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Die Welt · 1899-11-10 · 45 (10.11.1899) · p. 8

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
45 (10.11.1899)
Article
Das Odessaer Local-Comité
Date
1899-11-10
Page
8 (sequence 2)
Language
German
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Seite 8 „Die Hi Welt“ Nr. 45 gewählt wurde, sowie auch die Commission, die mit der Beschaffung der Mittel für die Erbauung eines jüdischen Volkshauses in Odessa betraut ist, im Laufe des bevorstehenden Winters ihre Thätigkeit beginnen. Jüdische Hilfsbereitschaft. In der letzten Zeit sind an den Ausschuss des segensreich wirkenden „Vereines zur Verbreitung der Bildung unter den Juden Russlands“ zahlreiche Gesuche von solchen Leuten aus der Provinz eingelaufen, die sich einen gewissen Grad von Schulbildung aneignen oder zur Lehramtsprüfung vorbereiten möchten und die Bitte stellen, der Verein möge ihnen die erforderlichen Lehr-und Lesebücher unentgeltlich zur Verfügung stellen. Der Ausschuss wandte sich an die Petersburger Mitglieder des Vereines mit der Bitte, den Petenten zuhilfe zu kommen. In kurzer Zeit lief nun beim Ausschuss eine sehr beträchtliche Zahl von Büchern aller Art ein. die rasch in die Provinzstädte versendet wurden. Jüdische Pharmaceuten an der Charkower Universität. Die russische Zeitschrift „Juszny Kraj“ meldet, dass sich heuer 110 Juden um das Recht zur Theilnahme an den pharmaceutischen Cursen der Charkower Universität beworben haben, von denen jedoch bloss 4 aufgenommen worden seien. Ein interessanter Gast stattete zu Beginn dieser Woche unserer Redaction einen Besuch ab. Herr Elia Cohen aus der persischen Hauptstadt T e h e r a n, ein in seiner Heimat sehr geschätzter Arzt, hat die weite Reise nach Wien nicht gescheut, um die zionistischen Führer persönlich kennen zu lernen und Herrn Dr. Theodor Herzl Vorschläge zu unterbreiten in Betreff der Schaffung einer geeigneten zionistischen Organisation für die Juden des Orients. Cohen ist nur einer europäischen Sprache vollkommen kundig, der englischen. Seine Muttersprache ist das Persische. Ausserdem spricht er arabisch und ein überaus wohlklingendes Hebräisch. Die Lage der persischen Juden schildert er als unsäglich jammervoll. Cohen gedenkt in einigen Tagen die Heimreise anzutreten. Die Trennung der Synagoge vom Staate wird von einer Gruppe französischer Juden * in einer an die Kammern gerichteten Petition gefördert. Namentlich handelt es sich den Petenten um die Aufhebung der Decrete vom 30. Mai 1800 und 17. März 1808, welche den jüdischen Cult ebenso sehr vom Staate abhängig machen, wie die christlichen Kirchen, ferner um die Annullierung des Gesetzes vom 8. Februar 1831, welches die Subventionierung der Rabbiner regelt. Der Zweck dieser Petition ist die Befreiung des jüdischen Cults vom Einflüsse der Staatsgewalt. Das Budget für die Zwecke des jüdischen Gottesdienstes ist «nicht gross, dagegen ist hiedurch die freie Bewegung der Consistorien und Rabbinate gehemmt. Die Petition dürfte voraussichtlich ohne Erfolg sein. Eine Schilderreform. Dem „Rig. TV wird über folgende Senatsentscheidung aus Petersburg berichtet: Vor fast zehn Jahren, nämlich im Jahre 1890, wurde von dem früheren Petersburger Stadthauptmann die Verfügung getroffen, dass die jüdischen Händler auf ihren Schildern genau den Tauf- und Vatersnamen neben dem Familiennamen anzugeben hätten, also beispielsweise Moisscj Möissejewitsch Rabinowitsch u. s. w. In der russischen Presse wurde diese Verfügung sofort dahin gedeutet, dass dem Publicum eine Art Warnung gegeben werden sollte; Dies ist ein jüdisches Geschäft, kauft nicht bei Juden! In den meisten grösseren Städten folgten die Polizeibehörden eine nach der anderen (darunter auch Moskau und Warschau), dem Petersburger Beispiel, wobei