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Die Welt · 1899-11-17 · 46 (17.11.1899) · p. 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
46 (17.11.1899)
Article
Preisstiftung
Date
1899-11-17
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 46 „Die H Welt4* Seite 7 hinterlegt, mit der Bestimmung, dass die Zinsen dieser Summe alle drei Jahre dem jeweiligen Verfasser der besten hebräischen Biographie einer* historisch berühmten Persönlichkeit jüdischen ^Stammes oder, falls ein solches Werk jemals während eines Zeitraumes von 3 Jahren nicht erscheinen sollte, dem Autor der besten — gleichfalls hebräisch geschriebenen — historischen Monographie irgendeiner jüdischen Gemeinde in Russland ausgefolgt werden sollen. Menschenfreundliche Kaukasier. Der Curort Kislowodsk in den kaukasischen Bergen war bisher absolut judenrein, da der dortige Aufenthalt den Juden, wir wissen nicht auf Grund welcher gesetzlichen Bestimmungen, untersagt ist. Nun haben die biederen Bewohner des heilkräftigen Bergstädtchens in einer Wallung menschlichen Rührens eine Petition an die russische Regierung gerichtet, es möchte den armen leidenden Kaufleuten erster Gilde, auch wenn sie jüdischer Confession sind, zur Sommerszeit ein längeres Verweilen im Kreise der liebevollen Bittsteller ausnahmsweise gestattet werden, zumal da sonstens der Fremdenverkehr, der einer russischen Stadt zugute kommen könnte, nutzlos ins Ausland abgelenkt würde. Ist die Kenntnis der hebräischen Sprache und der jüdischen Geschichte für jüdische Schüler nothwendig? Diese Frage lag jüngsthin dem russischen Ministerium für Volksaufklärung zur Entscheidung vor. In einer Odessaer Handelsschule, die sehr viele jüdische Schüler zählt, machte nämlich der Schulinspector die Wahrnehmung, dass die Classenzimmer während des Unterrichtes in der hebräischen Sprache und jüdischen Geschichte vor Leere starrten. Der Herrinspector liess sich die Sache angelegen sein und befragte die Eltern der jüdischen Schüler, weshalb sie ihre Kinder zur Thennahm e an dem betreffenden Unterrichte nicht anhalten. Darauf gaben einige der Befragten zur Antwort, sie fänden die Kenntnis solch nutzloser Disciplinen wie der hebräischen Sprache und jüdischen Geschichte für ihre Kinder nicht nothwendig, sonst hätten sie dieselben in ein „Cheder“ geschickt. Der Schulinspector fand sich von dieser Antwort keineswegs befriedigt, wandte sich vielmehr an seine Vorgesetzte Behörde, das russische Ministerium für Volksaufklärung, mit dem Ansuchen, es möge den jüdischen Eltern von dieser Stelle aus der Standpunkt klar gemacht werden. Dies geschah denn auch, indem mittels Ministerialerlasses die Verpflichtung der jüdischen Schüler, am hebräischen Sprach- und jüdischen Geschichtsunterrichte theilzunehmen, einfür allemal festgestellt wurde. Durchgreifende Reformen sollen, nach den Berichten von Odessaer Blättern, in der landwirtschaftlichen Farm des jüdischen Waisenhauses bei Odessa eingeführt werden Man bringt dies in Zusammenhang mit der seinerzeit von uns gemeldeten Inspicierung dieser Anstalt durch den Regiernngscommissär Jellacic. Worin die Reformen bestehen werden, darüber verlautet nichts Bestimmtes. Eine irrthümliche Leichenbestat'ung. Vor kurzem starb im Gemeindespitale von Poltawa (Russland) ein jüdisches Mädchen namens Tantur. Da die Spitals Verwaltung das Mädchen für eine Christin hielt, liess sie den Leichnam ein segnen und auf dem christlichen Kirchhofe beerdigen. Als die Mutter der Tantur davon Kenntnis erhielt, wandte sie sich an das Ministerium des Innern mit der Bitte um Exhumierung der Leiche und Ueberführung derselben in den jüdischen Friedhof. Das Gesuch wurde aus sanitären Rücksichten abschlägig beschieden* Ein zu Tode gequälter Jude. Vor einigen Wochen fand man in Sheernes den Leichnam eines etwa dreißigjährigen Juden, Die über den Fall angestellte Untersuchung ergab Resultate, welche die gesammte