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Die Welt · 1899-11-17 · 46 (17.11.1899) · p. 11

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
46 (17.11.1899)
Article
Mr. Simon und die jüdische Mission
Date
1899-11-17
Page
11 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 46 „Die H Welt“ Seite 11 gemeinden, die von Mr. Simons Ideen nichts wissen wollen. Die Orthodoxen lehnen den Sonntags-Gottesdienst lind die Revision des Gebetbuches entschieden ab. Ja,in Australien sind eben jetzt die jüdischen Gemeinden mit ihren Seelsorgern in Conflict gerathen, aus dem Grunde, weil diese es mit der Aufnahme von Nichtjuden in den jüdischen Glaubensbund zu leicht nehmen. So zeigt sich die Mission von zwei Seiten, und von beiden nicht vorteilhaft: als etwas, was für das jüdische Leben als activer Factor nicht in Betracht kommt, und als etwas, was unter Umständen gefährlich werden kann. Also weg mit dieser Mission, die eine jämmerliche Antwort auf den Zionismus ist und vielleicht nur das eine Verdienst hat: in dem Augenblicke, da sie in Wirklichkeit umgesetztwird, ein Argument für den Zionismus zu liefern! J. de H. Allerlei Nachrichten. Als ein wahrer Segen für die arme jüdische Bevölkerung Chicagos muss die augenblicklich von 750Kindern besuchte E r z i e h u n g s s c h u 1 e betrachtet werden. Abgesehen davon, dass durch dieselbe auch den Aermsten Gelegenheit gegeben ist, ihren Kindern eine den Zeitumständen entsprechende Erziehung zu verschaffen, so wirken die von den Kindern erworbenen Kenntnisse auf die Eltern zurück, die sich für manches interessieren, das unter den traurigen Verhältnissen, in deoen sie sich befinden, ihrem Gesichtsfelde entrückt ist. Der Schulbesuch dauert 10 Jahre und das jährliche Budget ist daher ein nicht unbedeutendes. Die Schule besitzt einen Kindergarten, eine Handarbeitsabtheilung, in der auch Maschinnähen etc. gelehrt wird und auch für Musik- und Turnunterricht ist bestens gesorgt. Nur eines ist merkwürdigerweise im Unterrichtsplane vergessen : Jüdische Kinder, von jüdischen Lehrern in einer specifisch jüdischen Schule unterrichtet, erhalten keinen Unterricht in irgendeiner jüdischen Disciplin. * Die Einnahmen des jüdischen Waisenhauses in San Francisco bezifferten sich im abgelaufenen Jahre auf 28.000 Dollars, während die Ausgaben 42.000 Dollars betrugen. Das Deficit von fast 14.000 Dollars konnte aus dem Reservefonds gedeckt werden, „ohne irgendwelche Beunruhigung“, wie der uns vorliegende Bericht sagt. * Nach den neuesten Berichten ist die Schacht fr a g e auf ihrer Weltwanderung in Bombay angelangt. Der Gast erfreute sich zwar seitens gewisser Kreise einer überaus freundlichen Aufnahme, aber das war auch alles. Das vom Stadtrathe der indischen. Hauptstadt eingesetzte Comite erklärte zwar die „europäische Methode“ für die beste, aber da leider die Hindus und Mohammedaner den „Halal“, das ist der Schächtschnitt, vorziehen, da er ihnen religionsgesetzlich anbefohlen ist, so musste man es bei der platonischen Liebeserklärung bewenden lassen. Aber man sieht, wie weit doch in Indien die Cultur schon fortgeschritten ist. * Zur Ergänzung einer jüngst an dieser Stelle veröffentlichten Notiz, aus der hervorgeht, wie sehr es mit dem jüdischen Unterrichte im Argen liegt, mag die neuerdings von der jüdischen Presse der Vereinigten Staaten hervorgehobene Thatsache dienen, dass die dortige Sabbathschulen- Vereinigung nur 100 Schulen umfasst. Der Staat Arizona hat überhaupt