Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 45 (10.11.1899)
- Article
- Bekanntmachung
- Date
- 1899-11-10
- Page
- 9 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3315709-3315796-3315842-3391909--15783-3392018- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 43 „Die £ Welt“ Seite 9 jüdische Colonialbank. Bekanntmachung. Im Aufträge des Directoriums wird folgender Beschluss zur Kenntnis derActionäre des „Jewish Colonial Trust (Jüdische Colonialbank) Limited“ gebracht: 1. Der Zahlungstermin für die zweiten 20 Percent auf die bereits gezeichneten und zugetheilten Actien wird auf den 28. November a. c. als äussersten Termin verschoben. 2. Als äusserster Termin, bis zu welchem die Zahlung der dritten 20 Percent auf bereits gezeichnete und zugetheilte Actien zu leisten ist, wird der 28. Februar 1900 festgesetzt. 3. Neue Subscribenten haben bei der Zeichnung sofort 40 Percent ihrer Zeichnung zu erlegen, und können jetzt Subscriptionen mit nur 20 Percent Anzahlung keineswegs acceptiert werden. Es wird darauf hingewiesen, dass sich das Directorium zu der oben erwähnten Verschiebung der Termine unter anderem durch die unvorhergesehenen Schwierigkeiten der Absendung der Actien-Zutheilungsbriefe veranlasst sah. Infolge mehrfacher Anfragen erklärt hiermit das Directorium, dass die Actien-Zutheilungshriefe deswegen mit einer gedruckten statt einer geschriebenen Unterschrift des General-Secretärs versehen worden sind, weil eine geschriebene Unterschrift den Zutheilungsbriefen den Charakter von „handschriftlichen“ Briefen gegeben hätte, und dieselben daher dem Briefportozwange unterworfen gewesen wären, was die Versendung dieser ungeheuren Anzahl Briefe sehr vertheuert hätte. Schliesslich werden die Herren Actionäre davon in Kenntnis gesetzt, dass bis jetzt für 250.010 Shares Zutheilungsbriefe versandt worden sind, im Laufe dieses Monats weitere Zahlungsbriefe für noch 40.000 Shares und im Monat December weitere Partien zum Versandt kommen werden. James H. Loewe, General - Secretär. Correspondenzen. Oesterreich-Ungarn. Wien. Das im. Sinne des neuen Organisationsstatuts vor kurzem ins Leben gerufene zionistische Districts-Comite für Nieder Österreich veranstaltete am 1. d. M. im Festsaale des „Hotel Continental“ eine grossangelegte Versammlung mit der Tagesordnung: „Die jüngsten Judenkrawalle in Böhmen und Mähren.“ Das Referat erstattete Herr Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Ernst Franz Weis 1. Schon lange vor Beginn der auf 8 Uhr abends angesetzten Versammlung waren Saal und Tribünen gedrängt voll. Der Verlauf der Versammlung war ein durchaus würdiger, und die Debatte bewegte sich in vornehmen parlamentarischen Formen, so dass der Vorsitzende Herr Dr. Leop. Kahn die Versammlung mit Fug und Recht als Muster für andere derartige Veranstaltungen bezeichnen konnte. In das Bureau, dem circa 40 Ordner zur Seite standen, wurden auf Antrag des Herrn Dr. Siegmund Werner folgende Herren gewählt: Dr. Kahn als Vorsitzender, N. Stern und Architekt Marmore k als Vicepräsidenten, Dr. Löbl und B. Levysohn als Schriftführer. Nachdem der Vorsitzende an die so zahlreich Erschienenen einige Dankesworte gerichtet hatte, bestieg Herr Dr. Weist, stürmisch acclamiert, die Tribüne. Er führte in einer anderthalbstündigen, wahrhaft glänzenden und an vielen Stellen durch rauschenden Beifall unterbrochenen Rede aus, dass der schmähliche Bankbruch der Assimilation noch niemals so offenkundig zutage getreten sei, wie bei Gelegenheit der jüngsten Excesse. Redner gab einen geschichtlichen Ueberblick über die gegen die Juden in Böhmen und Mähren vom Anbeginne ihrer Niederlassung in diesen Ländern verübten Gewalttätigkeiten, als deren geradlinige Fortsetzung die Ausschreitungen von Holleschau, Wsetin, Polna etc. anzusehen seien. Die staatsgrundgesetzlich gewährleistete Gleichberechtigung, die redlichsten Anpassungsbemühungen der jüdischen „Czechen“ und „Deutschen“, haben die Beziehungen zwischen der autochthonen Bevölkerung und der stammfremden Judenheit nicht ertäglicher zu gestalten vermocht. Die liberale Partei, die von den Antisemiten als „Judenschutztruppe“ verschrieen wird, habe sich für uns niemals ernstlich eingesetzt und den Juden überhaupt mehr geschadet als genützt. Auch von den anderen Parteien haben wir nichts zu erwarten. Wir müssen uns selber helfen. Schliessen wir uns zusammen, schaffen wir uns eine nationale Organisation und vermittelst derselben eine gesicherte Heimstätte für die Heimatlosen unseres Volkes. — Minutenlanger Applaus ertönte, als der Redner die Tribüne verliess; von allen Seiten wurden ihm lebhafte Ovationen dargebracht. Nach einer kurzen Pause eröffnete der Vorsitzende die Discussion, an der sich die Herren Ignaz W e i s s, Egon Lederer, Markus J o k e 1 und N eune r betheiligten. Herr Hofbauer musste auf das Wort verzichten. Herr Dr. Siegmund Werner schlug folgende Resolution vor, die von der Versammlung einstimmig angenommen wurde : „Die im „Hotel Continental“ am 1. November 1899 tagende jüdische Volksversammlung spricht ihre tiefste Entrüstung aus über die Vorgänge, denen wieder einmal in jüngster Zeit jüdisches Gut und Blut zum Opfer gefallen ist, und durch welche hunderte von jüdischen Familien nicht nur an den Bettelstab gebracht, sondern auch an Leib und Leben bedroht wurden. Wir Versammelten erklären gleichzeitig, dass wir die einzige wahre Hilfe für die Juden in der Selbsthilfe erblicken, sowie in der Schaffung einer gesicherten Heimstätte für alle unsere Verfolgten.“ Damit wurde die Versammlung nach 11 Uhr unter grosser Bewegung geschlossen. B. Wien. Die akad. Verbindung „Libanonia“ veranstaltete am 25. v. M. den Eröffnungs-Commers des XL Semesters. Der Festabend, der in glänzender Weise verlief, war zahlreich besucht. Unter den Gästen befand sich Herr Dr. Th. Herzl, ferner die Vertreter der Verbindungen „Geulah“, „Astra“, „Severitas“, „Massada“. Der Präses cand. med. Oscar Rosenberger betonte in seiner Festrede die Nothwendigkeit des Zionismus für die Juden. Dr. Herzl richtete hierauf an die Verbindung eine Ansprache, die von den Anwesenden mit grossem Enthusiasmus aufgenommen wurde. Cand. med. David Huschak widmete einige Worte den anwesenden Damen. Von den weiteren Reden sei zu erwähnen die inhaltsreiche Ansprache des Fuchsen, cand. techn. Ignaz Kohn, der den AH. AH. und Gönnern der Verbindung für ihr bedeutungsvolles Wirken dankte. Im Namen der Alten Herren dankte der Gründer der „Libanonia“ AH. E. B. Frey. Er gab in seinen Ausführungen ein Bilcl der Entwicklung des Verbindungslebens, das den energischen Kampf um die geraubten Rechte unseres Volkes einerseits, das innige, brüderliche Zusammentreten der Couleurbrüder andererseits zu seinem Programme gemacht hat. Ein gemüthlicher Theil beschloss den Gommers, der zu den herzlichsten Festen der „Libanonia“ zu zählen ist. Wien. Freitag den 10. d. M., halb 8 Uhr abends, hält Herr Redacteur Hermann Berliner im Locale des Vereines „Zion“, II., Gredlergasse 9, einen Vortrag über „Das jüdische Drama vor 1803 Jahren unter dem Gesichtswinkel des neuen Testaments.“ Gäste, auch Damen, sind herzlichst wi 1 {kommen. Wien. Der „Zionistische Frauenverein Wien“ hält Samstag, den 11. d. M., abends 8 Uhr, im Restaurant Khuner, I., Adlergasse, seinen ersten Vereins abend in dieser Saison mit folgender Tagesordnung ab : 1. Bericht über den 111. Zionisten-Congress. % Vortrag des Herrn Dr. Siegmund Werner „Ueber das jüdische Weib und die jüdischen Renaissance-ßstrebungen“. Gäste herzlichst willkommen! Lemberg. Noch ist Polen nicht verloren, solange „wir“ leben. „Wir“ Juden empfinden nämlich nicht die geringste Sehnsucht nach Zion — sagt der Dr. Byk. D«nn „wir“ sprechen nicht nur polnisch, sondern all unser Denken und Empfinden ist ausschliesslich polnisch —- sagt der Dr. Byk. Er hat es aber bei. dem Bankett anlässlich