sich in der Provinz zahlreiche Curiosa ereigneten, welche in der That bewiesen, dass das eigentliche Ziel dieser „Schilderreform“ darin bestand, die betreffende Handlung als eine jüdische zu stempeln* So wurde z. B. in Warschau vor einigen Jahren eine gewisse Helene Ruschanski verpflichtet, auf ihrem Schilde das Wort „Jüdin“ hinzuzufügen, da aus dem Namen die Nationalität der Besitzerin des Geschäftes nicht hervorgehe. Aber auch in Petersburg selbst ereigneten sich die verschiedensten Willkürlichkeiten. Einem gewissen Isidor Nuchimowitsch Kogeljanski z. B. wurde aufgetragen, auf dem Schilde seinen Taufnamen „Isidor“ wegzulassen, da derselbe kein jüdischer sei. und sich nur mit „Nuchimowitsch Kogeljanski“ zu begnügen. In diesem Falle half dem betreffenden Geschäftsmanne kein Hinweis darauf, dass er ja nach der allgemeinen Verordnung auch seinen Tauf-, resp. Rufnamen anzugeben hätte. Es ist begreiflich, dass sich die jüdischen Geschäftsleute unter dieser Handhabung der Schilderfrage sehr unbehaglich fühlten und viele sogar bedeutende materielle Schädigungen erfuhren. So entschlossen sich denn einige Händler, die endgültige Entscheidung der höchsten Rechtsbehörde, des Senats, über die Polizeiverfügung anzurufen. Die Sache hat lange bei dem mit Rechtssachen überbürdeten Senat gelegen, ist aber jetzt doch endlich in einem für die Petenten günstigen Sinne zur Entscheidung gelangt. Der Senat hat erkannt, dass die Schilderverfügung sich auf keinen Gesetzesparagraphen stützen kann und daher aufzuheben ist. Eine neue Tailor’s Union hat sich soeben in London, Brick Lane, E., gebildet. Sfe führt den Namen: „Jewish National Tailors, Machinists and Pressers Union“ und hat ihr Versammlungslocal in den Räumen der Talmud Thora. Jüdische Encyklopädie. Das bedeutende New-Yorker Verlagshaus Funk & W agnalls hat die Herausgabe einer jüdischen Encyklopädie beschlossen. Der erste Band des auf zwölf Bände berechneten Werkes soll um Ostern 1900 erscheinen. In Capstadf existiert seit kurzer Zeit eine jüdische Volksschule, die von der Regierung kräftig unterstützt wird. Zu ihrem Etat von rund 1250 Pfund Sterling leistet dieselbe einen Zuschuss von 25 Percent. Magyarisches. Wegen Vergehens gegen die freie Ausübung der Religion werden sich demnächst der Bauer Carl Särosi sammt Genossen vor Gericht zu verant Worten haben, weil sie so boshaft waren, die vom Juden Salomon Freireich in Na gy-Säros für das jüngste Laubhütten fest errichtete „S u k k a h“ n i e d e r z u r e i s s e n. Die vier Individuen verübten den Streich aus purem Judenhass. Synagogenbau. Aus Kaschau wird gemeldet: „Seit einigen Jahren hat sich die hiesige israelitisch-orthodoxe Gemeinde derart vergrößert, dass sich ihre Synagoge während der abgelaufenen hohen Feiertage als zu klein erwiesen hat. Demzufolge hat die erwähnte Gemeinde den Beschluss gefasst, ihre Synagoge in ein Lehrhaus (Bethhamidrasch) umzugestalten und an ihrer Stelle ein neues grosses Gotteshaus zu erbauen. Der Bau der neuen Synagoge, für welche die Pläne bereits eingereicht sind, soll schon binnen kurzem beginnen. Personalnachrichten. Wie wir im „Hebrew Standard“ les-n, wird unser ausgezeichneter Gesinnungsgenosse Rev. Stephen S. W L s e einem Rufe der Gemeinde „Beth Israel“ in Portland (Oregon), die ihn zum Rabbiner gewählt hat, am 1. September des künftigen Jahres (wo sein Vertrag mit der Gemeinde „Benei Jeschurun“ in New-York abläuft) Folge leisten. — Unser Gesinnungsgenosse Dr. Bernard Fernhoff, der am ersten Baseler Congresse theilgenommen hat in Stanislau eine Advocaturskanzlei eröffnet. Der Wochenbericht des Matrikelamtes der israelitischen Cultusgemeinde vom 22. bis 28. October 1899 verzeichnet 48 Geburten, 7 Trauungen und 40 Sterbefälle.

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