historischen Gesellschaft Mr. Claude G. Mont, efi ore einen Vortrag, der den Zuhörern eine grosse Ueberraschung bereitete, denn in demselben wurden die Verdienste des Zionismus in einer philosophisch angehauchten Weise untersucht und ausserdem die verschiedenem oft. divergierenden Bewegungen zur VerwirklichungJ der jüdischen Ideale besprochen. Die neue Stellungnahme Claude Montefiores kann ich in diesem kurzen Berichte nur dadurch charakterisieren, dass Herr Dr. Gast er sich in der Debatte mit dem Vortrage vom zionistischen Standpunkte ein verstau« len erklärte, während Chief rabbi Doctor

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