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Die Welt · 1899-12-08 · 49 (8.12.1899) · p. 8

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
49 (8.12.1899)
Article
Wien / B.
Date
1899-12-08
Page
8 (sequence 2)
Language
German
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Seite-8 „Die!$r Welt“ Nr. 49 ungefähr begann der Redner. „Alle Begriffe erleiden eine völlige Umwertung und Umwandlung, alle Bande lösen sich, Die Gleichgesinnten rüsten sich zum Entscheidungskampfe.“ Auch für das Judenthum sei eine solche Zeit der Revision gekommen, unter dem Zeichen der nationalen Einigung. Eine grosse Zeit ist es, die für uns gekommen. Wir wollen nicht müssig bleiben, nicht freiwillige Entsagung üben. Ein Ruf ist ertönt, und wir sind gekommen, ein Banner ward entrollt und wir scharen uns darum. Wir wollten ein neues Ghetto schaffen, wirft man uns vor; wir hemmten die Verbrüderung der Menschheit.... Redner weist die Haltlosigkeit dieser und ähnlicher Vorwürfe mit glänzender Dialectik nach und gibt dann eine Definition der Begriffe „Hellenismus“ und „Nazarenerthum“, wobei er zu dem Schlüsse kommt, das alte Judenthum sei keineswegs asketisch; nur seelische Vertiefung gebietet die Bibel, nicht Entsagung. Erst im Laufe der mittelalterlichen Verfolgungen habe sich das jüdische Gemüth verdüstert. Der Jude wurde betrogen, misshandelt, in seinen heiligsten Gefühlen verletzt, und darum zog er sich zurück in die freudlose Starre seines Ghettos. Hernach schilderte der Redner in ergreifenden Worten das Familienleben der mittelalterlichen Juden, wie der Hausvater sechs Tage lang sich abrackerte und die grössten Demüthigungen über sich ergehen liess, um für den Sabbath einen Bissen Weissbrot nachhause zu bringen. Die Fenster mussten verhängt werden, damit nicht der Pöbel, der neidische Gaffer, die Sabbathruhe störe. Auch uns, sagt der Redner, erhält diese Sabbathruhe die Kraft des Lebens. Auch wir haben die Fenster verhängt, und draussen lärmt eine missgünstige Menge, während wir hier in brüderlicher Liebe vereint sind. Allein wir wollen kein finsteres Ghetto gründen, wir pflegen die Erinnerung an Juda Makkabi, der kein Mythos ist, der gelebt hat. Darum feiern wir unser Chanuka als die Feier des jüdischen Mut h es. Ueber uns ist eine grosse Zeit gekommen, wir haben uns selbst gefunden und damit auch unsere Brüder. Ein grosser Held hat einst gestritten, ein grosser Sieg ward einst errungen — und es kann wieder geschehen, in der friedlichsten Weise. Zum Th eil ist das Wunder schon vollbracht. Die Einigung des Judenvolkes findet statt unter dem Banner Davids, und der Schlachtruf lautet: Juda Makkabi! — Als Herr York- Steiner zu Ende war, hatte es den Anschein, als sollten die Begeisterungsausbrüche, die jubelnden Zurufe der Versammelten gar kein Ende nehmen. Nachdem sich der rauschende Applaus einigermassen gelegt hatte, besprach Herr Deiner in anziehender Weise die Vorfälle der jüngsten Zeit und ermahnte zum treuen Ausharren bei der zionistischen Arbeit. Herr Dr. H e r z 1 erläuterte nun denjenigen unter den Anwesenden, die wohl zum erstenmale einer zionistischen Versammlung beigewohnt hatten, die Leitsätze des zionistischen Programmes. Herr Hofschauspieler