Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 48 (1.12.1899)
- Article
- Wien
- Date
- 1899-12-01
- Page
- 9 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr . 48 „Die p. Welt“ Seite 9 hielt der Schriftsteller Dr. Bernhard Münz die Festrede. Er entwarf zuerst ein fesselndes Bild der Persönlichkeit des Jubilars. An den Spruch Goethes mahnend: „Wer den Dichter will verstehen, muss in Dichters Lande gehen“, entrollte der Redner den Werdegang des Denkers und Gelehrten und charakterisierte seine Bedeutung als Philosoph, der den spröden Stoff der Wissenschaft in eine edle, stilvolle, abgeklärte Form zu fassen verstand. Trotz der dem Idealismus abholden Strömungen des Tages habe sich Lazarus Zeit seines Lebens eine hohe ideale Auffassung des Lebens und der Dinge bewahrt. Schliesslich kam Dr. Münz auf die hervorragende Bedeutung des Jubilars für das Judenthum zu sprechen. Die fesselnden Ausführungen fanden bei den zahlreichen Zuhörern, unter denen sich viele Damen befanden, volles Verständnis und lebhaften Beifall. Wien. Im Vereine jüdischer Mädchen „Hadassa“ fand Sonntag, den 26. November eine kleine Chanuka-Feier statt. Nach dem Entzünden der Weihelichter hielt Herr Bernhard Fuchs einen Vortrag über „Zionismus und moderne Frauenbewegung“. —- Die Bibelvorträge des Herrn Lector Fried mann finden allwöchentlich Samstag abends von 8—9 Uhr im Bethamidrasch, II., Tempelgasse, Tempelgebäude, statt und haben Gäste, Damen, zu diesen Vorträgen Zutritt. Wien. Der Jüd.-theologische Verein veranstaltete Montag, den 27. v. M. in Khuners Restaurant eine Makkabäerfeier, an der sich die Lehrer und Hörer der jüd.-theologischen Lehranstalt, ebenso deren Curatoren und Freunde, ferner die befreundeten Studenten-Verbindungen betheiligten. Präses Mar gulies begrüsste die zahlreich erschienenen Gäste. Nach dem feierlichen Entzünden der Menorah d urch Öbercantor Dünn mann hielt Herr Arthur Schwarz, ein Sohn des Rectors Schwarz, die Festrede, in der auch dem zionistischen Gedanken zum Schlüsse gehuldigt wurde. Fs folgten eine hebräische Declamation von Herrn J. G. Sicher und die vorzügliche, fliessend gesprochene hebräische Festrede des Herrn Zwick. Daran schloss sich der Vortrag einer Zionide von Jehuda Halevy nach der vortrefflichen Uebersetung von S. Heller durch den Kandidaten Sonderling. Rector Schwarz dankte für die Begrüssung und setzte die lichtvolle Idee der Hochschule, im Anschlüsse an das Fest, welches zur Förderung der Erkenntnis und Einigkeit beiträgt, treffend auseinander. — Ihm secundierte Lector Friedmann in geistvoller Weise. — Professor Müller gedachte einer Episode aus den Tagen des Orientalisten-Congresses in Rom, wo er Gelegenheit hatte, den Triumphbogen des Titus zu betrachten. Einen begeisterten Toast auf das Curatorium erwiderte Herr Kär p e 1 es mit der erfreulichen Nachricht, dass die Anstalt demnächst in eine helle, freundliche Gasse verlegt werden dürfte. — Zum Schlüsse hielten noch Herr Dr. Leopold Kahn, Herr David R o t h b 1 um von der „Bar-Kochba“, die Herren Dr. C h a j e s und Dr. Steif hebräische Ansprachen. Schriftsteller Dr. B. Münz nahm Anlass, Professor Lazarus in kurzen, schwungvollen Worten zu feiern. — n — Wien. Der Einzelverein „Praterstrasse“ des „Zion“ veranstaltete am 16. v. M. einen Discussionsabend, der einen sehr befriedigenden VeHÄif nahm. Herr Gewitsch brachte eine populär gehaltene Agitationsschrift zur Verlesung, die mit geringen Veränderungen als zur Agitation für weite Kreise geeignet befunden wurde. An der Discussion betheiligten sich die Herren Albachary, S. Preis und Zobel. Wien-Fünf haus. Der Einzel verein „Fünfhaus“ des Verbundes „Zion“ hielt am 14. November seine erste ordentliche Generalversammlung ab. Der Abend verlief in glänzendster Weise. Zuerst führte Dr. Kahn aus, dass die verschiedenen Nationen Oesterreichs einander stets in den Haaren