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Die Welt · 1899-11-10 · 45 (10.11.1899) · p. 11

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
45 (10.11.1899)
Article
Für die Familie des ermordeten Abraham Sternberg in Dolina [Nachricht]
Date
1899-11-10
Page
11 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 45 4,Die H Welt“ Seite 11 Spenden. Für die Famiiie des ermordeten Abraham Sternberg in Dolina. Heinrich Rosenb au m in Jassy.fl. L. Siegler in Ploesti ..„ Herr X. in Paris durch Dr. Alexander Marmorek Frcs. Für zionistische Zwecke. Littman Rosenthal \ Dr. Chasanowitz { N. Zabludo wsky ( P. K a p 1 a n } Für die hungernden Bergarbeiter in Boryslaw. C y f e r Leopold in Krakau, Sammlung in Perhäusern am Vorabende des Versöhnungs- Festes . In Nr. 42 ausgewiesen in Bialystok 9.r,o 8-68 200.— fl. 12- 3-88 1206 30 Totale fl. 121024 Für die durch die Excesse in Böhmen und Mähren Geschädigten. Reichsraths-Abgeordneter Hofrath J. K a l* e i s . . fl. 10.— begängnisse einer christlichen Dame in London wurde von einem Trauergaste graue Erde auf den in die Gruft hinabgelassenen Sarg gestreut, Erde, die vom Oeiberge stammt. * In der Debatte über clie Anstellungsbedingungen der jüdischen Lehrerinnen an den Berliner Schulen wurde ein Antrag angenommen, der erklärt, dass im Interesse des guten Einvernehmens unter den verschiedenen Confessionen der simultane Charakter der Berliner Volksschulen gewahrt werden soll, das heisst: es bleibt alles beim alten. Eine sehr interessante Aeusserung that jüngst der frühere Einwanderungs-Commissär der Vereinigten Staaten Amerikas, Senner. Indem er sich gegen das die Juden treffende Einwanderungsverbot anssprach, meinte er, dass Amerika noch nicht auf dem Punkte der Entwicklung an- Ein Blick hinter die Coulissen der mährischen Judenexcesse. Was erleuchtete Geister schon längst geahnt haben, das wurde im österreichischen Reichsrath bei der Debatte über die. mährischen Excesse endgiltig sichergestellt: Die Krawalle in Böhmen und Mähren sind das geschickt arrangierte Werk der Juden und Gendarmen. Den mährischen Landjuden ist der ständige Aufenthalt in der tristen Provinz endlich zu langweilig geworden, und so haben sie sich — reiselustig, wie sie sind — eines schönen Tages entschlossen, einige kleine Spritzfahrten nach Wien und anderwärts zu unternehmen, uncl um sich eine Ausrede für ihre.Vergnügungstouren zu schaffen, haben sie durch allerhand listige Streiche die naive czechische Bevölkerung zu Ausschreitungen verleitet. So verhält sich die Sache. An den Gendarmen haben die Juden willige Werkzeuge zur Förderung ihrer schwarzen Reisepläne gefunden. Allerdings hat es schwere, schwere Mühe gekostet, die kindlich-unschuldigen Czeehen zu Ausschreitungen zu verlocken. Die Gendarmen haben auf dem Gebiete der Verführungskunst geradezu Uebermenschlisches geleistet. Die offici eilen Berichte enthalten freilich nichts hierüber, aber derlei erfährt man . schon so unter der Hand. Wochenlang haben die Gendarmen die Bevölkerung durch wilde Agitationsreden zu Ausschreitungen angereizt — vergebens, die brave Bevölkerung blieb spröde, sie wollte sich nicht verlocken lassen. Die Gendarmerie sah sich genöthigt, zu schärferen Verführungsmitteln zu greifen — sie verbreitete zahllose antisemitische Flugschriften unter dem Volke — auch das war vergebens, die guten Leute blieben fest, sie wollten noch immer nicht excedieron. Die Gendarmerie musste zu einem dritten Mittel greifen. Sie schlug in belebten Strassen jüdische Fensterscheiben ein — eine Specuiation auf den Nachahmungstrieb der Menschen: vielleicht wird das Volk auf diese Weise sich clrankriegen lassen und das böse Beispiel nachäffen. Alles vergebens, die Czeehen wollen absolut vom Pfade der Tugend nicht abweichen, sie gl engen nicht auf den Leim. Da sah sich