Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 48 (1.12.1899)
- Article
- New-York
- Date
- 1899-12-01
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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„Die Hr Weit“ Seite 11 Nr. 48- Hierauf hielt, mit stürmischem Beifalle begrüsst, der Präsident der Federation Professor Gottheil die eigentliche Festrede, in welchen er die Geschichte der zionistischen Bewegung skizzierte und die Resultate des diesjährigen Gongresses in beredter Weise auseinandersetzte. Weitere Ansprachen wurden gehalten von den Herren Hon. N. Taylor Phillips, Dr. Gustav G o 11 h e i 1; dem Rabbiner von Teniple Eihanu-EI, Mr. Clarence de Sola aus Montreal (im Namen der canadischen Zionisten) und von Mrs. Gottheil, die ihre packende Rede mit den hebräischen Worten schloss: „Wenn ich Dein vergässe. o Jerusalem, so möge meine Rechte versagen!* Die Bedeutung dieses zionistischen Eröffnungsmeetings geht aus folgenden Bemerkungen des „Hebrew Standard“, eines bisher der zionistischen Bewegung unfreundlich gesinnten Blattes, hervor/ die aus der Feder des Herausgebers stammen : „Der enthusiastische Empfang, der den Delegierten bereitet wurde, ist ein Beweis dafür, dass der Zionismus ein wichtiger Factor irn Judenthum geworden ist und bleiben dürfte.' „Zion* berührt in jeder jüdischen Brust eine mitklingende Saite und belebt aufs neue den patriotischen Eifer, der in den Verfolgungen aller Jahrhunderte nicht erstickt werden konnte. Unsere unglücklichen Brüder dürfen sich vertrauensvoll an uns wenden. Es gibt nur eine Zufluchtsstätte für diese Unglücklichen: das Heilige Land. Wir glauben an die endliche Befreiung unserer Brüder, wir glauben daran, dass Palästina, blühend gemacht werden kann, gleich einem Garten. Insoweit sind wir Zionisten. Und wenn wir auch in der politischen Ansicht nicht zu der Partei gehören und an die Möglichkeit eines Judenstaates — Imperium in imperio — noch zweifeln, so werden wir doch keineswegs einer Bewegung entgegentreten, die unseren verfolgten Brüdern, aber auch dein Gesammtjudenthum nur Nutzen bringen kann.* An demselben Abend, an welchem der Zionismus in New-York einen solchen Triumph feierte, fand ferner statt: ein Meeting in Philadelphia, einberufen von den Ohavei Zion, geleitet von Dr. B. L. GordoD, bei welchem der Congressd eie gierte Div Solis Cohen ein überaus klares Congressreferat erstattete. Allerlei Nachrichten. ln Hamburg wurde das von Herrn Martin H e i m a n n und Gattin errichtete Heimann-Stift eingeweiht. Das Grundstück wurde von-Senat und Bürgerschaft, kostenlos hergegeben und enthält Wohnungen, die zu sehr billigem Mietzinse vergeben werden. Der Bau weiterer vier Gebäude mit circa 200 Wohnungen wurde in Aussicht genommen. * Wir berichteten jüngst über die entsetzliche Katastrophe am Jomkipur in einer kleinen polnischen Gemeinde, bei der zahlreiche Frauen und Kinder, ihr Leben einbüssten. Wie man jetzt hört, hat der Kaiser von Russland einen genauen Bericht darüber verlangt und die Kaiserin. die weitgehendste Unterstützung der in Mitleidenschaft gezogenen Familien angeordnet. * Der Gouverneur von Krim hat den Juden den Aufenthalt in seinem Gouvernement während der Weinlesezeit gestattet. In Bonn wird ein Aufruf zur Gründung eines Vereines für jüdische Geschichte und Literatur verbreitet. In der Liste der Proponenten dieses Vereines finden sich auch die Namen, unserer ausgezeichneten Gesinnungsgenossen, Rabbiner Dr. R ü 1 f und Rechtsanwalt Dr. Klee vor. Das Curatorium