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Die Welt · 1899-11-17 · 46 (17.11.1899) · p. 14

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
46 (17.11.1899)
Article
The Zion's Friend [Rezension]
Date
1899-11-17
Page
14 (sequence 2)
Language
German
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Seite 14 „Die Welt“ Nr. 46 legt in der schlagfertigsten Weise alle Einwürfe, die in der Regel gegen den Zionismus gemacht zu werden pflegen, während Krüger einen „Ueberblick über die Ereignisse des letzten Jahres" liefert. Auch der eigentliche Jahresbericht der „Philadelpha Erlends of Zion" ist höchst interessant. Aus demselben ersehen wir vor allem, dass sich die Zahl der Philadelphier Zionisten im verflossenen Jahre fast verdoppelt hat, was einen übrigens bei einer so strammen und zielbewussten Leitung, wie sie die Philadelphier Zionisten besitzen, garnicht wundernimmt. j. z. Jojne Firulkes. (Schauspiel in ö Acten von Gabryela Zapolska.) Das Lehen der Juden im Ghetto hat bereits verschiedene und darunter auch zahlreiche nichtjüdische Darsteller gefunden. Den Grund dafür dürfen wir wohl mit Recht darin suchen, dass selten in einem anderen Thoilo der Gesellschaft so viel Poesie und rege Lebensthätigkeit au zu treffen ist, wie im jüdischen Ghettoleben. Die Behandlung dieses wirren Gesellschaftslabyrinthes ist aber mit vielen und grossen Schwierigkeiten verbunden. Es ist da nämlich vor allem nothwendig, dass der Darsteller in das Innere der jüdischen Seele und des ganz eigentümlichen jüdischen Geistes eindringe. Wer das nicht versteht, wird, wenn er nicht schon eine Caricatur des Ghettos schafft, höchstens bloss die äussere Form des ganzen jüdischen Gebarens treffen. Damit er ein ganz wahrheitsgetreues Bild all der Leiden und „Freuden" des Ghettolebens darstelle, muss er nebst künstlerischer Begabung noch die Fähigkeit besitzen, alle Nuancen der jüdischen Gefühle und Empfindungen zu erfassen. Nun ist es fast unmöglich, von einem nichtjüdischen Schriftsteller zu verlangen, dass er alle notwendigen Bedingungen für eine erfolgreiche Bearbeitung des so schwierigen Themas in sich vereinige. Es darf uns daher nicht wundern, wenn es selbst einer so fähigen Künstlerin, wie die den Lesern der „Welt" bereits bekannte G a b rv e 1 a Z a p o l s k a auch nicht gelingen konnte, das so schwierige Thema in dem eben genannten neuesten Schauspiele mit dem Erfolge zu behandeln, welchen sie bei der Schaffung ihrer anderen Werke zu ernten pflegte. Die in ganz Polen jezt mit Recht am meisten gefeierte Schriftstellerin hat bereits zahlreiche Beweise ihrer edlen Gesinnung für die Juden geliefert, so 'hauptsächlich in „Mallca Schwarzenkopf". Auch in ihrem jüngsten Werke hatte sie offenbar die besten Bemühungen gehabt, die Juden so darzustellon, „wie sie wirklich sind". Und in der That sind ihr einzelne Momentaufnahmen des jüdischen Elends aufs vortrefflichste gelungen. Die diesbezüglichen Schilderungen sind mit wahrhaft künstlerischer Plastik ausgeführt. Um nur einige wenige Beispiele zu erwähnen, wird es wohl hinreichen, wenn wir auf die Darstellung einer jüdischen Proietarierwohming mit ihren zahlreichen After- und Aftermietpai'teien aufmerksam machen. Mit echter realistischer Kunst ist auch der an den Communismus erinnernde Verkehr der dieselbe Proletarierwohnung bewohnenden Aermsten dargestellt, nicht minder auch der in den östlichen Judenprovinzen so ganz eigenthümliche Brauch beim Mazzothbacken. Jede dabei thätige Person und ihr Gebaren ist dem wirklichen Leben entnommen. Aber wie wenig jüdisch sind anderseits die eigentlichen Personen des Stückes! Die sonst so begabte Psychologin verräth beim Schildern der psychischen Motive ihrer jüdischen