schliesslich die Gendarmerie genöthigt, zum radicnlslen Verführungsmitte] zu greifen. Sie wurde ungeduldig und schoss unter die Menge. Und das fruchtete. Die Bevölkerung liess sich erweichen, streifte jegliche Prüderie ab, gieng mit Lust und Liebe ans Plündern, und die Juden konnten gemächlich unter dem Vorwände der „Flucht“ nach Wien fahren. Man hat sie scharenweise in den Logen der hauptstädtischen Theater und sonstigen -Vergnügungs-Etablissementssitzen und ihrer orientalischen Vergnügungssucht fröhnen gesehen. Allerlei Nachrichten. Die russische Zeitung „Rossya“ will wissen, dass die Juden in Russland zu dem Amte eines Geschworenen nicht mehr zu gelassen werden sollen. Wie wir jedoch erfahren, ist dieses Gerücht fälsch. * Bis j etzt glaubte man, dass die bei Bestattung jüdischer Leichen übliche Mitgabe von Erde aus dem heiligen Lande ein specifiscH jüdischer Brauch sei. Dem scheint jedöeh nicht so zu Sein. Bei dem jüngst stattgefundenen Leichengelangt sei, um eine Ausschliessung der Einwanderung verlangen zu können. Jeder, der gegen die Einwanderung agitiere, sei ein Feind des Landes. Die Rede machte grosses Aufsehen, namentlich weil Senner, auf seiner reichen Erfahrung fassend, den russischen und polnischen Juden vorzügliche Leumundszeugnisse ausstellt und ihre Assimilationsfähigkeit rühmt. Dem Deutsch - israelitischen Gemeindebunde wurde seitens der J. C. A. der Betrag von 150.000 Mark zur Errichtung einer Arbeitercolonie bei Berlin behufs Bekämpfung des Wanderbettels darlehensweise aus der Baron Hirsch- Stiftung überlassen. In Hamburg starb nach längerem Leiden im 78. Lebensjahre Herr Louis YV ol ff. Er war durch viele, viele Jahre Vorsitzender der Armencommission der jüdischen Gemeinde, des Synagogenverbandes und derChewra-Kadischa, und die Hamburger Gemeinde verliert in ihm einen jener Männer von seltener That kraft und Energie, wie sie leider immer seltener werden. Selbst mit reichen Glücksgütern gesegnet, verstand es Louis Wolff, auch andere herbeizuziehen, wenn Noth an Helfern war, und unvergessen von allen bleibt in dieser Beziehung seine fruchtbringende Thätiglceit zu Anfang der Achtzigerjahre anlässlich der russischen Judenaustreibung. Er war es auch, dem in erster Linie die Wahl des jetzigen Oberrabbiners Dr. Hirsch zu danken war, rill! Berlin feierte Herr Louis Sachs, Vorsitzender des Repräsentanten-Collegiums der jüdischen Gemeinde, seine silberne Hochzeit, aus welchem Anlasse dem Gefeierten und seiner Gemahlin zahlreiche Ovationen aus allen Kreisen der Gemeinde dargebracht wurden. Ein von Herrn Sachs gestiftetes Reconvalescentenheim soll im Frühjahre 1900 eingeweiht werden. Unter den eingelaufenen 500 Depeschen und 300 Glückwunschschreiben befand sich auch ein Telegramm Fritjof Nansens. * (YV ah 1 und Qua 1.) Die „keinem Club angehöi end«m Wiener Advocaten“ sitzen vertraulich beisammen und berathen über die bevorstehenden Wahlen in die Avocatenkammcr. Es werden lauter nichtjüdische Candjdaten vorgeschlagen, denn die Wähler, die da beisammensitzen, sind der Majorität nach Juden. Man quäit sich lange, lange mit-den Recherchen nach geeigneten Männern ab. Die Pointe der Reden ist aber stets der Name eines „Paradechristen“. Plötzlich erhebt sich einer der Anwesenden: „MeineHerren, ich werde jetzt ein Wort aussprechen, das ein Lächeln der Verlegenheit auf Ihre Lippen locken wird — ich werde das Wort „Jud“ aussprechen. YVir sind hier der Mehrzahl nach Juden, warum wählen wir eigentlich keine Juden?“ — Verbltiffungspau.se. — Stürmischer Applaus; Ein zweiter Redner: „Sie sind Juden, meine Herren, und getrauen sich nicht, einen Juden.-an.Ihre Spitze zu stellen? Schämen Sie sich!“ — Stürmischer Applaus^ — — Und das Facit,: Die Aufstellung zweier christlicher Candidaten.

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