der bekannten Ablemer jüdischen Erziehungs-Anstalt, hielt zu Beginn des vorigen Monates seine heurige Jahressitzung ab. Aus dem vom geschäftsführenden Vorstand erstatteten Jahresberichte geht/hervor, dass die segensreiche Wirksamkeit dieser Erziehungs- Anstalt sich in den leitenden Kreisen der deutschen Juden - heit immer mehr Anerkennung erringt. * Wie die russische Zeitung „Nowosti* meldet, ist kürzlich ein Ministerial-Erlass erschienen, der den Angehörigen der mosaischen und mohammedanischen Confession untersagt, sich um das sogenannte „Correpetitorenrecht* nämlich das Recht, Schülern auss erhalb der Schule Unterricht zu ertheilen, zu bewerben. * ' Auf eine kalendarische Seltenheit macht Herr Lehrer L. C o h e n - R e e s im Mainzer „Israelit* aufmerksam. Sie betrifft das diesjährige Chanukafest, das seit Einführung des gregorianischen Kalenders nur in den Jahren 1505, 1614, 1690, 1.728, 1766 und 1785 so früh fiel wie heuer, was sich in den nächsten 300 Jahren nicht wiederholen wird. Nur im Jahre 1652 fiel Chanuka auf den 25. November, also noch einen' Tag früher. 184 2 und 1861 begann Chanuka am 28. November. * Die Leitung des .Rabbiner-Seminars in Cincinnati beabsichtigt,, diese Anstalt in eine Hochschule umzuwandeln. Zu diesem Zwecke wurde ein Aufruf an die amerikanischen Juden erlassen. Die Herren Rabbiner Dr. ' Eschelbacher in Bruchsal und Blumenthal in Danzig wurden zu Rabbinern der jüdischen Gemeinde Berlin gewählt. s An dem Geburtshause des am 11. März 1807 verstorbenen bedeutenden deutschen Sprachforschers Daniel Sanders in Alt-Strelitz wurde dieser Tage eine Gedenktafel angebracht. Sanders war Jude. In der jüngsten Zeit wurden drei israelitischen Religionslehrern vom Grossherzog von Baden goldene Verdienst- Medaillen verliehen: Den Lehrern Brandeis inWorblingen, Schwarz wälder in Schlüchtern und W o 1 f in Sennfeld. Zeitschriftenrundschau. Binnen kurzem wird in St. Petersbur g eine neue zionistische Zeitschrift in russische r Sprache erscheinen. Dieselbe wird den Namen „Buduschnnst“ (Die Zukunft) führen. Die hervorragendsten jüdischen Schriftsteller und Gelehrten Russlands, wie S. F r u g, M. M a r g u 1 i s, M. W a t s o n, Prof. Weinberg, D. Mordowze w, Prof. .D.Chwolson u. a. m. haben der Redaction dieser neuen Zeitschrift theils Arbeiten bereits geliefert, theils solche zugesagt. Es steht also ein sehr interessanter Lesestoff zu erwarten. „American Zionist News“ kündigen das demnächst!ge Erscheinen zweier Broschüren an, deren Herausgabe durch die Amerikanische Federation der Zionistischen Vereine erfolgt. Die eine ist ein Sammelwerk aus der Feder Stephen S. Wises, die zweite enthält 3 Essays über den Zionismus, die in der „North American Review* erschienen sind, darunter einer aus der Feder Dr. Herzls über den dritten Baseler Gongress. — Ferner berichtet dasselbe Blatt über die diesjährige Generalversammlung der Federation, welche in New-York am 5. November 1. J. stattgefunden und von 23 Vereinen mit über 2000 Mitgliedern beschickt war. Die grössten dieser Vereine sind „Matte-Levi“, „Ziona* und „Benei-Zion*. Die „Petersburgskia Wjedomosti* bringen in einer ihrer jüngsten Nummern einen Artikel über den Zionismus und den 3. Baseler Congress, Der als Beiblatt zu der englischen Monatsschrift „Israel“ herausgegebene „Messenger of Zion* ist von der „Engiish Zionist Federation* als officielies Organ der englischen Zionisten erklärt worden. In der uns vorliegenden Nummer wird mxtgetheilt, dass sämmtliehe Zionistenvereine