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Die Welt · 1899-11-24 · 47 (24.11.1899) · p. 12

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
47 (24.11.1899)
Article
[Kommentar]
Date
1899-11-24
Page
12 (sequence 2)
Language
German
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Seite 12 „Die H Welt“ Nr. 47 Es liegt uns die erste Nummer einer neuen in England erscheinenden Jargonzeitung vor. die von der zionistischen Publications-Gesellschaft („Zionists Publikation Society“) in Leeds herausgegeben wird und den Titel „Das Volk“ („The People“) führt. Wenn das Blatt in der Zukunft hält, was die erste Nummer verspricht, dann wird es sein gut Theil zur Propagierung der zionistischen Tdee beitragen, namentlich da auch der Preis — 1 Penny per Nummer — sehr gering ist. Als Rodacteur zeichnet unser ausgezeichneter Gesinnungsgenosse Herr I)r. M. LJ m a n s k i. Die „Krakauer Jüdische Zeitung“ behandelt in einem ausführlichen Resume aus der Feder ihres Redacteurs Ahron M a r k u s die Cy p e r n fr age. U. a. heisst es in dem Artikel: „Gesetzt, der Charter des Sultans erschiene heute, dann beginnen erst die eigentlichen Schwierigkeiten für ein volles Menschenalter. Freilich könnte es keine höhere und schönere Aufgabe gehen, als die Theilnahme an der Bewältigung derselben. Was geschieht jedoch, wenn der Charter in letzter Stunde verweigert wird? „Von-Jerusalem bis Giclion gibt es noch ungeahnte Hindernisse“, sagt der Talmud. Da liegt 0 Dampferstunden von Jaffa entfernt, gegenüber dem ewigen Schnee des Libanon, ein Asyl, die englische Besitzung Cvpern. auf welcher binnen fünf Jahren ohne besondere Schwierigkeiten eine Million Juden an gesiedelt werden kann.“ So der Artikel, der weiterhin in ausführlicher Weise die Vorkommnisse auf dem J. Baseler (Kongresse bespricht, auf Grund englischer Regierungsberichte die topographischen, klimatischen und ökonomischen Verhältnisse der Insel erörtert und unter Berufung auf eine Talmudstelie, die C ypern als dem Bereiche von Palästina zugehörig bezeichnet, für die Besiedelung Cyperjis mit -Juden warm ei nt ritt. Ln griechischen Blättern wird, wie „Jewish Express“ meldet, gegen die beabsichtigte Colonisiorung der Insel Cvpern durch Juden agitiert. Es werden Versammlungen abgehalten, um zu berathen, wie dieser Vorschlag vereitelt werden soll. Die Bewohner befürchten, dass mit der Einwanderung der Juden der griechische Charakter der Insel verloren gehen könnte. Allenfalls würden sie sich deutsche oder fran/ösche Colonisten gefallen lassen, aber keine Juden. „Können die Juden Bauern sein?“ Unter dieser Überschrift bringt „JewislrExponent“ eine Artikelserie mit öffentlicher Discussion. In dem ..Für“ und „Wider“ dürfte manche irrige Meinung über die Juden bezüglich ihrer Fähigkeiten zum Landbaue geklärt werden. Von dem Interesse, das der zionistischen Bewegung allerorten entgegengebracht wird, gibt uns die Nummer vom .“>(). October der in Paris erscheinenden ..La Poütique Coloniale“ einen Beweis, indem sie eine grössere Arbeit des Schriftstellers Ria Grünberg über „Die jüdische Colonisation in Palästina“ zum Abdrucke bringt und damit ihrem sehr verbreiteten, hauptsächlich der Intelligenz an gehörenden Leserkreise einen Einblick in die zionistischen Bestrebungen gewährt. Der Artikel behandelt die Colonisationsbestrebungen und die bis jetzt gezeitigten Resultate im Hinblicke auf die Zukunft des heiligen Landes und hebt namentlich hervor, wie die jetzigen, aus Russland stammenden Colonisten alles auf bieten, um nicht nur in Betreff ihrer eigenen Person das mit Bezug auf Schulbildung und allgemeines Wissen Versäumte nachzuholen, indem sie Lesesäle. Bibliotheken etc. gründeten, sondern dass sie auch ihren Kindern eine gute, zeitgemässe Bildung aiigedeihen lassen. In jedem Falle aber strafen die ^tatsächlichen Verhältnisse alle diejenigen Lügen, die den Juden die Fähigkeit zu Landwirtschaff und Ackerbau absprechen wollen. Bücherwelt. Unter dem Titel (E i n F e u e r s c. h e in f ü r Z i o n) hat unser 'Gesinnungsgenosse A. S c h m e I zstein. der Vorsitzende und Begründer der zionistischen Gruppe in hvanog rod. Gouvernement Lublin, eine US Beiten starke hebräische Broschüre erscheinen lassen. Diese Broschüre enthält