liegen, dass sie aber in brüderlicher Eintracht Zusammengehen, wenn es gilt, den Juden eins zu versetzen oder sie zu beschimpfen. Seine gediegene Rede fand den vollsten Beifall der zahlreichen Anwesenden. Herr Dr. E. F. Weis 1, der nach ihm zum Worte kam, hatte den originellen Einfall, aus einer Wiener Abendzeitung desselben Tages die „Judennoth“ zu beweisen. Die mit Wärme vorgebrachten Worte dieses sehr beliebten Redners erweckten eine allgemeine Begeisterung. Nicht endenwollende Hochrufe ertönten, als Herr Dr. Theodor H e r z 1, der dritte Redner des Abends, die Tribüne bestieg. Auch nach seiner Rede, erschollen brausende Hochrufe. Dieser gelungene Abend gewann uns nicht nur zahlreiche Mitglieder und Freunde, sondern erbrachte uns auch den Beweis, dass die jüdische Bürgerschaft unseres Bezirkes fast durchweg zionistisch gesinnt ist. In den Vereinsausschuss wurden folgende Herren gewählt: phil. Dr. S.Krenberger, Samuel Mohr, Josef' Hutter er, Hugo Rechnitzer, Nathan Mechor, Friedrich F u c h s, S. M. Hö nigsb erg, Anton Pick, Anton Stern, Alois S t e i n, jur. Dr. Max Deutsch, Julius Baad, Leo W e i s s, Alfred G ei ringer und Salo Stern. Prag. Der Jüdische Volksverein Prag, Einzelverein des Verbandes „Zion“, veranstaltet Samstag den 2. December 1899 im grossen Saale der Productenbörse eine Makkabäer-Feier. Prag. Am 18. November fand hier im Cafe Productenbörse ein Discussionsabend, veranstaltet vom „Jüdischen Volksverein“, statt, welcher Zeugnis ablegte von den überraschenden Fortschritten, die die zionistische Bewegung in Prag gemacht hat. Der grosse Saal war übervoll und die Widerlegung der stereotypen Redensarten der „Socialisten“ und sonstigen Antizionisten durch die beiden Vorsitzenden M. U. Dr. Ko hn und Philipp Lebenhart entfesselte den stürmischen Beifall der Versammlung. Insbesondere der letztere Redner, der sich mit Stolz als einfachen kleinen Handelsmann bezeichnet^ erzielte durch seine schlichten, vom Geiste der Wahrheit getragenen Worte grossen Erfolg. Mährisch - Weisskirchen. Die Judenexcesse machen sich auch in unserer Stadt lebhaft fühlbar. Trotz der umfassenden polizeilichen Sicherheitsvorkehrungen herrscht eine allgemeine Beklommenheit, da man unangenehme Ueberraschungen befürchtet, wie wir eine in jüngster Zeit erlebten. An einem schönen Freitag Nachmittag drängte sich nämlich eine grosse Menschenmenge vor die hiesige Polizeiwachstube. Es hatte sich in der ganzen Stadt das Gerücht verbreitet, ein junger christlicher Bursche, der Sohn eines Spenglers, wäre von den Juden Überfällen worden, diese hätten ihn zu morden versucht, hätten ihn jedoch bloss verwundet. Es sei ihm gelungen, ihnen zu entkommen, er sei direct vom Thatorte in die Polizeiwachstube geflohen, um dort ritual warm, vulneribus appertis, die Anzeige zu machen. Kurz und gut, eine neue Blutmär. Diesmal gelang es jedoch einem energischen Manne, dem Polizeirathe Klein, dan Burschen zum Geständnisse zu zwingen. Der Bursche gestand, in die Enge getrieben, ein, sich selbst verwundet zu haben, um „eine Hetz’“ gegen die Juden ins Werk zu setzen. Die Angstgefühle der hiesigen jüdischen Bevölkerung nahmen durch diese Affaire und durch unzählige andere beunruhigende Gerüchte und Drohungen immer mehr zu. So wurden jüngst fünfzehn schwere Stöcke mit eingezogenen Eisenstäben und Bleikugeln, die auch erst kürzlich gegossen wurden, saisiert und deren Erzeuger als verdächtig verhaftet. Die „deutschen“ Juden unserer Stadt, die bisher ob ihrer „Rechtssicherheit“ mit Geringschätzung auf die zionistischen Schwarzseher herabsahen, beginnen schon stark zu zittern, wenn sie auch aus Scham ihre „Rechtsunsicherheit“ niemandem zugeben wollen. Hat man es doch dieser Tage bei uns erlebt, dass die Fensterscheiben, die in der Nacht zerschlagen wurden, früh morgens schon repariert waren, damit man sehe, dass der betreffende israelitische