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Die Welt · 1899-12-01 · 48 (1.12.1899) · p. 12

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
48 (1.12.1899)
Article
[Kommentar]
Date
1899-12-01
Page
12 (sequence 2)
Language
German
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Seite 12 ,4Nec&'.WeJtM Nr. 48 in England am 1. Chanuka-Abend eine Makkabäerfeier begehen. Die Zahl der englischen Zionisten wird auf rund 10.000 angegeben. In einem Leitartikel der „Israelitischen Rundschauu mit der Ueberschrift „Quousque tan dem" schreibt unser Gesinnungsgenosse Herr Dr. Alfred Klee in Bonn über die jüngsten Vorkommnisse in Böhmen. Dem Artikel entnehmen wir folgende Stellen : „Ist es wirklich die Mission des Juden - Volkes, Prügelknabe zu sein und den anderen Völkern durch seine traurige Lage zu beweisen, wie weit sie noch entfernt sind von dem ethischen Ziele der Menschheit? Ist es ein Unrecht, wie ein Theil der deutschen Rabbiner uns lehren will, und widerspricht es thatsächlich unserer Religion, dafür zu sorgen, dass der müde Wanderer durch die Weltgeschichte auch zu seinem Frieden und zu seiner Ruhe kommt?“ .... Es gibt nur ein Mittel, schön und wirksam zugleich, da alle übrigen, wie die Geschichte beweist, versagthaben: Rückkehr zum eigenen Volksthum“ „Seit langer, endlos langer Zeit hat Israel wieder ein ideales Ziel, für das es kämpfe Die Regeneration seines Volksthums und die Renaissance seiner ureigenen Cultur.“ „Mögen unsere böhmischen Brüder da mithelfen, mögen sie nachempfinden lern en für ihr jüdisches Volk, was der ungarische Freiheitsdichter Alexander Petöfi, dessen 50. Todestag seine dankbaren Magyaren in diesem Jahre begiengen, für das seine einst gesungen: „Und war’ ich nicht als Ungar schon geboren, Jetzt stände ich mit diesem Volk im Bunde, Das so verlassen kämpft, so weltverloren, Wie nie ein Volk auf weitem Erdenrunde." Der Artikel schliesst mit einem warmen Appell an die böhmischen Juden, sich dem Zionismus anzuschliessen. „L’Echo Sioniste" vollendet mit der soeben erschienenen 5. Nummer das erste Trimester seines Bestandes. Die bisher erschienen Nummern liefern den Beweis für die Nothwendigkeit und den agitatorischen Wert dieses einzigen französischen Organs der zionistischen Bewegung. Es sind darin vorzügliche Aufsätze veröffentlicht worden, welche für alle, die in französischer Sprache die zionistische Propaganda betreiben, ein ausgezeichnetes Hilfsmittel bilden. So wurden in dem Blatte die hervorragendsten Reden des 3. Baseler Congresses, sowie ein knappes, übersichtliches Resume von dessen Verhandlungen gebracht. Die uns vorliegende Nr. 6 enthält an interessanten Artikeln „Briefe aus Italien" von dem kürzlich verstorbenen Marcou Barouch, einen flotten Aufsatz über Zangwill von Henri Lew, den Programmentwurf unserer russischen Gesinnungsgenossen etc. Besonders erwähnenswert ist die gelungene französische Uebersetzung der Hymne „Dort, wo die Ged er" von einem katholische Missionär. Ferner finden sich in dieser Nummer Nachrichten über die zionistische Bewegung in Paris. Ein besonderer Vorzug des „L’Eeho Sioniste" besteht in der vollständigen Revue der gesammten jüdischen Presse, die es in jeder Nummer gewissenhaft bringt. Dadurch wird den Lesern des Blattes die Kenntnis alles dessen vermittelt, was in den jüdischen Blättern aller Länder in den verschiedensten Sprachen discutiert wird. Es ist die Pflicht unserer französisch lesenden Gesinnungsgenossen, „L’Echo Sioniste" kräftig zu unterstützen und in jeder Weise zu seinem gedeihlichen Weiterbestand beizütragen. Unser zionistisches Bruderorgan, der in spaniolischer Sprache erscheinende „El Progreso“, hat das erste Halbjahr seiner Existenz mit schönem Erfolge zurückgelegt. Von dem reichhaltigen, sorgfältig gewählten Inhalt der bisher erschienenen zwölf Nummern seien nur einige bemerkenswerte Aufsätze erwähnt, welche durchweg actuelle jüdische Fragen mit Gründlichkeit, Sachkenntnis und aller gebotenen Mässigung behandelten. Diese Aufsätze lauten : „ElSionismo y los Judeos de la Turquia", „La lengua hebraiea“, „El Congreso", „Antisemitismo en Austria“, „La tragedia Dreyfus", „Asimilacion y Mision“, „Ei Banco judeo de Colonisacion", „Los Frutos de Polna“, „Antisemitismo en Bulgaria", „La Fiesta nacional de los Judeos" u. v. a. Der „Progreso" hat ausserdem die Londoner Rede Dr. H e r z 1s, sowie die Congressreden Dr. Herzls, Dr: N o r d a u s, Sir Montef i o r e s, das grosse Expose Oscar Marmoreks und den Finanzbericht des Dr. Koke sch in getreuer Uebersetzung wiedergegeben und über die Verhandlungen des Congresses ausführlich berichtet. Alle Verlautbarungen des Action s- Comitds