Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 45 (10.11.1899)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1899-11-10
- Page
- 12 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 12 „Die H Weit“ Nr. 45 Der zwischen Russland und den Vereinigten Staaten von Nordamerika seit acht Jahren schwebende Streit über Besitz Verhältnisse an dem Behrings-Meere wurde schiedsgerichtlich von dem Vertrete]* Hollands auf dem Haager Fi iedenscongresse Professor Tobias M. A. A s s e r, einem Juden, geschlichtet. Ass er ist eine der grössten Autoritäten auf dem Gebiete des Völkerrechtes. „Thierschutz lind Menschentrutz“ — nach der berühmten Broschüre des Dr. Ehr mann — könnte man die im Landshuter Schlachthause obligatorisch eingeführte Vorschrift des Gebrauches der Schutzmaske nennen. Wiederholt lag die Gefahr nahe, dass anstatt der Thiere Menschen getroffen worden wären. Die Vorschrift ist „bis auf weiteres“ ausser Kratt gesetzt, * Nach 4'2jübriger Amtstätigkeit verliess Oberrabbiner Dr. Wolff in Gothenburg seinen Posten. In der jüngsten Zeit wurden in B ad en drei jüdische Lehrer mit der goldenen Verdienstmedaille decorieVt: Lehrer B r a n d e i s in W o r b 1 i n g e n, Schwarz w ä 1 d e r in Schlüchtern und W o 1 f in Sennefeld. Bei der Ueberreichung richteten die hohen Staatsbeamten ehrende Worte an die Decorierten, denen sie für den Eifer, welchen sie bei der Bekleidung ihres schwierigen Amtes entwickelten, namens der Regierung dankten. * Die westlichste und — in Amerika wenigstens — nördlichste jüdische Gemeinde ist Victoria in Britisch-Columhion. Auch in K 1 o n d y k e wohnen Juden, aber sie besitzen noch keine Gemeinde-Organisation. * Later den tausenden Flüchtlingen in Capstadt, Durban und Pietermarizburg befinden sich auch zahlreiche Juden. Sie werden von ihren Glaubensgenossen gastfrei aufgenomruen, und es geschieht alles, um das plötzlich über sie hereingebrochene Unheil zu lindern. Conferenz der süddeutschen Zionisten in Karlsruhe. Am 15. October d. J. fand in Karlsruhe eine vom Central-Comite der „Zionistischen Vereinigung für Deutschland“ in Köln am Rhein einberufene Versammlung unserer wackeren süddeutschen Gesinnungsgenossen statt, über deren Verlauf uns der folgende Bericht vorliegt: Auf Vorschlag wurde zunächst ein Bureau gebildet und eine Präsenzliste aufgestellt, die die Anwesenheit von Delegierten aus B a d e n - B a cl e n, B o n n. K öln, Frau kf u r t a. M., F r e i b u r g i. Br., Höchst a. M., K a iser slaute r n, K a r 1 s r u h e, K i p p e n h e i m, L a h r, M a n nh o i m und Ottenheim-i n B a d e n ergab. Entschuldigungsschreiben mit zusti mm enden Kundgebungen waren eingegangen aus Gailingen, Landau i. Pf., Pfor z h e i m u. a. Städten. Der Vorsitzende des Central-Comites in Köln, Herr Dr. Bodenheimer. referierte über den Stand der zionistischen Bewegung, ihren Ursprung, ihre Entwicklung und ihre Ziele. Er besprach im einzelnen die Aufgaben der deutschen Juden heit für den Zionismus und hat um Vorschläge für eine zweckentsprechende süddeutsche Propaganda. Aufgeäusserten Wunsch gieng man zuerst an die Discutierung einiger strittiger Punkte des Programms. Einige Anfragen, wie zum . Beispiel die, welche Bedeutung dem Ausdrucke ..für das jüdische Volk“ im Baseler Programm beizulegen sei, oder aber, wie in der Propaganda gewissen Ein wänden von nicht zionistischer Seite zu begegnen sei, wurden von Herrn Dr. Zlocisti und den Herren des Central-Comites in allseitig befriedigender Weise beantwortet. Auch die Fragen,' warum nur Palästina aL Land in Betracht kommen könne und warum dem Zionismus eine Grosscolonisation ohne öffentlich-rechtliche Garantien keine Lösung