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Die Welt · 1899-11-24 · 47 (24.11.1899) · p. 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
47 (24.11.1899)
Article
[Ohne Titel]
Date
1899-11-24
Page
11 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 47 „Die H Welt“ Seite 11 Anerkennung den Medjidje-Orden, sowie die Medaille für Kunst und Wissenschaft. * Vor kurzem verstarb in Zürich der durch seine samaritanischen Studien bekannte Docent an der dortigen Hochschule, Dr. Heidenheim. Seine reichhaltige Bibliothek wurde, soweit sie Judaica und Orientalin enthält, von der Züricher Cultusgemeinde angekauft und der Stadtbibliothek zum Geschenke überwiesen. * In grossen Nöthen befindet sich die Filiale Birmingham der Londoner Gesellschaft zur Bekehrung der Juden. Das Deficit von 1897 im Betrage von 1570 Pfund ist Ende 1898 auf 11.087 Pfund gestiegen. Seitdem wurde das Deficit durch freiwillige Beiträge auf 4017 Pfund redimiert, aber der Betrag ist immerhin noch sehr gross. ❖ In einer zu Budapest am 9. d. M. stattgehabten Gerichtsverhandlung wurde ein jüdischer Kläger, der die Eidesleistung mit dem Bemerken verweigerte, dass seine Religion dies verbiete, in 50 fl. Ordnungsstrafe genommen. Laut dem neuesten Berichte des Eimvanderungs- Commissärs der Vereinigten Staaten beträgt die Zahl der im Jahre 1898 insgesammt gelandeten Personen 310.000, um 82.000 mehr als im Vorjahre. Vom Themse-Polizeigerichte in London wurden zwei jüdische Schneider zu je vier Wochen Gefängnis bei harter Arbeit verurtheilt, weil sie einen O oll egen, der sich dem beschlossenen Strilce nicht angeschlossen, bedroht hatten. Die Arbeitseinstellung erfolgte, weil das betreffende Geschäft eine Anzahl christlicher Gehilfen eingestellt hatte. * Aus der bayr. Pfalz wird gemeldet: Die königl. Regierung hat in einer Beschwerdesache eines israelitischen Lehrers entschieden, dass nach einer Entscheidung des Ministeriums des Innern israelitische Lehrer an confessionell gemischten Schulen nicht mehr Verwendung finden dürfen, sondern nur an jüdischen Elementarschulen. * In Brüssel starb im Alter von 84 Jahren der Präsident des israelitischen Consistoriums Jacques W iene r. Bei seinem Begräbnisse war der König durch seinen Generaladjudanten vertreten, ebenso wie der Minister, Bürgermeister und selbstverständlich die jüdischen Gemeindebehörden. Die Leichenreden hielten die Oberrabbiner Bloch und Zadok Kahn. Nach dem soeben erschienenen Jahresberichte des Israelitischen Montefior e-Hei m f ü r I nvaliden in New-York beträgt die Zahl der Insassen 300. davon nur 4 Zahlende. In New-York wurde die erste Dame zur Vertretung vor den Gerichten zugelassen. Frl. Alice S erber ist eine Jüdin, die vor 8 Jahren mit ihren Eitern aus Russland nach Amerika kam, ohne im geringsten der Landessprache mächtig zu sein. Bereits nach 5 Jahren hatte sie ihre Studien an der New-Yorker Universität beendet und trat in eine Advocaturskanzlei als Gehilfin ein, um sich praktisch zu vervollkommnen. Jetzt hat sie die Erlaubnis zur Ausübung aller Zweige der Rechtsanwalts-Praxis erlangt. In dem deutschen Orte Dillen b u r g wurde ein Boycott gegen den zum Amtsrichter ernannten Assessor Levysohn dadurch in Scene gesetzt, dass man demselben trotz angebotener hoher Mietsgelder eine Wohnung verweigerte. Dillenburg ist nämlich judenrein. Der Bericht des ungarischen Cultus- und Unterrichtsministeriums für 1898 enthält eine Thatsache, die wahrhaft beschämend genannt werden muss. 15.177 jüdische Kinder besuchen keine Volksschulen; unter den Männern sind 