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Die Welt · 1899-11-17 · 46 (17.11.1899) · p. 13

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
46 (17.11.1899)
Article
Der Zionismus und die Presse [Kommentar]
Date
1899-11-17
Page
13 (sequence 2)
Language
German
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Sr; 46 „Die H Welt“ Seite 13 Wahrheit der Bibel gefragt, antwortete : „DieGeschichte d e r J u d e n.M Je mehr man diese Antwort studiert, desto mehr wird man ihre Wahrheit verstehen. Es ist das Wunder in der Geschichte der Menschheit.. . Die Geschichte .1 acobs ist die Geschichte der Menschen . . . Jedermann kennt die Erzählung des ewigen Juden, es ist ein wunderbares Bild des jüdischen Volkes, ein Volk, für die Ewigkeit geschaffen; leidend und doch unvergänglich. Aber, oh auch alt und vom Sturme gebrochen, auf eine öde Insel oder in eine Wüstenei verschlagen, singt es von seiner Heimat und vergisst nicht Jerusalems, wo immer es sich befinden mag. In rumänischer Sprache erscheint seit einigen Monaten ein ausgezeichnet redigiertes zionistisches Organ: „Rasaritul“. Wir empfehlen unseren Genossen, dieses Blatt zu lesen und für seine Verbreitung zu agitieren. „Rasaritu 1" will sich streng an das Baseler Programm halten und die Bestrebungen des Actions-Cornitds unterstützen. Wenn irgendwo ein gutzionistisches Blatt aufraucht, muss ihm die Partei helfen, sonst bleiben die besten Bemühungen ohne nachhaltige Wirkung. „Philadelphia Inquirer“ vom 15. October bringt Aeusserungen bedeutender amerikanischer Rabbiner über die zionistische Bewegung. Rabbiner Dr. M. J astrow und I) avid sprechen sich entschieden für den Zionismus aus, während die Rabbiner Dr. Krauskopf, Ber kowitz. Leonli. Levy und Ephraim Lederer an der Ausführbarkeit der Idee zweifeln. Im übrigen finden auch sie gegen die zionistischen Bestrebungen an sich nichts einzuwenden. In zwei Leitartikeln des in Bukerest erscheinenden Jargonblattes „Hajoetz“ wird über die in vielen jüdischen Kreisen Rumäniens neuerdings platzgreifende Vereinsmeierei geschrieben. Auch die zionistische Bewegung erleide dadurch Schaden. Es werde nicht nur das Zusammengehörigkeitsgefühl gelockert, sondern vor allen Dingen die Unkosten der Agitation zu sehr auf einzelne kleine Gebiete vertheilt, anstatt dass sie concentriert würden. Viele Vereine mit einer anscheinend grossen Mitgliederzahl besitzen an zahlenden und wirklich thätigen Mitgliedern kaum mehr als die Zahl der Ausschussmitglieder beträgt,— In den Worten liegt viel Wahres und sie sind nicht, nur auf Rumänien anwendbar. Deraitige ungesunde und — wie das Blatt treffend bemerkt — an die Zeit des seligen deutschen Bundestages erinnernde Zustände erschweren eine zweckdienliche" Agitation ungemein. Aber sie erschweren auch die innere Thätigkeit der Vereine, da z. B. Spraclicurse, Literatur- und Geschichtsvorträge nur bei einer grösseren Theilnehmerzähl sich durchführen lassen und nutzbringend wirken können. Anknüpfend an Zangwills auch von uns bereits an dieser Stelle gebrachte Aeusserung über das „Entweder-Oder" des Judenthums, bemerkt „Chicago Weekly“: „Mr. Zangwill meint, es müsse für die Zionisten die religiöse Umschaffung Hand in Hand gehen mit der nationalen. Aber Mr. Zangwill sagt uns leider nicht, wie bei den heutigen Zeiten eine religiöse Regeneration möglich ist. Mr. Z. kann unter religiöser Regeneration unmöglich das moderne Reformjudenthum meinen, das zur Auflösung führen muss, zum Verschwinden der jüdischen Nation. Es bleibt also nur e i n Ausweg: der Zionismus. Die Arbeit ist schwer, aber was thut man nicht alles, um nicht unterzugehen!" Unter der Spitzmarke „Der Zionismus eine Hilfe des Himmels“ schreibt „Jewish Exponent“: „So segelt denn die pestilenzartige Welle des Antisemitismus von einem Lande Europas zum anderen, überall die Veranlassung von Tod, Vernichtung und Verderben für die Juden. Wie lange noch soll diese Schreckenszeit dauern? Welches Land wird dagegen eine Quarantaine errichten? Wie lange noch wird es währen, dass jüdisches Eigenthum, jüdisches Leben durch Bajonnette geschützt werden muss? Auf alle diese Fragen kann nur der Genius von Israels Geschichte antworten. Aus der Geschichte tönt eine Stimme zu uns herüber: Ra hei weint ob des herben Loses, das ihre Kinder betroffen. „Höre auf zu klagen!“ spricht der Herr. „Es gibt einen Lohn für Deine Arbeit, eine Zukunft für Deine vertriebenen Kinder.“' Lasset sie z u r ü e kke li r e n z u r M u 11 e r, n ach Zion! Dort werden sie im Ackerbau und in industrieller Thätigkeit Gottes Segen finden; ein Leben, das nicht zerstört wird von Feinden, sondern Wahrheit, Liebe und Gerechtigkeit unter allen Menschen verbreiten wird, ohne Unterschied der Rasse und Religion!