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Die Welt · 1899-11-24 · 47 (24.11.1899) · p. 10

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
47 (24.11.1899)
Article
Von Zangwill [Nachricht]
Date
1899-11-24
Page
10 (sequence 2)
Language
German
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Seite 10 „Die H Welt44 Nr. 47 tragedies“ bei W. Heinemann in London erschienen. Er enthält: „Der Satan als Ankläger“, „Aus dem Tagebuche eines Abtrünnigen“ u. a. Die jüdischen Schriftsetzer in Russland waren bisher im Zweifel darüber, ob sie zu jenen „Handwerkern“ gerechnet werden, die überall wohnen dürfen. Es ist in letzter Zeit nun eine diesbezügliche Entscheidung des Senats ergangen, die ihnen gestattet, überall zu wohnen. Die Zahl der Juden. Nach den „Hübner’schen Tabellen“, einem durch Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit in der Bearbeitung gleich ausgezeichneten Werke, beträgt die Zahl der Juden auf Grund der letztvorliegenden Zählungen und Schätzungen 9,441.000, und zwar (inTausenden): Abyssinien 200, Afghanistan 14, Aegypten 25, Belgien 3, Bulgarien 27xj2. Dänemark 4, Deutschland 580. Frankreich 55, Algerien 43, Tunis 45, England 80, Indien 20, Capcolonie 4, Italien 46, Luxemburg 1, Marokko 150, Holland 97, Oesterreich 1150, Ungarn 805, Bosnien 8, Persien 19, Rumänien 243, Russland 4140, Schweden 3l/2, Schweiz 8, Serbien 5, Transvaal 10, Türkei (europ.) 140, asiat. 500, Yer. Staaten 1000, Australien 15. Da .die statistischen Daten zumeist 10 Jahre alt sind und im nächsten Jahre eine allgemeine Volkszählung stattfinden dürfte, werden die obigen Zahlen voraussichtlich eine Ergänzung nach oben erleiden. Julius Rodenberg, der bekannte deutsche Schriftsteller und Redacteur der ..Deutschen Rundschau“, erhielt anlässlich des 25jährigen Bestehens seines Blattes den Titel eines Professors. Rodenberg stammt aus dem kleinen Hessen-Schaumburg'schen Orte Rodenberg und heisst eigentlich Levv. Die jüdischen Hausierer in Chigaco wurden eine zeitlang vom Pöbel molestiert, ohne dass die Polizei sich ins Mittel legte. Nunmehr hat auf Ansuchen der „Chicagoer jüdischen Schutzgesellschaft“ der Polizei-Superintendent seinen Leuten den gemessenen Befehl ertheilt, jeden gemeldeten Fall unter Arretierung des Schuldigen zur sofortigen Kenntnis des betretenden Bezirksgerichtes zu bringen und die Bestrafung zu beantragen. Chaluka-Missstände. Inder Verwaltung der marokkanischen Gemeinde in Jerusalem kamen recht eigenthümliche Zustände bezüglich der Chaluka ans Tageslicht. Es bedurfte erst des Einschreitens des Oberrabbinats, um wenigstens einen Th ei! des Geldes denjenigen zuzuführen, für die es bestimmt war. Die Angelegenheit scheint nach den letzten Berichten noch nicht beendet zu sein. Vielleicht aber kommt die Frage einer Regelung des sehr im Argen liegenden Chaluka- Unwesens endlich einmal in Fluss. Die „Gaboitn“ halten sich für jeder Controle enthoben und darunter leiden die Armen. Personalnachriclit. Unser Gesinnungsgenosse Herr Osias Schlosser ist einstimmig in den städtischen Gemeinderath von Bochnia gewählt worden. Correspondenzen. (tosterreicti-tlngarn. Wien. Am 17. November 1. J. hielt die Verbindung österr.-schlesischer Hochschüler .Jvria“ im Ressource-Saale den Erötfnungscommers ihres 16. Semesters ab. Die Festrede hielt cand. jur. Rudolf Nassau. Im Verlaufe des Commerses sprachen auch Herr Dr. Theodor Herzl und Herr Dr. Leopold Kahn. Ein russischer Gast, Herr Hofrath Czuk aus Wilna, überbrachte der Versammlung die Grüsse der russischen Zionisten. Ein „gemüthlicher Theii“ beschloss den Abend. Wien. (D e r V orstan d des S y n a g o g e n - V e reines ..B o t h I s r a e 1“) nach polnisch-jüdischem Ritus hat in seiner am 25. October 1899 abgehaltenen Sitzung beschlossen, zur Erinnerung an das Regierungs-Jubiläum Sr. Majestät des Kaisers auch in diesem Jahre den Betrag von 400 Kronen zur Heiratsausstattung einer braven, mittellosen Braut zu widmen und deren Trauung in