C. L ö w e trug in glänzender Weise Leo Rafaels’ „Psalm“ vor. Sodann gab Frl. Spitz zwei Gesänge von Mozart und Schubert zum besten und erntete wohlverdienten Beifall. Es folgte nun der gemüthliche Th eil des Festes, der erst in vorgerückter Stunde seinen Abschluss fand. B. Wien. Der Einzel verein „Favoriten“ des Verbandes „Zion“ veranstaltete am 30. v. M. in den „Favoriten-Sälen“ eine Makkabäer-Feier, die sich eines überaus zahlreichen Zuspruches aller jüdischen Kreise des Bezirkes erfreute. Ueber 300 Menschen füllten den Saal. Mit Aufmerksamkeit folgten die Zuhörer der Tendenzrede des Vereinspräsidenten Herrn Dr. Rosenthal, in welcher derselbe die Bestrebungen des Zionismus erläuterte, während Herr cand. jur. Emil Koref für seine Festrede den lauten und wohlverdienten Beifall der Zuhörer erntete. Um das Arrangement des heiteren Programmes hat sich Herr Prof. Hirschier viele Verdienste erworben. Das Reinerträgnis beläuft sich auf 260 fl„ wovon 200 fl. zur Bekleidung armer jüdischer Schulkinder und die restlichen 60 fl. für die Zwecke der neugegründeten jüdischen Schule im X. Bezirke verwendet werden. Prag. Der „Jüdische Volksverein“ veranstaltete am 2. d. M. im grossen Saale der Productenbörse eine Makkabäerfeier, an der circa 1000 Personen theilnahmen. Das Mitglied des Wiener Actions-Comitäs, Herr Architekt Oscar Marin o r e k aus Wien, hielt eine zündende Festrede. Hierauf brachte Frau Sophie Raubit schek ein zionistisches Gedicht in meisterhafter Weise zum Vortrage. Die Chöre des Tempelgesangvereines „Weinberge“ und die Vorträge der Herren Dr. M. Kohn, Philipp Lebenhart und M. U. C. A. L ö w y wurden mit reichem Applaus belohnt. Den Schluss bildete ein animiertes Kränzchen. Der Abend hat uns eine grosse Anzahl neuer Gesinnungsfreunde zugeführt. Lemberg. Der hiesige conserväiiv-ziomstische Verein j,Dorsche Sch’lom Zion“ veranstaltete am 28. v. M. im Saale des jüdischen Handwerkervereines „Jad Charuzim€- eine grossangelegte Makkabäerfeier, zu der sich nahezu 2000 Personen eingefunden hatten. Das Fest nahm einen glänzenden Verlauf. Eingeleitet wurde es durch die Gesangsvorträge der Herren Cantoren H a 1 p ern und Schorr. Sodann richtete der Vorsitzende Herr B. Jahr einige wirkungsvolle Begrüssungsworte an die Anwesenden. Es folgte nunmehr die herrliche Festrede des Herrn Dr. Bro de, für die dem Redner einmüthiger Beifall gezollt wurde. Nachdem noch Herr Dr. R. Bier er unter grossem Applaus gesprochen hatte, nahm die Feier mit dem Vortrage von Zionsliedern ein Ende. Kalusz. Dienstag den 28. November veranstaltete der hiesige Verein „Zion“ im Saale „Landesmann“ eine Makkabäerfeier. Nachdem der Präsident des Vereines die zahlreichen Anwesenden herzlich begrüsst hatte, hielt Herr stud. jur. E b e r s s o h n die gehaltvolle Festrede. In flüchtigen Umrissen gab der Redner ein lebensvolles Bild des nationalen und religiösen Kampfes der Makkabäer. Mit dem Hinweise auf die Gegenwart und dem zündenden Aufrufe zum Anschlüsse an die zionistische Bewegung schloss der Redner unter stürmischem Beifall seine glänzende Rede. Herr Adolf Sonnenschein, ein Zögling des Conservatoriums in Lemberg, trug hierauf die Elegie von Ernst und ein Concert von