eine Reihe von Vorträgen, die Herr Sehmelzstein im] Kreise der Iwanogi oder' Zionisten unter grossem Beifalle hielt und die das zionistische Problem von allen möglichen Gesichtspunkten aus beleuchten. Es wäre zu wünschen, dass die nunmehr gedruckt vorliegenden Vorträge denselben Anklang finden mögen, wie seinerzeit das gesprochene Wort. Unsere russischen Gesinnungsgenossen werden gewiss dafür Sorge tragen, dass die Broschüre in weitere Kreise dringe und auf klärend wirke. x. y. Die Menorah. V o n D r. M. G a s t e r. Es war an einem heissen Octobertage, als ich, müde von der Discussion in der mohamedanischen Section des Orientalisten-Congresses die „Sapienza“ verliess, um einmal wieder durch die Strassen des „ewigen Rom“ zu wandern. Meine Gedanken flogen zurück zu jener längst entschwundenen Zeit, an die man in der Siebenhügel-Stadt so lebhaft erinnert wird, wo jeder Stein an ein Leben erinnert, so verschieden von dem unsrigen und doch so sehr damit verbunden. Ich erstieg die Stufen, die zum Capitol hüiauflühren und gieng auf der anderen Seite hinunter zum Forum, das mit den Ruinen der Vergangenheit bedeckt ist, während der Strom modernen Lebens in nächster Nähe vorüberflutet. Ein magischer Drang zog mich weiter und plötzlich befand ich mich vor dem Triumphbogen des Titus. Schon einmal hatte ich ihn aufgesucht, diesen einzigen Rest unseres alten Tempels, jener Reliquien unseres alten, geheiligten Gottesdienstes — wenn auch mir im Stein verewigt: Der siebenarmige Leuchter, der Tisch mit den Schaubroten und die Trompeten, die B *ute der Plünderer, hinweggeführt aus dem brennenden -Jerusalem. I )as heidnische Rom war verschwunden. Ich war durchdrungen von jenem heiligen Schauer, der die in den Vorboten versammelten Beter ergriffen haben muss, als der Tempel noch auf dem Berge Zion gestanden. Hier sah ich, was zu jener Zeit nur die Priester sehen durften. Meine Gedanken wunderten zurück zu jener alten verlorenen Herrlichkeit. Die Tradition erzählt uns, dass die Personen, welche als die Träger der im Triumphzuge des Titus dargestellten heiligen Ge rät he abgebildet sind, nicht etwa Typen sind, welche der Kunst und. dem erfinderischen Genie des Künstlers ihr Entstehen verdanken, sondern dass sie der Wirklichkeit entnommen waren. Es sind diejenigen der Gefangenen welche ausgewählt waren, die geraubten Gegenstände zu tragen, zum Ergötzen des römischen Döbels! Und wie lebt jede dieser Figuren! Nichts von jener Niedergeschlagenheit, die da weiss, welch* schreckliche Bestimmung die Zukunft bringt. Kalte Verachtung spricht aus jedem Gesicht, ein stolzes Ertragen, wie es sich für jene Männer geziemt, die Rom erzittern machten, mit all seinen Legionen und all seiner Macht. Und dabei der demüthige Stolz in den Gesichtern, dass sie gewürdigt waren, die kostbaren Gofässe aus dem verwüssteten Heiligthume zu tragen. Die heilige Scheu in den zum Himmel gerichteten Augen, die tiefe Verehrung, die jeder für die allerheiligste Last fühlte. Es waren ausgewählte Männer, die Titus aus den 17.0(10 Gefangenen erkoren, um ihm im Triumphzuge zu folgen. Ist es vielleicht Simon ben Gioras selbst, der die Mittelfigur darstellt oder einer jener heroischen Zeloten und Chassidäer, von denen tausende mit ihrem Leben ihren Patriotismus bezahlten? — Und so in Gedanken versunken ob dieses Schauspiels, gewahrte ich plötzlich, wie alle die Figuren auf dem Triumphbogen ihr steinernes Aussehen verloren hatten. Sie bewegten sich, ihre Lasten schleppend. Die Lautlosigkeit war einem Jubel gewichen, der die Lu ff erzittern machte, Die Ruinen waren verschwunden. Die Paläste der Cäsaren waren wieder erstanden in ihrer ganzen Pracht. — — Die Strasse, auf der ich als Einzelner gestanden, hatte sich plötzlich mit einer ungeheuren Volksmasse gelullt, die jeden Augenblick anwuchs. Jh'ihen römischer Soldaten standen au beiden Seiten, und eine lange Procession bahnte sich ihren Weg vom Palatin und der Via Olympia dem Platze zu, wo ich soeben noch gestanden. Ein ungestümes Durcheinander war in allen Strassen, während eine immense Volksmenge jedes Plätzchen besetzt hielt. Die Procession sollte bald vorüberziehen, um! eiim Pracht sollte sich ent-

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