und der Jüdischen Colonialbank sind in spaniolischer Uebersetzung im „Progreso“ enthalten. Des feineren brachte das Blatt unter der Rubrik „El Mundo judaico" Nachrichten und Berichte von allgemein jüdischem Interesse, Original- Correspondenzen aus allen Gegenden des Orients, während die Rubrik „Tribuna de Sion" die Berichte und Notizen zionistischen Inhalts enthält. Im Feuilleton wurden kleinere Original-Novellen veröffentlicht, welche durchweg das Leben der spaniolischen Juden im Oriente behandeln und vom Herausgeber des Blattes, Herrn Mor. J. Cohen, verfasst sind. — „El Progreso“ hat sich während der kurzen Zeit seines Bestandes unter den spanisch' redenden Juden aller Länder einen ausgezeichneten Ruf verschafft und überall Freunde erworben. Namentlich in den zionistischen Kreisen des Orients erfreut sich dieses gediegene und massvoli geleitete Organ einer besonderen Wertschätzung. Das Blatt wird in allen jüdischen Gemeinden in Bosnien, Serbien und Bulgarien, in der europäischen und asiatischen Türkei, in Rumänien, Griechenland, Aegypten und sogar unter den Wiener- Spaniolen viel und gerne gelesen. „El Progreso" wird unserer Bewegung noch sehr wichtige Dienste leisten. Bücherwelt. Zwischen Scylla und Charybdis. (QHlfiÖn H3) von D. L. Monlowze w. Aus dem Russischen ins 'Hebräische von J. M. Lewit übertragen. Kischinew 1898. . L e w i t, der jetzt, wie bekannt, Tol stoi’s Werk über die Kunst übersetzt, hat im vorigen Jahre einerussische Erzählung von Mordowzew ins Hebräische übertragen. Daniel Lukycz Mordowz e w gehört wohl nicht zu den bedeutendsten, doch zu den edelsten und liberalsten Schriftstellern Russlands. Ein edler „Beschützer der Erniedrigten und der Bedrückten", ein Humanist reinsten . Wassers von idealer Gesinnung und wahrhaft freiheitlichem Streben, hat er in den Achtzigerjahren in begeisterten Artikeln seinem Volke den Spiegel der Civilisation vorgehalten und die Sache der bedrängten Juden mannhaft vertheidigt. In einem Briefe an den Uebersetzer schreibt er im Jahre 1892: „Meine Anschauung über das Judenthum ist zum Theile in meiner Erzählung „Zwischen Hammer und Amboss“ (zwischen Scylla und Charybdis) niedergelegt und zwar in den Worten des Jakob Josef K oh e n. Es ist dies meine tiefe Ueberzeugung und ich kann mich nur vor dem grossen Geiste des Judenthums beugen." Jakob Josef Kolie n ist ein Wunderrabbi aus der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts und seine Worte, mit denen sich der Dichter identifieiert, sind eine Lobeshymne aut das unbesiegbare, ewige und darum wunderbare jüdische Volk. Der Ort der Handlung ist Human in der Ukraina, die Zeit der Handlung die Zeit des Aufstandes der Hajdamaken, die sich gegen die polnischen Machthaber empörten und nebenbei viele tausende von Juden hinschlachteten. Ein jüdisches Mädchen — Rachel -- aus Human will zur Zeit der Belagerung der Stadt die Heldenthat Judiths wiederholen. Sie schleicht sich in der Nacht in das Zelt des Hajdamakenfülirers Zelezniak, um ihn zu enthaupten. Allein ihre That wäre fruchtlos, denn vielköpfig ist die Hajdamakenhydra. Vorüber sind die Zeiten des Heldenthums, der Feind ist eben zu stark und Israel zu schwach; jetzt kann nur die Zeit des Märtyrerthums folgen. Und sie kehrt in die Stadt zurück, und als sie von dem Hajdamakenführer gefangen genommen wird, lässt sie sich von ihm erschiessen, denn sie zieht den Tod der Entweihung vor. Die Verwandlung der jüdischen Heldin in eine sittliche Märtyrerin, wie sie sich durch die Leiden des Exils vollzogen hat, ist ein wunderbares psychologisches Sujet, dehn diese Wandlung hat sich auch in der Seele des ganzen Volkes vollzogen, allein Mordowzew macht dies nur zu einer Episode, und es Hesse sich darum vieles gegen die künstlerische Ausführung einwenden, allein bei den russischen Schriftstellern kommt es mehr auf die Ethik als auf die Aesthetik an. Die Uebersetzung lässt sprachlich und stilistisch viel zu wünschen übrig. Lewit ist unmodern und gehört nicht zu unseren besten Uebersetzern. j. b. Bar-Kochba. Von Max Ararri. Wir mögen, sobald wir an Nebenzwecke, tendenziöse Zwecke historischer Dichtung denken, gern zu barocken humoristischen Bildern abschweifen. Eine hochbusige Dame mit Kaffeekinn, die in einer Tramway nach Döbling zu einem Klatschkränzchen hinausfährt, wird mit einer Markomannenfürstin contrastiert. Widukind, der wundervolle Herzog der niederdeutschen Sachsen steigt von Walhall1 in eine Versammlung hernieder von Bliemchenkaffee-Sachseh aus Berne. Es ist, als ob ein ernstes Kunstgefühl in uns vergnügt werden wollte. Und wir lächeln wohl, wenn wir

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