“ An anderer Stelle schreibt das Blatt mit Bezug auf die jetzigen guten Verhältnisse der Juden in Amerika: „Können, dürfen wir in Amerika träge zuschauen und uns verschliessen dem Elend unserer Brüder? Die Erfahrung von neunzehn Jahrhunderten lehrt, dass, was dort geschehen, auch bei uns ein treffen kann. Spanien, Deutschland, Oesterreich und Frankreich sind die Beweise hierfür. Die Meinung, dass Amerika das gelobte Land und Washington unser „Zion“, ist eine hübsche Phrase für Kinder, aber sie kann sich nicht auf Erfahrung stützen . . . Der Zionismus bildet den Schlüssel zur Lage. Eine radicale Cur kann nur durch die Rückkehr in das Land unserer Väter bewerkstelligt werden.“ „Morning Herald" vom 7. October bringt einen grösseren Aufsatz über „Zionismus -- die Ursache eines grossen Streites". Der Artikel behandelt das Verhältnis zwischen den „Chowewe Zion" und den politischen Zionisten und meint, die neuere Bewegung sei die Ursache grosser Differenzen innerhalb der jüdischen Gemeinden in England. Zur Bekräftigung seiner Ansicht führt das Blatt an, dass die Frage des Sabbath — es ist nämlich in gewissen Londoner Kreisen eine Sonntagsbewegung im Gange — aut den Zionismus zurückzuführen sei. Im übrigen wird in dem ellenlangen Artikel alles Mögliche und Unmögliche durcheinander geworfen; die Unkenntnis des wahren Wesens der zionistischen Bewegung ist eben mancherorts noch immer erstaunlich gross, und das findet seinen Niederschlag in grossen, confusen Artikeln. „American Zionist News“. Unter diesem Titel erscheint seit Anfang, d. M. eine von Rev. Stephen S. Wise redigierte Monatsschrift, die über den Stand der zionistischen Bewegung im allgemeinen und ganz besonders in Amerika berichtet. Die uns vorliegende erste Nummer enthält zunächst einen Hinweis auf die Mittheilungen des Wiener Actions-Comites, sodann auf verschiedene Pressäusserungen amerikanischer Blätter über die Bewegung, nebst einem grösseren Auszuge aus Zangwills in Lippencotts October-Nummer veröffentlichtem Artikel über den Zionismus. Sodann wird über das Fortschreiten der Bewegung in den Vereinigten Staaten, über Versammlungen und die in denselben gehaltenen Reden, über Neuwahlen etc. berichtet. Das Erscheinen dieser Mittheilungen ist wärmstens zu begrüssen. Unser Pariser Bruderorgan „L’Echo sioniste“ enthält wiederum eine reiche Fülle von überaus interessanten Beiträgen, die zur Propagierung der zionistischen Idee unter den französischen Juden sehr geeignet sind. Unter anderem bringt das Blatt eine Unterredung, die ein Mitarbeiter der „Odesski Novosti“ mit Doctor I-Ierzl hatte. Besondere Erwähnung verdienen ferner zwei Artikel über T r ci ü s v a a 1 und P o 1 n a. In objectiver Weise spricht sich die in Paris erscheinende Tageszeitung ,,Le Signal“ über den Zionismus ans. Sie hebt die Genesis der jetzigen Bewegung hervor, bespricht namentlich den Kampf der beiden im Judenthum herrschenden Tendenzen: Assimilation und Nationalismus und kommt zu dem Schlüsse, dass es wohl einen harten Kampf kosten dürfte, dem politischen Zionismus zum Siege zu verhelfen, weil ein grosser Th eil der Judenschaft und vor allem viele Rabbiner sich feindselig gegen denselben verhalten, dass aber die Jadenfrage d e n n o c h k a u m auf einem anderen W ege gelöst werden k a n n. Bücherwelt. The Zinn’s Friend. Second annual Report. Issued by tho „Philadelphia Friends of Zion". P h i 1 a d e 1 p h i a' 1891) (Jargon.) Unsere amerikanischen Freunde sind wacker an der Arbeit. Fast jeden Tag erhalten wir einen neuen Beweis hierfür, meistens in der Form einer Broschüre, einer Flugschrift, einer Zeitung. Auch die vorliegende Schrift eigentlich der zweite Jahresbericht der Philadelphiaer Zionisten — kann als solcher gelten. Die rührige Philadelphier Gruppe hat nämlich ihren heurigen Jahresbericht in die Form einer mit ausgezeichneten Beiträgen versehenen .zionistischen Propagandasohrift gekleidet eine Neuerung, die gewiss überall Anklang finden wird. Unter den vielen guten Beiträgen dieser Propagandaschrifc ist A. Braves übersichtlich und flott geschriebener Aufsatz: „Ueber die Entstehungsgeschichte des Zionismus" einer der besten. In überaus klarer und volkstümlicher Sprach«» setzt Brave den amerikanischen Juden das Wesen des Zionismus auseinander. Dem Artikel ist ein äusserst wohlgelungenes Bildnis Dr. Herzls beigedruckt. Erwähnenswert ist noch der Aufsatz Heymann Edelsteins: „Nation und Vaterland" und jener H*. Krügers. Edelstein wider-

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