Helden fast totale Unkenntnis. Wie schon der Titel besagt, ist der Held des Stückes Jojne Firulkes. Seinem bisherigen Milieu entrissen, sollte er nun nach den Intentionen der Darstellerin das Ideal eines Juden geben. Das Heldentlium dieses Ideals besteht aber lediglich darin, dass er fortwährend um seine ihm frühzeitig entrissene Frau Mallca Sehwarzenkopf wehmüthig trauert. Im grossen und ganzen wollte die Dichterin ihm das Prestige eines Uriei Acosta auf, 1 rücken. Den Culminationspunkt der reformatorischen Ideen unseres Helden jedoch bildet das Bestreben, das Cheder, welches den geistigen und physischen Ruin des Judenthums bilden soll, abzuschaffen. Weiden wahren Nutzen des gegenwärtig in hygienischsanitärer Hinsicht leider sehr viel zu wünschen lassenden Cheders kennt, wer welss, dass nur dieser Institution der im Osten wohnende Theil des Judenthums sein eigentliches Judenthum verdankt, der wird wohl begreifen, dass für die gänzliche Aufhebung dieser — wenn sie nur nicht ausartet — wahren jüdischen Culturstätte bloss Leute plaidieren können, welche den inneren Gehalt des jüdischen Geistes mindestens nicht verstehen. Wahre Missgestalten sind auch die den Typus des verworfenen, schlechten Juden repräsentierenden Personen. All ihr Thun und Denken löst sich nur im „Handel" auf: um diesen zu retten, sollen sie sich nicht scheuen, die eigenen verbrecherischen Thaten von sich auf die eigenen Kinder abzuwälzen. Es dürfte schwerlich einen verbrecherischen Juden geben, cler sich zu solchen Unthaten verleiten dürfte. Und gesetzt den Fall, dass ein solcher zu finden sei, bildet er den Typus des verworfenen Juden? Sogar nach dem Tode kann sich ein jüdischer Unmensch von seinen Fehlern nicht befreien. Der Vater des Jojne Firulkes grollt sogar als Geist seinem Sohne, weil dieser im Leben nicht den Weg des Vaters gehen wollte. Als der von der ganzen jüdischen Gesellschaft verstossene Jojne auf die Stätte des Friedens, den Sammelort der Todten kommt, kann er auch dort keine Ruhe finden, denn sein eigener Vater ruft ihm die Worte zu: „Sei verscholten!" Aehnlich skizziert sind auch die anderen typischen Personen des Stückes. Wenn wir nun erwägen, dass sogar einer Dichterin von so edler Gesinnung und solch grosser Begabung, wie der Gabryela Zapolska, es nicht gelang, das jüdische Ghettoleben entsprechend zu schildern, müssen wir zum Resultate gelangen, dass solche Themen eigentlich nur von jüdischen Meistern, welche das jüdische Leben mit all seinen wirklichen Licht- und Schattenseiten kennen, behandelt werden sollten. b. s. :jsrn nisS mip Wache auf7 Warum schläfst Du? J’sahn 44.24. Unseres Volkes Erwachen. Von Martin Bub er, stud. phil. in Berlin. Der Ruf! Ein Ruf erschallt, ein Heil wort ist gegeben, Und unser Muth ist wunderbar erwacht: Empor! mein Volk, zu Ende ist die Nacht! Stell’ auf und schreite, denn jetzt wirst Du leben! Einst bist Du müd am Wege hingesunken, — Die Lösung naht, der Morgen blickt auf Dich, Es segnet Dich die Flut der Sonnenfunken, Und alles harrt. — Wohlan, mein Volk, so sprich! Antwort des jüdischen Volkes. „Wie kann ich aufsteh’n und wie kann ich schreiten? Was sollen mir die morgenfrischen Lieder? Mein Herz ist krank und wund sind meine Glieder, Auf meiner Stirn ruht Last von Ewigkeiten." ..Blind sind die Augen mir von vielem Weinen. Und dicht umhüllt von starren Finsternissen, Die Fiisse bluten mir, vom Dorn zerrissen, Die Hand ist siech. Mir will kein Licht erscheinen." Ermuthigung. Die Kraft erglüht. — Mein Volk, Du sollst gesunden! In uns’rer Hand sind balsamstarke Tränke. Die Liebe gab uns für Dich Heilgeschenke, So waschen wir das Blut von Deinen Wunden. ,

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