Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 46 (17.11.1899)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1899-11-17
- Page
- 12 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 12 „Die H Welt“ Nr. 46 Soene. wo Hanna sich weigert. Brandon zu folgen, „weil das Gesetz es verbietet“, wird scharf kritisiert. Aus einem Aufrufe des ..Comites für Chanuka-Bescherung“ geht hervor, dass im vorigen Jahre i 161 Kinder Stiefel, Wüsche, Kleider und Lehnnittel erhielten, und viel bittere Noth gelindert wurde. Es ergeht daher an die (J ein ein dein itgl jeder. namentlich an die Frauen, der Ruf, auch in diesem Jahre durch Gaben an Geld. Stoffen. Jugendschriften oder dergleichen dies Liebes werk zu fördern. - - Es sei nur bemerkt, dass dieser Aufruf in — Berlin erlassen wird. Der bekannte jüdische Verlagshändler Schottländer in Breslau erhielt vom Sultan den Osmanieorden 3. CI. Nach dem amtlichen statistischen Jahrhuche Ungarns wurden von 8083 jüdischen .Ehen 2643, also fast ein Drittel, nur standesamtlich abgeschlossen. Kaum glaublich, und doch ist es Thatsache. Es wäre von Interesse, den Ursachen auf den Grund zu gehen. Nach den Berichten amerikanisch-jüdischer Blätter hat Professor Sch echt er von der Cambridge-Universität einen Huf an das New-Yorker jüdisch-theologische Seminar erhalten und angenommen. Zum Rector des ..R h i laut r o p i n“ in F r a n k f u r t am Main wurde an Stelle des Dr. Baerwald, der in den Ruhestand getreten ist, Dr. S. Adle r. Leiter der Mädchenschule der jüdischen Gemeinde in Berlin, einer der hervorragendsten jüdischen Schulmänner Deutschlands, berufen. Dr. Adler wird dem Rufe Folge leisten, nachdem eine Reihe von Reorganisations - Vorschlägen die Zustimmung der Gemeinde und des Provizial-Schulcollegiums gefunden haben. Der durch sein provocatorisches Auftreten in New- York bekannte Missionär D un!o p hatte sich nach seinem Fiasco der Stadt Philadelphia zugewandt. Auch dort wurde ihm der Boden zu heiss, und er entschloss sich, das Feld seiner Thätigkeit nach Baltimore zu verlegen. Aber ruY* dort erkennt man seine fruchtbringende Thätigkeit nicht, an, und die Behörde lädt Dunlop ein, sich mit seinem Karren nach anderen Gegenden hin zu wenden, wo man seinen Bekehrungsversuchen mehr Interesse entgegenbringt. ln Frankfurt a. M. constituierte sich unter dem Vorsitze von Charles L. FI allgarten ein „Süddeutscher Verband israelitischer Hilfsvereine und Gemeinden**, welcher sich die Aufgabe stellt, durch einheitliche Regelung des Unterstützungswesens den Wanderbettel zu bekämpfen und nach Möglichkeit zu beseitigen. Das Hauptmittel soll in der Gründung von unentgeltlichen Arbeitsnachweisen in jeder Gemeinde und in der Verbindung der verschiedenen Bureaux untereinander gefunden werden. Anlässlich seiner Ankunft in New-York wurde Admiral Dewey in geradezu überschwenglicher Weise gefeiert. Ein riesiger Triumphbogen war am Eingänge des Broadway errichtet, und nicht zum wenigsten der Beisteuer der reichen, an dieser 10 Kilometer langen Geschäftstrasse etablierten jüdischen Kaufmannschaft war es zu danken, dass das eben erwähnte Schaustück einen Schmuck darstellte, wie er nur selten gesehen worden. Erwähn enswerth ist, dass die Grundidee, die dem Erbauer des Triumphbogens vor Augen schwebte, der Triumphbogen des Titus war, den Sieg über die Juden verherrlichend. Professor Dr. J. Bart h, Lehrer am Rabbiner-Seminar in Berlin, feierte das 25jährige Jubiläum seiner Thätigkeit in dieser