seiner Aufgabe bedeute, wurden gestreift. Herr Dr. Bodenheimer beantragte sodann die Schaffung einer Agitationscentrale für Süddeutschland und schlug K a r 1 s ru h e vor, wogegen zwei Herren für Frei h urg i. Br. eintraten, wo bereits eine rührige Ortsgruppe bestehe. Vor der Beschlussfassung referierte Herr Dr. Bodenheimer noch über die deutsche Organisation, und Dr. K 1 e e-Bonn setzte die Competenzen der zu schaffenden Agitationscentrale gegenüber dem Kölner Centrale omite auseinander. Es wurde vorläufig beschlossen, ein Agitationscomite für Baden mit dem Sitzein Freiburg i. Br. zu schaffen, dessen Vorsitzender zugleich Mitglied der Kölner Centrale sei. Das Propagandacomite, dessen Agitationsbezirke noch die Rheinpfalz angegliedert wird, soll auf Vorschlag des Herrn Dr. Klee aus 11 Mitgliedern bestehen, von denen 5 in Frei bürg, 4 im übrigen Baden und 2 in der Rheinpfalz ansässig sind. Eins der Freiburger Mitglieder soll der Studentenschaft entnommen werden. Dem Comite stehe das Recht der Cooptation zu. Nach Annahme dieses Vorschlages wurden in das Comite gewählt die Herren : M. Kaufman n. Jacob M e y e r, Moritz Weil, Schriftsteller Sommer und cand. med. Max J u n g m a n n in F r e i b u r g, Dr. Moses in Maniihei m, Otto Weil und Heinrich Dreyfuss in Karlsruhe, Dr. Stern in Kippenheim, Dr. J. Dreyfuss in Kaiserslautern und Gust. Ben ario in Landau i. Pf. Von einem äusserst instructiven Schreiben des Vorsitzenden der zionistischen Ortsgruppe Mülhausen i. E. über die Art, wie in Elsass-Lothringen zu agitieren sei, wurde Kenntnis genommen. Der Aufruf den die Freiburger Ortsgruppe zur Propaganda benutzt, wurde mit geringfügigen Abänderungen dem neuen Propaganda - Comite für Baden und die Rh ein pfalz empfohlen. Die Frage der Beiträge wurde dahin erledigt, dass im Princip jeder deutsche Zionist jährlich 3 Mark zu zahlen habe, den Schekel, eine Mark als Beitrag an die zionistische Vereinigung für Deutschland in Cöln und eine Mark für die locale Organisation. Auf Antrag wurde sodann beschlossen, an Herrn Dr. H e r z 1 in Wien ein Begrüssungs-Telegramm abzusenden. Zeitschriftenrundschau. Der Zionismus und die Presse. Z e i t u n g s s t i m m en über die zionistische B ewegung, g e s a m melt von Z. Bensatn. Mit Bezug auf das von uns in der vorigen Nummer veröffentlichte Interview mit Botschafter S t r a u s s bemerkt „American Hebrow“ : „Mit der Discussion darüber, ob der Zionismus die neuerdings gesteigerte Einwanderung armer Juden in Palästina beeinflusst hat oder nicht, ist nicht viel gewonnen. Frei herausgesngt — wenn dem wirklich so wäre, so würde doch niemand die Urheber der Bewegung für einen unglücklichen Zufall verantwortlich machen dürfen, für ein Resultat ihrer Bewegung, das nicht beabsichtigt worden und dem sie ihre Sympathien verweigern müssen.“ Die in Paris erscheinende Zeitung „La Paix" enthält in ihrer Nummer vom 21. October an erster Stelle einen Artikel mit der Ueberschrift: „Der S u 1 ta n, d e r C za r u n d d i e J u den“, worin sich Georges B ar b e z i e u x über den Zionismus ausspricht. Ueber die Bewegung und ihre Entstehung referierend, kommt der Artikel auf das Einwanderungsverbot zu sprechen und bemerkt hierzu, ein Privatbrief aus Constantinojjel hätte dem Blatte die Nachricht gebracht, dass der Sultan dem Gouverneur von Jerusalem den strengen Befehl erlheilt habe, allen auswärtigen Juden den Aufenthalt in Palästina und den Zutritt zur „Heiligen Stadt“ strengstens zu untersagen. „La Pa ix“ schreibt diese Massregel russischem Einflüsse zu und fordert die Intervention des französischen Ministers des Auswärtigen zugunsten der Juden französischer Staatsangehörigkeit.