der Vereins- Synagoge in feierlicher Weise gratis vollziehen zu l-issen. Die näheren Bestimmungen sind im Synagogen-Gebäude kundgemacht, und werden Gesuche um Verleihung bis längstens zum 30. November 1899 in der Secretariatskanzlei, II., Leopoldsgasse 29, entgegengenommen. Wien. Am 21. November 1899 hielt Reverend William H. Hechler, Pfarrer der königlich grossbritannischen Botschaft in Wien, in der Akademie der Wissenschaften einen Vortrag über „Das Heilige Land“. Der Vortrag gliederte sich in vier Theile: A) Allgemeine Beschreibung. B) Ueberblick über die Geschichte Palästinas. C) Eintheiluag und Beschreibung der einzelnen Theile des Heiligen Landes nach ihren natürlichen Verhältnissen. D) Ortsbeschreibungen. Das ungemein anziehende Referat wurde von der zahlreichen Zuhörerschaft mit grossem Beifalle aufgenommen. England. London. Aus dem Kriege, den die Engländer gegenwärtig wider die Boeren führen, verstehen es hierzulande alle möglichen Leute, für die unmöglichsten Zwecke Capital zu schlagen. Nicht bloss findige Börsespeculanten machen sich die durch den Krieg geschaffene Situation zunutze, sondern auch bedenkenfreie Politidans versuchen es, den Krieg für ihre Zwecke auszubeuten. Wer nun den praktischen Sinn der Engländer kennt, den wird diese Thatsache an sich gewiss nicht sonderlich überraschen. Und dass die englischen Antisemiten — es gibt auch hier solche in allen Parteilagern — die Gelegenheit benützen, den Juden eins am Zeuge zu flicken, indem sie der erstaunten Welt einreden wollen, die leidigen Juden wären die eigentlichen Urheber des Krieges: auch das kann wohl niemanden, der die Taktik dieses Gelichters kennt und der da weiss, dass sie nicht viel mehr gentlemanlike ist, als die der conti n ent alen Judenfresser, gar so sehr in Erstaunen versetzen. Sind doch die Juden an allem Unheil, das über die Welt kommt, schuld — warum nicht auch an diesem unglückseligen Kriege?. . . Was einen aber ja wundernehmen muss und wofür man nicht so leicht eine Erklärung bei der Hand hat, das ist der Umstand, dass sich in dieser sauberen Gesellschaft auch Mr. Hindin an, der Führer der englischen Socialdemokratie, befindet und dass diesen Zwecken auch das officielle Organ der socialdemokratischen Partei Englands, die „Justice“, dienstbar gemacht wird. U n d doch ist es so! ln der Nummer vom 7. September der „Jnstice“ leistet sich Mr. Hin dm an einen Leader, den er „Der jüdische Krieg gegen Transvaa1“ überschreibt. und in dem er seinen bemitleidenswerten, „irregeführten“ Genossen -- zu denen, nebenbei bemerkt, die Juden, insonderheit die aus Russland eingewanderten, ein sehr bedeutendes Contingent stellen — klipp und klar nachweilst, England führe eigentlich nur „den Juden“ zuliebe diesen Krieg, und Chamberlain, Cecü Rhodes, Sir Alfred Millner, ja selbst Lord Salisbury, sind nichts anderes als jüdische Söldlinge .... Jawohl, so zu lesen nicht in Drumonts „Libre Parole“ oder im Wiener Vergani-Blatte, nein: im officielle n Organe der englischen socialdemokratischen Federation! — Und wenn es für diese Thorheit auch nur den Schatten eines Beweises gäbe! Doch wozu Beweise? Geht es doch nur gegen die Juden, und glaubt man doch dadurch bei den Massen populär zu werden. Da genügen einige dem antisemitischen Sprachschätze entlehnte Phrasen vom „jüdischen Einfluss“, der bekanntlich die Welt umspannt und sich nicht nur die öffentliche Meinung, sondern auch die Regierungen dienstbar zu machen versteht — und ein Leitartikel, betitelt „Der jüdische Krieg gegen Transvaal“, ist fertig... Welche Consequenzen wohl unsere jüdischen Socialdemokraten daraus ziehen werden? — — b — Allerlei Nachrichten. Der bekannte Berliner Professor Dr. Bagin ski hatte jüngst auf Veranlassung des Sultans die Pläne zu einem den Anforderungen der modernen Hygiene entsprechenden Kinder-Krankenhause geliefert, genau nach dem Muster des Kaiserin Augusta-Hospitals und erhielt als

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