30% und unter den Frauen 40% Analphabeten. Leider enthält der Bericht keine Vorschläge zur Besserung dieses entwürdigenden Zustandes. Folgender Fall ereignete sich vor kurzem in Cincinnati: Auf einem Wahl vorschlage befand sich unter anderem der Name eines Mi*. Harris, der ein waschechter Antisemit ist. Der „American Israelit“ schrieb einen scharfen Artikel gegen diesen Candidaten, versicherte, dass kein intelligenter Bürger, ob Jude oder Nichtjude, für einen Antisemiten stimmen werde, und rieth dem Wahlcomite in seinem eigenen Interesse, es solle den Herrn zwingen, zurückzutreten. Andere Blätter fanden sich, die das Verlangen unterstützten, und so musste der Herr sich bequemen, seinen Namen streichen zu lassen. Spenden. Berichtigung. Die in der Nummer 45 irrthümlich für die Familie Stern b erg ausgewiesenen 200 Francs sind von dem Spender für zionistische Zwecke gewidmet. Für die hungernden Bergarbeiter in Boryslaw. Sammlung des Herrn D. Woiffsohn in Cöln am Rhein. .... fl. 58.— Sammlung des Herrn D. W o 1 f f s o h n bei einem Festessen des jüd. Kegel-Clubs in Cöln a. Rh. . „ 32.40 Verein Bnei Zion Czortköw...„ 3.80 In Nr. 45 ausgewiesen.,,1210.— f^taIeTfin30L26 Für zionistische Zwecke. Bannett, Rossland.fl. 12.— Die irrthümlich in Nr. 45 für Sternberg in Doli na aufgenommenen.Francs 200.— Für die Familie Sternberg in Dolina. Sammlung in der Gemeinde Loschitz.fl. 12.— Zeitschriftenrundschau. In der amerikanischen Presse liegen mehrere beachtenswerte Stimmen über den Zionismus vor. Mr. Edward S t e i n e r schreibt im „Women’s Home Companien“ überden „Jüdischen Traum eines zionistischen Reiches“. In dem unparteiisch gehaltenen Artikel heisst es u. a.: „Wieder versuchen sie (die zionistisch gesinnten Juden) das scheinb a r Unmögliche. Sie haben zugunsten des Planes, in dem Lande ihrer Väter ein jüdisches Gemeinwesen zu errichten, eine Bewegung entfesselt, die in vielen Ländern Europas zu beträchtlichor Stärke gediehen ist. Zu diesem Ziele treibt sie der Hass und die Verfolgung, die sie inmitten von Nationen erdulden, die ihnen auf der einen Seite das Bürgerrecht entziehen möchten, auf der anderen Seite aber von ihnen einen gewaltigen Beitrag zu den nationalen Erfordernissen verlangen. Es ist ganz natürlich, dass sie sich nach einer eigenen Scholle sehnen, und ebenso natürlich, dass sie ihre Augen nach Palästina richten, dem Lande, das die wenigsten von ihnen in ihrem Leben gesehen, das aber keiner von ihnen je zu lieben aufgehört hat.“ — „Hebrew Republic“ lautet der Titel eines Artikels, der, von Mr. Curtis Brown, R. I., herrührend, in sehr vielen amerikanischen Zeitungen abgedruckt ward. Rev. B r o w n, der sich über die Bewegung wohlinformiert zeigt, findet die Aussichten der zionistischen Politik sehr günstig. Dem Artikel ist eine gelungene Federzeichnung beigegehen, Dr. G aster in seinem Arbeitszimmer darstellend. — Ueber Z angwi I 1 s im „Lippincott’s Magazine“ erschienenen Artikel, der in diesem Blatte bereits ausführlich besprochen ward, lässt sich ein angesehener Kritiker New-Yorks vernehmen. Er lobt den originellen Gedankengang, sowie den glänzenden Stil Zangwills, vermisst aber in dem A rtikel die entschiedene Ueberzeugung. „Welcher Art immer der Ausgang der zionistischen Bewegung sein wird, Mr. Z a n g will wird, auf seinen Artikel hinweisend, sich rühmen dürfen: Ich hab’ es Euch gesagt!“ Die russisch-jüdische Zeitschrift „Woschod“, bisher ein Wochenblatt, erscheint vom Anfänge dieses Monates ab zweimal monatlich.

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