keine, neun Staaten nur je eine. Die grösste Schülerzahl weist die Schule in New-York mit 3i00 und die einer Tempeigemeinde mit 400 auf. Die erste Aufführung von Zangwills „Kinder des Ghetto“ fand am 16. October in New-York statt. Der Erfolg war ein unbestrittener. Dem Stücke gieng ein Prolog Zangwills voran. * Unter den OMeieren, welche bei der N i e d e rmetzelung d e r M i s s i o n Breton net durch Sultan Rabah umkamen, befand sich auch ein jüdischer Uffieier, namens Salomon Bia u n. * Die uns Juden so sehr interessierende Frage der Einwanderung in die Vereinigten Staaten von Nordamerika kam jüngst vor die eigens zur Besprechung dieses Problems vom Gon giesse gewählte Commission, welche den New- Yorker Einwanderungs-Coinmissär Dr. J. H. Senner darüber vernahm. Derselbe erklärte, dass die Union bei ihrer augenblicklichen Bevölkerung von circa 70 Millionen und einer jährlichen Einwanderung von höchstens 400.000 diese leichter zu ertragen vermöge, als Im Jahre 1882 die Einwanderung von 788,000 Personen bei einer Bevölkerung von nur 40 Millionen. Er sehe keinen Grund, die Einwanderung zu erschweren, indem gegen die zweifelhaften Elemente genügende Bürgschaften in den bestehenden Gesetzen vorhanden wären. $ Der „Jewish Gazette“ entnehmen wir die Mittheilung, das der bekannte Gelehrte Dr. Sai. Mandelkern sich seit kurzer Zeit in New-York befindet. * Die in Petersburg seit 35 Jahren existierende „Jüdische Gesellschaft zur Verbreitung von Aufklärung unter den Juden Russlands“ zählt nach dem neuesten Berichte 2326 Mitglieder. Ihre Einnahmen irn letzten Jahre betrugen 137.510 Rubel, die Ausgaben 117.370 Rubel. Das Vermögen beläuft sich auf 88.000 Rubel. ❖ Canadaer Blätter berichten von einem grossen Pr ai rieh ran de, der die jüdischen Colonien heimgesucht und auf einem Umfange von 8 engl. Meilen alles Heu verbrannt, die Viehweiden zerstört und das Land verwüstet hat. Es wird den Colonisten schwer werden, das für die Thiere nöthige Futter herbeizuschaffen. * Der Prager czechisch-jüdische Verein „Närodni Jednota cesko-zidovska“ liess vor Beginn des Schuljahres in Orten, wo er noch die Auflösung der deutsch-jüdischen Schulen durchzusetzen bestrebt ist, Strassenplacate affichieren, in denen unter näherer Begründung die Juden aufgefördert werden, ihre Kinder in czechische Schulen zu schicken, r\vo ihnen durch die lieblichen Klänge der Muttersprache die festen Grundlagen zu den nöthigen Kenntnissen spielend beigebracht werden; wo die übrigen czechischen Kinder, durch stetige Berührung und gemeinschaftliche Freuden und Leiden, in ihnen und dadurch auch in den übrigen Juden, welche jene Ungunst, auf die so häufig hingewiesen wird, nicht verdienen, ein gleiches Denken und Fühlen kennen lernen“ etc. etc. * Anlässlich der ersten Aufführung von Zangwills „Kinder des Ghetto“ in Philadelphia ereignete sich folgende hübsche Scene. Der Dichter, wiederholt vor die Rampe gerufen, wies mit der Hand auf den in einer Prosceniumsloge sitzenden sehr populären Richter Sulzberger und rief dem Publicum zu, dass es auch ihm zu danken habe als dem — Grossvater des Stückes. Richter Sulzberger nämlich war es, der Zangwill veranlasst hatte, seine Erzählung zu dramatisieren. — Im übrigen erkennt die tonangebende Presse einmüthig den grossen Erfolg an, den Zangwills Drama davongetragen, wenngleich auch über einzelne Scenen die Ansichten sehr auseinander gehen. Namentlich jene

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