englische Judenheit in die grösste Aufregung versetzen. Die Leiche wurde als die eines armen Juden namens Louis Persufski agnosciert, der nach zweijährigem Aufenthalte in New-York, wo er als Schneider sich erhalten und etwas Geld für seine in Galizien zurückgebliebene Familie erspart hatte, auf dem Schifte „Manitou“ der Atlantic Transportation Company in seine Heimat zurückkehrte. Um das Reisegeld zu ersparen, verdang er sich auf dem Schiffe, das Schlachtthiere mitführte, als Viehwärter. Sofort begann ihn die Mannschaft zu misshandeln. Sie zwang ihn, ihre Kleidung zu reparieren, und begoss ihn zum Danke mit Lauge. Ein jüdischer Passagier machte zwar den Capitän auf den wehrlosen Mann und seine Peiniger aufmerksam — aber ohne Erfolg. Einmal band man ihn im Maschinenraume, dessen Fenster geöffnet blieben, an. Es gelang ihm, sich freizumachen. Als aber die Mannschaft ihn ein zweitesmal eirisperrte — das Schiff fuhr damals in den Themse-Canal ein — benützte der Arme einen unbewachten Augenblick und sprang über Bord. Der erwähnte jüdische Passagier, ein Mr. Mathe ws aus Chicago, ist bereit, seine Aussage vor jedem Gerichtshöfe zu wiederholen und andere Zeugen namhaft zu machen. Wie er kürzlich einem Interviewer mittheilte, ist er sehr erstaunt, vom Sheernesser Gerichte noch nicht ein vernommen worden zu sein. Die jüdische Gemeinde von Bialystok hat zur Erinnerung an den Besuch, den der Czar ihrer Synagoge im August d. J. abstattete, der Stadt Bialystok den Betrag von 7000 Rubel zur Verfügung gestellt, der zur Gewährung von unverzinslichen Darlehen an würdige Stadtarme ohne Unterschied der Confession verwendet werden soll. Der Bau des neuen jüdischen Hospitals in Jerusalem ist eben beendet worden. Zwei Drittel der bei dem Baue beschäftigten Arbeiter waren Juden. So viele jüdische Arbeiter — einmal waren es gleichzeitig 152 — hat man noch bei keinem Jerusalemer Baue zu sehen Gelegenheit gehabt. Die „United Hebrew Charities“ in New-York. Nicht weniger als 26 enggedruckte Spalten der letzten uns vorliegenden Nummer des „American Hebrew“ sind ausgefüllt mit dem Berichte über die 25jährige Jubiläumsfeier der United Hebrew Charifcies-Institution in New-York, und ein Nachtrag wird für die nächste Nummer versprochen. Wir wollen uns lediglich auf Zahlen beschränken, die zwar sehr trocken sind, aber umso beweiskräftiger und überzeugender für die Leistungen dieser grössten aller jüdischen Wohlthätigkeits- Institute: Im abgelaufenen Jahre betrugen die Einnahmen 156.500 Dollars. Ausgegeben wurden 136 500 Dollars. Die 4542 Unterst,ützungsgesuche betrafen 2843 Russen, 1031 Oesterreicher und der Rest vertheilte sich auf die Angehörigen aller übrigen Länder. 29.088 Juden landeten in New-York, und zwar 16.000 aus Russland, 11.000 aus Oesterreich, 1500 aus Rumänien, 400 aus Deutschland. Die Einnahmen der 25 Jahre belaufen sich auf 21/2 Millionen Dollars. Davon entfallen allein auf 1892 232.319 Dollars. Es war das schwerste Jahr, das die Verwaltung zu verzeichnen hat, denn es landeten in den Jahren 1891/92 115.000 Personen. Die Gesammt-Einwanderung seit 1885 beträgt 430 470 Personen. Die Administrations-Kosten verschlangen 273.697 Dollars. 323.361 Fälle kamen zur Behandlung. 66.000 Personen wurde Arbeit nachgewiesen. Judensteuern in Russland. Die russische Zeitung „Kiewlanin“ veröffentlicht interessante Daten über die verschiedenen Abgaben der Juden im Gouvernement Kiew. Für die Jahre 1898—1902 sind die speciell von Juden einzuhebenden Steuern auf 270.810 Rubel veranschlagt worden. Und zwar rechnet der Voranschlag 264.110 Rubel oder 97-6 Percent aus der sogenannten Korobka (Fleischsteuer) und 6700 oder 2 4 Percent aus anderen Quellen. Zu diesen Einnahmequellen gehören : 1. V'l0 vom Reinertrag für Miete von Häusern, Läden etc.; 2. 5"/„ vom Reinertrag des Spiritus-, Wein- und Biervorkaufes; 3.3% von dem der

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