Anstalt. Zeitschriftenrundschau. Israels Ideale. Der bekannte Gelehrte E. Ledrain kämpft im „Eclair“ mit wissenschaftlichen Waffen gegen den rohen Antisemitismus an und ertheilt den Juden gutgemeinte Rathschläge, auf dass es ihnen wohlergehe auf Erden. Es ist interessant, wie in manchem Gelehrtenkopfe das Judenthum sieh spiegelt- In seinem Artikel warnt Ledrain in wohlwollendster Weise die Juden vor gewissen Selbsttäuschungen bezüglich ihrer Stellung in der Welt und besonders in Frankreich und dringt in sie. ihre nationalen Vorurtheile aufzugeben und sich mit der französischen Nation zu verschmelzen. Vor allem sollten sieden Gedanken der „Weltherrschaft“ endlich fahren lassen, der stets ihr Ideal gewesen und in der Idee der messianischen Bücher, Jerusalem als Herrscher der Nationen sich wieder aus den Trümmern erheben zu sehen, seinen Ausdruck fände. ..Eine grosse Xaivetät herrschte anfangs unter den in der Welt zerstreuten Juden,“ führt der gelehrte Forscher aus. ..Die Befreiung und die Herrschaft müssten ihnen durch ein Wunder von einem Augenblicke zum anderen zufallen,“ hofften sie. Schlaft nicht, Jungfrauen, denn der Gatte kommt: das Reich Gottes ist vor Euren Thüren. Ein Schlag mit der Zauberruthe sollte die grosse Umwandlung herbei führen, das gegenwärtige Jahrhundert wie ein Zelt zusammenrollen und an seine Stelle eine neue, den Söhnen Jahves unterworfene Welt setzen. Haben sie sich von der Verzweiflung erfassen lassen, als diese Erneuerung zu lange auf sieh warten Hess? Nein! Als die Zauberruthe sich nicht zeigte, haben sie noch auf sich selbst gezählt. Mühselig, aber ohne eine Secunde auf dem Wege zu rasten, sind sie mit ihrer angeborenen Hartnäckigkeit auf die Weltherrschaft losmarschiert. Man kann jetzt sehen, wie weit sie es gebracht haben, bis wohin sich die Zelte ihrer Stämme ausdehnen. Vielleicht hat die Stunde geschlagen, ela der grosse Traum sich verwirklichen soll: nach achtzehn Jahrhunderten der Beharrlichkeit beginnen sie die Mauern der neuen Stadt zu sehen, die erste Morgenröthe der Zeit, die sie das Reich Gottes nennen. Sie sind lange Tage ihren Weg fort ge wandert, unter Thränen ihre Saat ausstreuend; mm tragen sie jauchzend, wie sie bei ihren religiösen Festen singen, ihre Garben und heimsen die Früchte ihrer heissen Arbeit ein. Aber vielleicht, findet man einen Schatten an diesem berauschenden Bilde? Setzen wir voraus, dass Israel das Ziel im Augenblicke seiner Zerstreuung unter den Nationen erreicht und dass sein Reich plötzlich und mühelos, wie es anfangs hoffte, erstünde auf den Willen des Ewigen hin. es würde weniger irdische Elemente in seinen Triumph gemischt haben. Israel hat eine zweifache Natur, eine praktische und eine idealistische; man sieht es, die Stirne der Erde zugeneigt und dann dieselbe plötzlich zum Blau des Himmels emporrichtend. Der Idealismus hatte in seinem Herzen den ersten Platz und erstickte die materiellen Instincte und die Gier nach dem Gehle. Aber seine langen Leiden und seine unermüdlichen Anstrengungen haben vielleicht in der Folgezeit weniger erhabene Neigungen in ihnen entwickelt. Und mit diesen niedrigeren Instincten müssten alle, die die Wiede rau Richtung Israels erhoffen und betreiben, ernsthaft rechnen. Der Zionismus und die Presse. Zeitungsstimmen über die zionistische Bewegung, g e s a m m e 11 v o n Z. B e n s a m. Unter der Spitzmarke „Der ewige Jude“ schreibt der in St. Louis erscheinde „Christian Advocat“: Der grosse Daniel Webster, nach dem besten Argumente für die