Mendelssohn, ferner eine eigene Composition, „Die Sehnsucht nach Zion“ betitelt, mit vollendeter Meisterschaft vor. Erst in später Nachtstunde gieng die Festversammlung, die unserer Sache viele neue Anhänger gewann, auseinander. Zloczow. Der unlängst gegründete Jugendverein „Bnei Zion“ feierte am 28. v. M. ein wohlgelungenes Makkabäerfest. Der Festsaal war von der hiesigen jüdischen Bevölkerung und von Gästen, die aus dtzr Umgegend gekommen waren, dicht gefüllt. Eine prächtige hebräische Begrüßungsrede wurde von Herrn Igel gehalten; überhaupt bildeten hebräische Declamation und hebräischer Gesang die Hauptpunkte des Programm es. Der bekannte Volksredner Herr L. Taubes hielt die Festrede und entfesselte grossen Enthusiasmus. Es wurden zionistische Lieder vorgetragen und hebräische Gedichte recitiert. In animiertester Stimmung löste sich die Festversammlung in später Nachtstunde auf. Lezajsk (Galizien). Der hiesige Verein „Schiwafch Zion“ veranstaltete am 29. November eine Makkabäerfeier. Herr Friedenthal begrüsste die zahlreich Versammelten. Hierauf hielt Herr Birnbaum die Festrede, die ihm grossen Beifall eintrug. Herr Rosmarin sprach über die Bedeutung der nationalen Festtage für den Zionismus. Ferner hielt Herr Kries er eine geistvolle und zündende Ansprache. Herr Mahler recitierfce unter reichem Beifall einige zionistische Gedichte. Den Abend beschloss ein animiertes Bankett. Tlumacz. Der hiesige Verein „Tikwath Israel“ veranstaltete Dienstag, den 28. November 1. J. in der grossen Synagoge eine Makkabäer-Feier. an der sich nahezu sämmtliche Tlumaczer Juden betheiligten. Nach einer hebräischen Ansprache des Herrn M. Turtel ergriff Herr Doctor 3 c h u r aus Stanislau das W ort zur Festrede. Redner erntete mit seinem Vortrage ungeheueren Beifall. Nach ihm sprach Herr jur. Kanner aus Stanislau. Auser diesen wirkungsvollen Reden und den gelungenen Declamationen enthielt das reichhaltige Programm auch musikalische Productionen. U. a. trug unser Gesinnungsgenosse Herr Kapellmeister M. Kreuter eine selbstcomponierte Arie unter lebhaftem Beifall vor. Frankfurt a. M. Auch in diesem Jahre veranstaltete, die hiesige Ortsgruppe der Zionistischen Vereinigung eine „Makkabäer-Feier“ Sie fand bei sehr starkem Besuch gestern abends im Saale des „Kaiserhofs“ statt; auswärtige Gesinnungsgenossen aus Höchst, Mainz, Köln u. s. w. wohnten der Feier bei. Der Vorsitzende J. L. Goitein begrüsste die Anwesenden, Cantor J. Grosskopf entzündete die Chanuka-Lichter, und die Versammlung sang das Lied „Moaus Zur Jeschuosi.“ Die Festrede hielt Dr. Markus-Köln. Er hob die Bedeutung von Juda Makkabi hervor, schilderte die inneren Kämpfe der früheren Zeiten, verglich den „Hellenismus“ mit dem „Salonjudenthum“ und führte aus, der Zionismus sei berufen, Klarheit in den chaotischen Zustand der Gegenwart zu bringen. Aehnlichen Gedanken verlieh später Schriftsteller J. Goldmann in hebräischer Rede Ausdruck, die von lauten Bravorufen begleitet war. Der Vorstand 'hatte ein hübsches künstlerisches Programm aufgestellt. Cantor J. Gross köpf sang u. a. das Lied „Dort wo die Ceder“, S. Grosskopf jun. brachte Violin-, der Pianist Mi sehe 1

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